Donnerstag, 28 September 2017 07:37

Tigerotter

 Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Schlangen (SERPENTES)
Überfamilie: Nattern- und Vipernartige (Colubroidea oder Xenophidia)
Familie: Giftnattern (Elapidae)
Unterfamilie: Echten Giftnattern (Elapinae)

D LC 650

Gewöhnliche Tigerotter

Notechis scutatus • The Tiger Snake • Le serpent-tigre

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Tigerotter (Notechis scutatus) im Urimbirra Wildlife Park, Südaustralien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung der Tigerotter (Notechis scutatus)

 

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Tigerotter (Notechis scutatus) im Cleland Wildlife Park, Südaustralien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Tigerotter (Notechis scutatus) © © Queensland Government, reproduced under Creative Commons Attribution 3.0 Australia (CC BY) licence

 

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Tigerotter (Notechis scutatus) im Cleland Wildlife Park, Südaustralien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Die Tigerotter ist eine relativ kurze, etwas plumpe Giftschlange aus dem Süden Australiens, die in europäischen Zoos nur ausnahmsweise zu sehen ist.

Körperbau und Körperfunktionen

Tigerottern werden meist etwa 1.20 m, gelegentlich bis 1.50 m lang. Sie sind kräftig gebaut, der Kopf ist kaum vom Hals abgesetzt. die Augen sind klein mit runder Pupille. Die Färbung ist sehr variabel, von hellgrau über rotbraun bis olivgrün, oft mit mehr oder weniger deutlichen hellen Querbändern. Die Unterseite ist gelb. Es gibt auch ganz schwarze Exemplare [3: 4; 6]. 

Verbreitung

Süden und Südosten Australiens: New South Wales, Queensland, Südaustralien, Tasmanien, Westaustralien [1; 2].

Lebensraum und Lebensweise

Die Tigerotter lebt in der Nähe von Wasserläufen, etwa in Galeriewäldern, oder auf Inseln. Sie ernährt sich hauptsächlich von Amphibien, gelegentlich von Echsen, Kleinsäugern und allenfalls Jungvögeln. Die Art ist ovovivipar. Die Würfe umfassen 10-90(-107) Junge, die bei der Geburt etwa 25 cm lang sind [2; 3; 4].

Gefährdung und Schutz

Einzelne Populationen sind zwar durch intensivierte landwirtschaftliche Nutzung gefährdet. Für die Art insgesamt, die eine weite Verbreitung und einen großen Gesamtbestand hat, trifft die nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2010 aber nicht zu [2].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Es gelten Ausfuhrbeschränkungen Australien.

Bedeutung für den Menschen

In Südaustralien wird ein großer Teil der Todesfälle durch Schlangenbiss durch Tigerottern verursacht [3].

Haltung

Die Tigerotter gehört zu den "Gefahrtieren", deren Haltung in manchen deutschen Bundesländern unter sicherheitspolizeilichen Aspekten eingeschränkt oder geregelt ist.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in Europa nur sporadisch gezeigt. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Die Art ist weder im Reptiliengutachten 1997 des BMELF, noch in der Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) oder der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1861 von Wilhelm PETERS, der ab 1857 Direktor des Zoologischen Museums Berlin und ab demselben Jahr bis 1869 Direktor des Zoologischen Garten Berlin war, als "Naja (Hamadryas) scutata" beschrieben. Der heute gültige Name wurde 1896 von dem am British Museum tätigen belgischen Zoologen George Albert BOULENGER vergeben [6].

Literatur und Internetquellen

  1. ATLAS OF LIVING AUSTRALIA
  2. COGGER, H. (2010). Notechis scutatus. The IUCN Red List of Threatened Species 2010: e.T169687A6666605. http://www.iucnredlist.org/details/169687/0. Downloaded on 05 October 2017.
  3. MEHRTENS, J. M. (1993)
  4. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)
  5. THE REPTILE DATA BASE
  6. WILSON, S. & SWAN, G. (2013)

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Freigegeben in Giftnattern
Donnerstag, 29 Juni 2017 16:39

DAUDIN, F. M. (1802-05)

Histoire naturelle, générale et particulière, des reptiles.

Ouvrage faisant suite à l'Histoire naturelle générale et particulière, composée par Leclerc de Buffon, et rédigée par C.S. Sonnini.

Tome 1 - 8 . Imprimerie de F. Dufart, Paris

DAUDIN's Naturgeschichte der Reptilien, die im Rahmen der Sonnini-Ausgabe von Buffon´s Naturgeschichte herausgegeben wurde, galt als Standardwerk und zu seiner Zeit vollständigstes Werk über Reptilien. Er beschrieb darin nach eigenen Angaben 517 Arten basierend auf 1100 Exemplaren, darunter einige Erstbeschreibungen. Das waren dreimal mehr Arten als in dem zuvor erschienenen Werk von Bernard Germain Lacépède.

Freigegeben in D
Sonntag, 16 April 2017 13:27

Buschbock

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Echte Rinder (Bovinae)
Tribus: Afrikanische Waldböcke (Tragelaphini)

D LC 650

Buschbock oder Schirrantilope

Tragelaphus scriptus • The Bushbuck • Le guib harnaché

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Weiblicher Buschbock (Tragelaphus scriptus sylvaticus) im Uganda Wildlife Education Cente, Entebbe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Buschbocks (Tragelaphus scriptus)

 

 

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Männliche Senegal-Schirrantilope (Tragelaphus s. scriptus) im Gladys Porter Zoo, Brownsville, Texas © Johannes Pfleiderer, Zoo Duisburg

 

 

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Weiblicher Buschbock (Tragelaphus scriptus) im Zoo Dvůr Králové © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Buschböcke (Tragelaphus scriptus sylvaticus) im Uganda Wildlife Education Cente, Entebbe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Männlicher Chobe-Buschbock (Tragelaphus scriptus ornatus) im Victoria-Falls-Nationalpark, Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Weiblicher Chobe-Buschbock (Tragelaphus scriptus ornatus) im Chobe-Nationalpark, Botswana © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Weiblicher Buschbock (Tragelaphus scriptus sylvaticus, früher T. s. massaicus) im Aruscha-Nationalpark, Zansania © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Männlicher Kap-Buschbock (Tragelaphus scriptus sylvaticus) im Mapungubwe-Nationapark, Limpopo-Provinz, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Männlicher Kap-Buschbock (Tragelaphus scriptus sylvaticus) im Tygerberg-Zoo, Kraaifontein © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Der Buschbock ist eine kleinere, äußerst attraktive Antilope mit deutlichem Sexualdimorphismus, die sowohl für das allgemeine Publikum als auch für die Zoopädagogik interessant wäre, die aber als weit verbreitete, nicht gefährdete Art vom Europäischen Zoo- und Aquarienverband als nicht prioritör eingestuft wurde und daher in den Zoos mittlerweile ausgestorben ist.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Buschbock ist der kleinste der afrikanischen Waldböcke. Er zeigt einen stark ausgeprägten Sexualdimorphismus. Die Böcke erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 114-150 cm, eine Schulterhöhe von 80 (65-100) cm und ein Gewicht von 40-80 kg. Die Ricken werden bis 132 cm lang, 70 (61-85) cm hoch und 24-60 kg schwer. Der Schwanz wird etwa 19-24 cm lang. Wie bei den anderen afrikanischen Waldböcken haben die Böcke schraubenartig gedrehte Hörner, die 40-55 cm lang werden können. Das Fell zeigt bei beiden Geschlechtern ein auffallendes Muster weißer Punkte und Streifen, wobei es erhebliche regionale Unterschiede gibt. An der Halsunterseite verlaufen 1-2 weiße Querbänder, die Schwanzunterseite ist weiß, die Schwanzspitze kann schwarz sein. Die Beine können je nach Unterart einfarbig sein oder eine weiß oder schwarzweiße Zeichnung aufweisen. Die Grundfarbe ist regional variabel, bei den Ricken meist rotbraun, bei den Böcken etwas dunkler, kastanienbraun oder schwarzgrau [2; 5; 8].

Verbreitung

Afrika südlich der Sahara: Angola, Äquatorialguinea, Äthiopien, Benin, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Elfenbeinküste, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Kongo, Kongo Dem., Liberia, Malawi, Mali, Mauretanien, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, Sambia, Senegal, Sierra Leone, Simbabwe, Somalia, Südafrika, Südsudan, Sudan, Swasiland, Tansania, Togo, Tschad, Uganda, Zentralafrikanische Republik [4].

Lebensraum und Lebensweise

Buschböcke benötigen Lebensraum mit viel Deckung. Sie kommen in Wäldern, vorzugsweise an Waldrändern, Galeriewäldern, Dickichten und Zuckerrohrpflanzungen vor. Die Nahrung dieser Selektiväser besteht überwiegend aus Blättern und Zweigen, aber auch zarte Gräser werden genommen. Buschböcke leben solitär, sind aber nicht territorial, sondern haben überlappende Streifgebiete [5; 8].

Es gibt keine definierte Fortpflanzungsperiode, allenfalls saisonale Spitzen der Brunftaktivitäten und der Geburten. Nach einer Tragzeit von rund 180 Tagen wird in der Regel ein einzelnes Kitz mit einem Gewicht von 3.1-4.5 kg geboren. Angaben über das Erreichen der Geschlechtsreife sind widersprüchlich. Bei Ricken dürfte dies mit etwa 1 Jahr der Fall sein, bei Böcken mit 1.5 Jahren, wobei sie effektiv meist erst mit 3 Jahren zur Forspflanzung kommen [5; 6; 8].

Gefährdung und Schutz

Der Buschbock hat eine sehr weite Verbreitung und einen geschätzten Bestand von 1 bis 1.5 Millionen Adulttieren. Er gilt daher aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 nicht als gefährdet [4].

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt. Die Einfuhr lebender Exemplare aus den Ursprungsländern ist wegen der restriktiven Veterinärbestimmungen der EU so gut wie ausgeschlossen.

Bedeutung für den Menschen

Der Buschbock wird zur Gewinnung von Fleisch und als Sport gejagt. In Ruanda ist sein Fleisch deutlich billiger als jenes von Nutztieren und dementsprechend ist der Buschbock die häufigste Wildtierart, die auf Fleischmärkten angeboten wird. Im Rahmen der Sportjagd werden in Südafrika "Trophy Fees" von etwa 1'200-1'500 USD fällig, in anderen afrikanischen Ländern 400-1'100 USD.

Haltung

In den 1950er Jahren wurde im Zoo Basel ein Buschbockkurze Zeit  gemeinsam mit Sitatungas und Vierhornantilopen gehalten, um 1990 in Hannover gemeinsam mit Kirk-Dikdiks. Eine Gemeinschaftshaltung mit Siatungas sollte sollte wegen der Gefahr der Bastardierung tunlichts vernieden werden

Als Höchstalter gibt WEIGL über 15 Jahre und 3 Monate für ein im Ruhr-Zoo Gelsenkirchen geborenes und später in Hannover gehaltenes gehaltenes weibliches Tier an [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art ist dem Collection Planning der EAZA zum Opfer gefallen und wird heute nicht mehr gehalten. Die britische (europäische?) Erstzucht gelang  1841 in der Menagerie des Earl of Derby in Knowsley (heute Safaripark). Der letzte Hinweis auf eine Nachzucht in Europa im International Zoo Yearbook bezieht sich auf das Jahr 1991 (Zoo Hannover). Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für bis zu 5 Tieren ein Gehege von mindestens 200 m² zur Verfügung stehen. Für jedes weitere Tier kommen 20 m² zur Basisfläche dazu. Zudem wird ein Stall von etwa 3 m²/Tier vorgegeben.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für theoretisch bis zu 10 Tieren ein Gehege mit Trenn- oder Absperrmöglichkeit vor, dessen Grundfläche 500 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 40 m² zur Basisfläche dazu. Ferner ist ein Stall mit einer Fläche von 4 m²/Tier erforderlich.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für 1-5 Tiere ein Außengehege von 500 m² erforderlich, für jedes weitere 50 m² mehr. Zudem ist ein beheizter Stall mit einem Mindestausmaß von 4 m² pro Tier mit einer Mindesttemperatur von 10°C vorgeschrieben. Die Haltung hat in Gruppen mit einem erwachsenen Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs zu erfolgen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Buschbock wurde 1766 vom Berliner Naturforscher Peter Simon PALLAS, den Katharina die Große als Professor nach Petersburg berufen hatte, als "Antilope scripta" anhand eines Exemplars aus dem Senegal erstmals wissenschaftlich beschrieben. 1816 stellte ihn der französische Zoologe Henri Marie Ducrotay de BLAINVILLE als Typusart in die neue Gattung Tragelaphus. Traditionell wurde die Art in über 20 (bis etwa 40) Unterarten aufgeteilt. 2005 waren es noch 9. GROVES & GRUBB splitteten in ihrer umstrittenen Huftier-Taxonomie den Buschbock in 8 Arten auf, was Eingang in das Handbuch der Säugetiere fand, aber von der IUCN im Rahmen der Roten Liste nicht mitgemacht wurde [1; 3; 4, 8; 9].

  • Senegal-Buschbock (Tragelaphus s. scriptus): Gambia, Guinea, Guinea-Bissau, Liberia, Mali, Mauretanien, Senegal, Sierra Leone
  • Kongo-Buschbock (Tragelaphus s. phaleratus): Schließt östlich an scriptus an, Südgrenze vermutlich Ubangi und Kongofluss
  • Sudan-Buschbock (Tragelaphus s. bor): Schließt östlich an phaleratus an, wobei die Abgrenzung unklar ist, geht im Osten über den Nil hinaus
  • Äthiopien-Buschbock (Tragelaphus s. decula): Tiefere Lagen von Äthiopien, ferner Eritrea, Dschibuti und Südsudan
  • Hochland-Buschbock (Tragelaphus s. meneliki): Nur im Hochland von Äthiopien
  • Ostküsten-Buschbock (Tragelaphus s. fasciatus): Von Süd-Äthiopien und Somalia bis Nordost-Tansania
  • Sambia-Buschbock (Tragelaphus s. ornatus): Vom Kongofluss an südwärts bis ins nördliche Botswana und Namibia, im Osten bis Tanganyika und Njassasee
  • Südlicher Buschbock (Tragelaphus s. sylvaticus): Im Osten des Kontinents vom Südsudan bis ins Kapland

Literatur und Internetquellen

  1. GROVES, C.P. & GRUBB, P. (2011)
  2. GRZIMEK, B. (ed., 1970)
  3. HALTENORTH, T. & TRENSE, W. (1956)
  4. IUCN SSC Antelope Specialist Group 2016. Tragelaphus scriptus (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22051A115165242. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22051A50196111.en. Downloaded on 24 March 2019.
  5. MILLS, G & HES, L. (1999)
  6. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  9. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Weiblicher Buschbock Tragelaphus scriptus sylvaticus) in seinem natürlichen Lebensraum im Pilanesberg-Nationalpark © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Freigegeben in Rinder und Waldböcke
Freitag, 14 April 2017 13:06

Südlicher Baumschliefer

Überordnung: AFROTHERIA
Taxon ohne Rang: PAENUNGULATA
Ordnung: Schliefer (HYRACOIDEA)
Familie: Schliefer (Procaviidae)

D LC 650

Südlicher Baumschliefer

Dendrohyrax arboreus • The Southern Tree Hyrax • Le daman des arbres

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Südlicher Baumschliefer (Dendrohyrax arboreus) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Südlichen Baumschliefer (Dendrohyrax arboreus) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Südlicher Baumschliefer (Dendrohyrax arboreus) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Sü'dliche Baumschliefer (Dendrohyrax arboreus) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Rückenfleck eines Südlichen Baumschliefers (Dendrohyrax arboreus) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Aufgrund ihrer anatomischen Besonderheiten und ihrer Eigenschaft als kleine Verwandte der Elefanten bieten die Schliefer Stoff für die Zoopädagogik. Anhand der Baumschliefer kann zudem über die Problematik des Buschfleischhandels und die zunehmende Waldzerstörung in Afrika informiert werden. Allerdings sind die hauptsächlich nachtaktiven Baumschliefer sehr viel seltener in europäischen Zoos zu sehen als die tagaktiven Klippschliefer.

Körperbau und Körperfunktionen

Südliche Baumschliefer haben eine Kopf-Rumpflänge von 35-55(32-60) cm und wiegen (1.7-)2.5-4.5 kg. Es gibt kaum einen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Das Fell ist dunkelbraun bis grau gefärbt, wobei Tiere aus Gebieten mit höherem Niederschlag dunkler sind, auf der Bauchseite hellgrau, cremefarben oder weiß. Es ist dicht und verhältnismäßig lang, insbesondere die weißen oder gelben Randhaare der Rückendrüse, die 23-30 mm messen und aufgestellt werden können. Ein weißer Kinnfleck ist nicht vorhanden [2; 3; 4; 5; 7].

Verbreitung

Ost- und Südafrika: Angola, Burundi, Kenia, Kongo Dem., Malawi, Mosambik, Ruanda, Sambia, Südafrika (Ost-Kap, KwaZulu-Natal), Tansania [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Südliche Baumschliefer besiedelt unterschiedliche Waldtypen, Feuchtsavannen und Dickicht. Die Tiere halten sich oft hoch in den Bäumen oder in Baumhöhlen auf. Letztere sind eine wesentliche Anforderung, wobei Bäume mit vielen Höhleneingängen bevorzugt werden. Sie sind wählerische Laubfresser, wobei in Südafrika Blätter von Podocarpus falcatus, Schotia laitifolia und Euclea natalensis bevorzugt werden. Gebietsweise wollen sie auch Insekten fressen. Nach einer Trächtigkeit von 220-240 Tagen werden 1-2(-3) voll behaarte und sehtüchtige Junge mit einem Geburtsgewicht von 300-350 g geboren, die ab dem ersten Lebenstag geschickt klettern können. Sie werden 3 Monate lang gesäugt, nehmen aber bereits ab dem 2.-3. Lebenstag feste Nahrung zu sich [1; 4]

Gefährdung und Schutz

Die Art ist weit verbreitet, hat eine großen Bestand und kommt in zahlreichen Schutzgebieten vor. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2013 wurde sie deshalb als nicht-gefährdet eingestuft. Die Entwicklung sollte jedoch überwacht werden, weil ihre Lebensräume in Süd- und Ostafrika abnehmen [1].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Südliche Baumschliefer werden zur Gewinnung von Fleisch und Fellen mit Schlingen gefangen [1].

Haltung

Baumschliefer sind zur Haltung als Heimtiere wenig geeignet. Sie werden zwar zahm und stubenrein, setzen aber Harn als Duftmarke auf Möbelstücken ab und fressen Zimmerpflanzen [5]. Als Höchstalter werden 13 Jahre und 7 Monate angegeben. Dieses wurde von einem männlichen Tier erreicht, das aus der Wildbahn stammte und in Privathand gehalten wurde [6].

Haltung in europäischen Zoos: Im Gegensatz zu Klipp- und Buschschliefern werden Baumschliefer in europäischen Zoos nur sehr selten gezeigt. Dies gilt für beide Arten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL ist die Art nicht erwähnt. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 20.03.2018) schreibt für 1-5 Tier ein Außen- und Innengehege von je 16 m² / 40 m vor. Für jedes weitere Tier kommen jeweil 3 m² zur Basisflächen dazu. Es steht zu vermuten, dass sich die Anforderungen der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) nur auf Klipp- und Buschschliefer beziehen, auch wenn das nicht so angegeben ist. Für Baumschliefer wären sie jedenfalls inadäquat.

 Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1827 von dem schottischen Militärarzt und Zoologen Andrew SMITH als "Hyrax arboreus" beschrieben. John Edward GRAY vom British Museum in London stellte sie 1868 als Typusart in die neue Gattung Dendrohyrax. Es wurden acht Unterarten beschrieben, die aber schwierig voneinander abzugrenzen sind und von denen eine heute nicht mehr anerkannt wird. Ob es sich beim Östlichen Baumschliefer (Dendrohyrax validus) effektiv um eine eigenständige Art handelt wird z.T. angezweifelt [3; 7; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. BUTYNSKI, T., HOECK, H. & DE JONG, Y.A. 2015. Dendrohyrax arboreus. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T6409A21282806. http://www.iucnredlist.org/details/6409/0. Downloaded on 17 April 2018.
  2. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  3. HAHN, H. (1959)
  4. MILLS, G & HES, L. (1999)
  5. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  8. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Freigegeben in Afrotheria
Donnerstag, 13 April 2017 08:44

Krabbenwaschbär

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Kleinbären (Procyonidae)

D LC 650

Krabbenwaschbär

Procyon cancrivorus • The Crab-eating Raccoon • Le raton crabier

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Krabbenwaschbär (Procyon cancrivorus) im Zoo von San José, Costa Rica © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Krabbenwaschbärs (Procyon cancrivorus)

 

 

 

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Krabbenwaschbär (Procyon cancrivorus) im Zoo Karlsruhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Krabbenwaschbär (Procyon cancrivorus) im Zoo Dortmund © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Krabbenwaschbär (Procyon cancrivorus) im Papiliorama Kerzers © Papiliorama

 

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Der Krabbenwaschbär wird in Europa nur ganz selten gezeigt. Dies könnte sich ändern, weil er, im Gegensatz zu seinem nordamerikanischen Vetter, nicht auf der EU-Liste der invasiven Arten aufgeführt ist und daher dessen Stelle einnehemen könnte.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Krabbenwaschbär hat zumindest in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet keine Unterwolle und wirkt dadurch schlanker als sein nordamerikanischer Vetter. Die Grannenharrae sind kürzer und rauer als beim gewöhnlichen Waschbären, der Schwanz ist weniger buschig. Im Nacken sind die Haare nach vorne gerichtet. Hände und Füße sind dunkel, im Gegensatz zu gewöhnlichen Waschbären, bei dem sie hell sind [2; 3].

Verbreitung

Süd- und Mittelamerika: Argentinien; Bolivien, Brasilien, Costa Rica, Ekuador, Französisch Guiana, Guyana, Kolumbien, Panama, Paraguay, Peru, Surinam, Trinidad und Tobago, Uruguay, Venezuela (1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Krabbenwaschbär ist nachtaktiv, solitär - wobei er gelegentlich in Paaren oder Gruppen angetroffen wird -  und bewegt sich zum Jagen am Boden. Er ernährt sich hauptsächlich von Weichtieren, Krebsen, Fischen und Amphibien, daneben frisst er auch Früchte [1; 3].

Gefährdung und Schutz

Der Krabbenwaschbär ist zwar nicht häufig, hat aber eine weite Verbreitung und seine Bestände sind anscheinend stabil. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 wurde er deshalb als nicht-gefährdet eingestuft [1].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Krabbenwaschbären werden laut IUCN zur Pelzgewinnung gejagt (obwohl die Pelze von minderer Qualiät sind), im Rahmen von Schießübungen getötet oder als Heimtiere gefangen [1].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in nur ganz wenigen Zoos gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein Außengehege für ein Paar mindestens eine Fläche von 30 m² aufweisen. Für jedes weitere Tier kommen 2 m² zur Basisfläche dazu. Das Innengehege, falls erforderlich soll 6 m² x 2.5 m messen, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 3 m zu erhöhen. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 20.03.2018) schreibt für 1-2 Tiere ein Außengehege mit einer Grundfläche von 20 m² und ein Innengehege von 8 m² x 2 m vor. Für jedes weitere Tier kommen 4 bzw. 2m² zur Basisflächen dazu. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) sind für 1-2 Tiere ein Außengehege von 40 m² sowie ein Innengehege erforderlich.

 Taxonomie und Nomenklatur

Der Krabbenwaschbär wurde 1798 vom Direktor der Ménagerie von Paris, Georges CUVIER, als "Ursus cancrivorus" beschrieben und kam später in die vom Tübinger Professor Gottlieb Conrad Christian STORR bereits 1780 für den gewöhnliche Waschbären aufgestellte Gattung Procyon. Es werden 4 Unterarten unterschieden [3; 4].

Literatur und Internetquellen

  1. REID, F., HELGEN, K. & GONZÁLEZ-MAYA, J.F. (2016). Procyon cancrivorus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T41685A45216426. http://www.iucnredlist.org/details/41685/0 . Downloaded on 17 April 2018.
  2. GRZIMEK, B. (Krsg. 1970)
  3. WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2011)
  4. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Mittwoch, 12 April 2017 11:52

Südlicher Seeelefant

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia) bzw. Robben (Pinnipedia)
Familie: Hundsrobben (Phocidae)

D LC 650

Südlicher Seeelefant

Mirounga leonina • The Southern Elephant Seal • L'éléphant de mer du sud

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Südlicher Seeelefant (Mirounga leonina) in der Wilhelma Stuttgart © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Die Wurfkolonien (blau) des Südlichen Seeelefanten (Mirounga leonina) und die Isla de Lobos, Uruguay (rot)

 

 

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Südlicher Seeelefant (Mirounga leonina), Bulle im Zoo Berlin © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Südlicher Seeelefant (Mirounga leonina), Bulle im Marineland Antibes © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Südlicher Seeelefant (Mirounga leonina) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Südlicher Seeelefant (Mirounga leonina), weibliches Tier auf der Isla de Lobos, Uruguay © Peter Dollinger, Zoo Office, Bern

 

 

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Südlicher Seeelefant (Mirounga leonina), Kalb bei Gold Harbor, Südgeorgien © Thomas Kauffels, Opel-Zoo Kronberg

 

 

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Südlicher Seeelefant (Mirounga leonina), Fütterung im Marineland, Antibes © Postkarte

 

 

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Briefmarke Australian Antarctic Territory mit Südlichem Seeelefant (Mirounga leonina) als Motiv

 

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Sondermarken der Falkland-Inseln (2015) zum 20-jährigen Bestehen der Elephant Seal Research Group

 

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Südliche Seeelefanten (Mirounga leonina), Lithografie (1956) von Wilhelm Eigener (1904-1982), der lange Zeit Hausillustrator des Tierparks Hagenbeck war als Motiv

 

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Seeelefanten sind die mit Abstand größten und eindrucksvollsten Robben. Einzelne Tiere wurden sehr populär und waren weit herum unter ihrem Rufnamen bekannt. Selbst nicht gefährdet, sind die Seeelefanten daher ideale Botschafter für den Meeres- und Klimaschutz. Ihr großer Appetit, pro Jahr vertilgt ein erwachsener Seeelefant etwa 18-20 Tonnen Fisch, sorgt allerdings dafür, dass die Zahl der Haltungen klein bleibt.

Körperbau und Körperfunktionen

See-Elefanten sind die größten Robben. Wie die Ohrenrobben zeigen sie einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus: Währenddem die Bullen des Südlichen See-Elefanten (400-)650 cm lang werden und ein Gewicht von (1'500-)3'600 kg erreichen können, werden die Kühe nur 300-350 cm lang und etwa 600-800(-900) kg schwer. Die Nase ist beim Bullen rüsselartig verlängert. Dieser Rüssel, der als Schallverstärker und zum Imponieren dient, kann aufgeblasen werden. Das Haar ist kurz und hart, Unterwolle gibt es nicht. Die Farbe ist oberseits blaugrau bis braun, unterseits heller. Neugeborene Kälber messen etwa 125 cm und sind schwarzbraun gefärbt [1; 7].

Verbreitung

Antarktis und Subantarktis: Antarktis, Argentinien, Australien (mit Macquarie-Inseln), Bouvet-Insel, Chile, Falkland-Inseln, Französische Süd-Territorien (Crozet, Kerguelen), Heard und McDonald-Inseln, Neuseeland (mit subantarktischen Inseln), Sankt Helena, Ascension und Tristan da Cunha, Südgeorgien und Süd-Sandwich-Inseln. Ferner streifen die Tiere in weiter nördlich gelegene Gebiete, so bis Angola, Oman, Peru oder Uruguay [2].

Lebensraum und Lebensweise

Seeelefanten haben ihre Nahrungsgründe zur Hauptsache in den Meeren zwischen 40º südlicher Breite und der Antarktis und ihre Wurfplätze auf Inseln innerhalb dieser Region. Zwischen Nahrungsgrund und Wurfplatz kann eine Distanz von 5'000 km liegen. Sie bilden während der Fortpflanzungsperiode größere Verbände, bei denen die Bullen Harems um sich versammeln. Die Bullen kommen anfangs August auf den jeweiligen Inseln an und kämpfen um Rangordnung und Territorien. Die trächtigen Kühe kommen ab Ende September an und werden in Harems von meist 10-12 Tiere zusammengefasst. Wenige Tage nach Ankunft werden die Kälber geworfen, die dann während 23 Tagen gesäugt und danach an den Rand der Kolonie verbannt werden, um im folgenden Paarungsgeschäft nicht totgedrückt zu werden. Der Haarwechsel findet ebenfalls an Land statt. Danach gehen die Tiere wieder ins Wasser, wo sie einzeln der Nahrungssuche nachgehen. Die Nahrung besteht überwiegend aus Kopffüßern (75%) und Fischen der mittleren und tiefen Wasserschichten. Seeelefanten können bis 2'000 m tief tauchen und bis 120 Minuten unter Wasser bleiben [1; 2; 7].

Im Marineland Antibes wurde ermittelt, dass erwachsene Kühe pro Jahr ca. 3'500 kg Futter zu sich nehmen, ein erwachsener Bulle ca. 8'000 kg, während des Wachstums bis 11'600 kg. Die Nahrungsaufnahme schwankt saisonal. Während der Fortpflanzungsperiode und des Fellwechsels ist sie am tiefsten, nach dem Fellwechsel werden die Energiereserven wieder aufgefüllt. Die beobachtete Futteraufnahme war geringer als die, welche für wildlebende Seeelefanten angenommen wird. Das mag damit zusammenhängen, dass im mediterranen Klima weniger Energie nötig ist, um die Körpertemperatur zu halten, als unter den subarktischen Bedingungen im natürlichen Lebensraum, und dass das Futter serviert wird und nicht mit hohem Energieaufwand erjagt werden muss [3].

Gefährdung und Schutz

An etwa 15 Wurfplätzen werden jährlich um die 200'000 Kälber geboren. Die Art gilt gegenwärtig als sicher und wurde aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2014 als nicht-gefährdet eingestuft [2].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Südliche Seeelefanten wurden während Tausenden von Jahren von den indigenen Völkern Südamerikas und Australiens gejagt. Ab Beginn des 19. bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Bestände kommerziell zur Gewinnung ihrer Speckschicht, die zu einem wertvollen Öl verarbeitet wurde, ausgebeutet. Zuletzt, bis 1964, in Südgeorgien, wo jährlich 6'000 Tiere getötet wurden. Heute sind Seeelefanten nur noch als Attraktion im Tourismus wirtschaftlich relevant [2].

Kulturelle Bedeutung: Als charismatische Tierart hat der Südliche Seeelefant seinen Platz auf zahlreichen Briefmarken der Länder seines Verbreitungsgebiets gefunden.

Haltung

Den publizierten Altersrekord hält ein weibliches Tier, das im Zoo von Antwerpen geboren wurde und ebendort im Alter von 23 Jahren und 8 Monaten starb [6]. Ein wesentliches Problem bei Seeelefanten ist die Aufnahme von Fremdkörpern. Der Südliche Seeelefanten-Bulle "Goliath" des Tierparks Hagenbeck starb 1930 qualvoll an einem verschluckten, abgebrochenen Flaschenhals, ein Seeelefant des Zoo Vincennes an einem verschluckten Tennisball. Als der Nördliche Seeelefantenbulle "Roland" des Berliner Zoos 1961 nach sechsjähriger Haltungsdauer gestorben war, ergab die Sektion eine blutige Magen- und Darmentzündung, verursacht durch zahlreiche verschluckte Pfirsichsteine, Schlackenstücke, Steine, Knöpfe, Holzstäbchen von Speiseeis und einem "Katzenauge". Der bekannte Seeelefantenbulle "Charly" der Stuttgarter Wilhelma musste im Sommer 1996 im Alter von 22 Jahren und 1 Monat eingeschläfert werden, In seinem Magen fand man zwei Stofftiere, Schnuller und unzählige Münzen. Seine Tochter "Isolde" verendete an Kieselsplit, der von Besuchern ins Becken geworfen worden war [1; 4; SZ vom 23.07.2018].

Haltung in europäischen Zoos: Gegenwärtig (2020) gibt es keine Südlichen Seeelefanten in europäischen Zoos. Früher wurden immer wieder Tiere gehalten, zuletzt im Marineland Antibes. Diese lebten zum Teil recht lange. 1977 gelang dem Antwerpener Zoo die erfolgreiche Welterstzucht. Es gab auch sonst zahlreiche Geburten, etwa in den Zoos von Berlin, Duisburg oder Stuttgart, aber die Jungen kamen entweder tot zur Welt oder starben früh. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Seeelefanten sind im Säugetiergutachten 2014 des BMEL nicht erwähnt. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2020) schreibt für 1-3 Tiere ein Gehege mit einer Grundfläche von 250 m² und einer Tiefe von 10(!) m vor. Für jedes weitere Tier kommen 40 m² zur Basisflächen dazu. Weshalb die Beckentiefe gegenüber einer früheren Fassung der Verordnung von 3 auf 10 m erhöht wurde, wurde nicht begründet. Ein so tiefes Becken gibt es weltweit nicht. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) sind für ein Paar mit Jungtier eine Fläche von 400 m² bei einer Tiefe von 3 m erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 40 m² zu vergrößern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Südliche Seeelefant wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Phoca leonina" erstmals wissenschaftlich beschrieben. 1827 wurde er von John Edward GRAY vom British Museum in London in die neue Gattung Mirounga gestellt. Die zweite Art, der Nördliche Seeelefant (Mirounga angustirostris), wurde erst 1866 von dem amerikanischen Zoologen Theodore Nicholas GILL als Macrorhinus angustirostris beschrieben. Die beiden Arten haben keine Unterarten und sind sich sehr ähnlich, Hauptunterschied sind die saisonal unterschiedlichen Fortpflanzungsperioden [2; 7; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  2. HOFMEYR, G.J.G. (2015). Mirounga leonina. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T13583A45227247. http://www.iucnredlist.org/details/13583/0. Downloaded on 16 April 2018.
  3. KASTELEIN, R. A., KERSHAW, J. & WIEPKEMA, P. R. (1991)
  4. KLÖS, H.-G. (1969)
  5. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  8. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Freigegeben in Wale und Robben
Mittwoch, 12 April 2017 10:25

Steller-Seelöwe

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia) bzw. Robben (Pinnipedia)
Familie: Ohrenrobben (Otariidae)

D NT 650

Steller-Seelöwe

Eumetopias jubatus • The Steller's Sea Lion• Le lion de mer de Steller

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Weiblicher Steller-Seelöwe (Eumetopias jubatus) im Dolfinarium Harderwijk © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Steller-Seelöwen (Eumetopias jubatus)

 

 

 

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Weibliche Steller-Seelöwen (Eumetopias jubatus) im Dolfinarium Harderwijk © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Steller-Seelöwen (Eumetopias jubatus) auf den Broken Islands, Kanada © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Schlafende Steller-Seelöwen (Eumetopias jubatus) auf Mitlenatch Island, Kanada © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Als größte Ohrenrobbe wäre der im Freiland potenziell gefährdete Steller-Seelöwe an sich ein attraktives Zootier und eine gute Botschafterart für den Meeresschutz. Er wird in Europa aber nur ausnahmsweise gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Steller-Seelöwe ist die größte Ohrenrobbe. Wie die Mähnenrobbe zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus: Währenddem die Bullen 330-250 cm lang werden und ein Gewicht von 1'000(-1'120) kg erreichen können, werden die Weibchen nur 250-270 cm lang und etwa 270 kg schwer. Der Kopf ist massiv, die Ohren sind kurz und die Schnauze plump. Die Bullen haben eine ausgeprägte Mähne, ansonsten ist das Haarkleid sehr kurz. Die Farbe der Erwachsenen ist gelbbraun, wenn sie trocken sind, die der Jungtiere dunkelbraun [3; 5; 7].

Verbreitung

Nordpazifik mit Ochotskischem, Bering- und Beaufort-Meer: Kanada (Britisch-Kolumbien), Japan, Russland (Ostsibirien, Kamtschatka, Kurilen), USA (Alaska, Aleuten, Kalifornien, Oregon, Washington), gelegentlich Korea Dem, Korea Rep. [2].

Lebensraum und Lebensweise

Steller-Seelöwen haben ihre Paarungs- und Wurfplätze an der Küste oder vorgelagerten Inseln und schwimmen zur Nahrungssuche bis zum Rand des Kontinentalschelfs. Gelegentlich überqueren sie auch tiefere Meeresgebiete. Die Fortpflanzung fällt auf die Periode Mai-Juli, wobei die Bullen schon früher auf den Paarungs- und Wurfplätzen eintreffen, um sich ein Territorium zu sichern. Die Bullen fasten die ganze Zeit, bleiben jedoch stets in Nähe des Wassers und baden viel. Die Tragzeit dauert etwa 11 Monate, wovon 3 Monate auf eine Keimruhe fallen. Die Jungtiere kommen weit entwickelt und mit offenen Augen zur Welt, messen etwa 100 cm und sind 18-22 kg schwer. Die Weibchen bleiben etwa 7-10 Tage bei ihren Jungen an Land, verlassen sie dann jeweils für einen Tag, um im Meer auf Nahrungssuche zu gehen. Etwa 2 Wochen nach der Geburt werden sie wieder gedeckt. Mit etwa einem Jahr, bisweilen später, werden die Jungen entwöhnt. Geschlechtsreife wird mit 3-6 Jahren erreicht, die Bullen sind aber erst ab 9 Jahren in der Lage, ein Territorium zu halten [2; 7].

Steller-Seelöwen sind opportunistische Jäger, die u.a. Pollack (Pollachius pollachius), Pazifischen Kabeljau (Gadus macrocephalus), Pazifik-Lachse (Oncorhynchus spp.), Atka-Makrelen (Pleurogrammus monopterygius), Plattfische, Kopffüßer und andere Weichtiere sowie Krebstiere in Tiefen bis über 400 m fangen. Die mittlere Tauchtiefe liegt bei etwa 45 m. Adulte Bullen jagen auch junge Nördliche Seebären, Seekunde, Ringelrobben und möglicherweise Seeotter [2; 7].

Gefährdung und Schutz

Ab den 1970er Jahren nahm die westliche Population kontinuierlich ab und erreichte um 2000 ihren Tiefpunkt mit noch etwa 30% ihres ehemaligen Bestandes. Damals wurde die Art als stark gefährdet beurteilt. Seitdem ist es zu einer leichten Erholung der westlichen und einer starken Zunahme der östlichen Population gekommen, sodass die Art 2016 als potenziell gefährdet eingestuft wurde [2].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Steller-Seelöwen wurden seit Jahrtausenden von der indigenen Bevölerung im Rahmen der Subsistenzwirtschaft gejagt und stellten eine bedeutende Proteinquelle dar. Heute werden sie von ihr in sehr begrenztem Rahmen (in Alaska etwa 200 Tiere pro Jahr) auch für die Herstellung kunstgewerblicher Artikel gejagt. Im 19. Jahrhundert und bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es eine kommerzielle Bejagung zwecks Gewinnung von Öl, Häuten und des als Heimtierfutter verwendeten Fleischs, oder die Bestände wurden dezimiert, weil sie eine Konkurrenz für die Fischerei darstellten [1; 2].

Haltung

Den publizierten Altersrekord in Menschenobhut hält ein Bulle, der als halbwüchsiges Tier der Natur entnommen wurde und im Ueno Zoo in Tokyo im Alter von 32 Jahren und 10 Monaten  starb [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird nur in sehr wenigen Zoos gehalten. Im deutschsprachigen Raum gibt es seit über 40 Jahren keine mehr. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt kein Europäisches Zuchtbuch oder Zuchtprogramm, es wurden jedoch von der EAZA Haltungsempfehlungen herausgegeben [4].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 gibt für 5 Ohren- bzw. Hundsrobben generell eine Beckenfläche von 200 m² und eine Kubatur von 400 m³ vor bei Wassertiefen, die sich jeweils an der Körperlänge der Tiere orientieren. Wie diese Zahlen zustande kamen, wurde nie begründet. Die Fläche liegt über der Empfehlung der EAZA Best Practice Guidelines und ein fixes Volumen ist sinnfrei, wenn die Wassertiefe auf die Körperlänge der Tiere abgestimmt werden soll. Zudem tragen einheitliche Beckendimensionen dem Umstand nicht Rechnung, dass es massive Größenunterschiede zwischen den einzelnen Arten gibt (mittleres Gewicht weibliche Südamerikanische Seebären 45 kg, Südliche See-Elefanten 700 kg). Eine Differenzierung ist deshalb angezeigt. Für Zucht- oder Weibchengruppe von Steller-Seelöwen ist die Vorgabe des Säugetiergutachtens angemessen.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Becken mit einer Mindestfläche von 150 m² und einer Tiefe von 3 m vor. Für jedes weitere Tier ist die Fläche um 15 m² zu erhöhen. Für die Erhöhung um 50% bei der Beckenfläche und um 150% beim Volumen gegenüber einer früheren Fassung der Verordnung gibt es keine Begründung. Ferner ist ein Landteil von 15 m² pro Robbe erforderlich. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) verlangt für bis zu 5 Tieren ein Becken mit einer Mindestfläche von 300 m² und einer Tiefe von 3 m, für jedes weitere Tier ist die Fläche um 30 m² zu erhöhen. Es ist ein Landteil erforderlich, der es allen Robben erlaubt, sich gleichzeitig am Land aufzuhalten, ferner müssen Absperrboxen vorhanden sein, deren Maße sich nach der Körpergröße der Art richten.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Steller-Seelöwe wurde im Jahr 1776 vom thüringischen Naturforscher Johann Christian Daniel von SCHREBER als "Phoca jubata" beschrieben. 1866 stellte ihn der amerikanische Zoologe Theodore Nicholas GILL als einzige Art in die neue Gattung Eumetopias. Traditionell wurden keine Unterarten anerkannt, erst 2014 akzeptierte das Taxonomie-Komitee der Gesellschaft für marine Säugetierkunde eine Aufteilung in zwei Unterarten: jubatus westlich des 144. Längengrads und monteriensis östlich davon [2; 7; 8]

Literatur und Internetquellen

  1. CASS, V. L. (1985)
  2. GELATT, T. & SWEENEY, K. (2016). Eumetopias jubatus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T8239A45225749. http://www.iucnredlist.org/details/8239/0. Downloaded on 17 April 2018.
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. MEIJER, G. (2008)
  5. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  8. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Freigegeben in Wale und Robben
Montag, 03 April 2017 16:08

Kleines Hasenmaul

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Fledertiere (CHIROPTERA)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Hasenmaulartige (Noctilionoidea)
Familie: Hasenmäuler (Noctilionidae)

D LC 650

Kleines Hasenmaul

Noctilio albiventris • The Lesser Bulldog Bat • Le petit noctilion

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Kleines Hasenmaul (Noctilio albiventris) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Kleines Hasenmaul (Noctilio albiventris) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Kleines Hasenmaul (Noctilio albiventris) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Kleines Hasenmaul (Noctilio albiventris) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Das Kleine Hasenmaul ist wegen seiner spezialisierten Art der Nahrungsbeschaffung von zoopädagogischem Interesse, wird aber in europäischen Zoos nur ausnahmsweise gezeigt, wozu möglicherweise der druchdringende Geruch beiträgt, den die Tiere ausströmen.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Männchen des Kleinen Hasenmauls erreichen im Mittel eine Kopf-Rumpflänge von 75 mm und ein Gewicht von 28.7 g, die Weibchen sind etwas kleiner. Die Ohren sind lang und spitz. Der Rücken ist meist braun, bisweilen rotbraun oder hellbraun, die Körperunterseite ist blasser. Der Name Hasenmaul kommt daher, dass die Oberlippe durch eine senkrechte Hautfalte geteilt wird, also eine Hasenscharte bildet [2; 3].

Verbreitung

Süd- und Mittelamerika: Argentinien Belize; Bolivien, Brasilien, Costa Rica, Ekuador, El Salvador, Französisch Guiana, Guatemala, Guyana, Honduras, Mexiko; Nikaragua, Panama; Paraguay; Peru [1].

Lebensraum und Lebensweise

Das Kleine Hasenmaul nutzt unterschiedliche Lebensräume, tritt aber stets in der Nähe von Gewässern auf. Die Tiere schlafen in Baumhöhlen, im Geäst oder in vom Menschen geschaffenen Strukturen. Sie jagen in kleinen Gruppen von 8-15 Individuen. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Schwimmkäfern und anderen Insekten, die sie von der Wasseroberfläche wegfangen. Pro Jahr wird ein einzelnes Junges geboren [1; 2; 3]

Gefährdung und Schutz

Die Art hat eine weite Verbreitung, einen muztmaßlich großen Bestand und kommt in etlichen Schutzgebieten vor. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 wurde sie deshalb als nicht-gefährdet eingestuft [1].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Art wird wirtschaftlich weder genutzt noch richtet sie Schäden an[1].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in europäischen Zoos nur ausnahmsweise gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Gemäß Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein Gehege für kleine tropische Fledermäuse eine Grundfläche von mindestens 10 m² bei einer Höhe von 2 m haben. Siehe dazu Kommentare der Tierschutzsachverständigen der Zoos bei Brillenblattnase (Carollia perspicillata).

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 20 Tieren die gleichen Zahlen vor, für jedes weitere sind 0.2 m² zusätzliche Fläche erforderlich. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) sind für bis zu 20 Tieren eine Grundfläche von 20 m² und eine Höhe von 2.5 m erforderlich, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 2 m² zu erhöhen. Letzteres ist unsinnig, nachdem für die ersten 20 nur eine Fläche von 1  m² pro Tier verlangt wird.

 Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1848 von dem französischen Zoologen Anselme Gaëtan DESMAREST unter ihrem heute noch gültigen Namen beschrieben. Sie wird in die Untergattung Dirias gestellt, und es werden drei Unterarten differeneziert [4]

Literatur und Internetquellen

  1. BARQUEZ, R., PEREZ, S., MILLER, B. & DIAZ, M. (2015). Noctilio albiventris. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T14829A22019978. http://www.iucnredlist.org/details/14829/0. Downloaded on 15 April 2018.
  2. EISENBERG, J. F. (1989)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Montag, 03 April 2017 16:03

Gemeiner Vampir

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Fledertiere (CHIROPTERA)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Hasenmaulartige (Noctilionoidea)
Familie: Blattnasen (Phyllostomidae)
Unterfamilie: Vampirfledermäuse (Desmodontinae)

D LC 650

Gemeiner Vampir

Desmodus rotundus • The Common Vampire Bat • Le vampire commun

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Gemeiner Vampir (Desmodus rotundus) im Zoo Posen © Klaus Rudloff Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Gemeinen Vampirs (Desmodus rotundus)

 

 

 

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Gemeiner Vampir (Desmodus rotundus) im Zoo Posen © Klaus Rudloff Berlin

 

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Die neuweltlichen Blattnasen sind die einzige Fledermausfamilie von der mehrere Arten regelmäßig und in größerer Zahl in europäischen Zoos gezeigt werden. Geeignet sind insbesondere Arten, die sich auf den Verzehr von Nektar, Früchten oder Blut spezialisiert haben, wie der Blut trinkende Gemeine Vampir, der in Zusammenhang mit der Erzählung von Graf Dracula und anderen Vampirgeschichten auf besonderes Interesse beim Publikum stößt.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Gemeine Vampir hat eine Kopf-Rumpflänge von 7.5-9 cm und eine Unteramlänge von 50-63 mm. Das Gewicht variiert stark, je nachdem wieviel Blut ein Tier aufgenommen und noch im Verdauuungstrakt hat. Der Daumen ist sehr lang. Ein Schwanz ist nicht vorhanden. Der Rücken ist graubraun und die Bauchseite etwas blasser [2; 3].

Verbreitung

Süd- und Mittelamerika: Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Ekuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Kolumbien, Mexiko, Nikaragua, Panama, Paraguay, Peru, Trinidad und Tobago, Uruguay, Venezuela, marginal in den südwestlichen USA [1; 2].

Lebensraum und Lebensweise

Der Gemeine Vampir besiedelt unterschiedlichste Lebensräume in den Tropen und Subtropen. Zum Schlafen bildet er kleinere oder größere Kolonien(von 20 bis 5'000 Individuen) in Höhlen, hohlen Bäumen; Bergwerken und unbewohnten Gebäuden. Innerhalb der Kolonie finden sich Weibchen zu kleinen Gruppen zusammen, die soziale Körperpflege betreiben, was mit gegenseitigem Füttern belohnt werden kann. Die Vampire fliegen erst bei völliger Dunkelheit aus, um ihre Blutspender aufzusuchen. Nach einer Tragzeit von 110 Tagen wird in der Regel ein einzelnes Jungtier geboren [1; 2; 3]

Gefährdung und Schutz

Die Art hat eine sehr weite Verbreitung und mutmaßlich eine großen Bestand, der im Wesentlichen stabil sein dürfte. Sie wurde daher aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 als nicht-gefährdet eingestuft [1].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Kulturelle Bedeutung: In Osteuropa gab es schon lange bevor die Vampirfledermäuse entdeckt wurden, zahlreiche Legenden über blutsaugende Wiedergänger, die nach ihrem Tod des nachts aus ihrem Grab herusstiegen und Menschen terrorisierten. Die bekannteste dieser Figuren ist Graf Vlad Drăculea aus Siebenbürgen, der durch den Roman "DRACULA" des irischen Schriftstellers Bram STOKER und die darauf basierenden Verfilmungen weltweit berühmt wurde.

Wirtschaftliche Bedeutung: Als Blutsauger kann der Gemeine Vampir die Tollwut übertragen. Die dadurch entstehenden Verluste im Rindviehbestand werden unterschiedlich bewertet [1; 2].

Haltung

Die Haltung von Gemeinen Vampiren ist nicht sonderlich kompliziert, wenn man eine Quelle für die etwa 20 ml Blut hat, die jedes Tier täglich zu sich nimmt. Das älteste bekannte Tier wurde im Milwaukee Zoo geboren und starb ebendort im Alter von 29 Jahren und 2 Monaten [4].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird nur ausnahmsweise in europäischen Zoos gezeigt. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderugen an Gehege: Die im Säugetiergutachten 2014 des BMEL vorgegebenen Zahlen entbehren einer wissenschaftlichen Grundlage und sind, zuminderst wenn es um große Kolonien geht, aus der Sicht der tierhalterischen Praxis überzogen. Grundsätzlich sollte keine Mindestfläche, sondern nur ein Volumen vorgegeben werden. Das Gutachten’96 gab für kleine Fledermäuse keine Gehegedimensionen an. Es empfiehlt sich, die Beurteilung der Haltung von Kleinfledermäusen darauf abzustellen, ob bei der in einer Haltung gegebenen Besatzdichte Probleme auftreten oder nicht.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 20 Tiereeine Grundfläche von 10 m² bei einer Höhe von 2 m vor, für jedes weitere sind 0.2 m² zusätzliche Fläche erforderlich. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) sind für bis zu 20 Tieren eine Grundfläche von 20 m² und eine Höhe von 2.5 m erforderlich, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 2 m² zu erhöhen. Letzteres ist unsinnig, nachdem für die ersten 20 nur eine Fläche von 1  m² pro Tier verlangt wird.

 Taxonomie und Nomenklatur

Étienne GEOFFROY SAINT-HILAIRE, der Begründer des ersten bürgerlichen Zoos, der Ménagerie im Jardin des Plantes von Paris, beschrieb 1810 den Gemeinen Vampir als "Phyllostoma rotundus". Der Forschungsreisende Maximilian Alexander Philipp Prinz zu WIED-NEUWIED begründete 1824 die Gattung Desmodus für eine Art Desmodus rufus, die er in Brasilien entdeckt hatte, bei der sich aber zwei Jahre später herausstellte, dass sie mit rotundus identisch war. Desmodus rotundus ist die einzige noch lebende Art der Gattung. Es werden 7 Unteraren differenziert [5].

Literatur und Internetquellen

  1. BARQUEZ, R., PEREZ, S., MILLER, B. & DIAZ, M. (2015). Desmodus rotundus. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T6510A21979045. http://www.iucnredlist.org/details/6510/0. Downloaded on 15 April 2018.
  2. EISENBERG, J. F. (1989)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Montag, 03 April 2017 15:08

Russischer Desman

Überordnung: Insektenfresser (INSECTIVORA / EULIPOTYPHLA)
Ordnung: Spitzmausverwandte (SORICOMORPHA)
Familie: Maulwürfe (Talpidae)
Unterfamilie: Altweltmaulwürfe (Talpinae)

D EN 650

Russischer Desman

Desmana moschata • The Russian Desman • Le desman de Moscovie

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Russischer Desman (Desmana moschata) in der Forschungsstation Cernogolovka © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Russischen Desmans (Desmana moschata)

 

 

 

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Russischer Desman (Desmana moschata) in der Forschungsstation Cernogolovka © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Russischer Desman (Desmana moschata) in der Forschungsstation Cernogolovka © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Russische Desmane (Desmana moschata). Abbildung aus aus BREHMs Thierleben (1882-1887)

 

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Der Russische Desman ist eine hochinteressante, allerdings dem Publikum nur schwierig zu präsentierende Tierart, die außerhalb Russlands kaum je in einem Zoo gezeigt worden ist

Körperbau und Körperfunktionen

Der Russische Desman erreicht eine Kopf-Rumpflänge von (18-)20-23 cm, eine Schwanzlänge von (17-)18-21 cm und ein Gewicht von 315-485 g. Die Nase endet in einem langen, aus zwei Knorpelröhren zusammengesetzten, vorne verbreiterten Rüssel, der nach allen Seiten beweglich ist und ausgeprägte Vibrissen trägt. Die Augen sind sehr klein, die Ohrmuscheln fehlen. Ohr- und Nasenöffnungen können beim Schwimmen verschlossen werden. Die Füße haben Borstensäume. Die Vorderfüße sind mit kurzen Schwimmhäuten und langen Krallen ausgestattet, die Hinterfüße mit voll ausgebildeten Schwimmhäuten. Der lange Ruderschwanz ist seitlich abgeflacht, schuppig, nur spärlich behaart und mit einem Borstenkiel an den Kanten versehen. Nahe der Schwanzwurzel befindet sich eine große, aus mehreren Säckchen bestehende Moschusdrüse. Die Weibchen haben 8 Zitzen. Das Fell ist dicht und seidig, oberseits grau- bis kastanienbraun, am Bauch silbrig weiß [1; 2; 3].

Verbreitung

Westliche Paläarktis: Kasachstan, Russland, Ukraine. Ausgestorben in Weißrussland [4].

Lebensraum und Lebensweise

Der Russische Desman ist überwiegend nachtaktiv, im Frühjahr öfter auch tagaktiv. Er besiedelt stehende oder langsam fließende Gewässer mit natürlichen Ufern, vorzugsweise Altwässer. Er ist ein guter Schwimmer und Taucher, der nur selten an Land geht. Seinen Rüssel kann er als Tastorgan, Schnorchel und zum Nahrungserwerb einsetzen. "Oft steckt er ihn in das Maul und läßt dann schnatternde Töne hören, welche denen einer Ente ähneln. Reizt man ihn oder greift man ihn an, so pfeift und quiekt er wie eine Spitzmaus, sucht sich auch durch Beißen zu vertheidigen" [1]. Zu seinem Speiseplan gehören Würmer, Schnecken, Muscheln, Insektenlarven, Krebse, Frösche und kleine Fische, ferner Material von mindestens 30 Pflanzenarten. Er legt Nahrungsdepots an [2; 3; 4].

Der Desman errichtet seinen Bau, dessen Eingänge 10-40 cm unter der Wasseroberfläche liegen, in Uferböschungen mit Wurzelwerk von Bäumen, auch in Biberburgen. Der Bau umfasst Gänge von 2-15 m Länge und eine oder mehrere mit Pflanzenmaterial ausgepolsterte Nist- und Schlafkammern von etwa 30 cm Durchmesser, die sich über dem Hochwasserspiegel befinden, und weitere Kammern zum Fressen. Die Paarungszeit fällt auf April/Mai und September/Oktober. Pro Jahr bringt ein Weibchen 1-2 Würfe bestehend aus jeweils 2-4(-7) Jungen, die mit einem Monat selbständig werden [2; 3].

Gefährdung und Schutz

Die Verbreitung der Art ist fragmentiert und ihr Bestand hat in Russland innerhalb eines Jahrzehnts um rund 50% abgenommen. Die Lebensraumqualität nimmt ab, viele Tiere sterben als Beifang und es besteht eine Konkurrenz durch Neozoen. Ab 1986 galt die Art als gefährdet, aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 jetzt als stark gefährdet [4].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Bis zu seiner Unterschutzstellung durch die sowjetische Regierung war der Desman ein begehrtes Pelztier, das durch übermäßige Nachstellung regional ausgerottet wurde. Um 1900 wurden jährlich rund 20'000 Desmanfelle verarbeitet, danach nahmen die Jahresstrecken ab. Die Moschusdrüsen wurden in der Parfum-Industrie verarbeitet [3].

Haltung

Als Höchstalter unter Zoobedingungen wird ein Jahr angegeben [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wurde außerhalb Russlands kaum je in einem Zoo gezeigt. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen für die Haltung von Desmanen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Russische Desman wurde 1758 von Carl von  LINNÉ als "Castor moschatus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der heute gültige Name Desmana moschata geht auf den deutschbaltischen Naturforscher Johann Anton Güldenstädt aus Riga (1777) zurück. In der Folge wurden 11 verschiedene Gattungsbezeichnungen vorgeschlagen, darunter die von BREHM verwendete "Myogale" [1; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. KENNERLEY, R. & TURVEY, S.T. (2016). Desmana moschata. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T6506A22321477. http://www.iucnredlist.org/details/6506/0. Downloaded on 15 April 2018.
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx