Haltung und Vermehrung des Kleinen Armmolchs Siren intermedia mit Berichten zum Fortpflanzungs- und Brutpflegeverhalten.

amphibia 14(1): 16-24

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Mittwoch, 06 Juli 2022 07:59

Kleiner Armmolch

Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Armmolche (Sirenoidea)

Familie: Armmolche (Sirenidae)

D LC 650

Kleiner Armmolch

Siren intermedia • The Lesser SirenLa sirène mineure

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Kleiner Armmolch (Siren intermedia) im Allgäuer Reptilien, Füssen © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Kleinen Armmolchs (Siren intermedia)

 

 

 

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Kleiner Armmolch (Siren intermedia) im Allgäuer Reptilienzoo, Füssen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Kleiner Armmolch (Siren intermedia) im Exotarium Oberhof © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Kleiner Armmolch (Siren intermedia) in der Feldstation der Universität von Mississippi © Fredlyfish4, übernommen aus Wikimedia Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

 

 

 

 

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Armmolche werden in Europa nur von wenigen Zoos gehalten, hauptsächlich aus zoopädagogischen Gründen, weil es sich um Dauerlarven handelt, die auch als Erwachsene noch äußerliche Kiemen haben.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Kleine Armmolch wird 18-69 cm, im Mittel 43 cm lang und etwa 50 g schwer. Wie sein größerer Verwandter ist er eine Dauerlarve, d. h. macht keine Metamorphose durch (Neotenie), charakterisiert durch einen aalähnlichen Körper, äußere Kiemen mit je drei Ästen, neben denen er aber auch eine Lunge besitzt, kleinen Vorder- und fehlenden Hinterbeinen sowie einen seitlich abgeplatteten Schwanz, der der Fortbewegung dient. Männchen werden größer als Weibchen und haben eine ausgeprägtere Kiefermuskulatur. [2 3; 4; 7].

Verbreitung

Nordamerika: Östliche USA von Virginia bis Texas und im Einzugsgebiet des Mississippi nordwärts bis zum Michigansee, in Mexiko hauptsächlich im Einzugsgebiet des unteren Rio Grande  [6].

Lebensraum und Lebensweise

Der Kleine Armmolch besiedelt warme, ruhige, bisweilen trübe Gewässer mit reichlicher Vegetation, wie Sümpfe, Abzuggräben, Weiher oder Seen, in geringerem Ausmaß auch Flüsse und Bäche. Tagsüber versteckt er sich zwischen Wasserpflanzen oder im Schlamm. Wenn ein Gewässer austrocknet, gräbt er sich im Boden ein und kann dort mehrere Monate verweilen. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Kleingetier, Amphibieneiern und -larven, einschließlich solcher der eigenen Art, sowie erwachsenen Amphibien. Daneben werden pflanzliches Material und Schlamm aufgenommen. Die Tiere werden je nach Quelle mit 1 oder 2 Jahren geschlechtsreif. Die 150-360 (100-500) Eier werden von Januar bis März in Höhlen mit Pflanzenmaterial oder zwischen den Wurzeln von Wasserpflanzen abgelegt. Die Befruchtung erfolgt extern. Das Männchen betreibt Brutpflege. Die Larven schlüpfen nach 35 Tagen. Armmolche können unterschiedliche Laute von sich geben [2; 3; 4; 6; 7].

Gefährdung und Schutz

Die Art hat eine weite Verbreitung und mutmaßlich einen großen Bestand. Sie ist nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), wobei keine konkreten Informationen hinsichtlich des Bestandstrends vorliegen [6].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Abgesehen davon, dass Kleine Armmolche gelegentlich im Tierhandel auftauchen, ist ihre unmittelbare Bedeutung für den Menschen gering [3]

Haltung

Für die Haltung eines Paars wird ein Aquarium mit einer Mindestlänge von 1 m, besser größer, mit einem Wasserstand bis zu 40 cm empfohlen. Es sollte bepflanzt sein, etwa mit Hornkraut und Javamoos, und es sollten Sichtbarrieren vorhanden sein, damit sich die Tiere aus dem Weg gehen können. Die Temperatur sollte im Sommer 25ºC nicht übersteigen und im Winter um bis zu 10-13ºC abgesenkt werden. Vorsicht: Die Tiere können beißen! [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird laut  Zootierliste (2022) in 5 Zoos gezeigt, von denen sich 4 im deutschsprachigen Raum befinden.

Die durchschnittliche Haltungsdauer im Zoo-Aquarium Berlin lag bei 4 Jahren und 7 Monaten, das Maximum bei etwas über 9 Jahren [5]. Die mittlere Lebenserwartung wird mit 6 Jahren und 4 Monaten angegeben [3], das mögliche Höchstalter soll bei über 25 Jahren liegen [4]

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Wie Armmolche gehalten werden (Beispiel):

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1826 von dem amerikanischen Naturforscher Daniel H. BARNES unter ihrem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die intraspezifische Taxonomie ist umstritten, meistens werden drei Unterarten anerkannt [1; 2].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THE WORLD
  2. AMPHIBIAWEB
  3. ANIMAL DIVERSITY WEB
  4. DUDLEY ZOO
  5. IBLER, B. (2012)
  6. PARRA-OLEA, G., WAKE, D. & HAMMERSONn, G.A. (2008). Siren intermedia. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T59491A11936674. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2008.RLTS.T59491A11936674.en. Accessed on 07 July 2022.
  7. REINHARD, S., VOITEL, S. & KUPFER, A. (2015)

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Donnerstag, 14 Juni 2018 14:12

IBLER, B. (2012)

Zur Lebenserwartung von Armmolchen (Sirenidae) im Zoo-Aquarium Berlin.

MILU Berlin 13 (6): 848-850.

Zusammenfassung:

Daten zur Lebenserwartung von Armmolchen aus dem Zoo-Aquarium Berlin werden veröffentlicht, analysiert und diskutiert. Innerhalb der letzten vier Jahrzehnte wurden die zwei Arten der Gattung Siren gehalten. Die kleinere Siren intermedia lebte im Mittel länger als die große Siren lacertina.

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Donnerstag, 14 Juni 2018 14:02

Grosser Armmolch

Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Armmolche (Sirenoidea)

Familie: Armmolche (Sirenidae)

D LC 650

Großer Armmolch

Siren lacertina • The Greater SirenLa sirène lacertine

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Großer Armmolch (Siren lacertina) im Zoo Oppeln © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Approximative Verbreitung des Großen Armmolchs (Siren lacertina)

 

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Großer Armmolch (Siren lacertina) im Tierpark Chemnitz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Großer Armmolch (Siren lacertina) im Tierpark Chemnitz © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Großer Armmolch (Siren lacertina) in der Wilhelma Stuttgart © Klaus Rudloff, Berlin

 

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"Armmolch (Siren lacertina)". Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

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Titelseite der Dissertation von Abraham Östermalm, in welcher der Große Armmolch wissenschaftlich beschrieben wurde.

 

 

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Armmolche werden in Europa nur von wenigen Zoos, hauptsächlich aus zoopädagogischen Gründen gehalten, weil es sich um Dauerlarven handelt, die auch als Erwachsene noch äußerliche Kiemen haben.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Große Armmolch wird bis gegen 1 m lang. Er ist charakterisiert durch einen aalähnlichen Körper, äußere Kiemen mit je drei Ästen, neben denen er aber auch eine Lunge besitzt, kleine Vorder- und fehlende Hinterbeine sowie einen seitlich abgeplatteten Schwanz, der der Fortbewegung dient [5; 7.

Verbreitung

Nordamerika: Südöstliche USA von Washington D.C. bis Florida und Alabama, möglicherweise auch Texas und Nordost-Mexiko [8].

Lebensraum und Lebensweise

Der Große Armmolch ernährt sich hauptsächlich von Muscheln und Schnecken. Trocknet sein Wohngewässer aus, gräbt er sich im Schlamm ein und kann dort, in einen Kokon gehüllt, bis zu zwei Jahre überleben. Die Eier werden im Frühjahr in kleinen Häufchen am Gewässergrund abgelegt [7; 8].

Gefährdung und Schutz

Die Art hat eine weite Verbreitung und ist zumindest gebietsweise relativ häufig. Sie ist nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 nicht gefährdet [8].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

In der Angelfischerei werden Armmolche gelegentlich als Köder verwendet. ansonsten ist ihre unmittelbare Bedeutung für den Menschen gering [3]

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa einem halben Dutzend europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich einzelne im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Die durchschnittliche Haltungsdauer im Zoo-Aquarium Berlin lag bei 4½ Jahren, das Maximum bei 7½ Jahren [6]. Ein 1825 nach England importierter Armmolch starb nach 6-jähriger Haltungsdauer, weil er aus seinem Bottich ausgestiegen war und danach an Land seine Kiemen vertrockneten [4].

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Wie Armmolche gehalten werden (Beispiel): Vivarium im Tierpark Chemnitz, siehe ZOOLEX Gallery.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Große Armmolch war von dem schottischen Naturforscher Alexander GARDEN für die Wissenschaft entdeckt worden, der 1765 zwei Tiere nach London sandte. Es waren die ersten in Europa und sie wurden anfänglich für Fische gehalten. Beschrieben wurde die Art ein Jahr später von Abraham ÖSTERDAM, einem Doktoranden Carl von LINNÉs, der sie auch als Amphibium identifizierte [2; 4].

Die Familie der Armmolche unfasst zwei Gattungen mit je zwei Arten: Pseudobranchus spp. und Siren spp. [1].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THE WORLD
  2. AMPHIBIAWEB
  3. ANIMAL DIVERSITY WEB
  4. BREHM, A. E. (1882-1887)
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. IBLER, B. (2012)
  7. O’SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2001)
  8. PARRA-OLEA, G., WAKE, D. & HAMMERSONn, G.A. (2008). Siren lacertina. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T59492A11937094. http://www.iucnredlist.org/details/59492/0. Downloaded on 01 December 2017.

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