Donnerstag, 14 Juni 2018 09:55

Spanischer Rippenmolch

Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Salamanderverwandte (Salamandroidea)

Familie: Salamander und Molche (Salamandridae)

D NT 650

Spanischer Rippenmolch

Pleurodeles waltl • The Iberian Ribbed Newt • Le pleurodèle de Waltl

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Spanischer Rippenmolch (Pleurodeles waltl) im Zoo-Aquarium Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung des Spanischen Rippenmolchs (Pleurodeles waltl) - reicht in Marokko noch etwas weiter westwärts

 

 

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Spanischer Rippenmolch (Pleurodeles waltl) im Tierpark Chemnitz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Spanischer Rippenmolch (Pleurodeles waltl) im Tier- und Ökogarten Peine © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Spanischer Rippenmolch (Pleurodeles waltl) im Tierpark Chemnitz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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"Rippenmolch (Pleurodeles Waltlii)". Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

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Der Spanische Rippenmolch ist der größte Vertreter seiner Familie in Europa. Er ist recht pflegeleicht, wid häufig in Privathand gehalten wird und gelangt dadurch auch relativ oft in Zoos.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Männchen des spanischen Rippenmolchs werden bis etwa 31 cm, lang, die Weibchen bis 29 cm, die Tiere bleiben aber meist deutlich kleiner. Der Rippenmolch ist schlank und gestreckt gebaut, der Leib trotzdem ziemlich kräftig, der Kopf etwas länger als breit, an der Schnauzenspitze abgestutzt, beim Weibchen sogar flach krötenartig gerundet, der Schwanz messerförmig zusammengedrückt, am Ende stumpf abgerundet und sowohl oben als auch unten mit einem deutlichen Hautkamme versehen. Die Vorderfüße haben vier, die Hinterfüße fünf freie Zehen. Auf dem drüsenreichen, warzigen Oberkörper sind die an den Rumpfseiten in einer Längsreihe stehenden Hauthöcker auffallend. Jeder dieser Höcker trägt das feine, zugespitzte Ende einer freien Rippe, welches der Molch durch Muskeldruck durch die Hauthöcker hindurch spießen kann. Im Frühjahr entwickelt das Männchen Brunstschwielen an den Vorderbeinen, mit deren Hilfe es das Weibchen umklammert [1; 3; 4; 5; 6].

Verbreitung

Mittelmeerraum: Iberische Halbinsel (Spanien, Portugal) und Marokko. In Gibraltar eingeführt [2].

Lebensraum und Lebensweise

Der Spanische Rippenmolch ist stark wasserabhängig. Für die Wissenschaft entdeckt wurde er in tiefen Zisternen, wie sie in Andalusien üblich waren [3]. Oft bleibt er ganzjährig im Wasser, vorzugweise in Weihern, die über 1 m tief sind. Wenn Gewässer austrocknen, versteckt er sich unter Steinen, Wurzeln oder Totholz. Er besiedelt lichte Pinienwälder und Brachland, vorzugsweise in eher tiefliegende Regionen. Über 900 m ist er selten, wurde aber auch schon auf 1'565 Metern über Meereshöhe festgestellt. Der Laich wird in möglichst verkrauteten, stehenden oder langsam fließenden Gewässern abgelegt [1; 2].

Gefährdung und Schutz

Weil die Bestände deutlich abnehmen, wurde die Art aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 als potenziell gefährdete Tierart eingestuft [2].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. Der Spanische Rippenmolch ist nach Anhang III der Berner Konvention und, in Spanien, nach nationaler Gesetzgebung geschützt.

Praktische Schutzmassnahmen: Erhalten und Wiederherstellen von Lebensräumen, ex-situ-Zucht und Wiederansiedlung.

Bedeutung für den Menschen

Beliebt bei Hobbyhaltern, ansonsten keine Angaben.

Haltung

Spanische Rippenmolche gehören zu den am einfachsten zu pflegenden Amphibien. Sie benötigen ein möglichst großes Aquarium mit mindestens 70 Liter Inhalt. Bodengrund von etwa 5 cm tiefe, Wasserstand etwa auf 15-20 cm Höhe, mit Wasserpflanzen bepflanzt. Heizung und Filter sind nicht nötig, Wasserwechsel in größeren Zeitabständen. Ein Landteil ist nicht unbedingt erforderlich. Wöchentlich mit Regenwürmern, Nacktschnecken, Insektenlarven oder feinen Streifen aus Rinderherz füttern [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 50 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich etwa ein Sechstel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Wie Spanische Rippenmolche gehalten werden (Beispiel): Vivarium im Tierpark Chemnitz, siehe ZOOLEX Gallery.

Taxonomie und Nomenklatur

Die afrikanische Art Pleurodeles poireti wird bisweilen als Unterart von P. waltl angesehen [1].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAWEB
  2. BEJA, P. (2009). Pleurodeles waltl. The IUCN Red List of Threatened Species 2009: e.T59463A11926338. http://www.iucnredlist.org/details/59463/0. Downloaded on 02 December 2017.
  3. BREHM, A. E. (1882-1887)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. NIETZKE, G. (1969)
  6. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)

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Freigegeben in Schwanzlurche
Donnerstag, 14 Juni 2018 09:48

SCHNEIDER, C. & SCHNEIDER, W. (2011)

Die Bergbachmolche der Gattung Neurergus im Irak (Caudata: Salamandridae).

The Kurdistan newts of the Genus Neurergus in Iraq (Caudata: Salamandridae).

HERPETOZOA Wien 23 (3/4): 3 - 20.

Kurzfassung:

Die verfügbaren Angaben zur Verbreitung der Gattung Neurergus im Irak wurden während einer 11-tägigen Reise in die autonome Provinz Kurdistan/Irak im Frühjahr 2010 verifiziert.  Dazu wurden die in der Literatur genannten Fundorte aufgesucht, wenn der Zugang zu ihnen möglich war.  Beobachtungen im Habitat, Beschreibungen der bewohnten Gewässer, Daten zur Morphologie und Biologie der Molche und die aktuelle Beurteilung der ungefähren Verbreitung der Arten werden präsentiert. Bergbachmolche die völlig mit den von NESTEROV (1916) als Rhithrotriton  derjugini Forma typica und Rhithrotriton derjugini var. microspilotus beschriebenen Tieren übereinstimmten, wurden in unmittelbarer Nähe ihrer jeweiligen Typuslokalitäten gefunden.  Beide Molchformen wurden erstmals seit NESTEROVs Reise im Jahr 1914 für den Irak wieder nachgewiesen. Neurergus derjugini derjugini (NESTEROV, 1916) und Neurergus derjugini microspilotus (NESTEROV, 1916) [Syn. Neurergus microspilotus (NESTEROV, 1916)] werden als gültige Namen der beiden Taxa vorgeschlagen. Färbungsvarianten der Art Neurergus crocatus, COPE 1862  von  verschiedenen Fundpunkten werden beschrieben.

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Donnerstag, 14 Juni 2018 23:14

ARNOLD, E.N. & BURTON, J.A. (1978)

A Field Guide to the Reptiles and Amphibians of Britain and Europe.

272 Seiten, 40 Farbtafeln, zahölreiche Strichzeichnungen, 126 Verbreitungskarten
Collins, London. ISBN 0 00 219318 3.

Inhalt:

This book contains descriptions of every species of salamander, newt, frog, tree frog, toad, tortoise, turtle, terrapin, gecko, agama, lizard, chameleon, slow worm, skink, amphisbaenian and snake found in mainland Europe.

Every species and distinct subspecies is described in detail, with notes on its range, size, colour and markings, diagnostic characters, habitat, behaviour and, in the case of venomous snakes, the type and virulence of its poison.

The final part of the book deals with the identification of the eggs and tadpoles of frogs, toads, newts and salamanders. There are also introductions to each group of animals, with helpful keys to aid identification where necessary, an introduction to the biology of reptiles and amphibians and how best to study this fascinating part of our fauna.

The book is also beautifully illustrated with 49 colour plates and distribution maps for each species.

arnold-biblio

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Donnerstag, 14 Juni 2018 16:49

O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2001)

Reptilien und Amphibien - Über 400 Arten aus aller Welt

Übersetzung Dr. Hans W. Kothe.

DK (Dorling Kindersley) Naturbibliothek. London, New York, Melbourne, München, Delhi. ISBN 978-3-8310-1015-8

Verlagstext:

Die Reihe "Naturbibliothek" besticht durch reich illustriertes Sachwissen im handlichen Format. Ob zum Nachschlagen zu Hause oder zum Bestimmen für unterwegs - hier finden sich wissenschaftlich fundierte und leicht zugängliche Informationen für die ganze Familie. Visuell klar aufbereitete Beschreibungen erleichtern die schnelle und gezielte Orientierung. Mit mehr als 1500 Farbfotografien. Tim Halliday gilt als größte Autorität auf dem Gebiet der Amphibien. Er lehrt an der britischen Open University und ist Direktor der Declining Amphibians Populations Task Force. Mark O'Shea ist Kurator der Reptilien-Sammlung des West Midlands Safari Parks in England. Er unternahm weltweite wissenschaftliche Expeditionen und drehte zahlreiche Filme.

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Captive breeding and larval morphology of Tylototriton shanjing Nussbaum, Brodie & Yang, 1995, with an updated key of the genus Tylototriton (Amphibia: Salamandridae).

Zool. Garten N.F. 77 (Heft 4): 246-260.

Tylototriton shanjing wurde erst in jüngerer Zeit als eigenständige Art erkannt und von T. verrucosus abgegrenzt. Die meisten bisher erschienenen Publikationen unterscheiden nicht oder nur ungenau zwischen beiden Arten, so dass Daten zur Biologie und Reproduktion von T. shanjing rar sind. Wir berichten daher über den ersten Nachzuchterfolg von T. shanjing im Aquarium des Kölner Zoos. Wir stellen die Entwicklungsstadien in Wort und Bild vor und legen erstmals eine Larvalbeschreibung für T. shanjing vor. Weiterhin geben wir eine Literaturübersicht zu T. verrucosus und T. shanjing und vergleichen unsere Daten mit bereits publizierten, eindeutig T. shanjing zuzuordnenden Befunden. Um künftige Fehlbestimmungen zu vermeiden bzw. das Zusammenstellen von Zuchtgruppen zu erleichtern, legen wir einen Bestimmungsschlüssel für die ostasiatischen Salamandriden-Gattungen im Allgemeinen und für die Gattung Tylototriton im Speziellen vor.

 

ziegler-biblio

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Donnerstag, 14 Juni 2018 16:37

Tigersalamander

Ordnung: Schwanzlurche (CAUDATA)
Überfamilie: Salamanderverwandte (Salamandroidea)

Familie: Querzahnmolche (Ambystomatidae)

D LC 650

Tigersalamander

Ambystoma tigrinum / mavortium • The Tiger Salamander La salamandre tigrée

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Gestreifter Tigersalamander (Ambystoma mavortium) im Tierpark Chemnitz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung von Ambystoma tigrinum (rot) und A. mavortium (dunkelblau)

 

 

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Gestreifter Tigersalamander (Ambystoma mavortium) im Tierpark Chemnitz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Östlicher Tigersalamander (Ambystoma tigrinum) im Tierpark Chemnitz © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Sonora-Tigersalamander (Ambystoma mavortium stebbinsii) im Arizona Sonora Desert Museum, Tucson © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Die Haltung des Tigersalamanders ist dann von besonderem zoopädagogischem Interesse, wenn zu Vergleichszwecken auch Axolotl oder Pátzcuaro-Salamander gehalten werden. Verglichen mit dem Axolotl wird er aber nicht so häufig gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Erwachsene Tigersalamander werden (15-)19-28(-33) cm lang. Es sind große, kräftige Salamander. Ihr Kopf ist gross mit abgerundeter Schnauze und kleinen, mit Lidern versehenen Augen und fehlenden Ohrdrüsen. Der Körper ist plump, der Schwanz dick, an der Wurzel fast drehrund, im weiteren Verlaufe stärker oder schwächer zusammengedrückt, am Ende ziemlich spitz abgerundet und niemals mit Hautsäumen versehen; die Vorderfüße haben vier, die Hinterfüße fünf freie Zehen. Die Tiere sind sehr unterschiedlich gefärbt und gezeichnet, meist ähnlich wie ein Feuersalamander mit gelber Zeichnung auf schwarzem oder dunkelbraunem Grund [2; 5; 7].

Verbreitung

Nordamerika: Vom südlichen Kanada über die USA bis Nord-Mexiko [3; 4].

Lebensraum und Lebensweise

Anders als der Axolotl macht der Tigersalamander oft eine Metamorphose durch (in der Regel bei tigrinum, während die westlichen (mavortium) Formen sich auch als Larven fortpflanzen können. Die Larven besiedeln tiefe Weiher und Tümpel. Die Erwachsenen leben außerhalb der Paarungszeit an Land. Zur Fortpflanzung besiedeln sie im Frühjahr ruhige Gewässer, wo die Weibchen ihre Eier in Klumpen an Wasserpflanzen ablegen. Die Larven bleiben etwa ein Jahr im Wasser [6; 7].

Gefährdung und Schutz

Nach Beurteilungen aus dem Jahr 2015 gelten die Taxa mavortium und tigrinum mit ihren großen Gesamtpopulationen, der hohen Zahl der Subpopulationen und der weiten Verbreitung nicht als gefährdet [3; 4].

Der internationale Handel ist nach CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Gebietsweise werden Tigersalamander für Ernährungs- oder medizinische Zwecke oder für den lokalen Heimtierhandel gesammelt. Bei den Tieren, die in den internationalen Handel gelangen, dürfte es sich in der Regel um Nachzuchten handeln [4].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Arten werden in rund 20 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Wie Querzahnmolche gehalten werden (Beispiel): Vivarium im Tierpark Chemnitz, siehe ZOOLEX Gallery.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Tigersalamander wurde 1825 vom amerikanischen Chemiker und Herpetologen Jacob GREEN als "Salamandra tigrina" beschrieben. Bei den Tigersalamandern wurde die ehemalige Unterart A. tigrinum tigrinum zu einer eigenen Art hochgestuft (Östlicher Tigersalamander, A. tigrinum), während die übrigen früheren Unterarten als Westlicher Tigersalamander (A. mavortium, mit fünf Unterarten) zusammengefasst werden [1].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES IF THE WORLD
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. IUCN SSC Amphibian Specialist Group (2015). Ambystoma mavortium. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T199970A2623523. http://www.iucnredlist.org/details/199970/0. Downloaded on 02 December 2017.
  4. IUCN SSC Amphibian Specialist Group (2015). Ambystoma tigrinum. (errata version published in 2016) The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T83293207A105179324. http://www.iucnredlist.org/details/83293207/0. Downloaded on 02 December 2017.
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. NIETZKE, G. (1969)
  7. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)

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Donnerstag, 14 Juni 2018 15:51

Schlammteufel

Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Niedere Schwanzlurche (Cryptobranchoidea)

Familie: Riesensalamander (Cryptobranchidae)

D NT 650

Schlammteufel

Cryptobranchus alleganiensis • The Hellbender • Le ménopome

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Schlammteufel (Cryptobranchus alleganiensis) im Tierpark Chemnitz © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung des Schlammteufels (Cryptobranchus alleganiensis)

 

 

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Schlammteufel (Cryptobranchus alleganiensis) im Tierpark Chemnitz © Hermann Will, Chemnitz / Nürnberg

 

 

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Schlammteufel (Cryptobranchus alleganiensis) im Tierpark Chemnitz © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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"Hellbender (Cryptobranchus horridus)". Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

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Der Schlammteufel bleibt deutlich kleiner als die Riesensalamander. Da europäische Zoos sich selten auf nordamerikanische Fauna spezialisieren, ist er hierzulande nur selten zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Gesamtlänge bis zu 70 cm wird der Schlammteufel nur etwa halb so groß wie seine asiatischen Verwandten. Sein Kopf ist breit und abgeplattet. Obwohl er über Lungen atmet, hat er beidseits (manchmal auch nur auf einer Seite) hinter dem Kopf je eine als fleischige Falte ausgebildete Kiemenspalte und innerlich je vier Kiemenbögen. An den Flanken weist er auffällige Hautwülste auf. Die Färbung ist braun-grau mit dunkleren Flecken [3; 5].

Verbreitung

Nordamerika: Östliche USA (von Illinois, Indiana, Ohio, Pennsylvania und New York bis Missouri, Arkansas, Mississippi, Alabama, Georgia, Nord- und Süd-Carolina, West Virginia und Maryland, einschliesslich Kentucky, Tennessee, und eventuell Iowa). In Kansas eingeführt [4].

Lebensraum und Lebensweise

Die Lebensweise gleicht jener der Asiatischen Riesensalamander. Zur Paarungszeit im Herbst hebt das Männchen eine Brutgrube aus und lockt das Weibchen hinein, das dort seine Eier ablegt. Diese werden anschließend vom Männchen befruchtet und dann bis zum Schlüpfen der Larven bewacht. In einem Nest laichen oft mehrere Weibchen [3].

Gefährdung und Schutz

Wegen deutlich abnehmender Bestände, bedingt durch direkte Verfolgung, Umweltverschmutzung, wasserbauliche Maßnahme und erhöhte wassersportliche Aktivitäten, wurde der Schlammteufel aufgrund einer mittlerweile revisionsbedürftigen Burteilung aus dem Jahr 2004 als potenziell gefährdete Tierart eingestuft [3].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang III (USA) geregelt.

Zoogestütztes Artenschutzprojekt (Beispiel):

  • Der Saint Louis Zoo hat ein Hellbender-Naturschutzzentrum eingerichtet mit dem Ziel, die Ursache für den Niedergang des Schlammteufels zu identifizieren und den Negativtrend, wenn möglich, umzukehren. Als Teil dieser Bemühungen unterstützt das Zentrum Forscher, die die Gewässerqualität im natürlichen Lebensraums der Art in Missouri und Arkansas untersuchen. Es wurde auch ein ex situ-Zuchtprogramm begonnen, damit bei Bedarf Nachzuchten für Wiederansiedlungen zur Verfügung gestellt werden können. mehr ...

Bedeutung für den Menschen

Irrtümlich glauben manche Sportfischer, Schlammteufel seien hochgiftig oder richteten große Schäden am Fischbestand und der Fischbrut an, weshalb die Tiere verfolgt und getötet werden. Schlammteufel werden auch für den Tierhandel oder zu Präparationszwecken gefangen [4]. Von 2001-12016 wurde kein internationaler Handel mit lebenden Tieren registriert [2]

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in ganz wenigen europäischen Einrichtungen gezeigt, die sich überwiegend im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Die Welterstzucht gelang erst im Jahr 2011 im St. Louis Zoo (PM St. Louis Zoo vom 30.11.2011).

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Wie Schlammteufel gehalten werden (Beispiel): Vivarium im Tierpark Chemnitz, siehe ZOOLEX Gallery.

Taxonomie und Nomenklatur

In der Vergangenheit wurde der Schlammteufel mit den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Namen bedacht. Allein bei BREHM finden sich die folgenden Bezeichnungen: Cryptobranchus horridus und salamandroides, Protonopsis horrida, Abranchus alleghaniensis, Curycea macronota, Molge gigantea, Menopoma alleghaniensis und fusca, Salamandrops giganteus. [1].

Der Schlammteufel bildet eine monospezifische Gattung innerhalb der Familie der Riesensalamander. Es werden zwei Unterarten unterschieden [3].

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. HAMMERSON, G. & PHILLIPS, C.(2004). Cryptobranchus alleganiensis. The IUCN Red List of Threatened Species 2004: e.T59077A11879843. http://www.iucnredlist.org/details/59077/0. Downloaded on 01 December 2017.
  5. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)

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Donnerstag, 14 Juni 2018 21:19

WERNER, P. (2011)

Warum kommt der Feuersalamander in den Alpen nicht vor?

Nischenkonkurrenz bei Feuer- und Alpensalamander.

Elaphe 19 (Heft1): 6-9.

 

werner-biblio

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Donnerstag, 14 Juni 2018 16:27

Grasfrosch

Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Eigentliche Frösche (Ranidae)

D LC 650

Grasfrosch

Rana temporaria • The Grass Frog • La grenouille rousse

Der Grasfrosch war Lurch des Jahres 2018

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Grasfrosch (Rana temporaria) © Axel Gebauer, ehemals Naturschutz-Tierpark Görlitz

 

 

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Approximative Verbreitung des Grasfroschs (Rana temporaria)

 

 

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Grasfrosch (Rana temporaria) und Laichballen in Außenweiher des Aquazoos Düsseldorf © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Grasfrosch (Rana temporaria) im Naturlehrgebiet Ettiswil © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Grasfrosch (Rana temporaria) in der Böhmerheide bei Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Grasfrosch (Rana temporaria) in der Böhmerheide bei Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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"Thaufrosch (Rana temporaria)". Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887).

 

 

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Der einheimische Grasfrosch gehört bei uns zu den häufigsten und im Prinzip  nicht gefährdeten Amphibienarten. Er ist in etlichen Zoos zu sehen, allerdings nicht ganz so häufig wie die Wasserfrösche.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Kopf-Rumpflänge des Grasfroschs beträgt 9-10(-11) cm, Männchen sind tendenziell kleiner. Der Kopf ist relativ kurz, die Schnauze abgerundet, das Auge hat eine waagerechte Pupille, das kreisrunde Trommelfell ist sehr deutlich zu sehen. Die Hinterbeine sind eher kurz. Die Schwimmhäute sind mäßig entwickelt. Die Haut ist glatt oder mit kleinen Warzen versehen. Ein schwarzer Streifen verläuft von der Nase über Auge und Trommelfell bis zum Kopfende. Die Beine sind quergestreift.  Ansonsten ist die Färbung sehr variabel, meist braun, mit oder ohne schwarze Punkte. Die Arme der Männchen sind kräftiger als jene der Weibchen. Zur Paarungszeit entwickeln sie auf den ersten Fingern braune oder schwarze Brunstschwielen. Sie haben keine äußeren Schallblasen [8; 9; 10].

Verbreitung

Europa : Albanien, Andorra, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Liechtenstein, Luxemburg, Mazedonien, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Österreich. Poland, Rumänien, San Marino, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Weißrussland [2; 7].

Lebensraum und Lebensweise

Lebensraumansprüche: Als sehr häufige Art kommt der Grasfrosch in Mitteleuropa fast flächendeckend vor und nutzt unterschiedlichste Lebensräume bis auf eine Höhe von über 2700 m. Gemieden werden nur Trockenstandorte und strukturarme, intensiv genutzte Agrarflächen. Als Laichgewässer kommen fast alle Stillgewässer in Frage, sofern sie nicht zu viele Fische aufweisen.

Biologie: Grasfrösche sind überwiegend nachtaktive Landbewohner, die sich, im Gegensatz zu den Wasserfröschen, nicht lautstark gebärden. Erwachsene Grasfrösche kehren zur Fortpflanzung in der Regel in ihr Laichgewässer zurück.  BREHM berichtet dazu: "Er ist der erste von allen Froschlurchen, welcher aus dem Winterschlafe erwacht und zum Vorscheine kommt, paart sich, noch ehe die Gewässer frei vom Eise geworden, und seine Eier sind bereits ausgeschlüpft, bevor ein anderer Verwandter die seinigen gelegt hat; auch seine Larven entwickeln sich schneller als die anderer Frösche, und so wird es ihm möglich, noch in solchen Gegenden dauernd sich anzusiedeln, in denen der Sommer bloß wenige Wochen währt, wie beispielsweise in der Höhe jener Alpenseen." Die  Laichwanderung konzentriert sich meist auf wenige Nächte. Laichzeit ist bei uns hauptsächlich März-April. Das Weibchen legt 650-4'500 schwarze, 1,7-2.8 mm große Eier in großen Ballen ab. Nach der Eiablage verlässt es das Laichgewässer, währenddem die paarungsbereiten Männchen manchmal mehrere Wochen dort verharren. Die Larven schlüpfen auch bei tiefen Temperaturen bereits nach 8-14 Tagen. Sie kommen je nach Temperatur nach sieben bis zwölf Wochen zur Metamorphose. Frisch metamorphosierte Jungtiere haben eine Länge von 10-16 mm. Sie verlassen sofort das Wasser und suchen Landlebensräume auf, wobei sie oft über einen Kilometer zurücklegen. Nach der zweiten oder dritten Überwinterung wandern die inzwischen geschlechtsreifen Tiere zum Laichgewässer, in dem sie auch überwintern, wenn sie es im Herbst erreichen [3; 4; 5; 8].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 weltweit nicht gefährdet [7]. In Deutschland ist der Grasfrosch nicht gefährdet oder auf der Vorwarnliste, außer in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, wo er als gefährdet gilt. In allen Bundesländern Österreichs gefährdet, in der Schweiz und in Liechtenstein nicht gefährdet (LEAST CONCERN) [6; 8].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. Der Grasfrosch ist auch nicht in den Anhängen der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) aufgeführt.

Zoogestützte Schutzprojekte:

Grasfrösche profitieren von Schutzmaßnahmen der Zoos zugunsten der einheimischen Amphibien, namentlich von der Anlage und Pflege von Laichgewässern inner- und außerhalb der Zoos, z.B:

Bedeutung für den Menschen

Der Grasfrosch wird gebietsweise zur Gewinnung von Froschschenkeln genutzt [4].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 25 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. In manchen Zoos gibt es wildlebende Populationen.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Grasfrosch wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter seinem noch heute gültigen Namen beschrieben [1].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THE WORLD
  2. AMPHIBIAWEB
  3. BREHM, A. E. (1882-1887)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. HERRMANN, H. J. (2005)
  6. KÜHNIS, J. (2011)
  7. KUZMIN, S. et al. (2009). Rana temporaria. (errata version published in 2016) The IUCN Red List of Threatened Species 2009: e.T58734A86470817. http://www.iucnredlist.org/details/58734/0. Downloaded on 15 December 2017.
  8. MEYER, A., ZUMBACH, S., SCHMIDT, B. & MONNEY, J.-C. (2009)
  9. NIETZKE, G. (1969)
  10. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)

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Donnerstag, 14 Juni 2018 15:58

Gelbbauchunke

Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Urfrösche (Archaeobatrachia)
Familie: Unken (Bombinatoridae)

D LC 650

Gelbbauchunke

Bombina variegata • The Yellow-bellied Toad • Le sonneur à pieds épais

Die Gelbbauchunke war der Lurch des Jahres 2014

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Gelbbauchunke (Bombina variegata) im Vivarium Mariahof © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung der Gelbbauchunke (Bombina variegata)

 

 

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Gelbbauchunken (Bombina variegata) im Zoo-Aquarium Berlin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gelbbauchunken (Bombina variegata) im Alpenzoo Innsbruck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gelbbauchunke (Bombina variegata) und Spitzhornschnecke (Limnaea stagnalis) im Alpenzoo Innsbruck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gelbbauchunke (Bombina variegata) im Opel-Zoo Kronberg © Martin Becker, Opel-Zoo

 

 

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Gelbbauchunke (Bombina variegata) im Alpenzoo Innsbruck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gelbbauchunken (Bombina variegata) im Naturschutz-Tierpark Görlitz © Axel Gebauer, ehemals NTP Görlitz

 

 

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Gelbbauchunke (Bombina variegata) im Naturschutz-Tierpark Görlitz © Axel Gebauer, ehemals NTP Görlitz

 

 

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Gelbbauchunken (Bombina variegata) im Tierpark Lange Erlen, Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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"Unke (Bombinator igneus)". Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

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Als im Terrarium gut zu beobachtende einheimische Art ist die regional gefährdete Gelbbauchunke eine gute Botschafterart für Amphibienschutz vor der Haustür. Sie wird daher recht häufig im Zoo gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Gelbbauchunken erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 30-50 mm. Männchen und Weibchen sind etwa gleich groß. Kopf und Körper sind abgeflacht, der ist Körper etwas breiter als bei der Rotbauchunke. Die nahe beisammenstehenden Augen haben herzförmige Pupillen mit nach unten gerichteter Spitze. Das Trommelfell ist nicht sichtbar, Parotoiddrüsen fehlen. Die Haut der Oberseite ist mit vielen flachen Warzen mit kleinen schwarzen Hornstacheln besetzt. Sie ist hellgrau, olive- oder lehmfarben gefärbt mit dunkeln Flecken. Die Unterseite ist leuchtend gelb mit schwarzen oder dunkelgrauen Flecken. Finger und Zehen sind dunkel, haben aber oft gelbe Spitzen. Im Gegensatz zur Rotbauchunke haben männliche Gelbbauchunken keine Schallblasen, und ihr Ruf ist deshalb leiser. Während der Paarungszeit weisen sie dunkle Brunstschwielen an den Unterarmen, Fingern und meist auch Zehen auf [7; 8; 9].

Verbreitung

Europa: Weit verbreitet in Mittel und Ost-/ Südost-Europa: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Frankreich (bis in den Mittelmeerraum), Griechenland, Italien (in der Po-Ebene und in Venetien), Kroatien, Liechtenstein, Luxemburg, Mazedonien, Montenegro, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ukraine, Ungarn. Fehlt innerhalb Deutschlands in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein. Ausgestorben in Belgien, angesiedelt in Großbritannien [6].

Lebensraum und Lebensweise

Lebensraumansprüche: Die Gelbbauchunke benötigt hoch dynamische Lebensräume, wie Flussauen, seichte, gut besonnte, fischfreie Tümpel mit Flachwasserzonen und feinem, lockerem Bodenschlamm, mit Wasser gefüllte Karrengleise etc., wo stets das Risiko des Austrocknens besteht.  Der Landlebensraum mit genügend Bodenfeuchtigkeit und Versteckmöglichkeiten soll nahe beim Laichgewässer liegen [7].

Lebensräume: Die Art besiedelt Laub-, Misch- und Nadelwald, Busch- und Grasland einschließlich Mähwiesen und Weiden, sowie Schwemmebenen in Höhenlagen von 100 bis 2'100 m. In der Schweiz findet man sich reproduzierende Populationen bis auf 1'145 m, Einzeltiere bis auf 1'645 m. Gebietsweise handelt es sich bei der Mehrzahl der Wasserlebensräume um vom Menschen geschaffene Strukturen wie Tümpel oder Pfützen in Kies- und Lehmgruben, auf Baustellen oder in Deponien [4; 6; 7].

Biologie: Während der langen Fortpflanzungszeit von Ende April bis August legen die Weibchen immer wieder bis zu 200 Eier in mehreren Laichbällchen verteilt auf verschiedene Gewässer ab. Die Larven schlüpfen nach 2-10 Tagen, die Metamorphose erfolgt nach 5-10 Wochen, je nach Wassertemperatur und Nahrungsangebot. Die Winterruhe beginnt Ende September / anfangs Oktober und endet, je nach Höhenlage, zwischen März und Mai [2; 7].

BREHM setzt sich ausgiebig mit dem Verhalten der Unke auseinander, wobei die Aussage, dass sie "nur im Nothfalle" vegetationsarme oder -freie Wasserflächen aufsuche, wohl kaum stimmt [4]: "Im Wasser bewegt sich die Unke mit großer Leichtigkeit, obgleich sie hierin mit dem Teichfrosche nicht wetteifern kann; aber auch sie schwimmt ganz vorzüglich und versteht es, besser noch als der Frosch, im Schlamme sich einzuwühlen. Auf dem Lande hüpft sie mit kurzen, rasch sich wiederholenden Sprüngen eilfertig dahin. Ein Hauptzug ihres Wesens scheint unbegrenzte Furchtsamkeit zu sein. Ganz reines Wasser sucht sie nur im Nothfalle auf, eine Wasserfläche hingegen, welche dicht mit Teichlinsen bedeckt ist, sagt ihr aus dem einfachen Grunde besonders zu, weil solche Decke sie auch dem schärfsten Auge trefflich verbirgt... Auf dem festen Lande sucht sie sich durch List vor den Blicken ihrer Gegner zu verbergen: sie duckt sich nämlich, wenn sie nicht rasch genug das sichere Wasser erreichen kann, auf die Erde nieder, und die braune Rückenfärbung wird dann sozusagen von der des Bodens aufgenommen. Beunruhigt man sie, so legt sie ihren Kopf und die Füße über dem gekrümmten Rücken so zusammen, daß die Bauchseite sichtbar wird, sie also eine ganz verschiedene Gestalt gewinnt. In dieser sonderbaren Stellung verweilt sie minutenlang, bis sie die Gefahr vorübergegangen wähnt und sich wiederum in Bewegung setzt" [3].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist weltweit nicht gefährdet. In Deutschland je nach Region gefährdet stark gefährdet, vom Aussterben bedroht oder ausgestorben, In Österreich gefährdet, in der Schweiz stark gefährdet (ENDANGERED) [6].

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt. Die Gelbbauchunke fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und ist in den Anhängen II und IV der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) aufgeführt.

Praktische Schutzmaßnahmen: Erhaltung und Unterhalt der Laichgewässer, Schaffen neuer Gewässer, Vernetzung der Lebensräume.

Zoogestütztes Artenschutzprojekte (Beispiele):

  • Der Tiergarten Straubing beteiligt sich seit 2017 an einem Wiederansiedlungs- und Bestandsstützungsprojekt für Gelbbauchunken im Landkreis Dingolfing-Landau in Niederbayern. Es wurden Unkenlarven aus ausgesuchten Gewässern entnommen und in der Technikhalle des Donauaquariums im Tiergarten großgezogen. 2019 erreichten die Tiere Geschlechtsreife und sorgten erstmals für Nachwuchs. Im Juli konnten 500 Jungtiere in zwei eigens dafür angelegten Tümpeln in einer stillgelegten Kiesgrube freigesetzt werden. Im September folgte eine zweite Gruppe bestehend aus etwa 200 Tieren. Durch die Kooperation von Kiesgrubenbetreiber, Tiergarten, Amphibienexperten und Landschaftspflegeverband soll das Kiesgrubengebiet in Zukunft möglichst optimal für die Gelbbauchunke gestaltet werden [10].

  • Auch der Zoo Frankfurt züchtet Gelbbauchunken und stellt sie für Wiederansiedlungen zur Verfügung, so z.B. in einem durch entsprechende Gestaltungsmaßnahmen wiederhergestellten Lebensraum im Naturschutzgebiet „Kaolingrube Ortenberg“ [11].

Gelbbauchunken profitieren auch von Schutzmaßnahmen der Zoos zugunsten der einheimischen Amphibien allgemein, namentlich von der Anlage und Pflege von Laichgewässern inner- und außerhalb der Zoos, z.B:

Bedeutung für den Menschen

Verängstigte Unken können ein nach Lauch riechendes Gift ausscheiden, das auch ohne direkte Berührung die Schleimhäute stark reizt, sodass einem z.B. die Augen tränen [5].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 45 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich etwa drei Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. In einzelnen Zoos gibt es auch wildlebende Populationen.

Wie Gelbbauchunken gehalten werden (Beispiel):

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde von Carl von LINNÉ 1758 als "Rana variegata" beschrieben. Die heute gültige Bezeichnung Bombina variegata wurde 1928 vom Direktor des Forschungsinstitutes und Naturmuseums Senckenberg in Frankfurt am Main, Robert MERTENS, vergeben [1].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THE WORLD
  2. AMPHIBIAWEB
  3. BREHM, A. E. (1882-1887)
  4. GROSSENBACHER, K. (1974)
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. KUZMIN, S. et al. (2009). Bombina variegata. The IUCN Red List of Threatened Species 2009: e.T54451A11148290. http://www.iucnredlist.org/details/54451/0. Downloaded on 13 December 2017.
  7. MEYER, A. et al. (2009)
  8. NIETZKE, G. (1969)
  9. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)
  10. TIERGARTEN STRAUBING - JAHRESBERICHT 2019
  11. NABU - GRUPPE ORTENBERG

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