Donnerstag, 14 Juni 2018 14:03

Coloradokröte

Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)

Familie: Kröten und Stummelfüße (Bufonidae)

D LC 650

Coloradokröte

(Bufo =) Incilius) alvarius • The Colorado River Toad • Le craupaud du désert de Sonora

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Coloradokröte (Bufo alvarius) im Reptilienzoo Füssen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung der Coloradokröte (Bufo alvarius)

 

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Coloradokröte (Bufo alvarius) in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Coloradokröte (Bufo alvarius) im Reptilienzoo Füssen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Coloradokröte (Bufo alvarius) im Reptilienzoo Füssen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Coloradokröte (Bufo alvarius) im Tiergarten Friedrichsau, Ulm © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Die im Zoo auch tagsüber recht aktive und wegen ihrer Größe eindrückliche, an aride Lebensräume adaptierte Kröte ist in ihrer Heimat nicht gefährdet, wird aber aus zoopädagogischen Gründen verhältnismäßig oft gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Coloradokröte hat eine relativ glatte, ledrige Haut. Ihre Pupillen sind queroval, die Iris golden, die Parotoiddrüsen groß und nierenförmig. Kennzeichnend für die Art sind die weißlichen Warzen im Mundwinkel. Ausgewachsene Weibchen werden 9-18, bisweilen fast 20 cm groß und 900 g schwer. Männchen sind mit 8-16 cm deutlich kleiner [2; PM Wilhelma].

Verbreitung

Nordamerika: Südwestliche USA (Kalifornien, Neumexiko, Arizona) und Nordwest-Mexiko [4].

Lebensraum und Lebensweise

Grasländer, Halbwüsten und Wüsten von Seehöhe bis auf über 1'600 m sind Lebensraum der Coloradokröten, wo sie etwas Feuchtigkeit aufweisende Stellen, etwa Viehtränken, aufsuchen. Die Tiere sind überwiegend nachtaktiv. Das Rufverhalten der Männchen ist verkümmert. Das Sekret der Coloradokröte ist giftig und wirkt halluzinogen. Waschbären erbeuten die Tiere dadurch gefahrlos, dass sie sie auf den Rücken legen, ihnen mit den Krallen den Bauch aufreißen und nur die Innereien verzehren. In der Trockenzeit graben sich die Kröten ein und schützen sich dabei durch eine Hülle aus Hautschleim. Die Paarung findet nach Regenfällen statt. Große Weibchen legen dann bis zu 8'000 Eier mit einem Durchmesser von 1.6 mm in permanenten oder temporären Wasserstellen ab. Die Kaulquappen ernähren sich von Algen [2; 3; 4; 5]

Gefährdung und Schutz

Die Coloradokröte hat eine ziemlich weite Verbreitung und einen stabilen Bestand. Sie ist nach einer revisionsbedürftigen Beurteilung aus dem Jahr 2004 nicht gefährdet [4].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Tiere dieser Art wurden in den letzten Jahren häufig importiert, um Rauschgiftsüchtigen als Drogenersatz zu dienen [5].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 30 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich etwa die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Coloradokröte wurde 1859 als Bufo alvarius beschrieben. Sie wurde danach vier verschiedenen Gattungen zugeteilt: Cranopsis, Ollotis Phrynoidis und zuletzt Incilius. Danach wurde Incilius zeitweilig als Untergattung behandelt, gilt aber heute (2022) wieder als offizielle Bezeichnung, wobei Bufo alvarius nach wie vor anzutreffen ist[1].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THE WORLD
  2. AMPHIBIAWEB
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. HAMMERSON, G. & SANTIS-BARRERA, G. (2004). Incilius alvarius. The IUCN Red List of Threatened Species 2004: e.T54567A11152901. http://www.iucnredlist.org/details/54567/0. Downloaded on 05 December 2017.
  5. HERRMANN, H. J. (2005)

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Freigegeben in Kröten und Stummelfüsse
Donnerstag, 14 Juni 2018 14:03

Afrikanischer Krallenfrosch

Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Mittelalte Frösche (Mesobatrachia)
Familie: Zungenlose (Pipidae)

D LC 650

Invasive EU

  Afrikanischer Krallenfrosch

Xenopus laevis • The African Clawed Frog • Le xénope africain

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Afrikanische Krallenfrösche (Xenopus laevis) im Allgäuer Reptilienzoo, Füssen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Afrikanischen Krallenfroschs (Xenopus laevis). Dunkelblau: Xenopus l. laevis; rot: Xenopus l. sudanensis

 

 

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Albinotischer Afrikanische Krallenfrosch (Xenopus laevis) im Allgäuer Reptilienzoo, Füssen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Afrikanische Krallenfrosch (Xenopus laevis) im Zoo-Aquarium Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Afrikanische Krallenfrösch (Xenopus laevis) "gold", im Inselzoo Altenburg ©Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Afrikanische Krallenfrösch (Xenopus laevis), normalfarben und Lutinos, im Zoo Oppeln © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Als invasive Art, mögliche Ursache für die Verbreitung des viele Amphibienarten bedrohenden Chytridpilzes und wegen seiner ehemaligen Bedeutung für die Schwangerschaftsdiagnostik ist der in seiner Heimat nicht-gefährdete Afrikanische Krallenfrosch von großem zoopädagogischem Interesse. Allerdings wurde er 2022 mit Wirkung ab August 2024 auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung aufgeführt und darf danach, wenn es nach der EU-Kommission geht, in Zukunft nicht mehr gehalten werden.

Körperbau und Körperfunktionen

Afrikanische Krallenfrösche erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von (4.5-)8-12(-14.5) cm, wobei die Männchen kleiner bleiben als die Weibchen. Der Körper ist hinten sehr breit, verjüngt sich nach vorne und läuft in einen schmalen Kopf aus. Die kleinen Augen sitzen nicht seitlich, sondern auf der Kopfoberseite. Unterhalb des Auges befindet sich ein kurzer, vermutlich funktionsloser Fühler, der bei älteren Tieren verschwinden kann. Die Zunge ist zurückgebildet. An den Körperseiten befindet sich ein Seitenlinienorgan. Die spitzen, krallenbewehrten Finger der Vorderfüße besitzen keine Schwimmhäute, währenddem die langen Hintergliedmaßen in großen Füßen enden, deren Zehen durch Schwimmhäute verbunden sind. Die Tiere sind so glatthäutig und schlüpfrig, dass man sie kaum in der Hand halten kann. Die Grundfarbe der Oberseite ist recht variabel, ebenso das Tupfen- oder Fleckenmuster. Die Unterseite ist einfarbig weißlich mit braunen Flecken. Bei gehaltenen Tieren treten oft Farbmutationen auf [2; 3; 4; 5; 6].

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von X. l. laevis umfasst: Angola, Botswana, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika, Swasiland In Südafrika kommen zwei weitere Arten vor: Xenopus gilli lokal im Südwestkap und Xenopus muelleri im Lowveld unterhalb von 500 m.

X. laevis sudanensis: DR Kongo, Kamerun, Nigeria, Zentralafrikanische Republik.

Der Afrikanische Krallenfrosch wurde in verschiedenen Ländern weltweit eingeführt, so in den USA, Chile, Großbritannien, Frankreich, Indonesien, Portugal, Italien (Sizilien) sowie in anderen Gebieten in Afrika [2; 5; 6; 7].

Lebensraum und Lebensweise

Afrikanische Krallenfrösche bevorzugen stehende Gewässer, kommen aber auch in Fließgewässern vor. Nach Regenfällen können sie über Land zu einem anderen Gewässer wandern, ansonsten leben sie rein aquatisch. Sie ernähren sich von Kaulquappen anderer Frösche, Fischen, Krebschen, Wasserinsekten, aber auch Aas. Die Beute schnappen die überwiegend dämmerungsaktiven Tiere unter Zuhilfenahme der Hände mit dem Maul. Trocknet das Gewässer aus, graben sie sich im Schlamm ein und können dort bis zu einem Jahr überleben, ohne Nahrung zu sich zu nehmen. Die Weibchen beginnen im Alter von 10-18 Monaten mit der Eiproduktion. Gewöhnlich legen sie 10-15'000 Eier pro Jahr, alle einzeln während eines Amplexes. Die 1.4 mm großen Eier bleiben mit ihrer Gelatine-Umhüllung an Pflanzen, Steinen oder sonstigen festen Strukturen kleben [2; 3; 6].

Gefährdung und Schutz

Der Afrikanische Krallenfrosch ist eine sehr häufige und anpassungsfähige Art, welche auch ein großes Verbreitungsgebiet hat. Er kann verschiedene Lebensräume nutzen und breitet sich auch in neuen Gebieten schnell aus. Dies hat dazu geführt, dass dieser Krallenfrosch an viele neuen Standorten zur invasiven Art wurde. Diese ist logischerweise nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2008, letztmals überprüft 2016, nicht gefährdet [7].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Der Afrikanische Krallenfrosch wurde ab den 1930er-Jahren während einiger Jahrzehnte zur Schwangerschaftsdiagnose eingesetzt: Spritzt man einem Krallenfroschweibchen den Urin einer schwangeren Frau, so legt es innerhalb weniger Stunden Eier, womit eine Frühschwangerschaft zuverlässig bestimmt werden konnte. Der Frosch hat sich dadurch weltweit in den Laboratorien verbreitet und ist an vielen Orten auch ausgesetzt worden. Haben sich die Frösche einmal etabliert, ist es schwierig, sie wieder zu eliminieren. Möglicherweise haben die Chytrid-Pilz-Epizootien ihren Ursprung in dieser Art [2; 3; 7].

Die Art wurde 2022 im Rahmen der 3. Ergänzung in die Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung aufgenommen. Mit Rücksicht auf laufende Forschungsarbeiten wurde das Inkrafttreten auf August 2024 festgelegt [8].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 70 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich ein paar im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1802 von dem französischen Zoologen François Marie DAUDIN als "Bufo laevis" beschrieben. Zu seinem heutigen Namen kam sie 1867 durch den Wiener Ichthyologen und Forschungsreisenden Franz STEINDACHNER [1].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THR WORLD
  2. AMPHIBIAWEB
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. NIETZKE, G. (1969)
  5. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)
  6. PIENAAR, U. DE V. ; PASSMORE, N.I. & CARRUTHERS, V.C. (1976)
  7. IUCN SSC AMPHIBIAN SPECIALIST GROUP (2020). Xenopus laevis. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T110466172A3066881. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-3.RLTS.T110466172A3066881.en . Downloaded on 19 December 2020.
  8. Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141 der Kommission vom 13. Juli 2016 zur Annahme einer Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung ABl. L 189/4 vom 14. Juli 2016.

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Donnerstag, 14 Juni 2018 14:03

Erdkröte

Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)

Familie: Kröten und Stummelfüße (Bufonidae)

D LC 650

Erdkröte

Bufo bufo • The Common Toad • Le crapaud commun

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Erdkröte (Bufo bufo) im Terrazoo Rheinberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Approximative Verbreitung der Erdkröte (Bufo bufo). NB: die Art geht in Zentralasien noch etwas weiter nach Osten

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Auge einer Erdkröte (Bufo bufo) © Axel Gebauer, Görlitz

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Erdkröten (Bufo bufoI im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Erdkröten (Bufo bufo) in Paarungsstimmung beim Aquazoo Düsseldorf © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Erdkrötenpaar (Bufo bufo) während des Amplex © Axel Gebauer, Görlitz

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Metamorphose bei der Erdkröte – von der Kaulquappe zum Krötchen © Axel Gebauer, Görlitz

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Die metamorphosierten Krötchen begeben sich an Land © Axel Gebauer, Görlitz

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Halbwüchsige Erdkröte (Bufo bufo) Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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"Erd-, Wechsel- und Kreuzkröte (Bufo vulgaris, Bufo variabilis und Bufo calamita)". Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

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Die Erdkröte ist die in Mitteleuropa am häufigsten vorkommende Krötenart. Aus zoopädagogischen Gründen wird sie recht oft gehalten, kommt aber auch in zahlreichen Zoos wildlebend vor.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Erdkröte erreicht eine Länge von (6-)8-12(-13) cm, wobei die Weibchen deutlich größer sind als die Männchen, die über keine Schallblase verfügen. Sie ist plump gebaut. Der Kopf ist breit mit großen Parotoiddrüsen und schlecht sichtbarem Trommelfell. Die Pupille ist waagrecht-elliptisch, die Iris glänzend orangerot bis golden. Ihr Leib ist mit dicken Warzen bedeckt. Die Färbung ist rotgrau-rotbraun, bisweilen gelblich, olivfarben oder schwärzlich, oft mit undeutlichen dunkleren Flecken. Unterseits licht hellgrau, hellbraun oder weißlich, beim Weibchen mit dunkleren Flecken [3; 4; 8].

Verbreitung

Paläarktis: Weit verbreitet in Europa, Nordafrika, dem Nahen Osten und Zentralasien [1]:

Europa: Albanien, Andorra, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Gibraltar, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, San Marino, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrussland.
Asien: Kasachstan, Libanon, Syrien.
Nordafrika:Algerien, Marokko, Tunesien.

Lebensraum und Lebensweise

Lebensraumansprüche: Vorzugsweise größere, dauerhafte Weiher und Seeufer mit Schilf und reichlicher Unterwasservegetation. Landlebensraum sind Wälder, im Sommer bis 3 km, im Winter bis 1 km vom Laichgewässer entfernt. Die Erdkröte ist die einzige heimische Amphibienart, die sich regelmäßig in auch von Fischen bewohnten Gewässern fortpflanzt, weil ihr Laich für Fische unbekömmlich ist [3; 8].

Biologie: Erdkröten sind nachtaktiv. Sie ernähren sich von Schnecken, Würmern, Spinnen und Insekten. Tagsüber ziehen sie sich in ihre Schlupfwinkel zurück. Die Überwinterung findet an Land statt. Bereits früh im Jahr ziehen die Kröten während feuchtwarmer Nächte in die Laichgewässer. Die Weibchen bleiben dort aber nur wenige Tage, die Männchen in der Hoffnung auf weitere paarungswillige Weibchen etwas länger. Der Laich wird in langen, mehrere Tausend Eier enthaltenden Schnüren abgesetzt. Die Larven schlüpfen nach 1-2 Wochen, die Metamorphose findet je nach Temperatur nach weiteren 7-16 Wochen statt. Im Tiefland wird die Geschlechtsreife mit 2-3, in höheren Lagen mit 6-8 Jahren erreicht. Das Höchstalter liegt bei etwa 25 Jahren [3; 5; 8].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist weitverbreitet, anpassungsfähig und hat einen stabilen Bestand Sie gilt daher nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 als weltweit nicht gefährdet [1]. In Deutschland, Österreich und der Schweiz je nach Region auf Vorwarnliste, verletzlich oder gefährdet, in Liechtenstein gefährdet [7; 8].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. Die Erdkröte ist nicht in den Anhängen der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) aufgeführt.

Praktische Schutzmaßnahmen: Erhaltung der Laichgewässer oder deren Ersatz in unmittelbarer Nähe. Bei neu geschaffenen Laichgewässern eventuell Einsetzen von Laich oder Kaulquappen. Schutz der Wanderzüge vor Straßenverkehr.

Zoogestützte Schutzprojekte:

Erdkröten profitieren von Schutzmaßnahmen der Zoos zugunsten der einheimischen Amphibien, namentlich von der Anlage und Pflege von Laichgewässern inner- und außerhalb der Zoos, z.B:

Bedeutung für den Menschen

Früher wurden Erdkröten verfolgt, weil sie in unzutreffender Weise als hochgiftig und als Schädlinge an Bienenvölkern angesehen wurden: "Als der Feinde schlimmster tritt der wahnbefangene, mordlustige Mensch auf, welcher gerade die erwachsenen, also fortpflanzungsfähigen Kröten in unverantwortlicher Weise verfolgt, gewiß nicht zu Ehren seiner Bildung oder auch nur seines Verstandes, vielmehr ausschließlich zum Schaden seines Besitzthumes." Heute gelten sie als Nützlinge [4].

Lange galten Kröten auch als Fruchtbarkeitsymbole. Sie sind auch Gegenstand etlicher Märchen und Sagen.

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 45 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. In manchen Zoos gibt es wildlebende Populationen. 

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Rana bufo" wissenschaftlich beschrieben. 1768 stellte sie der österreichische Arzt und Naturforscher Josephus Nicolaus LAURENTI als "Bufo vulgaris" in ihre heutige Gattung.

Literatur und Internetquellen

  1. AGASYAN, A. et al. (2009). Bufo bufo. The IUCN Red List of Threatened Species 2009: e.T54596A11159939. http://www.iucnredlist.org/details/54596/0. Downloaded on 05 December 2017.
  2. AMPHIBIAN SPECIES OF THE WORLD
  3. AMPHIBIAWEB
  4. BREHM, A. E. (1882-1887)
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. HERRMANN, H. J. (2005)
  7. KÜHNIS, J. (2011)
  8. MEYER et al. (2009)

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Dienstag, 24 Oktober 2017 14:03

Zagros-Molch

Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Salamanderverwandte (Salamandroidea)

Familie: Salamander und Molche (Salamandridae)


D CR 650

Zagros-Molch

Neurergus kaiseri • The Kaiser's Spotted NewtLe triton Empereur

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Zagrosmolch (Neurergus kaiseri) im Zoo Breslau © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung des Zagros-Molchs (Neurergus kaiseri)

 

 

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Zagrosmolch (Neurergus kaiseri) in Privathaltung © Peter Janzen, DGHT

 

 

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Zagrosmolch (Neurergus kaiseri) mit Jungtier © DASP (2012)

 

 

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Lebensraum des Zagros-Molchs (Neurergus kaiseri) © Robert Browne, Zoo Antwerpen

 

 

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In der Hütte lebt ein vom Umweltministerium als Molchwächter verpflichteter Einheimischer mit seiner Familie © Robert Browne, Zoo Antwerpen

 

 

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Eine der Quellen, wo Zagros-Molche gefunden wurden © Robert Browne, Zoo Antwerpen

 

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Der Zagros-Molch ist eine äußerst attraktiv gefärbte, in seiner Heimat gefährdete Art, die sich relativ leicht züchten lässt und bereits ziemlich häufig in europäischen Zoos zu sehen ist.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Länge von 13 cm ist der Zagros-Molch der kleinste Vertreter der Gattung Neurergus. Es ist kontrastreich weiß/gelb/orange und schwarz gefärbt [1].

Verbreitung

Mittlerer Osten: Südliches Zagros-Gebirge in der im Südwesten Irans gelegenen Provinz Chusistan [4].

Lebensraum und Lebensweise

Der Zagros-Molch lebt in einer gebirgigen, nur spärlich mit Vegetation bewachsenen Halbwüste, deren Grundwasserspiegel aufgrund der bis heute andauernden, großen geologischen Veränderungen des Gebiets sehr tief liegt. Die Temperaturen erreichen im Sommer über längere Perioden mehr als 40°C über Grund und der kaum beschattete Boden heizt sich extrem auf. Es verwundert daher, dass Neurergus kaiseri unter diesen Bedingungen überhaupt überleben konnte.

Gefährdung und Schutz

Die Art wurde 2006 und 2009 als stark bedroht taxiert, in der Annahme, dass sie ein kleines Verbreitungsgebiet habe, der Lebensraum stark fragmentiert sei und, obwohl es keine konkreten Bestandesschätzungen gab, der Bestand innerhalb von zehn Jahren um über 80 % abgenommen habe. Als Folge intensivierter Feldforschung wurde 2016 eine Rückstufung in die Kategorie "Gefährdet" vorgenommen, obwohl die Bestände anscheinend nach wie vor abnehmen [4].

Der internationale Handel ist seit 2010 nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Zoogestützte Artenschutzprojekte (Beispiele):

  • In Iran wurde im Jahr 2011 mit finanzieller Unterstützung des Sedgwick County Zoos (USA) eine Überwachung der bekannten Bestände, Abklärungen zur Ermittlung der tatsächlichen Verbreitung der Art, Untersuchungen zur Morphologie und eine Sammlung von DNS-Proben durchgeführt. Die DNS-Proben wurden an der Universität von Gent unentgeltlich untersucht. Ein Doktorand führte im Rahmen eines Stipendiums der Universität Kunming (China) eine Arbeit zur Populationsgenetik von Neurergus kaiseri durch.

  • 2016 unterstützte der Amphibienfonds der deutschsprachigen Zooverbände das Projekt eines Forschers der Zechnischen Universität Isfaha über die Verbreitung des Zagros-Molches und Faktoren, die dessen Verteilung bestimmen. Im Laufe der Studie wurden sowohl der Einfluss von Landschaftselementen auf die genetische Struktur und den Austausch der Populationen erforscht als auch geeignete potenzielle Lebensräume identifiziert. mehr ...

Weitere Schutzmaßnahmen:

Das iranische Umweltministerium hat Personen aus der lokalen Bevölkerung bezeichnet, die bei Bestandeserhebungen mitwirken und sich um den Schutz der Art kümmern. Die Errichtung von Schutzgebieten wird gegenwärtig geprüft. Biologiestudenten kontrollieren die Tierhandlungen in Teheran, um zu verhindern, dass Zagros-Molche in den Verkauf gelangen.

Untersuchungen im Jahr 2011 [6] haben bereits zu zwei neuen Fundstellen, rund 70 km nordwestlich des bekannten Artareals geführt. Eine dieser Fundstellen besteht aus einem Bach, wo auf 400 m Länge über 250 erwachsene Zagros-Molche festgestellt wurden, ferner aus drei Quelltümpeln, in denen größenordnungsmäßig je 50 Molche leben. Ein umfassenderer Survey [5] ergab an 20 Fundstellen über 9'200 erwachsene Zagros-Molche. Von den Fundstellen waren 14 bis zum Jahr 2013 nicht bekannt. Sie verteilten sich über ein Areal von gegen 9'000 km², was etwa der Fläche Kärntens entspricht. Offensichtlich findet eine Nutzung für den Heimtierhandel innerhalb Irans statt. Es wurden aber keine Anzeichen gefunden, dass dadurch der Bestand geschädigt wird. Trotzdem fordern die Autoren ein umfassendes Schutz- und Nutzungskonzept, von dem auch andere Arten profitieren sollten.

Bedeutung für den Menschen

Zagros-Molche werden illegal gesammelt und gelangen auf den iranischen Heimtiermarkt. Von 2011-2015 soll es sich um 2,359 Individuen gehandelt haben [4]. Die einzigen Exemplare, die von 2010-2016 im internationalen Handel registriert wurden, waren 10 Nachzuchttiere, die 2012 aus Österreich exportiert wurden [3].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 30 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Zuchtprogramm: Der Zagrosmolch ist eine Art des Erhaltungszuchtprogramms der Zoos und Privathalter im deutschsprachigen Raum (DASP) [2].

Taxonomie und Nomenklatur

Der Zagros-Molch wurde erst 1952 von dem amerikanischen Herpetologen Karl Patterson SCHMIDT beschrieben.

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAWEB
  2. BARTSCH, P. & JANZEN, P. (2014)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. IUCN SSC Amphibian Specialist Group. 2016. Neurergus kaiseri. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T59450A49436271. http://www.iucnredlist.org/details/59450/0. Downloaded on 02 December 2017.
  5. MOBARAKI, A., AMIRI, M., ALVANDI, R., TEHRANI, M.E., KIA, H.Z., KHOSHNAMVAND, A., BALI, A., FOROZANFAR, E. & BROWNE, R.K. (2014)
  6. SCHNEIDER, C. & SCHNEIDER, W. (2011)

EUR-9 gebirgsweiher iran asghar mobaraki
Der natürliche Lebensraum des Zagros-Molchs: Gebirgsweiher in Lorestan, Iran. Bild Asghar Mobaraki

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Freigegeben in Schwanzlurche
Donnerstag, 14 Juni 2018 14:03

Feuersalamander

Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Salamanderverwandte (Salamandroidea)

Familie: Echte Salamander (Salamandridae)

D LC 650

Feuersalamander

Salamandra salamandra • The Fire Salamander La salamandre tâchetée

Der Feuersalamander war der Lurch des Jahres 2016

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Feuersalamander (Salamandra salamandra) im Tiergarten Schönbrunn @ Daniel Zupanc, TG Schönbrunn

 

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Approximative Verbreitung des Feuersalamanders (Salamandra salamandra)

 

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Verbreitung von Feuer- (S. salamandra - schwarz) und Alpensalamander (S. atra - rot) sowie Überlappung der beiden arten (dunkelblau) in der schweiz. Weiß 0 Nachweise von 1992. Quelle: CSCF & KARCH, swisstopo

 

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Feuersalamander (Salamandra. salamandra) im Forschungsmuseum Koenig, Bonn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Feuersalamander (Salamandra salamandra) im Opel-Zoo, Kronberg Martin Becker, Opel-Zoo

 

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Feuersalamander (Salamandra salamandra) im Natur- und Tierpark Goldau @ NTP Goldau

 

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Feuersalamander (Salamandra salamandra) im Tiergarten Schönbrunn @ Daniel Zupanc, TG Schönbrunn

 

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Feuersalamander (Salamandra salamandra) im Wildpark Eekholt @ Wildpark Eekholt

 

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Feuersalamanderlarve (Salamandra salamandra), Nachzucht Anfang Juli im Natur- und Tierpark Goldau @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Oviedo-Feuersalamander (Salamandra salamandra bernadezi) in Privathaltungt @ Peter Janzen, DGHT

 

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Portugiesischer Feuersalamander (Salamandra salamandra gallaica)im Tierpark Chemnitz @ Klaus Rudloff, Berlin

 

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Italienischer Feuersalamander (Salamandra salamandra gigliolii) in Privathaltungt @ Klaus Rudloff, Berlin

 

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"Salamander (Salamandra maculosa)".Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

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Der Feuersalamander ist eine attraktiv gezeichnete einheimische Art, die auch zoopädagogisch Einiges hergibt. Es wird deshalb in Zoos häufig gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Feuersalamander erreichen eine Gesamtlänge von 14-17 cm, selten bis 20 cm. Frisch metamorphosierte Jungtiere haben eine Länge von 4.5-6.5 cm. Die Augen sind groß und hervorstehend, die Parotisdrüsen sind groß und nierenförmig. Der im Querschnitt runde Schwanz ist kürzer als Kopf und Rumpf. Schwimmhäute sind keine vorhanden. Die Haut ist drüsenreich, lackschwarz und hat oberseits ein unverkennbares Flecken- oder Bändermuster. Die Männchen haben einen stärker gewölbten Kloakenwulst und längere Vorderbeine als die Weibchen. [1; 4; 6; 7; 8].

Verbreitung

Europa: Weit verbreitet von Spanien bis zur Ukraine. Fehlt auf den britischen Inseln und in Nordeuropa. Als Grund für Verbreitungslücken im Alpenraum werden ein Konkurrenzausschluss bzw. eine Nischentrennung zwischen Feuer- und Alpensalamander (Salamandra atra) vermutet [5; 6; 9].

Albanien, Andorra, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kosovo, Kroatien, Liechtenstein, Luxemburg, Montenegro, Niederlande, Nordmazedonien, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, San Marino, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ukraine, Ungarn [5].

Lebensraum und Lebensweise

Der Feuersalamander benötigt saubere, nährstoffarme Höhlengewässer, Quellen und Bäche. Landlebensraum sind feuchte Wälder und Schluchten bis 500 m oder mehr vom Laichgewässer entfernt, die Tiere nutzen eine Fläche von mehreren Hektaren [6].

Nach der Metamorphose lebt der Feuersalamander meistens an Land, wo sich die Tiere hauptsächlich von Landschnecken, Gliederfüßlern und Regenwürmern ernähren und während des Sommerhalbjahrs auch paaren. Die 10-30 Eier entwickeln sich im Körper des Weibchen. Dort schlüpfen auch die Larven . Diese verhalten sich im Mutterleib oft kannibalisch und fressen kleinere Geschwister oder Eier auf. Die überlebenden, bereits mit Vorder- und Hinterbeinen versehenen Larven werden dann nach einer Tragzeit von etwa 8 Monaten meist im März/April von der Mutter direkt ins Laichgewässer abgesetzt. Bei der Geburt sind die Jungen etwa 3 cm lang und verfügen über deutlich sichtbare Kiemenäste. Ihre weitere Entwicklung bis zur Metamorphose dauert je nach Temperatur und Nahrungsangebot 3 bis 6 Monate. Die Nahrungs besteht aus Bachflohkrebsen, Eintags- und Köcherfliegenlarven. Die Geschlechtsreife wird mit 2-4 Jahren erreicht. Das Höchstalter liegt bei etwa 20 Jahren [4; 6; 8].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist hat eine weite Verbreitung und mutmaßlich einen großen Bestand. Nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 gilt sie daher weltweit nicht als gefährdet [5]. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist sie in manchen Regionen gefährdet, in Hessen, Sachsen und Tirol als stark gefährdet eingestuft. In Liechtenstein ausgestorben [4].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. Der Feuersalamander ist nicht in den Anhängen der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) aufgeführt.

Praktische Schutzmaßnahmen: Bäche, die unterirdisch in Rohren fließen, wieder oberirdisch offen fließen lassen und Renaturieren von Bächen, Vermeiden von Biozid- und Düngereintrag, Gewährleistung von Restwassermengen bei Quellfassungen, Ersetzen von Nadelholzmonokulturen durch Mischwald. Schutz der Wanderzüge vor Straßenverkehr.

Zoogestützte Schutzprojekte (Beispiele):

  • Die Bestände des Feuersalamanders haben unter der aus Ostasien eingeschleppten Pilzerkrankung Batrachochytrium salamandrivorans zu leiden. Wo die Seuche zuschlägt, liegt die Sterblichkeit im Freiland bei 100%. Erkrankte Tiere können aber behandelt und bis zur Lösung des Problems in Menschenobhut erhalten werden. Citizen Conservation, ein Netzwerk von hauptberuflichen und privaten Tierhaltern, versucht deshalb seit 2018, möglichst viele lokale Varianten des heimischen Feuersalamanders durch eine koordinierte Erhaltungszucht für die Nachwelt erhalten werden können. 2021 förderte der Zoo Ausburg das Programm erstmals mit einem Betrag von 5'000 €.

  • Der Österreichische Zooverband und seine Mitglieder unterstützen ein Projekt zur Abklärung des Vorkommens des Hautpilzes Batrachochytrium salamandrivorans beim Feuersalamander und anderen Schwanzlurchen in Österreich. mehr ...

Feuersalamander profitieren auch von Schutzmaßnahmen der Zoos zugunsten der einheimischen Amphibien im Freiland, namentlich von der Anlage und Pflege von Laichgewässern inner- und außerhalb der Zoos, z.B:

Bedeutung für den Menschen

Der Feuersalamander ist unter den Amphibien eine der sagenumwobensten Arten. Seine Immunität gegen Feuerverletzung und seine Giftigkeit bewog Schriftsteller und Gelehrte der alten Zeiten zu fantasierechen Geschichten. BREHM [2] zitiert dazu Folgendes: "Unter allen giftigen Thieren sind die Salamander die boshaftesten. Andere verletzen nur einzelne Menschen und tödten nicht mehrere zugleich - ganz abgesehen davon, daß die Giftthiere, welche einen Menschen verwundet haben, umkommen und von der Erde nicht wieder aufgenommen werden - der Salamander hingegen kann ganze Völker vernichten, falls diese sich nicht vorsehen. Wenn er auf einen Baum kriecht, vergiftet er alle Früchte, und wer davon genießt, stirbt vor Frost; ja, wenn von einem Holze, welches er nur mit dem Fuße berührt hat, Brod gebacken wird, so ist auch dieses vergiftet, und fällt er in einen Brunnen, das Wasser nicht minder. Doch wird dieses so giftige Geschöpf von einigen anderen Thieren gefressen, so z.B. von den Schweinen, und es ist wahrscheinlich, daß sein Gift vorzüglich durch solche Thiere gedämpft wird, denen er zur Nahrung dient. Wäre begründet, was die Magier vorgeben, daß sie gewisse Theile des Salamanders als Mittel wider Feuersbrünste vorschlagen, weil es das einzige Thier ist, welches das Feuer auslöscht, so würde Rom längst einen solchen Versuch gemacht haben." Dass er von diesen Geschichten nicht viel hält, geht aus seiner Feststellung hervor, dass noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts eine Frau versucht hätte, ihren Gatten vermittels eines Salamanders, dessen Fleisch sie der Speise beigemengt hatte, zu vergiften, der Mann aber nach genossener Speise keine andere Wirkung als die der Sättigung verspürt hätte.

Mehr dazu auch unter www.feuersalamander.ch.

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art bzw. einzelne Unterarten werden in über 90 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich gegen die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Manche Zoos (namentlich Chemnitz) halten mehrere Unterarten. Für Details siehe Zootierliste. In einzelnen Zoos hat es wildlebende Populationen.

Wie Feuersalamander gehalten werden (Beispiel):

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Es wurden die folgenden Unterarten beschrieben (in europäischen Zoos gehaltene Unterarten fett) [1]:

  • Salamandra salamandra alfredschmidti Köhler & Steinfartz, 2006
  • Salamandra salamandra almanzoris Müller & Hellmich, 1935
  • Salamandra salamandra bejarae Wolterstorff, 1934
  • Salamandra salamandra bernardezi Wolterstorff, 1928
  • Salamandra salamandra beschkovi Obst, 1981
  • Salamandra salamandra crespoi Malkmus, 1983
  • Salamandra salamandra fastuosa Schreiber, 1912
  • Salamandra salamandra gallaica Seoane, 1884
  • Salamandra salamandra gigliolii Eiselt & Lanza, 1956
  • Salamandra salamandra longirostris Joger & Steinfartz, 1994
  • Salamandra salamandra morenica Joger & Steinfartz, 1994
  • Salamandra salamandra salamandra (Linné, 1758)
  • Salamandra salamandra terrestris Lacépède, 1788
  • Salamandra salamandra werneri Sochurek & Gayda, 1941
 

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAWEB
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. KÜHNIS, J. (2011)
  5. KUZMIN, S. et al. (2009). Salamandra salamandra. The IUCN Red List of Threatened Species 2009: e.T59467A11928351. http://www.iucnredlist.org/details/59467/0. Downloaded on 02 December 2017.
  6. MEYER et al. (2009)
  7. NIETZKE, G. (1969)
  8. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)
  9. WERNER, P. (2011)

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Freigegeben in Schwanzlurche
Donnerstag, 14 Juni 2018 14:02

Axolotl

Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Salamanderverwandte (Salamandroidea)

Familie: Querzahnmolche (Ambystomatidae)

D CR 650

Axolotl

Ambystoma mexicanum • The Axolotl L'axolotl

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Axolotl (Ambystoma mexicanum) im Allgäuer Reptilienzoo, Füssen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Vorkommen des Axolotls (Ambystoma mexicanum)

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Albinotischer Axolotl (Ambystoma mexicanum) im Allgäuer Reptilienzoo, Füssen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Albinotischer Axolotl (Ambystoma mexicanum) im Tierpark Chemnitz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Axolotl (Ambystoma mexicanum) im Aquazoo Düsseldorf © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Axolotl (Ambystoma mexicanum) im Schulzoo des Dathe-Gymnasiums Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

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Illustration zur Originalbeschreibung des Axolotls ("Gyrinus mexicanus") von Frederick Polydore NODDER (1798)

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"Axolotllarve". Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

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"Axolotl (Amblystoma mexicanum)". Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

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Weil der Axolotl seine Geschlechtsreife bereits im Larvenstadium erreicht und keine Metamorphose zum Erwachsenenstadium durchmacht sowie als Gegenstand medizinischer Forschung, ist er von zoopädagogischem Interesse. Weil er permanent im Wasser lebt, ist er auch für das Publikum stets sichtbar. Aus diesen Gründen wird er in Zoos sehr oft gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Im Freiland durchlaufen Axolotl nie eine Metamorphose zum Erwachsenenstadium. Dieses, Neotenie genannte Phänomen ist durch eine Unterfunktion der Schilddrüse bedingt. In menschlicher Obhut kann eine Metamorphose vorkommen, etwa wenn man den Tieren Schilddrüsenhormon verabfolgt oder sie mit Schilddrüsen füttert. Ausgewachsene Larven haben eine Kopf-Rumpflänge von 15 cm und eine Schwanzlänge von 14 cm. Der Kopf ist nicht übermäßig groß, mit abgerundeter Schnauzenpartie, kleinen, lidlosen Augen und beidseits drei federartigen äußerlichen Kiemenästen. Der Körper ist kräftig mit einer niedrigen Rückenflosse, die auf Höhe der Vorderbeine beginnt und in die Schwanzflosse übergeht. Die kurzen Beine haben vorne 4, hinten 5 Zehen, die nicht durch Schwimmhäute verbunden sind. Im Freiland variiert die Färbung von dunkelgrau bis schwarz. Zuchtformen können albinotisch, gelb oder gefleckt sein [3; 5].

Verbreitung

Nordamerika: Mexiko, südlich von Mexiko-Stadt und in Kanälen und Feuchtgebieten in der Gegend von Xochimilco, dem Chalco-See und dem Chapultepec-See. Die Art kam ursprünglich auch weiteren Seen und Feuchtgebieten des Zentraltals von Mexiko vor, ist dort aber weitgehend verschwunden [6].

Lebensraum und Lebensweise

Tiefe Seen und diese verbindende Kanäle mit reichlichem Pflanzenwuchs bilden den Lebensraum des Axolotls [7]. Der Axolotl ist das klassische Beispiel für Amphibien, die ihre Geschlechtsreife bereits im Larvenstadium erreichen und deshalb eine rein aquatische Lebensweise haben [5].

Gefährdung und Schutz

Der Axolotl ist im Freiland hochgradig bedroht. Sein Verbreitungsgebiet umfasst 467 km², das effektive Vorkommen wohl weniger als 10 km². Es ist fragmentiert und die Lebensraumqualität und damit die Anzahl der Tiere nimmt ab. Seit 2006, letztmals überprüft 2019 ist er deshalb in der Kategorie "unmittelbar vom Aussterben bedroht" (CRITICALLY ENDANGERED) in der Roten Liste der IUCN aufgeführt. Allerdings ist die Art in Menschenobhut weit verbreitet [6].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Der Axolotl galt in Mexiko früher als Delikatesse. "Sein Fleisch gleicht dem der Aale, ist gesund und schmackhaft und wird gebraten, geschmort und gesotten gegessen, von den Spaniern gewöhnlich mit Essig, Pfeffer und Nägelein, von den Mejikanern bloß mit spanischem Pfeffer zubereitet. An einer anderen Stelle spricht derselbe Berichterstatter von Kaulquappen, welche die Indianer mit Wohlbehagen genießen und sogar manchmal auf die Märkte bringen" [2].

Heute sind die Tiere geschützt, werden aber immer noch illegal zu Speise- oder medizinischen Zwecken sowie als Heimtiere gefangen [5; 6]. Von 2001-2016 meldete Mexiko die Ausfuhr von 40 Wildfängen. Im selben Zeitraum wurden weltweit über 28'000 Nachzuchttiere international verschoben. Wichtigste Exportländer waren die USA gefolgt von Tschechien [4].

Haltung

Dass Axolotl im Larvenstadium fortpflanzungsfähig sind, wurde in der Ménagerie des Jardin des Plantes zu Paris entdeckt, wo es 1865 zur ersten Nachzucht in einem Zoo kam [2].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 100 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich etwa 40% im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Wie Axolotl gehalten werden (Beispiel): Vivarium im Tierpark Chemnitz, siehe ZOOLEX Gallery.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Axolotl wurde 1798 vom englischen Naturforscher George SHAW und dem Illustrator Frederick Polydore NODDER als "Gyrinus mexicanus" beschrieben. Er wurde danach in verschiedene andere Gattungen gestellt und endete 1884 in Ambystoma [1].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THE WORLD
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  4. CITES TRADE DATA BASE
  5. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)
  6. IUCN SSC AMPHIBIAN SPECIALIST GROUP (2020). Ambystoma mexicanum. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T1095A53947343. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-3.RLTS.T1095A53947343.en . Downloaded on 19 December 2020..

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Freigegeben in Schwanzlurche
Donnerstag, 14 Juni 2018 14:02

Grosser Armmolch

Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Armmolche (Sirenoidea)

Familie: Armmolche (Sirenidae)

D LC 650

Großer Armmolch

Siren lacertina • The Greater SirenLa sirène lacertine

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Großer Armmolch (Siren lacertina) im Zoo Oppeln © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Approximative Verbreitung des Großen Armmolchs (Siren lacertina)

 

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Großer Armmolch (Siren lacertina) im Tierpark Chemnitz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Großer Armmolch (Siren lacertina) im Tierpark Chemnitz © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Großer Armmolch (Siren lacertina) in der Wilhelma Stuttgart © Klaus Rudloff, Berlin

 

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"Armmolch (Siren lacertina)". Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

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Titelseite der Dissertation von Abraham Östermalm, in welcher der Große Armmolch wissenschaftlich beschrieben wurde.

 

 

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Armmolche werden in Europa nur von wenigen Zoos, hauptsächlich aus zoopädagogischen Gründen gehalten, weil es sich um Dauerlarven handelt, die auch als Erwachsene noch äußerliche Kiemen haben.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Große Armmolch wird bis gegen 1 m lang. Er ist charakterisiert durch einen aalähnlichen Körper, äußere Kiemen mit je drei Ästen, neben denen er aber auch eine Lunge besitzt, kleine Vorder- und fehlende Hinterbeine sowie einen seitlich abgeplatteten Schwanz, der der Fortbewegung dient [5; 7.

Verbreitung

Nordamerika: Südöstliche USA von Washington D.C. bis Florida und Alabama, möglicherweise auch Texas und Nordost-Mexiko [8].

Lebensraum und Lebensweise

Der Große Armmolch ernährt sich hauptsächlich von Muscheln und Schnecken. Trocknet sein Wohngewässer aus, gräbt er sich im Schlamm ein und kann dort, in einen Kokon gehüllt, bis zu zwei Jahre überleben. Die Eier werden im Frühjahr in kleinen Häufchen am Gewässergrund abgelegt [7; 8].

Gefährdung und Schutz

Die Art hat eine weite Verbreitung und ist zumindest gebietsweise relativ häufig. Sie ist nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 nicht gefährdet [8].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

In der Angelfischerei werden Armmolche gelegentlich als Köder verwendet. ansonsten ist ihre unmittelbare Bedeutung für den Menschen gering [3]

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa einem halben Dutzend europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich einzelne im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Die durchschnittliche Haltungsdauer im Zoo-Aquarium Berlin lag bei 4½ Jahren, das Maximum bei 7½ Jahren [6]. Ein 1825 nach England importierter Armmolch starb nach 6-jähriger Haltungsdauer, weil er aus seinem Bottich ausgestiegen war und danach an Land seine Kiemen vertrockneten [4].

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Wie Armmolche gehalten werden (Beispiel): Vivarium im Tierpark Chemnitz, siehe ZOOLEX Gallery.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Große Armmolch war von dem schottischen Naturforscher Alexander GARDEN für die Wissenschaft entdeckt worden, der 1765 zwei Tiere nach London sandte. Es waren die ersten in Europa und sie wurden anfänglich für Fische gehalten. Beschrieben wurde die Art ein Jahr später von Abraham ÖSTERDAM, einem Doktoranden Carl von LINNÉs, der sie auch als Amphibium identifizierte [2; 4].

Die Familie der Armmolche unfasst zwei Gattungen mit je zwei Arten: Pseudobranchus spp. und Siren spp. [1].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THE WORLD
  2. AMPHIBIAWEB
  3. ANIMAL DIVERSITY WEB
  4. BREHM, A. E. (1882-1887)
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. IBLER, B. (2012)
  7. O’SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2001)
  8. PARRA-OLEA, G., WAKE, D. & HAMMERSONn, G.A. (2008). Siren lacertina. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T59492A11937094. http://www.iucnredlist.org/details/59492/0. Downloaded on 01 December 2017.

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Freigegeben in Schwanzlurche
Donnerstag, 14 Juni 2018 14:02

Chinesischer Riesensalamander

Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Niedere Schwanzlurche (Cryptobranchoidea)

Familie: Riesensalamander (Cryptobranchidae)

D CR 650

Chinesischer Riesensalamander

Andrias davidianus • The Chinese Giant SalamanderLa salamandre géante de Chine

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Chinesischer Riesensalamander im Zoo Duisburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Chinesischen Riesensalamanders (Andrias davidianus)

 

 

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Chinesischer Riesensalamander im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Chinesischer Riesensalamander im Staatlichen Museum für Naturkunde, Karlsruhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Chinesischer Riesensalamander (Andrias davidianus) wird innerhalb des Zoos Dresden umgesetzt. Das 1995 geschlüpfte Tier war 2011 10,9 kg schwer und 1.11 m lang © Zoo Dresden (Pressefoto)

 

 

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Chinesischer Riesensalamander (Andrias davidianus)im Zoo Dresden © Zoo Dresden (Pressefoto)

 

 

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Der fossile Andrias scheuchzeri im Naturkundemuseum Karlsruhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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"Riesensalamander (Cryptobranchus maximus)". Bild aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

 

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Der vom Aussterben bedrohte Chinesische Riesensalamander ist nach seinem japanischen Vetter die größte Amphibienart und ist aus verschiedenen Gründen von zoopädagogischem Interesse. Er wird aber unter europäischen Zoobedingungen kaum je gezüchtet und ist daher nur relativ selten zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Riesensalamander sollen im Extremfall bis 1.8 m lang und etwa 50 kg schwer werden. Es sind Dauerlarven mit einer Teilumwandlung, bei der sich die Kiemen zurückbilden. Wie bei Schwanzlurchlarven allgemein üblich haben bei den Riesensalamandern auch die Erwachsenen keine Augenlider. Auch behalten sie die Larvenbezahnung bei. Der Chinesische Riesensalamander ist etwas kleiner (maximal 159 cm) als die japanische Art. An dem breiten, flachen Kopf und an der Kehle hat er kleinere, meist paarig und teilweise in Reihen angeordnete Warzen. Die Extremitäten sind kurz und flach, vorne mit 4, hinten mit 5 Zehen, die nicht oder nur durch rudimentäre Schwimmhäute verbunden sind. Der seitlich komprimierte, gekielte Schwanz ist deutlich kürzer als Kopf und Rumpf. Die Färbung ist graubraun mit unregelmäßigen Flecken, die Unterseite ist etwas heller [2; 5].

Verbreitung

Ostasien: VR China in Höhenlagen von 100-1'500 m in verschiedenen Provinzen, Taiwan (dort möglicherweise eingeführt) [4].

Lebensraum und Lebensweise

Riesensalamander sind ständige Wasserbewohner, die hauptsächlich in klaren, schnell fließenden Bächen mit Kies- oder Felsuntergrund leben und dort nach äußerlicher Befruchtung ihre 6 mm großen Eier in Laichschnüren unter Steinen oder in Uferhöhlen ablegen. Die etwa 30 mm langen Schlüpflinge haben beidseits 3 äußerliche Kiemenäste. Diese verschwinden, wenn die Jungtiere eine Länge von 16-25 cm erreicht haben [2; 5]

Gefährdung und Schutz

Als Folge einer starken Übernutzung für die Zwecke des chinesischen Nahrungsmittelmarktes sind die Bestände in den letzten Jahrzehnten kollabiert und die Art gilt nach einer revisionsbedürftigen Beurteilung aus dem Jahr 2004 als unmittelbar vom Aussterben bedroht [4].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Riesensalamander werden ich China zu Ernährungszwecken gefangen. Dies ist der Hauptgrund für den kritischen Zustand der Art [4]. Von 2001-2016 wurden aus China keine Wildfänge exportiert. Im selben Zeitraum wurden weltweit 80 Nachzuchttiere international verschoben [3].

Haltung

Im Zoo Dresden starb ein Chinesischer Riesensalamander im Alter von 25 Jahren, wovon er 19 Jahre in Dresden verbracht hatte. Das weibliche Tier hatte eine Länge von 127 cm und ein Gewicht von 28 kg erreicht [7].

Haltungsempfehlung: In einem Behälter von 200 x 100 x 40 cm (LxBxH) konnte ein Paar zur Zucht gebracht werden. Die Anlage bestand aus je einem Höhlensystem für jedes Tier. Der Durchmesser der Zugangsröhren war wenig größer als der Kopfdurchmesser, damit das Eindringen des anderen Tieres verhindert werden konnte [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund einem Dutzend europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich gegen die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Über frühe Haltungen von (Japanischen) Riesensalamandern in Europa berichtet BREHM: "Siebold nahm im Jahre 1829 zwei lebende Riesensalamander von Japan mit, um sie nach Europa überzuführen. Zu ihrer Ernährung hatte er japanesische Flußfische bestimmt, welche auch aufgezehrt wurden; als jedoch die Nahrung zu mangeln begann, fraß der männliche Salamander sein Weibchen auf. Sodann hungerte er bis zur Ankunft in Europa, wie sich später ergab, ohne allen Schaden. Man richtete nun in Leyden für ihn ein Becken mit Süßwasser ein und setzte kleine Fische zu ihm, welche von ihm auch zeitweilig angenommen wurden. Bei seiner Ankunft betrug seine Länge dreißig Centimeter, sechs Jahre später schon einen Meter, seitdem hat er langsam zugenommen und wächst wohl auch noch immer fort; denn er lebt heutigentages noch im Thiergarten zu Amsterdam.
    Später, namentlich im letzten Jahrzehnt, sind mehrere dieser ungeschlachten Geschöpfe lebend zu uns gelangt, und gegenwärtig kann man sie im Pflanzengarten zu Paris, in den Thiergärten zu London, zu Berlin und ebenso zu Frankfurt und anderen Orten sehen. Ich habe mehrere Gefangene längere Zeit beobachten können und gefunden, daß sie ohne Ausnahme höchst langweilige Geschöpfe und deshalb auch in keiner Weise geeignet sind, den Beschauer zu fesseln." [1].

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Wie Riesensalamander gehalten werden (Beispiel): Vivarium im Tierpark Chemnitz, siehe ZOOLEX Gallery

Taxonomie und Nomenklatur

Im Jahre 1726 veröffentlichte der Zürcher Stadtarzt und Naturforscher Johan Jacob SCHEUCHZER den Fund eines etwa einen Meter großen, versteinerte Skeletts am Schiener Berg in der Nähe von Radolfzell, von dem er glaubte, es handle sich um die Überbleibsel eines Menschen, der Zeuge der biblischen Sintflut gewesen war ("homo diluvii testis"). Seine Diagnose wurde schon bald einmal angezweifelt. Wie Georges CUVIER 1811 feststellte, handelte es sich effektiv um einen vor Riesensalamander. Friedrich HOLL beschrieb 1829 die Art, die vor 14 Millionen Jahren gelebt hatte, als Salamandra scheuchzeri. 1837 wurde sie von dem aus Glarus stammenden Naturforscher Johann Jakob von TSCHUDI in die heute noch gültige Gattung Andrias gestellt [1].

Die (asiatischen) Riesensalamander sind eine von zwei Gattungen der Familie Cryptobranchidae. Diese umfasst zwei Arten.

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. GANG, L. et al (2004). Andrias davidianus. The IUCN Red List of Threatened Species 2004: e.T1272A3375181. http://www.iucnredlist.org/details/1272/0. Downloaded on 01 December 2017.
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. HAKER, K. (1997)
  7. PRESSEMITTELUNG ZOO DRESDEN VOM 28.04.2020

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Donnerstag, 14 Juni 2018 14:02

Schwimmwühle

Ordnung: Blindwühlen (Gymnophiona)
Familie: Schwimmwühlen (Typhlonectidae)

D LC 650

Breitkopf-Schwimmwühle

Typhlonectes natans • The Rubber Eel or Rio Cauca Caecilian • La cecilie aquatique

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Schwimmwühle (Typhlonectes natans) im Tiergarten Nürnberg © Tiergarten Nürnberg

 

 

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Approximative Verbreitung der Schwimmwühle (Typhlonectes natans)

 

 

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Schwimmwühle (Typhlonectes natans) im Tierpark Chemnitz © Helmut Mägdefrau, TG Nürnberg

 

 

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Schwimmwühlen (Typhlonectes natans) im Tiergarten Nürnberg © Tiergarten Nürnberg

 

 

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Schwimmwühle (Typhlonectes natans) mit geöffnetem Maul im Tiergarten Nürnberg © Tiergarten Nürnberg

 

 

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Schwimmwühle (Typhlonectes natans) im Zoo Dortmund © Frank Brandstätter, Zoo Dortmund

 

 

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Abbildungen zur Originalbeschreibung der Schwimmwühle (Caecilia (= Typhlonectes) natans) von Johann Gustav FISCHER (1880)

 

Weitere Bilder auf BioLib

 

Schwimmwühlen sind wasserlebende, wurmartige Lurche ohne Extremitäten und praktisch ohne Schwanz, die nicht sehr oft in europäischen Zoos zu sehen sind.

Körperbau und Körperfunktionen

Schwimmwühlen sind extremitätenlose, wasserlebende Amphibien. Sie besitzen kleine, durchscheinende Augen und kurze, ausstülpbare Tentakeln, mit denen sie sehr gut riechen können. Die Nasenöffnungen liegen seitlich am Kopf. Ein äußerlich sichtbares Ohr ist nicht vorhanden. Zur Bezahnung äußert sich BREHM wie folgt: "Alle Blindwühlen haben gleichartige, hohle, an der Innenseite der Kiefer angeheftete, starke, kegelförmige, mit ihrer Spitze etwas zurückgeneigte Zähne und eine mit ihrer ganzen Unterseite am Kinne angeheftete, mithin nicht ausstreckbare Zunge. Anlangend erstere, so finden sie sich auch am Gaumen vor, und zwar stehen sie hier in Gestalt eines Hufeisens wie bei einzelnen Fischlingen (Anm. = Cryptobranchidae)." [2].  Nach der Metamorphose besitzen Schwimmwühlen reduzierte Lungen, wobei sie auch Sauerstoff durch ihre Haut aufnehmen. Typhlonectes natans wird 45-55 cm lang. Der Schwanz ist rückgebildet. Die Färbung ist braungrau, unterseits etwas heller, um den After weiß (3; PM Zoo Zürich)

Verbreitung

Nördliches Südamerika : Kolumbien und Venezuela im Einzugsgebiet des Cauca- und des Magdalena-Flusses bis auf eine Höhe von rund 1'000 m sowie rund um den Maracaibasee. Ferner eventuell Trinidad und Tobago [5].

Lebensraum und Lebensweise

Schwimmwühlen ernähren sich von Insekten und anderen Arthropoden, Würmern und kleinen Wirbeltieren, einschließlich Schlangen [3]. Sie sind lebendgebärend (ovovivipar). Das Weibchen gebärt nach einer Trächtigkeit von 225 Tagen 1 bis 8 Junge. Diese sind bei der Geburt 15 cm lang. Sie haben großen Lappenkiemen, die sie schon nach wenigen Stunden verlieren [4; PM Zoo Zürich].

Gefährdung und Schutz

Die Breitkopf-Schwimmwühle hat eine ziemlich große Verbreitung und anscheinend stabile Bestände. Sie kommt auch mit verschmutzten oder anderswie beeinträchtigten Gewässern zurecht und kommt in einigen Schutzgebieten vor. Sie wird daher aufgrund einer revisionsbedürftigen Beurteilung aus dem Jahr 2004 nicht als gefährdet angesehen [5].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Typhlonectens natans ist die am häufigsten im Tierhandel anzutreffende Schwimmwühlenart. Zum Teil werden Tiere für Handelszwecke gezüchtet [5].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 20 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1880 vom Hamburger Zoologen Johann Gustav FISCHER unter der Bezeichnung Caecilia natans beschrieben [3]. Die Gattung Typhlonectes umfasst zwei Arten. T. compressicauda schließt südlich an die Verbreitung von  T. natans an [1].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAWEB
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. FISCHER, J. G. (1880)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. MIJARES, A., CASTRO, F., MEASEY, J. & WILKINSON, M. (2004). Typhlonectes natans. The IUCN Red List of Threatened Species 2004: e.T59601A11965700, http://www.iucnredlist.org/details/59601/0. Downloaded on 15 March 2016.

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx