Meerkatzen, Makaken, Mangaben, Paviane

Drill

Drill-Mann (Mandrillus leucophaeus) im ErlebnisZoo Hannover Drill-Mann (Mandrillus leucophaeus) im ErlebnisZoo Hannover
© Zoo Hannover (Pressefoto)

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder Schmalnasenaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus Pavianartige (Papionini)

D EN 650

Drill

Mandrillus leucophaeus • The Drill • Le drill

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Drill (Mandrillus leucophaeus) im Zoo Wuppertal © Zoo Wuppertal

 

 

 

 

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Verbreitung des Drills (Mandrillus leucophaeus). Das Verbreitungsgebiet ist stark fragmentiert, wie die Detailkarte zeigt.

 

 

 

 

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Drill-Mann (Mandrillus leucophaeus) im ErlebnisZoo Hannover © Zoo Hannover (Pressefoto)

 

 

 

 

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Drill-Paar (Mandrillus leucophaeus) im Zoo Osnabrück © Zoo Osnabrück (Pressefoto)

 

 

 

 

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Junger Drill (Mandrillus leucophaeus) im ErlebnisZoo Hannover © Zoo Hannover (Pressefoto)

 

 

 

 

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Drill-Mann (Mandrillus leucophaeus) im ErlebnisZoo Hannover © B. Zeller / Zoo Hannover (Pressefoto)

 

 

 

 

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Drillweibchen (Mandrillus leucophaeus) mit Jungtier im Tierpark Hellabrunn, München © Tierpark Hellabrunn (Pressefoto)

 

 

 

 

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Gehege für Drills (Mandrillus leucophaeus) und Brazza-Meerkatzen (Cercopithecus neglectus im ErlebnisZoo Hannover © Zoo Hannover (Pressefoto)

 

 

 

 

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Der in seiner Haimat stark gefährdete Drill wird nicht sehr häufig in europäischen Zoos gehalten, weil er vom bunter gefärbten Mandrill konkurrenziert wird. Zoos, welche die Art halten, engagieren sich häufig in in situ-Artenschutzprojekten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Drill ist der etwas kleinere und weniger farbenprächtige Verwandte des Mandrills. Wie bei jenem besteht ein extremer Dimorphismus zwischen männlichen und weiblichen Tieren. Die Männer erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 72-83 cm, eine Schwanzlänge von ca. 9-13 cm und ein Gewicht bis 27 kg. Die Weibchen sind mit einer Kopf-Rumpflänge von 45-50 cm, einer Schwanzlänge von 5-9 cm und einem Gewicht bis zu 12 kg nur etwa halb so groß. Das haarlose Gesicht ist charakterisiert durch relativ nahe bei einander stehende Augen, eine langgezogene Schnauze und Knochenwülste, die entlang der Nase verlaufen. Die Haut über diesen Wülsten ist nicht gefurcht. Die Gesichtshaut ist schwarz pigmentiert, am Kinn rot. Der Stirnschopf ist schwarz, der Backen- und Kinnbart weiß. Die den Kopf umgebende Mähne ist etwas heller als der übrige Körper, der oberseits dunkelbraun bis dunkelgrau behaart ist. Der Bauch ist weißgrau. Die Gesäßschwielen und der Hodensack sind rot. Bei Jungtieren ist das Gesicht bei der Geburt rosa und beginnt sich erst ab 4-6 Monaten zu pigmentieren [1; 10].

Verbreitung

West-/Zentralafrikanischer Regenwald: Äquatorial-Guinea, Gabun, Kamerun, Nigeria. Es gibt zwei Unterarten: Die Nominatform lebt auf dem Festland zwischen dem Cross River and dem Sanaga River; M. l. poensis kommt nur auf der Insel Bioko vor [6; 10].

Lebensraum und Lebensweise

Drills besiedeln primäre Regenwälder des Tieflands und der submontanen Stufe bis auf eine Höhe von etwa 1'000 m und ältere Sekundärwälder. Sie sind tagaktive Tiere, die ihre Nahrung hauptsächlich am Boden suchen und sich zum Übernachten auf Bäume zurückziehen [6; 10].

Über die Sozialstruktur der Drills im Freiland ist wenig bekannt. Meist werden sie in von einem Mann dominierten Gruppen von 15-30 Tieren beiderlei Geschlechts angetroffen, wobei auf ein männliches Adulttier etwa zwei weiblich fallen. Saisonal können mehrere Gruppen zusammenkommen und Horden von bis zu 200 Individuen bilden. Junge Männchen leben möglicherweise vorübergehend als Einzelgänger. Auch über die Nahrungsökologie weiß man wenig. Konsumiert werden vorab am Boden liegende Früchte, ferner junge Blätter, Wurzeln, Insekten, Achatschnecken, Krustentiere kleine Wirbeltiere und Eier von Wasserschildkröten [5].

Im Zoo werden Drill-Weibchen frühestens mit 3 Jahren und 4 Monaten geschlechtsreif. Währenddem bei Mandrillweibchen die Östrusschwellung intensiv rot gefärbt ist, ist sie bei den Drills nur blassrosa und zum Rand hin bläulich. Die Länge eines Zyklus beträgt 30-46 Tage, die Tragzeit 176 (168-183) Tage. Das mittlere Geburtsintervall liegt im Zoo bei 19 Monaten [5; 10].

Gefährdung und Schutz

Der Drill hat ein relativ kleines Verbreitungsgebiet und ist nirgendwo sehr häufig. Verlust an Lebensraum und Bejagung für den Fleischmarkt haben eine Bestandsabnahme zur Folge. Er gilt deshalb aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 als bedrohte Tierart (Rote Liste: ENDANGERED) [6].

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

Zoogestütztes Artenschutzprojekt: Im Zoo Hannover existiert seit Ende der siebziger Jahre die seinerzeit einzig regelmäßig züchtende Drillgruppe in Menschenhand. 1993 gründete der langjährige Reviertierpfleger der Drills, Roland Wolf, die Aktion "Rettet den Drill“, um die Arbeit des Drill- Rehabilitations- und Zuchtzentrums „Pandrillus“ in Nigeria zu unterstützen. 2004 wurde die Aktion in den Verein „Rettet den Drill e.V.“ umgewandelt. Seit 1993 haben Aktion bzw. Verein über 60.000 € an Geld- und Sachspenden für den Schutz des Drills in Nigeria zur Verfügung gestellt. Damit konnten nicht nur Schutzmaßnahmen für die hoch bedrohten Drills und ihren Lebensraum intensiviert, sondern auch ein Beitrag zur Förderung der Regionalentwicklung in den Afi Mountains, der Heimat der Drills, im krisengeschüttelten Nigeria geleistet werden [7].

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Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Drills werden zur Fleischgewinnung unkontrolliert bejagt, wobei oft ganze Gruppen abgeschossen werden [6].

Von 1977-2017 exportierten die Ursprungsländer nebst Wissenschaftsmaterial nur 6 lebende Wildfänge. Im selben Zeitraum wurden weltweit Exporte von 76 Nachzuchttieren erfasst [3].

Haltung

Es existiert ein Internationales Zuchtbuch, das gemeinsam vom Tierpark Hellabrunn und dem Los Angeles Zoo geführt wird. Dieses umfasst 98 lebende Individuen in 23 Einrichtungen [IZY 52, Daten bis Dezember 2016].

WEIGL gibt an, dass ein in amerikanischen Zoos gehaltenens Weibchen ein Alter von etwa 39 Jahren erreichte [9].

Eine Vergesellschaftung mit anderen Primaten ist möglich, so werden Drills z.B. im ErlebnisZoo Hannover gemeinsam mit Brazzameerkatzen gehalten.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in weniger als 20 Zoos gehalten, von denen sich über ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Das seit 1985 bestehende Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) wird vom Tierpark Hellabrunn koordiniert.

Forschung im Zoo: Drills sind gelegentlich Gegenstand von Forschungsarbeiten. So wurden am Zoo Hannover verschiedentlich Studien zum Verhalten und zur Fortpflanzung durchgeführt [2; 4; 10].

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung von bis zu 5 erwachsenen Drills ein Außengehege von 40 m² bei 3 m Höhe und ein Innengehege von 40 m² bei 2.50 m Höhegefordert und für jedes zusätzliche Adulttier außen 4 m² und innen 3 m² Fläche mehr. Dies ist eine Erhöhung des Raumangebots um ein Drittel gegenüber dem Gutachten’96. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos schlugen im Differenzprotokoll vor, dass für 5 Tiere ein Außengehege von 30 m² mit 3 m Höhe und ein Innengehege von 30 m² bei 2.50 m Höhe und für jedes weitere Tier außen wie innen 2 m² mehr Fläche angeboten werden sollte.

Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird behauptet, dass für die Haltung von Drills Einmännchen-/ Vielweibchengruppen erforderlich seien und daher heranwachsende Männchen rechtzeitig aus der Gruppe entfernt werden müssten. Tatsächlich leben Drills im Freiland aber meist in großen gemischtgeschlechtlichen Gruppen. Auch im Zoo ist die Haltung von Gruppen mit mehreren erwachsenen Tieren beider Geschlechter möglich und wird erfolgreich praktiziert. Da Drills überwiegend frugivore Regenwaldbewohner sind, ist eine Fütterung mit Gras, Heu und Heupellets, wie sie das Gutachten vorgibt, nicht artgemäß.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 5 Drills ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 25 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 4 m² Fläche zusätzlich vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise oder in Haremsgruppen erfolgen und es ist für 5 Adulttiere ein Außengehege mit einer Grundfläche von 200 m² und ein Innengehege von 50 m² bei jeweils 3 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche außen um 20, innen um 5 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Drill wurde 1807 vom französischen Naturforscher und Direktor der Ménagerie von Paris, Georges-Frédéric CUVIER, als "Simia leucophaea"erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die Gattungsbezeichnung Mandrillus wurde 1824 von dem deutschen Gynäkologen und Naturforscher Ferdinand August Maria Franz von RITGEN eingeführt. Zeitweilig wurde die Art auch in der von Johann Christian Polycarp ERXLEBEN begründeten Gattung Papio geführt. Es gibt zwei Unterarten [6; 10].

Literatur und Internetquellen

  1. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  2. BÖER, M. (1998)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. HOFFMANN, D. (2014)
  5. KREBS, E. (2008)
  6. OATES, J.F. & BUTYNSKI, T.M. (2008). Mandrillus leucophaeus. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T12753A3377185. http://www.iucnredlist.org/details/12753/0. Downloaded on 17 May 2018.
  7. RETTET DEN DRILL
  8. SCHRÖDER, J. (2011)
  9. WEIGL, R. (2005)
  10. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 720 mal Letzte Änderung am Samstag, 08 Februar 2020 10:45
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx