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Nomenklatur

Die biologische Nomenklatur bezeichnet die wissenschaftliche ("lateinische") Benennung der Lebewesen auf der Erde. Individuen werden dabei nach bestimmbaren Merkmalen in einem System angeordnet (Reich - Stamm - Klasse - Ordnung - Familie - Gattung - Art). Die heute gebräuchliche binäre (oder binominale) Nomenklatur (eingeführt von Carl v. Linné 1753) ordnet jedem Organismus einen zweiteiligen Namen zu (Gattung und Art, z.B. Panthera tigris für den Tiger).

Die binären Namen können ergänzt werden durch die Angabe des Namens der Unterart, die klein hinter dem Artnamen geschrieben wird (z. B. Sumatratiger - Panthera tigris sumatrae) oder die Angabe des Namens der Untergattung, die in Klammern zwischen dem Gattungs- und dem Artnamen geschrieben wird (z. B. Gefleckte Weinbergschnecke - Helix (Cornu) aspersa).

Kann ein Taxon nicht zweifelsfrei bestimmt, jedoch anhand von Erfahrungswerten einem bekannten Taxon zugeordnet werden, wird vor den Gattungs- oder Artnamen "cf." (= confer, vergleiche) gesetzt (z.B. Osteolaemus cf. tetraspis).

Haustierformen wurden ursprünglich wie Arten behandelt bzw. in die Wildform integriert. Heute wird zumeist dem Vorschlag von BOHLKEN (1961) gefolgt, indem man die Haustierform der Wildform zuordnet, soweit bekannt, und zwischen dem Artnamen der Wildform und dem Haustiernamen die Bezeichnung "forma" (f.) voranstellt. Somit lautet die Bezeichnung für z.B. die  Hauskatze: Felis silvestris forma catus LINNAEUS, 1758.

Für die Benennung von Taxa gibt es einen internationalen Code, über dessen Einhaltung die 1895 gegründete Internationale Kommission für Zoologische Nomenklatur wacht bzw. wachen sollte. Seit jeher wurden Taxa doppelt oder umbenannt, was zu Entstehung von Synonymen, also ungültigen Zweitbezeichnungen führt. Klassische Gründe für Umbenennungen sind:

  1. Priorität: Es wird ein älterer Name für das Tier aufgefunden.
  2. Fehldeutung: Es wird eine Nichtübereinstimmung mit der Originalbeschreibung aufgedeckt.
  3. Homonymie: Es wird aufgedeckt, daß der Name schon früher einem anderen Tier gegeben worden ist.

Seit dem Aufkommen der Molekulargenetik  besteht die Tendenz, Gattungen und Arten aufzuspalten, was die Zahl sowohl der Synonyme als auch der von maßgebenden Standardwerken anerkannten Arten massiv ansteigen ließ.

Manche der neugeschaffenen Namen sind zweifelhaft oder unsinnig. An den Regeln des Code und der Arbeit der Kommission gab es daher seit jeher zum Teil massive Kritik.

nomenklatur-term
20.06.2023 (1'059)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx