Meerkatzen, Makaken, Mangaben, Paviane

Weissscheitelmangabe

Weißscheitelmangabe (Cercocebus a. lunulatus), Mann im Zoo Heidelberg, wo die Art seit 2019 gehalten wird Weißscheitelmangabe (Cercocebus a. lunulatus), Mann im Zoo Heidelberg, wo die Art seit 2019 gehalten wird
© Heidrun Knigge / Zoo Heidelberg

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder Schmalnasenaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus Pavianartige (Papionini)

D EN 650

EEPWeißscheitel- oder Halsbandmangabe

Cercocebus (atys) lunulatus • The White-crowned Mangabey • Le cercocèbe couronné

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Weißscheitelmangabe (Cercocebus a. lunulatus) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung der Weißscheitelmangabe (C. atys lunulatus) nach Roter Liste der IUCN

 

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Weißscheitelmangabe (Cercocebus a. lunulatus) im Zoo Osnabrück © Stefan Schute / Zoo Osnabrück

 

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Weißscheitelmangabe (Cercocebus a. lunulatus) im Zoo Osnabrück © Svenja Vortmann / Zoo Osnabrück (Pressefoto)

 

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Weißscheitelmangabe (Cercocebus a. lunulatus) mit Jungtier im Zoo Osnabrück © Svenja Vortmann / Zoo Osnabrück (Pressefoto)

 

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Weißscheitelmangabe (Cercocebus a. lunulatus)im Zoo Osnabrück © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Weißscheitelmangabe (Cercocebus a. lunulatus) im Zoo Barcelona © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Weißscheitelmangabe (Cercocebus a. lunulatus) mit Jungtier im Zoo Landau © Zoo Landau (Pressefoto)

 

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Weißscheitelmangabe (Cercocebus a. lunulatus) mit Jungtier im Zoo Osnabrück © T. Schmeing / Zoo Landau (Pressefoto)

 

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Weißscheitelmangabe (Cercocebus a. lunulatus) im Zoo Osnabrück © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Weißscheitelmangabe (Cercocebus a. lunulatus) in der Ménagerie des Jardin des Plantes, Paris © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Die in ihrer Heimat stark gefährdete Weißscheitel- oder Halsbandmangabe wird relativ selten in europäischen Zoos gehalten, der Bestand ist aber dank einem Erhaltungszuchtprogramm im Zunehmen begriffen, und die Zoos, welche die Art zeigen, bemühen sich alle um die Erhaltung der Art auch in der Wildbahn.

Körperbau und Körperfunktionen

Bei den Mangaben besteht ein Geschlechtsdimorphismus, indem erwachsene Weibchen deutlich kleiner und leichter sind als Männchen. Männliche Weißscheitelmangaben erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 52-73 cm, eine Schwanzlänge von 67-74 cm und ein Gewicht bis 11.8 (-15) kg. Weibchen haben eine Kopf-Rumpflänge von 47-51 cm und ein Gewicht bis 6.3 kg. Die nackte Gesichtshaut ist fleischfarben oder Grau, die Augenlider sind weiß. Das Fell ist oberseits und an den Außenseiten der Extremitären rauchgrau, Kehle, Brust, Bauch und Beininnenseiten sind weiß. Auf dem Rücken verläuft ein dunkler Längsstreifen Auf dem Kopf befindet sich der namengebende weiße Schopf. Dieser ist bei Neugeborenen noch nicht vorhanden und bildet sich ab der 10. Lebenswoche [1; 2; 6].

Verbreitung

Westafrika: Elfenbeinküste, Ghana und möglicherweise im Südwesten von Burkina Faso [4].

Lebensraum und Lebensweise

Weißscheitelmangaben besiedeln primäre Regenwälder, Sekundärwälder, Trocken-, Sumpf-, Mangroven- und Galeriewälder. Sie sind tagaktiv und halten sich meist am Boden oder in den untersten Schichten des Kronendachs auf. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Früchten, daneben fressen sie auch andere Pflanzenteile und Kleintiere. Sie bilden Gruppen von 3 bis über 50 Tieren beiderlei Geschlechts, die etwa 200 ha große Streifgebiete nutzen [4; 6].

Nach einer Tragzeit von rund 170 Tagen gebären die Weibchen in der Regel ein einzelnes Junges [6].

Gefährdung und Schutz

Die Weißscheitelmangabe war im Jahr 2000, damals als Unterart von atys, wegen massiver Bestands- und Arealeinbußen in die Kategorie "vom Aussterben bedroht" gestellt worden. Trotz weiterhin abnehmender Bestände wurde die von der IUCN mittlerweile als eigene Art betrachtete lunulatus im Jahr 2008 nur noch als stark gefährdet eingestuft. Dies wurde aufgrund einer Überprüfung im Jahr 2019 bestätigt und 2020 letztmals publiziert (Rote Liste: ENDANGERED) [4].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Zoogestütztes Artenschutzprojekt: Zum Schutz der Weißscheitelmangabe, die damals als eine der 25 am meisten bedrohten Primatenarten galt, wurde im Jahr 2000 auf Initiative der Zoos von Heidelberg, Landau und Mülhausen sowie der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) die West African Primate Conservation Action (WAPCA) ins Leben gerufen. An dieser beteiligen sich mittlerweile 19 europäische Zoos. mehr ...

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Weißscheitelmangaben werden zur Fleischgewinnung für den Eigenbedarf oder für den in Westafrika weit verbreiteten "bushmeat"-Handel gejagt. Sie werden auch verfolgt, weil sie Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen anrichten [4].

Von 1977-2017 exportierte Ghana nebst etwas Wissenschaftsmaterial lediglich 2 lebende Wildfänge (unter der Bezeichnung Cercocebus atys). Im selben Zeitraum wurden weltweit Exporte von 12 Nachzuchttieren erfasst [3].

Haltung

Für eine optimale Haltung wird ein Innengehege von 4 m² pro Tier bei 2.50 m Höhe empfohlen, das möglichst unterteilbar sein sollte. Handelt es sich um ein Schaugehege, sollte die Fläche 50 m² betragen. Das Außengehege sollte eine Fläche von 250 m² und eine Höhe von 4 m aufweisen [1].

Weißscheitelmangaben wurden erfolgreich mit Gorillas und mit Eulenkopf-, Brazza- oder Nördlichen Zwergmeerkatzen vergesellschaftet WEIGL gibt als bekanntes Höchstalter 29 Jahre und 1 Monat an, erreicht von einem in Japan gehaltenen Männchen. Nach Zuchtbuch wurde das älteste Weibchen 34 Jahre und 7 Monate alt [1; 5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in 16 Zoos gehalten, von denen sich vier im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Um in Zoos eine stabile Population aufzubauen, werden Weißscheitelmangaben seit 2000 in einem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) gemanagt, das vom Zoo Barcelona koordiniert wird. Seitdem hat sich die Zahl der Haltungen gut verdoppelt. Die Zuchttiere stammen ausschließlich aus Beschlagnahmungen oder sind bereits im Zoo geboren.

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung von bis zu 5 erwachsenen Mangaben ein Außen- und ein Innengehege von je 33 m² bei 3 m Höhe gefordert und für jedes zusätzliche Adulttier außen 4 m² und innen 3 m² Fläche mehr. Dies ist eine Erhöhung des Raumangebots um ein Drittel gegenüber dem Gutachten’96. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos hielten eine Erhöhung des Platzangebots ebenfalls für angebracht schlugen aber im Differenzprotokoll vor, dass für 5 Tiere ein Außengehege von 30 m² und ein Innengehege von 25 m² bei jeweils bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier außen wie innen 3 m² mehr Fläche angeboten werden sollte.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 5 Mangaben ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 25 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 4 m² Fläche zusätzlich vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen und es ist für 5 Adulttiere ein Außengehege mit einer Grundfläche von 100 m² und ein Innengehege von 25 m² bei jeweils 2.50 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche außen um 10, innen um 2.5 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Weißscheitelmangabe wurde 1853 von dem niederländischen Zoologen Coenraad Jacob TEMMINCK unter dem Namen "Cercopithecus lunulatus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Später kam sie in die von Étienne GEOFFROY SAINT-HILAIRE, dem Begründer des ersten bürgerlichen Zoos, der Ménagerie im Jardin des Plantes von Paris, 1812 aufgestellte neue Gattung Cercocebus. Wie bei vielen Primaten ist die Taxonomie der Mangaben umstritten. Manche Autoren sehen lunulatus als Unterart von Cercocebus atys an, andere betrachten sie als eigene, monotypische Art. Bis vor wenigen Jahren wurde zudem atys als Unterart von torquatus eingestuft [2; 4; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. ABELLÓ, T., TER MEULEN, T. & PRINS, E. F. (2018)
  2. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DEMPSEY, A., GONDELÉ BI, S., MATSUDA GOODWIN, R. & KOFFI, A. (2020). Cercocebus lunulatus. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T4206A92247733. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-2.RLTS.T4206A92247733.en . Downloaded on 03 May 2021.
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  7. KRAAIJ, E. & TER MAAT, P. (2011)

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Gelesen 5697 mal Letzte Änderung am Sonntag, 01 August 2021 15:38
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx