Pelomedusen- und Schienenschildkröten

Starrbrust-Pelomeduse

Starrbrust-Pelomedusenschildkröten (Pelomedusa subrufa s. l.) im Aquarium Limoges Starrbrust-Pelomedusenschildkröten (Pelomedusa subrufa s. l.) im Aquarium Limoges
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern
smiley happy  Neue Tierart

Ordnung: Schildkröten (TESTUDINATA)
Unterordnung: Halsbergerschildkröten (CRYPTODIRA)
Familie: Pelomedusenschildkröten (Pelomedusidae)

D LC 650

Starrbrust-Pelomedusen-Komplex

Pelomedusa subrufa s. l. • The African Helmeted Turtle • La péloméduse rousse

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Starrbrust-Pelomedusenschildkröten (Pelomedusa subrufa) im Village des Tortues, Carnoules © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung der Starrbrust-Pelomedusenschildkröte (Pelomedusa subrufa s.l.)

 

 

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Starrbrust-Pelomedusenschildkröte (Pelomedusa subrufa) im Village des Tortues, Carnoules © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Starrbrust-Pelomedusenschildkröte (Pelomedusa (subrufa) variabilis) im Zoo Pécs © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Starrbrust-Pelomedusenschildkröten (Pelomedusa (subrufa) galeata) im Bergzebra-Nationalpark © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Starrbrust-Pelomedusenschildkröte (Pelomedusa subrufa) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Starrbrust-Pelomedusenschildkröte (Pelomedusa subrufa) im Sharjah Breeding Centre of Endangered Arabian Wildlife © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Starrbrust-Pelomedusen sind eher unauffällige, kleinere bis mittelgroße Wasserschildkröte, die in Zoos nicht häufig gehalten wird. Früher ging man von einer einzigen Art aus. Diese wurde 2014 in mehrere Arten aufgeteilt. Bei den in Europa gehaltenen Tiere ist in der Regel nicht klar, zu welcher Art sie gehören.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Starrbrust-Pelomedusenschildkröte erreicht eine Carapax Länge von (20-)25-33 cm. Der Rückenpanzer ist flach und farblich variabel, am Hinterrand eventuell leicht gesägt. Es kann ein schwach ausgebildeter Kiel vorhanden sein. Das Plastron ist oft gelblich, aber auch andere Farben kommen vor. Im Gegensatz zu Arten der Gattung Pelusios weist es kein Gelenk auf. Die Vorder- und Hinterfüße haben je 5 Krallen [1; 3; 6].

Verbreitung

Afrika südlich der Sahara bis zur Kap-Region sowie SW der Arabischen Halbinsel. Weitere Angaben siehe unter Taxonomie [5; 7; 8].

Lebensraum und Lebensweise

Die Starrbrust-Pelomedusenschildkröte lebt in temporären oder permanenten, stehenden oder fließenden, oft trüben Gewässern vom Meeresspiegel bis (in Südafrika) auf eine Höhe von 1'500 m. Während der Trockenzeit oder bei Kälteperiode legen viele Tiere eine Ruhephase an Land bzw. eingegraben im Bodengrund des trocken gefallenen Gewässers ein. Fische, Frösche und deren Kaulquappen, andere Wassertiere, Vögel, Aas und gelegentlich Wasserpflanzen bilden die Nahrung der Starrbrust-Pelomedusenschildkröte. Die Gelegegröße liegt bei 10-30(-40) länglichen, 30-42x18-28 mm messenden Eiern. Bei einer Temperatur von 30°C schlüpfen die ca. 8-10 g schweren Jungen nach 51 Tagen [1; 3; 6].

Gefährdung und Schutz

Gestützt auf eine Beurteilung aus dem Jahr 2017, ist die Südafrikanische Starrbrustschildkröte (P. galeata) seit 2018 als nicht gefährdet (LEAST CONCERN) in der Roten Liste der IUCN aufgeführt. Für die übrigen "neuen" Arten stehen Beurteilungen noch aus [2].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Gebietsweise werden Starrbrust-Pelomedusen gegessen und ihre Panzer werden zu Musikinstrumenten ("Sansas") verarbeitet [2; 4].

Haltung im Zoo

Es wird empfohlen, dass der Wasserteil 4/5 der Grundfläche des Behälters einnehmen, die Tiefe das 4-5-fache der Carapaxbreite betragen soll. Das Wasser sollte 24-26ºC warm sein. Bepflanzung, wenn überhaupt, mit Cyperus gracilis. Eine Überwinterung entfällt [3; 6].

Zoopädagogik: Weil sie sich als Halswender deutlich von der bekannteren einheimischen Sumpf- oder den Schmuckschildkröten unterscheidet, ist die Art von Interesse, um die Vielfalt der Schildkröten aufzuzeigen.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in weniger als 10 Institutionen gehalten, darunter einigen im deutschsprachigen Raum. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Behälter für eine Kleingruppe mindestens 4x so lang und 2x so breit sein wie die Carapaxlänge. Der Wasserstand soll das Doppelte der Carapaxbreite betragen. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.06.2022) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege mit einem Landteil vor, der das 2x2-fache, und einem Wasserteil, der das 4x2-fache der Carapaxlänge misst. Für jedes weitere Tier kommen beim Wasserteil das 1x1-fache der Carapaxlänge dazu. Die Wassertiefe muss der einfachen Carapaxlänge entsprechen. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2023) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Starrbrust-Pelomeduse wurde 1788 von Bernard Germain de LACÉPÈDE und 1789 von  Pierre Joseph BONNATERRE jeweils als Testudo subrufa wissenschaftlich beschrieben, wobei aufgrund eines Entscheids der Internationalen Nomenklaturkommission der von BONNATERRE vergebene Name beibehalten wurde. Die Gattungsbezeichnung Pelomedusa wurde 1830 von dem an der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätigen Zoologen Johann Georg WAGLER eingeführt [7; 8].

2014 kam es zu einer Revision der Gattung, wobei im Ergebnis vier bisherige Unterarten Artstatus erhielten, sechs neue Arten beschrieben und zwei weitere Arten vorgeschlagen wurden [5]:

  • Pelomedusa barbata: SW Arabische Halbinsel
  • Pelomedusa galeata: Südafrika
  • Pelomedusa gehafie: Eritrea, eventuell Sudan
  • Pelomedusa kobe: Tansania.
  • Pelomedusa neumanni: W Kenia, N Tansania
  • Pelomedusa olivacea: Sahelzone von Senegal bis Niger
  • Pelomedusa schweinfurthi: Südsudan
  • Pelomedusa somalica: NW Somalia
  • Pelomedusa subrufa: südliches Afrika anschließend an P. galeata
  • Pelomedusa variabilis: Elfenbeinküste; Ghana
  • Pelomedusa A: Sahel südlich des Tschadsees
  • Pelomedusa B: zentraler Sudan.

Literatur und Internetquellen

  1. BRANCH, B. (1988)
  2. HOFMEYR, M.D. & FRITZ, U. (2018). Pelomedusa galeata (errata version published in 2019). The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T113551736A144762886. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2018-2.RLTS.T113551736A144762886.en. Accessed on 30 June 2023.
  3. NIETZKE, G. (1969)
  4. OBST, F. J. (1985)
  5. PETZOLD, A., VARGAS-RAMIREZ, M., KEHLMAIER, C. et al (2014)
  6. ROGNER, M. (2008)
  7. THE REPTILE DATA BASE
  8. TURTLE TAXONOMY WORKING GROUP (2014)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx