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GREVEN, H., BRAATZ, S. & SCHULTEN, D. (2013)

Comments on the Malaysian Katydid Ancylecha fenestrata (Fabricius, 1793) (Orthoptera: Tettigoniidae).

Entomologie heute 25: 57-75

Zusammenfassung:

Ancylecha fenestrata ist eine relativ große Tettigoniide (Phaneropterinae) aus Malaysia mit grünen, blattähnlichen Tegmina, auf denen sich je zwei bunte, halbmondförmige Muster finden. Die Art wird zwar mittlerweile häufig in menschlicher Obhut gehalten und gezüchtet, über ihre Biologie ist aber offenbar bisher nur wenig publiziert worden. Eine Internetrecherche ergab, dass A. fenestrata in Insektarien eine Reihe von Pflanzen zur Eiablage nutzt, diese aber nicht frisst. Diese Pflanzen haben relativ dicke und ledrige Blätter und enthalten verschiedene Substanzen (z. B. Saponine, spezifische Glucoside, Oxalsäuren etc.), von denen viele zumindest für Wirbeltiere nicht bekömmlich sind. Nur wenige Pflanzen scheinen gleichzeitig zur Eiablage und als Futter genutzt zu werden. Ob es sich dabei um eine Strategie handelt, die A. fenestrata im Freiland verfolgt, ist unbekannt. Die von uns beobachteten Weibchen legten pro Blatt bis zu 13 große, leicht nierenförmige Eier in Blätter der buntgefleckten Drachenlilie, Dracaena surculosa, die häufig zur Zucht von A. fenestrata benutzt wird. Das Chorion der Eier besteht außen aus einer dünnen, homogenen Lage, die offenbar eine enge Verbindung mit den Zellwänden des Blattparenchyms eingeht; ihr folgen eine breitere, schwammartige Lage, eine dicke, kompakte Schicht, deren Hohlräume (Lufträume) durch feine Kanäle miteinander verbunden, sich auch in die Hohlräume der schwammigen Schicht öffnen, sowie eine sehr dünne Basallage. Die Nymphen schlüpfen bei Temperaturen von 22-25 °C nach durchschnittlich 70 Tagen. Die ersten Nymphenstadien unterscheiden sich in Färbung und Ruheposition auffällig von späteren Stadien; sie sind durch gelbe Punkte auf dem Abdomen sowie einen größeren gelben bis grünen Fleck an der Seite gekennzeichnet. In Ruhestellung (die Vorderextremitäten sind nach vorn, die beiden Hinterextremitäten nach hinten gestreckt, die langen Fühler liegen unter dem Abdomen) erinnern sie ein wenig an Spinnen. Bei A. fenestrata stridulieren beide Geschlechter, doch ist der Stridulationsapparat geschlechtsdimorph. Männchen besitzen, wie typisch für viele Tettigoniidae, eine kräftige, stark sklerotisierte Pars stridens mit kräftigen Zähnen auf der Unterseite der linken Flügelbasis und auf der Oberseite des rechten Flügels das Plectrum sowie den sogenannten Spiegel. Weibchen besitzen keinen Spiegel auf der Oberseite der rechten Flügelbasis, sondern Reihen von Flügeladern mit seitlich zugespitzten Zähnchen, die offenbar als Schrillleisten fungieren, während die Unterseite des linken Flügels nicht auffällig modifiziert ist. Wenn die Tiere massiv gestört werden, produzieren sie Alarm- oder Verteidigungslaute.

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx