Lebensräume in Eurasien

Gebirge (2): Mittelgebirge in Zentraleuropa

Typische Mittelgebirgs-Landschaft im Waadtländer Jura Typische Mittelgebirgs-Landschaft im Waadtländer Jura
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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 Allgemeines

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Die Gorges du Tarn in den Cévennen, einem Teil des französischen Zentralmassivs © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Blick vom Creux-du-Van (ca. 1'250 m.ü.M.), Neuenburger Jura © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Natürlicher Fichtenwald, Col du Marchairuz, 1'400 m.ü.M. Waadtländer Jura © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Zerklüftete Felsformationen im Elbsandsteingebirge © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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"Waldsterben" auf dem 1'012 m hohen Ještěd im tschechischen Jeschkengebirge, 1991 © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

EUR 05 Mittelgebirge Waldsterben Jested 1991 2
"Waldsterben" auf dem 1'012 m hohen Ještěd im tschechischen Jeschkengebirge, 1991 © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Angesiedeltes Alpensteinwild (Capra ibex) bei Le Soliat (ca. 1'380 m.ü.M.) im Neuenburger Jura © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Wölfin (Canis lupus) in Gehege im JuraParc Mont d'Orzeires bei Vallorbe (ca. 1'030 m.ü.M.) im Waadtländer Jura © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Mittelgebirge haben in unserem Gebiet eine Höhe bis zu etwa 1'800 m. Sie sind nicht vergletschert und meistens bis in die höchsten Lagen bewaldet. Im deutschen Sprachraum gehören dazu alle Gebirge mit Ausnahme der Alpen, wie Bayerischer Wald, Böhmerwald, Eifel, Elbsandsteingebirge, Elstergebirge, Erzgebirge, Fichtelgebirge, Fränkische Alb, Harz, Hunsrück, Hoher Meissner, Knüll, Pfälzer Wald, Odenwald, Rhön, Rothaargebirge, Schwäbische Alb, Schwarzwald, Sudeten, Taunus, Thüringer Schiefergebirge, Thüringer Wald, Vogelsberg, Zittauer Gebirge. Auch die Ardennen, die Vogesen, das Massif Central und der Jura sind Mittelgebirge.

Vegetation

Bis etwa 1'000 m.ü.M. stehen Buchenwälder, ab 700 m.ü.M. auch Tannen-Rotbuchenwälder und natürliche Fichtenwälder. In vielen Mittelgebirgen wurden die natürlichen Wälder durch Fichtenforste ersetzt. Diese Monokulturen sind besonders anfällig für das sogenannte "Waldsterben", das in den 1980er Jahren eines der bedeutendsten Umweltthemen war. Als Hauptursache für die Waldschäden, die sich in Schäden am Wurzelsystem und Nadelverlust bzw. bei Laubbäumen in Auflichtungen des Kronenbereichs manifestieren, wurde Luftverschmutzung durch Schadstoffe aus Industrie und Bergbau und dadurch verursachter saurer Regen festgemacht. Geschädigte Bäume sind auch anfälliger für Schädlinge wie Borkenkäfer, von denen der Buchdrucker (Ips typographus) der wichtigste ist. Einige der dem Wald zusetzenden Schadfaktoren wurden seit den 1980er Jahren eliminiert oder verringert. Als Folge von durch den Klimawandel bedingter Erwärmung und zunehmender Trockenheit, was namentlich den Rotbuchen zu schaffen macht, sowie häufiger auftretenden Stürmen, leidet der Wald aber weiterhin. Besonders stark betroffen sind z.B. Harz, Riesengebirge, Erzgebirge, Jeschkengebirge, Thüringer Wald und Sächsische Schweiz.

Tierwelt

Das Säugetierspektrum ist ähnlich dem der Alpen. Ausgesprochene Hochgebirgstiere, wie Schneemaus, Schneehase, Alpensteinbock und Alpenmurmeltier fehlen, außer an einzelnen Stellen, wo die beiden letzteren angesiedelt wurden. Die Wildkatze ist in den Mittelgebirgen weit verbreitet. Die bisweilen "Juraviper" genannte Aspisviper kommt im Süden und Westen noch an vielen Stellen vor. Die Kreuzotter hat dagegen ihre Hauptverbreitung im Norden und Osten. Wo beide Arten vorkommen, bevorzugt die Kreuzotter die höheren Lagen. Alpengemse und Eurasischer Luchs waren in den Mittelgebirgen in der Regel ausgerottet, wurden aber mit Erfolg wiederangesiedelt. Wölfe  werden namentlich in Frankreich wieder festgestellt, der im 19. Jahrhundert ausgerottete Braunbär fehlt noch. Das Massif Central ist ein Schwerpunkt für den Gänsegeier, auch Schmutzgeier nisten hier. Stellenweise wurden Sikahirsch und Mufflon angesiedelt, wobei es heute teilweise Bestrebungen gibt, diese gebietsfremden Arten wieder zu eliminieren.

Typische Zootiere

Wolf, Rotfuchs, Steinmarder, Baummarder, Hermelin, Iltis, Dachs, Fischotter, Europäische Wildkatze, Eurasischer Luchs, Wildschwein, Rothirsch, Reh, Gemse, Eichhörnchen, Siebenschläfer, Gartenschläfer.

Haselhuhn, Auerhuhn, Wachtel, Gänsegeier, Schmutzgeier, Schwarzmilan, Wespenbussard, Mäusebussard, Wanderfalke, Turmfalke, Ringeltaube, Sperlingskauz, Uhu, Waldkauz, Waldohreule, Raufusskauz, Schwarzspecht, Feldlerche, Wasseramsel, Rotkehlchen, Sommergoldhähnchen, Hausrotschwanz, Amsel, Mönchsgrasmücke, Mauerläufer, Kleiber, Kolkrabe, Aaskrähe, Eichelhäher, Tannenhäher, Elster, Star, Haussperling, Erlenzeisig, Grünfink, Buchfink, Stieglitz, Fichtenkreuzschnabel, Gimpel, Goldammer.

Mauereidechse, Zauneidechse, Smaragdeidechse, Aspisviper, Kreuzotter, Erdkröte, Grasfrosch, Feuersalamander, Bergmolch.

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Jura

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Die erste Jurakette vom Naturschutzgebiet Chrümmi im Berner Seeland aus gesehen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Grat und Gipfel (1'606 m. ü. M.) des Chasseral im Berner Jura © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Blick auf den durch die Combe Grède zerschnittenen Petit Chasseral (1'530 m. ü. M.), das Dorf Villeret und den Mont Soleil (1'291 m. ü. M.) mit seiner Windkraftanlage im Berner Jura © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Blick vom oberen Rand des Creux-du-Van (ca. 1'450 m.ü.M.), Neuenburger Jura © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

EUR 05 02 Jura Creux du Van PD2
Teil der Steilwand des Creux-du-Van im Neuenburger Jura © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Die Schlucht der Areuse im Neuenburger Jura wird durch einen Wanderweg erschlossen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Im seit 1932 bestehenden Naturschutzgebiet Combe-Grède an der Nordseite des Chasseral im Berner Jura © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der vom Doubs durchflossene Lac des Brenets (80 ha, 750 m. ü. M.) bildet die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Fichtenwälder stellenweise bis in die Gipfelregion, hier bei der Métairie de Dombresson (Kt. Neuenburg) auf ca. 1'550 m. ü. M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

EUR 05 02 Jura Chasseral PD3
Von Buchen dominierter herbstlicher Laubwald bei Prés sur Lignières (Kt. Neuenburg) auf ca. 900 m. ü. M., darüber Fichtenwald. Auf der Wiese Spiegelschafe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

EUR 05 02 Jura Le Soliat PD2
Angesiedeltes Alpensteinwild (Capra ibex) bei Le Soliat (ca. 1'380 m.ü.M.) im Neuenburger Jura © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Der Jura im engeren Sinn verläuft parallel zu den Alpen. Er liegt nordwestlich des Schweizer Mittellandes, teils auf schweizerischem, teils auf französischem Staatsgebiet. Im Süden wird er von der Rhone, im Norden vom Rhein begrenzt. Er besteht überwiegend aus Kalkgestein, ferner aus Mergel- und Tonschichten. Er ist im Wesentlichen ein Faltengebirge, im Norden, in den Kantonen Aargau, Basel-Land und Jura sowie im angrenzenden Frankreich, gibt es aber einen ungefalteten Teil, den Tafeljura, der sich in  geologisch gleich aufgebauten Mittelgebirgen in Schaffhausen (Randen) und Deutschland (Klettgau, Schwäbische und Fränkische Alb) fortsetzt. Der Tafeljura ist reich an Fossilien (Muschelkalk, Dinosaurier).

Der Höchste Gipfel ist mit 1'720 m. ü. M. der Crêt de la Neige, der in der Nähe von Genf auf französischem Staatsgebiet (Département Ain) liegt. Der höchste Gipfel in der Schweiz ist der 1679 m hohe Mont Tendre im Kanton Waadt.

In Mittelgebirgen gibt es Kare (französisch cirques), d. h. kesselförmige, von steilen Felswänden begrenzte Eintiefungen an den Bergflanken, die von  kurzen Gletschern ausgeschürft worden sind. Einer der bekanntesten Kessel im Schweizer Jura ist der Creux du Van im Val de Travers. Dieser ist wahrscheinlich während der letzten Eiszeit entstanden. Er ist etwa 1'200 m breit und 500 m tief. Seine rund 160 m senkrecht abfallen Felswände ind insgesamt etwa 4 km lang.

Andere, für Kalkgebirge typische Formationen sind Höhlen und  Dolinen, die durch die Lösung von verkarstungsfähigem Gestein, und enge Schluchten, die durch mechanische Erosion enstanden sind. Der Französische Jura ist eines der höhlenreichsten Gebiete Europas. Bislang sind über 5'000 kleinere und größere Höhlen erforscht, das längste System weist eine Länge von über 40 km auf. Im Schweizer Jura ist namentlich die touristisch erschlossene Feengrotte von Vallorbe bekannt, ein gegen 3 km langes System von Tropfsteinhöhle und Gängen, aus dem die Orbe entspringt. Wegen des wasserdurchläßigen Untergrunds ist das Gewässernetz des Juras bescheiden. Es gibt nur wenige natürliche Seen, der größte in der Schweiz ist der Lac de Joux mit 9.6 km², der größte in Frankreich der Lac de Saint-point mit 5.2 km² Fläche. Der bedeutendste Fluss ist der Doubs mit 453 km Länge. Im Zuge der Auffaltung des Juras haben manche Flüße enge Durchbruchstäler, sogenannte Klusen gebildet. Wohl die schönste dieser Schluchten ist die Gorge de l'Areuse (ca. 450-720 m. ü. M.) im Neuenburger Jura. Die Areuse stürzt im Bereich der langgezogenen Schlucht über mehrere Wasserfälle 270 Meter in die Tiefe.

Tierwelt

Der letzte Braunbär im Schweizer Jura wurde 1855 erlegt. Der Luchs wurde hier vermutlich bereits im 18. Jahrhundert ausgerottet, im französischen Jura gab es noch Sichtungen bis um 1870. Von 1972-1975 wurden offiziell 2 Paare und vermutlich 6 weitere Tiere illegal angesiedelt. Heute (2022) liegt der Gesamtbestand im schweizerischen und französischen Jura bei ca. 140 Individuen. Im Gegensatz zum Luchs war die Wildkatze im Jura nie ausgestorben. Aus der Schweiz war sie allerdings um 1960 weitgehend verschwunden. Ihre erneute Ausbreitung wurde gefördert durch die Ansiedlung von Wildfängen aus dem Burgund und von Nachzuchten aus schweizerischen Tierparks. Der Rothirsch wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts im Jura ausgerottet. Aus der Alpenpopulation wanderten ab dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts immer wieder einzelne Tiere ein. Verstärkt war dies ab etwa 2006 der Fall. Gebietsweise ist seitdem eine exponentielle Zunahme der Bestände zu beobachten, was dazu führte, dass 8 Schweizer Kantone und 3 französische Departemente zusammen mit Jagdverbänden ein Interreg-Projekt ins Leben riefen, das darauf abzielt, Bestandsentwicklung, Wanderungen und Waldschäden zu beobachten und Grundlagen für die Bewirtschaftung der Art zu liefern. Die Gemse verschwand während des Neolithikums, eventuell der Bronzezeit. 1950-62 wurden insgesamt 84 in den  Alpen gefangene Gemsen freigelassen, heute ist die Art wieder flächendeckend vorhanden und wird bejagt. 1965 wurden am Creux du Van 17 der bereits in der Altsteinzeit aus dem Jura verschwundenen Steinböcke angesiedelt. Die Kolonie konnte sich halten, hat sich aber nicht ausgedehnt. Der Bestand der wiederholt, hauptsächlich ab Ende der 1960er-Jahre ausgewilderten Alpenmurmeltiere stagnierte bis zur Jahrtausendwende. Danach nahm er zu, und das Artareal reicht heute vom Chasseral im Berner bis zum Noirmont im Waadtländer Jura.

Das Areal des Auerhuhns ist seit den 1970er-Jahre im Jura um mehr als die Hälfte geschrumpft. Im nördlichen und zentralen Jura ist die Art praktisch verschwunden. Das Birkhuhn ist seit etwa einem halben Jahrhundert ausgestorben. Das Haselhuhn hatte im Nordosten Arealverluste zu verzeichen, ist aber vom Chasseral Richtung Süden in geeigneten Wälder noch fast überall vorhanden. In ackerbaulich genutztem Gelände zwischen 400-1'200 m Höhe ist die Wachtel noch weit verbreitet. Der vielfältig strukturierte Nadelholzbestände bewohnende Sperlingskauz konnte sein Areal im Süden des Juras seit den 1990er-Jahren nach Norden und auch in tiefere Lagen ausdehnen. Dagegen zeichnet sich beim im Kettenjura noch weitverbreiteten Raufusskauz ein Rückgang ab. Sehr erfolgreich war ein 1972 begonnenes Wiederansiedlungsprogramm für den Uhu, der heute wieder den größten Teil des Juras besiedelt. Der um die Mitte des 19. Jahrhunderts regional ausgestorbene Steinadler wanderte spontan ein. 1994 wurde die erste Brut im französischen, 2009 im Solothurner, 2014 im Berner und 2020 im Neuenburger Jura verzeichnet, und die Population wächst ist im ganzen Kettenjura kontinuierlich. 2021 wurde erstmals ein Steinadler von einer Windturbine getötet, was NGOs veranlasste ein Moratorium für den Bau von Windkraftanlagen in sensiblen Regionen zu fordern.

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Schwarzwald

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Der mittlere Schwarzwald vom Schliffkopf aus © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Abgestorbene Fichten (Picea abies) an der Schwarzwaldhochstraße auf ca. 950 m.ü.M.) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Alte Fichte (Picea abies) beim Nationalparkzentrum Ruhestein auf ca. 900 m. ü. M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Von Legföhren oder Latschenkiefern (Pinus mugo ssp. mugo) überwachsene Grinde beim Schliffkopf auf ca. 1'000 m Höhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Grinde mit Beerenstrauch-Vegetation beim Schliffkopf auf ca. 1'000 m Höhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Mummelsee, ein Karsee auf 1'028 m Höhe, im Hintergrund die Hornisgrinde mit Aussischtsturm und Sendemast © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Titisee (845 m. ü. M.) ist der Gletscherendsee des Feldberggletschers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der aufgestaute, 5 ha große Säckinger Bergsee (382 m. ü. M.), rechts dahinter der Eggberg (709 m. ü. M.) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Buchenmischwald im Wildgehege Waldshut-Tiengen (ca. 530 m. ü. M.) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Fichtenforst im Wildgehege Bad Säckingen (ca. 400 m. ü. M.) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Jährlich werden im Schwarzwald rund 600 Alpengemsen (Rupicapra rupicapra) erlegt. Hier Trophäen in einem Hotel am Titisee © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Der Schwarzwald ist Deutschlands höchstes und umfangreichstes Mittelgebirge.  Er entstand ab dem Eozän, also vor rund 50 Millionen Jahren, als Folge der Absenkung des Oberrheingrabens und der damit verbundenen Aufwölbung der Grabenschultern. Er besteht aus einem kristallinen Grundgebirge (Gneise, Granit), das teilweise von einer Deckschicht aus Buntsandstein überlagert wird. Während der beiden letzten Eiszeiten war er stark vergletschert. Relikte dieser Vergletscherung sind einige Karseen wie z.B. der Mummelsee. Der Schwarzwald erstreckt sich entlang des Oberrheins vom Hochrhein, also der Grenze zur Schweiz, bis in die Gegend von Karlsruhe über eine Distanz von etwa 160 km. Er bedeckt eine Fläche von rund 6'000 km² und grenzt Im Osten an die aus Muschelkalk bestehenden Landschaften von Gäu, Baar und Klettgau.

Wie bei seinem linksrheinischen Gegenstück, den Vogesen, befinden sich die höchsten Erhebungen des Schwarzwalds dem Rhein zugewandt im Süden. Es sind dies der Feldberg (1'493 m. ü. M.), das Herzogenhorn (1’416 m. ü. M.) und der Belchen (1’414 m. ü. M.). Der höchste Berg im mittleren Schwarzwald ist der Kandel (1'241 m. ü. M.) bei Waldkirch, im Nordschwarzwald die Hornisgrinde (1'164 m. ü. M.) in der Ortenau.

Weil die relativ weiche Deckschicht aus Buntsandstein im Norden mächtiger ist, bildeten die Gletscher dort viel mehr Kare als im Süden. Am Ende der letzten Eiszeit gab es mi Nordschwarzwald 129 Kare, im Südschwarzwald nur deren 20. Heute verbeiben noch 9 Karseen im Nord- und 3 im Südschwarzwald. Der bekannteste im Norden ist der 3.7 ha große und 18 m tiefe Mummelsee, der größte natürliche Schwarzwaldsee ist der im Süden gelegene Titisee mit einer Fläche von 107 ha und einer Tiefe bis 39 m. Dieser wird an Fläche übertroffen durch den Schluchsee, einen Aufstau der Schwarza von 517 ha. Die längsten Fließgewässer (>90 km) sind die Enz, ein Nebenfluss des Neckars, Kinzig, Elz und Nagold, die der Oberrhein zufließen, und die in den Hochrhein fließende Wutach.

Vegetation

Ursprünglich bestand der Schwarzwald aus Buchenwald, durchsetzt mit Weißtanne, die im Schwarzwald eines ihrer wichtigsten Vorkommen hat, lokal auch aus Fichten, Eichen und Waldkiefern. Der Mensch hat das ursprüngliche Bild des Waldes stark verändert. Im Mittelalter führte der Silberbergbau, danach bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts Eisenbergbau, Flößen von Bauholz nach den Niederlanden sowie Verkauf von Brennholz nach Freiburg und Basel, Glasbrennerei und Köhlerei, im 18. und 19. Jahrhundert Beweidung durch Rinder und Ziegen zu einer starken Nutzung und gebietsweise zu einer Entwaldung der Landschaft. Flößerei, Glasbrennerei und Köhlerei wurden 1827 von Wilhelm HAUFF in seinem zweiteiligen Märchen "Das Kalte Herz" thematisiert. Heute dominieren vielenorts Fichte und Waldkiefer. Für Farne, Bärlappe und Moose sind die sauren Böden, die kühl-feuchten Bedingungen und die geringe Konkurrenz durch anspruchsvollere Pflanzenarten sehr günstig.

Die durch die jahrhundertelange Nutzung der Hochlagen entstandenen "Grinden" sind mit Pfeifengras, Rasenbinse und Heidekraut bewachsene, teils mit Legföhren und Birken-Gebüschen durchsetzte Freiflächen. Zusammen mit den natürlichen, teils baumfreien Vermoorungen der Hochlagen stellen sie einen ganz außergewöhnlichen Lebensraum dar, in dem zahlreiche andernorts sehr seltene Insektenarten vorkommen wie z. B. die Alpine Gebirgsschrecke (Miramella alpina) oder der Warzenbeißer (Decticus verrucivorus).

Tierwelt

In Höhenlagen zwischen 1'000 und 1'400 m lebt in der Region zwischen Feldberg, Belchen und Wiesental in bis zu 2.5 m tiefen Wohnröhren ein spektakulärer, wenn auch nur selten zu beobachtender Endemit: der bis zu 60 cm lange und 40 g schwere Badische Riesenregenwurm (Lumbricus badensis). In den Grinden ist die Kreuzotter beheimatet. In lichten Bergwäldern und im Übergang zu den Grinden lebt eine der größten Auerhuhnpopulationen Mitteleuropas.

Der Braunbär wurde bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts ausgerottet. Ein aus der Alpenpopulation stammendes Exemplar des im 19. Jahrhundert im Schwarzwald ausgerotteten Wolfs wurde 2015 von einem Auto überfahren. 2022 lag der Bestand bei 4 Rüden. Der Luchs wanderte ab 1988 wieder aus der Schweiz ein. 2022 gab es ebenfalls vier männliche Tiere. Die Wildkatze dürfte zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschwunden sein. In den letzten Jahren wurden am Westrand des Schwarzwalds wieder Tiere nachgewiesen. Ende der 1930er Jahre wurden gut zwei Dutzend aus Österreich stammende Gemsen freigelassen, heute gibt es rund um Feldberg, Belchen und Blauen im Südschwarzwald elf kleine Gamsvorkommen mit insgesamt ca. 1'500-2'000 Tieren. Die Jagdstrecke ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und beträgt etwa 600 Stück pro Jahr. Zu Beginn des 2. Weltkriegs wurde ein Wildgatter bei Küssaberg aufgelöst, wodurch Sikahirsche in die freie Wildbahn gelangten Heute gibt es Sikawild nebst der grenzüberschreitenden Population im Landkreis Waldshut auch in anderen Gebieten des Schwarzwalds.

Typische Haustierrassen sind das Vorder- und das Hinterwälderrind , die Schwarzwaldziege sowie der Schwarzwälder Fuchs, ein mittelgroßes Kaltblutpferd.

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Vogesen und Pfälzerwald

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Der Große Belchen (Le Grand Ballon) ist mit 1'424 m. ü. M. der höchste Gipfel der Vogesen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Hartmannsweilerkopf (957 m.ü.M.) war im Ersten Weltkrieg heftig umkämpft und wechselte viermal den Besitzer. Während der vier Kriegsjahre verloren rund 30'000 deutsche und französische Soldaten das Leben und etwa doppelt so viele wurden verwundet. Heute befinden sich dort ein Soldatenfriedhof und eine Gedenkstätte © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Markstein (1'184 m. ü. M.) ist ein beliebtes Skiresort, dahinter der Jungfrauenkopf (1'268 m. ü. M.) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

EUR 05 02 Vogesen vosgiennes PD1
Auf den Bergwiesen der Vogesen, hier bei Markstein, werden Vogesenkühe gesömmert. Es handelt sich um eine seit dem 17. Jahrhundert existierende, heute stark gefährdete Rasse © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Die Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau von Thierenbach liegt auf 355 m Höhe in der kollinen Strufe der Vogesen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Fichtenforste (Picea abies) ohne Unterholz bieten dem Haselhuhn keinen Lebensraum, ihre Fläche wird im Biosphärenreservat Pfälzerwald nach und nach reduziert. Aufnahme aus dem Wild- und Wanderpark Südliche Weinstraße, Silz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

EUR 05 02 pfaelzerwald kastanie PD1
Im Pfälzerwald gedeiht die von den Römern eingeführte "Keschte", die Edelkastanie (Castanea sativa) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Die Vogesen und der Pfälzerwald sind das linksrheinische Gegenstück zum Schwarzwald. Wie jener verdanken sie ihre Entstehung der Absenkung des Oberrheingrabens und bestehen sie aus kristallinem Gestein, das teilweise von Buntsandstein überlagert wird. Die Vogesen werden im Süden von der Burgunderpforte begrenzt, die sie vom Jura trennt. Sie erstrecken sich bis in die Gegend von Zabern / Saverne, wo sie in den Pfälzer Wald übergehen. Zusammen haben Vogesen und Pfälzer Wald eine Nord-Süd-Ausdehnung von gegen 250 km und bedecken eine Fläche von etwa 8'000 km². Die höchste Erhebung ist mit 1'424 m. ü. M. der Große Belchen, gefolgt vom Storkenkopf (1'366 m), Hohneck (1'363 m) und Kastelberg (1'350 m), alle in den Südvogesen. Nach Norden fällt das Gebirge ab, im Pfälzer Wald bringt es die höchste Erhebung, der Kalmit, nur noch auf eine Höhe von 673 m. Das bedeutendste Fliessgewässer ist die Mosel, die am Büssangpass in den Südvogesen entspringt. Die Stillgewässer beschränken sich auf Klein- und Stauseen.

Vegetation

Die Vogesen sind zu rund 75% von Wald bedeckt, im Pfälzerwald beträgt der Waldanteil über 80%. Zusammen bilden Vogesen und Pfälzerwald das größte zusammenhängende Waldgebiet Westeuropas. In der kollinen Stufe besteht der Wald aus wärmeliebenden, von Traubeneichen dominierten Mischwäldern, soweit nicht andere Baumarten angepflanzt wurden. Mit dem Ansiedeln standortfremder Baumarten begonnen haben bereits die Römer mit der Einbürgerung der Edelkastanie, die heute noch, namentlich am östlichen Rand des Pfälzerwaldes, anzutreffen ist, bisweilen in reinen Beständen, oft auch in Gesellschaft mit anderen Arten wie z.B. der Hainbuche. In der (sub-)montanen Stufe herrscht natürlicherweise Buchenwald vor, durchsetzt mit Weißtannen, Bergulmen, Fichten, Bergahornen und Eichen. In höheren Lagen fallen die vielen Ebereschen auf. In den Südvogesen gibt es eine subalpine Stufe mit Bergföhren und ab einer Höhe von ca. 1'250-1'300 m Grasland oder Hochmoore.

Tierwelt

Die Südvogesen sind das letzte Rückzugsgebiet des einstmals weitverbreiteten Westlichen Haselhuhns (Tetrastes bonasia rhenana). Dieses steht aber auch hier kurz vor dem Aussterben, bedingt hauptsächlich durch die Art der Waldbewirtschaftung und allenfalls durch die Zunahme der Wildschwein- und Rotfuchsbestände.

Der Braunbär hatte in den Vogesen zwischen 1650 und 1750 dramatische Arealverluste zu verzeichen und wurde in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgerottet. Der Luchs erlitt im 19. Jahrhundert dasselbe Schicksal. Ab 1983 wurden in den Vogesen 21 Luchse ausgewildert. Der Bestand stagnierte vorerst und nahm dann ab, konnte sich aber immerhin bis in den Pfälzerwald ausdehnen. Von 2016-2020 wurde im Pfälzerwald ein Projekt zur Bestandsstützung mit 20 Luchsen aus der Schweiz und der Slowakei durchgeführt, 2021 wurde die erste Nachzucht in den Nordvogesen nachgewiesen. Im Gegensatz zum Luchs war die Wildkatze in den Vogesen und im Pfälzerwald nie ausgestorben und ist heute in guten Beständen im ganzen Massiv vertreten. 1956 wurden 11 im Schwarzwald gefangene Gemsen freigelassen, heute ist die Art mit einem Bestand von gegen 1'500 Individuen wieder flächendeckend vorhanden und wird bejagt.

Typische Haustierrassen aus der Region sind das Vogesenrind und das Pfälzer Glanrind. Zur Pflege, Entwicklung und Wiederherstellung der wenigen waldfreien Landschaftsbereiche werden im Pfälzerwald Ziegen und Heckrinder eingesetzt.

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National- und Naturparks in den Mittelgebirgen Zentraleuropas

 

Deutschland

  • Nationalpark Bayerischer Wald: Bayern; bestehend seit 1970. Bayerischer- / Böhmerwald. 248.5 km². Höchster Punkt: Großer Rachel (1'453 m. ü. M.)
  • Nationalpark Harz: Niedersachsen, Sachsen-Anhalt (Oberharz); bestehend seit 2006. 247 km². Höchster Punkt: Brocken (1'141 m. ü. M.)
  • Nationalpark Schwarzwald: Baden-Württemberg (Nordschwarzwald); bestehend seit 2014. 101 km². Höchster Punkt: Dreifürsten (1'150 m. ü. M.). Der Nationalpark liegt innerhalb des seit 2003 bestehenden, 4'200 km² großen Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, dessen höchster Punkt die Hornisgrinde (1'163 m. ü. M.) ist.
  • Naturpark Südschwarzwald: Baden-Württemberg, 2014; 3'940 km². Höchster Punkt: Feldberg (1'493 m. ü. M.).
  • Weitere Mittelgebirgs-Nationalparks, deren höchste Punkte deutlich unter 1'000 m liegen, sind Eifel, Hainich, Hunsrück-Hochwald, Kellerwald-Edersee und Sächsische Schweiz.

Östereich

  • Naturpark Mühlviertel: Landschaftsschutzgebiet in Oberösterreich bestehend seit 1996. Nicht-zusammenhängende Fläche 10 km². Ausläufer des Böhmerwalds.

Schweiz

  • Parc Jura vaudois: Regionaler Naturpark, Kanton Waadt; bestehend seit 1973, Anerkennung 2013. 531 km². Höchster Punkt: Mont Tendre (1'679 m. ü. M.)
  • Parc du Doubs: Regionaler Naturpark, Kantone Jura, Neuenburg, Bern; bestehend seit 2009, Anerkennung 2013. 293 km². Höchster Punkt: Pouilleret-Gipfel (1'275 m. ü. M.)
  • Parc régional du Chasseral: Regionaler Naturpark, Kantone Bern, Neuenburg; bestehend seit 2001, Anerkennung 2013. 387 km². Höchster Punkt: Chasseral (1'607 m. ü. M.)
  • Regionaler Naturpark Thal: Kanton Solothurn; bestehend / anerkannt seit 2009. 139 km². Höchster Punkt: Dilitschkopf (1'330 m. ü. M.)
  • Jurapark Aargau: Regionaler Naturpark, Kantone Aargau, Solothurn; bestehend seit 2003; Anerkennung 2012. 241 km². Höchster Punkt: Strihen (866 m. ü. M.)
  • Regionaler Naturpark Schaffhausen: Kanton Schaffhausen, 2 Gemeinden in Baden-Württemberg; bestehend seit 2018, Anerkennung 2018. 209 km². Höchster Punkt: Langer Hagen (912 m. ü. M.)

Frankreich

  • Nationalpark Cevennen: Departemente Gard, Lozère, Ardèche, Aveyron. Massif central, bestehend seit 1970. 3'213 km². Höchster Punkt: Mont Lozère (1699 m. ü. M.)
  • Parc naturel régional du Haut-Jura: Departemente Ain, Doubs Jura; bestehend seit 1986. 1'780 km². Höchster Punkt: Crêt de la Neige i(1'720 m ü. M.)
  • Parc naturel régional du Doubs Horloger: Departement Doubs; bestehend seit 2021. 1'040 km². Höchster Punkt:  Mont Châteleu (1'302 m. ü. M.)
  • Parc naturel régional des Ballons des Vosges: Departemente Hochrhein und Vogesen; bestehend seit 1989. 3'000 km². Höchster Punkt:  Grand Ballon / Großer Belchen (1'424 m. ü. M.)
  • Parc naturel régional du Morvan: Departemente Nièvre, Saône-et-Loire, Yonne und Côte-d’Or; bestehend seit 1970. 2'814 km². Höchster Punkt: Mont Haut-Folin (901 m. ü. M.)

Tschechien

  • Nationalpark Šumava (Böhmerwald): Region Pilsen, bestehend seit 1991. 685 km², bildet mit angrenzendem Landschaftsschutzgebiet ein Biosphärenreservat von 1'670 km² Höchster Punkt: Plöckenstein (1'378 m)
  • Nationalpark Riesengebirge (Krkonošský národní park): Region Liberec, bestehend seit 1963. 363 km². Höchster Punkt Schneekoppe (1'602 m)

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Literatur und Internetquellen

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Gelesen 1043 mal Letzte Änderung am Montag, 24 Oktober 2022 13:04
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