Kapuzinerartige Neuweltaffen

Weisskopf-Saki

Weisskopfsaki freilaufend in der Südamerika-Halle des Zoo Krefeld Weisskopfsaki freilaufend in der Südamerika-Halle des Zoo Krefeld
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Neuwelt- oder Breitnasenaffen (Platyrrhini)
Familie: Sakiaffen (Pitheciidae)
Unterfamilie: Sakiaffen i.e.S. (Pitheciinae)

D LC 650

Weißkopf-Saki

Pithecia pithecia • The White-faced Saki • Le saki à tête blanche

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Weißkopfsaki-Mann (Pithecia pithecia) im Zoo Dortmund © Karl-Rainer Ledvina / Zoo Dortmund

 

 

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Approximative Verbreitung des Weißkopfsakis (Pithecia pithecia). Dunkelblau: P. (p.) pithecia; gelb: P. (p. chrysocephala

 

 

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Weißkopfsaki (Pithecia pithecia), Weibchen mit Jungtier im Krefelder Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Weißkopfsaki (Pithecia pithecia), Männchen im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc / TG Schönbrunn (Pressefoto)

 

 

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Weißkopfsaki-Mann (Pithecia pithecia) im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc / TG Schönbrunn

 

 

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Weißkopfsaki-Weibchen (Pithecia pithecia) in begehbarem Gehege in der Vallée des Singes, Romagne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Weißkopfsaki-Mann (Pithecia pithecia) im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc / TG Schönbrunn

 

 

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Weißkopfsaki-Weibchen (Pithecia pithecia) imit adoptiertem Goldkopf-Löwenäffchen (Leontopithecus chrysomelas) in der Wilhelma Stuttgart © Heidi Schneider / Wilhelma

 

 

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Weißkopfsaki-Mann (Pithecia pithecia) in begehbarem Gehege in der Vallée des Singes, Romagne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Weißkopfsaki-Weibchen (Pithecia pithecia) in begehbarer Anlage im Südamerikahaus des Krefelder Zoos © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Weißkopfsaki-Weibchen (Pithecia pithecia) mit jungem, noch nicht umgefärbten Männchen im Edinburgh-Zoo © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Der Weißkopfsaki ist wegen seines Geschlechtsdichromatismus zoopädagogisch interessant und als gegenüber dem Menschen nicht aggressive und mit vielen Tieren veträglich Art ein für die Haltung in begehbaren Lebensraum-Ausstellungen geeigneter Botschafter für die Erhaltung der Tropenwälder. Gestützt durch ein Erhaltungszuchtprgramm ist er der europäische Zoobestand daher recht groß.

Körperbau und Körperfunktionen

Weißkopfsakis erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 32-41 (28-46) cm und eine Schwanzlänge von (34-)37-45 cm. Männliche Tiere werden etwa 1'700-2'050 g, weibliche 1'500-1'650 g schwer. Die Hinterbeine sind deutlich länger als die Vorderbeine, was das Springen im Geäst erleichert. Der buschige Schwanz ist nicht greiffähig. Das Fell besteht aus groben, bis 5 cm langen Haaren und ist zottelig. Es besteht ein deutlicher Geschlechtsdichromatismus. Die Männchen tragen ein schwarzes Fell. Ihr Gesicht ist bis auf die nackte Nase mit kurzen, weißlichen, bzw. bei chrysocephala orange-gelben Haaren bedeckt. Das Fell der Weibchen ist auf der Oberseite und an den Gliedmaßen dunkelgrau, wobei es wegen eines subterminalen ockerfarbenen Bandes und weißer Spitzen der Haare scheckig wirkt. Von den Augen erstrecken sich zwei weiße Streifen zu den Mundwinkeln [2; 5; 7].

Verbreitung

Tropisches SüdamerikaBrasilien, Französisch Guiana, Guyana, Surinam, Venezuela. P. (p.) chrysocephala: Brasilien [3].

Lebensraum und Lebensweise

Der Weißkopfsaki besiedelt zeitweilig überflutete oder auf der terra firma stehende primäre Regenwälder und Sekundärwälder des Tieflands, Mauritia-Palmsümpfe und auch stark beeinträchtigte Wälder, ist jedoch in Wäldern mit alten Bäumen am häufigsten. Die Tiere ernähren sich hauptsächlich von Samen und Nüssen, die sie mit ihren langen Eckzähnen aufknacken, sowie von Blättern. Ferner nehmen sie Früchte, Pilze und Insekten zu sich. Die Weißkopfsakis leben in kleinen Gruppen die oft nur aus einem Paar und dessen Nachkommen bestehen. Es gibt aber auch Gruppen bis zu 12 Tieren, die 2-4 adulte Männchen und 2-3 adulte Weibchen umfassen können. Die Gruppen haben Streifgebiete von 10-15 ha [3; 7].

Weißstirnsakis bekommen nach einer Tragzeit von 163-176 Tagen in der Regel ein einzelnes Junges. Die Geburten fallen meist auf die Trockenzeit. In einer Gruppe können bis zu 3 Weibchen gleichzeitig ein Junges führen [4; 7].

Gefährdung und Schutz

Der Weißstirnsaki gilt aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 als noch nicht gefährdet, aber relativ selten und mit abnehmendem Bestand, weil der Lebensraum schwindet. Auch die neuerdings als eigene Art gewertete Form chrysocephala gilt nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [3].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Weißkopfsakis werden zur Gewinnung von Fleisch und Fellen gejagt und für den Heimtierhandel gefangen [3]. Von 1977 bis 2017 wurde aus den Ursprungsländern nur die Ausfuhr von Wissenschaftsmaterial sowie von 397 lebenden Wildfängen aus Guyana und 2 Stück aus Surinam  registriert. Im selben Zeitraum (faktisch erst ab 1982) wurden 102 lebende Nachzuchttiere grenzüberschreitend abgegeben [1].

Haltung

In den 1960er Jahren wurden bisweilen männliche P. pithecia  und P. monacha zusammengehalten in der Meinung, die monacha seien Weibchen. Es wird vemutet, dass der heutige Zoobestand zum Teil auf männliche pithecia und weibliche chrysocephala zurückgeht. Dies wird allerdings durch die CITES-Handelsdaten nicht gestützt [1; 2].

WEIGL gibt mehrere Tiere an, die 31-32 Jahre alt geworden sind [6].

Weißkopfsakis lassen sich leicht mit anderen Tierarten vergesellschaften und/oder in begehbaren Anlagen halten, so z.B. in Basel, Frankfurt, Gettorf, Köln, Krefeld, Magdeburg, Nürnberg oder Stuttgart. Zu den kompatiblen Primatenarten gehören Alouatta seniculus, Callimico goeldii, Callithrix pygmaea, Leontocebus chrysomeleas, L. rosalia, Saguinus fuscicollis und S. midas [8]. Im Zoo Krefeld leben sie im Regenwaldhaus, wo unter einer Plexiglas-Holzkonstruktion, die viel Sonnenlicht durchlässt, auf 1.100 m² ein Ausschnitt aus der Tier- und Pflanzenwelt des südamerikanischen Regenwalds gezeigt wird. Die Sakis wurden ursprünglich auf einer Insel zusammen mit Grünen Leguanen, Terekay- und Arrau-Schildkröten gehalten, sie haben aber mit der Zeit das gesamte Haus erobert. Besucher, die die Aussichtsplattform in der Hausmitte ersteigen, um den Regenwald von oben zu betrachten, werden schon freundlich von den Sakis begrüßt, die das Geländer als zusätzliche Klettermöglichkeit nutzen. Auch im Nürnberger Tiergarten leben die Sakis zusammen mit vielen anderen Arten frei im Manatihaus.

Im Zoo Basel werden die Sakis in einem konventionellen Gehege gemeinsam mit Sumpfspringaffen und Goldagutis gehalten, im Zoo Magdeburg zusammen mit Schwarzen Löwenäffchen oder in der Wilhelma Stuttgart mit Goldkopflöwenäffchen, um nur ein paar konkrete Beispiele für Vergesellschaftungen zu nennen.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 100 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Fünftel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Das seit dem Jahr 2000 bestehende Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) wird vom ZooParc Overloon koordiniert.

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung einer Familie ein Außen- und ein Innengehege von je 15 m² / 45 m³ gefordert und für jedes zusätzliche (?!) erwachsene Tier 2 m² / 6 m³ mehr. Dies ist eine Verdreifachung des Raumangebots gegenüber dem Gutachten’96, das 6 m² / 12 m³ vorsah. Die neue Anforderung ist aber weder durch konkrete wissenschaftliche Daten noch durch Tierhaltererfahrung erhärtet. Die Tierschutzsachverständigen hielten daher im Differenzprotokoll fest, dass für 5 Tiere 10 m² / 25 m³ und für jedes weitere Tier eine Vergrößerung der Fläche um 1.5 m² ausreichend seien.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 5 Tiere ein Innen- und ein Außengehegegehege mit einer Grundfläche von je 10 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 2 m² Fläche zusätzlich vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen und es sind für 5 Adulttiere ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 20 m² bei 3 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier sind die Flächen um 2 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Weißkopfsaki wurde 1766 von Carl von LINNÉ als "Simia pithecia" beschrieben.  Der französische Zoologe Anselme Gaëtan DESMAREST stellte ihn 1804 als Typusart in die heute noch gültige Gattung Pithecia. Diese wurde bis vor Kurzem in fünf Arten unterteilt, wobei von Pithecia pithecia zwei Unterarten anerkannt wurden. 2014 hat sich eine amerikanische Zoologin dadurch unsterblich gemacht, dass sie auf der Grundlage von Museumsexemplaren und Fotografien durch Aufsplitten und Neubeschreiben die Artenzahl von 5 auf 16 erhöht hat. Unter den neuen "Arten" befindet sich der Goldstirnsaki, früher eine Unterart von pithecia [5; 8; 10].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES TRADE DATA BASE
  2. MARSH, L. K. (2014)
  3. MARSH, L.K. (2015). Pithecia pithecia (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T43942A115201263. http://www.iucnredlist.org/details/43942/0. Downloaded on 18 May 2018.
  4. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  5. SCHRÖPEL, M. (2010)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  8. ZIEGLER, T. (2002a)

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Gelesen 2121 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 08 April 2020 14:19
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