Eigentliche Frösche und Ruderfrösche

Moorfrosch

Moorfrosch (Rana arvalis) Männchen in der Lausitz Moorfrosch (Rana arvalis) Männchen in der Lausitz
© Axel Gebauer, Boxberg, ehemals Naturschutz-Tierpark Görlitz

Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Eigentliche Frösche (Ranidae)

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 Neue Tierart

D LC 650

Moorfrosch

Rana arvalis • The Moor Frog • La grenouille des champs

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Moorfrösche (Rana arvalis) zur Paarungszeit in der Lausitz © Axel Gebauer, Boxberg, ehemals Naturschutz-Tierpark Görlitz

 

 

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Approximative Verbreitung des Moorfroschs (Rana arvalis)

 

 

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Vorkommwn des Moorfroschs (Rana arvalis) in Deutschland. Quelle: Nationaler FFH-Bericht 2019 Datengrundlagen: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN

 

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Vorkommwn des Moorfroschs (Rana arvalis) in Österreich (Datenstand 1996) © Umweltbundesamt. Quelle: Verbreitungsatlas Österreich

 

 

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Moorfrosche (Rana arvalis), Weibchen in der Lausitz © Axel Gebauer, Boxberg, ehemals Naturschutz-Tierpark Görlitz

 

 

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Moorfrosch (Rana arvalis) Weibchen mit frischem Laich © Axel Gebauer, Boxberg, ehemals Naturschutz-Tierpark Görlitz

 

 

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Moorfroschlaich (Rana arvalis) mit Embyonen © Axel Gebauer, Boxberg, ehemals Naturschutz-Tierpark Görlitz

 

 

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Moorfrosch (Rana arvalis) Kaulquappen © Axel Gebauer, Boxberg, ehemals Naturschutz-Tierpark Görlitz

 

 

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Junger, noch nicht geschlechtsreifer Moorfrosch (Rana arvalis), 12 Monate nach seiner Metamorphose von der Kaulquappe zum landlebenden Frosch © Christian Fischer. Übernommen aus Wikimedia Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz.

 

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Stimme (Donau-Auen-NP)

Der in Deutschland und Österreich regional als gefährdet geltende, allgemein aber nicht-gefährdete Moorfrosch wird in Zoos nur selten gezeigt, obwohl die Männchen zur Paarungszeit spektakulär blau gefärbt sind und Lehrstoff zum Thema "saisonaler Geschlechtsdimorphismus" bieten.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Kopf-Rumpflänge von 5-7(-8) cm ist der Moorfrosch kleiner und zierlicher als der Grasfrosch. Der Kopf ist nicht sehr breit und mit einer zugespitzten Schnauze versehen. Das Auge hat eine waagerechte Pupille, das kreisrunde Trommelfell ist sehr deutlich zu sehen. Die Hinterbeine sind je nach Unterart bzw. Population unterschiedlich lang. Die Schwimmhäute sind mäßig entwickelt. Die Haut ist glatt oder mit zu beiden Seiten der Rückenmitte längsreihig angeordneten kleinen Warzen versehen. Bei den Weibchen und im Ruhekleid der Männchen verläuft ein schwarzer Streifen von der Nase über Auge und Trommelfell bis zum Kopfende. Die Beine sind quergestreift.  Fast immer ist auf der Rückenmitte ein heller Längsstreifen vorhanden. Ansonsten ist die Färbung sehr variabel, meist braun, mit oder ohne schwarze Punkte. Die Männchen haben keine äußeren Schallblasen. Zur Paarungszeit erscheint ihre Haut ganz oder teilweise bläulich-violett bis intensiv himmelblau. Damit besteht beim Moorfrosch ein saisonaler Geschlechtsdichromatismus [3; 4; 9].

Verbreitung

Eurasien : Belgien, China, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Kasachstan, Kroatien, Lettland, Litauen, Moldawien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Rumänien, Russland, Schweden, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ukraine, Ungarn, Weißrussland [3; 8].

Lebensraum und Lebensweise

Lebensraumansprüche: Als sehr anpassungsfähige Art besiedelt der Moorfrosch vorrangig offene Landschaften wie Moore, Sümpfe, Grasland, Tundra und Steppe vom Tiefland bis in Höhenlagen von 1'500 m. Er kommt aber auch in Auwäldern und als Kulturfolger in Gärten, an Teichen und auf Viehweiden vor. Zum Laichen können auch sehr saure Gewässer, wie z.B. Hochmoorweiher, genutzt werden [3; 5; 7; 10].

Biologie: Außerhalb der Paarungszeit sind Moorfrösche überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Paarungen und Eiablagen erfolgen auch tagsüber. Überwintert wird in der Regel unweit des Laichgewässers an Land. Nach der Winterruhe legt das Weibchen bis zu 2’750 schwarze, 1.2 bis 2 mm große Eier in Ballen ab. Die Larven schlüpfen auch bei tiefen Temperaturen bereits nach 3-17 Tagen. Sie kommen je nach Temperatur nach 6-14 Wochen zur Metamorphose. Frisch metamorphosierte Jungtiere haben eine Länge von 12-16 mm [2; 3; 5.

Gefährdung und Schutz

Der Moorfrosch ist nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 weltweit nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), dasselbe trifft für die gesamteuropäische Population zu [6]. In Deutschland gilt die Art bundesweit als gefährdet. Dies ist auch der Fall in Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. In Schleswig-Holstein ist er auf der Vorwarnliste. In Nordrhein-Westfalen und Thüringen gilt er als stark gefährdet, in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz als vom Aussterben bedroht, und im Saarland ist er ausgestorben. Auch in Österreich wird die Art als gefährdet taxiert. In Oberösterreich, Kärnten und Wien gilt sie als vom Aussterben bedroht, in der Steiermark als stark gefährdet, in Niederösterreich und im Burgenland als gefährdet. In der Schweiz kam die Art früher eventuell in der Ajoie und bei Basel vor. Dies ist aber nicht gesichert. Gegenwärtig gibt es keine Vorkommen [7; 9].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. Der Moorfrosch ist eine streng geschützte Tierart nach Anhang II der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume sowie eine streng zu schützende Tierart nach Anhang IV der FFH-Richtlinie (92/43/EWG).

Zoogestütztes Schutzprojekt (Beispiel):

Grasfrösche profitieren von Schutzmaßnahmen der Zoos zugunsten der einheimischen Amphibien, namentlich von der Anlage und Pflege von Laichgewässern inner- und außerhalb der Zoos, z.B:

Bedeutung für den Menschen

Laut Roter Liste wird der Moorfrosch in der medizinischen Forschung genutzt, genauere Angaben werden aber keine gemacht [7].

Haltung

Terrarium mit etwa ein Drittel der Bodenfläche einnehmendem Wasserbecken, lockerer Erde, Kies oder Moos als Substrat und Rindenstücken oder Wurzeln als Verstecke. Haltungstemperaturen während der aktiven Phase 16-26ºC, während der Winterruhe 5ºC [5; 9].

Der Moorfrosch weist in seinem großen Verbreitungsgebiet eine hohe lokale Anpassung an unterschiedliche pH-Werte in Laichgewässern auf. Jede Erhaltungszuchtinitiative zwecks Wiederansiedlung für diese Art muss daher sicherstellen, dass Ursprungs- und Empfängerlebensräume möglichst ähnliche pH-Werte aufweisen, oder sie muss die schnelle Evolutionsrate dieses Merkmals nutzen, um gehaltene Populationen an ihre möglichen Freigabestandorte zu adaptieren [10].

Haltung in europäischen Zoos: Obwohl sie in Europa weit verbreitet ist, war die Art in europäischen Zoos stets selten. Gegenwärtig (2022) wird sie in nur 4 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich eine im deutschsprachigen Raum befindet. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Obwohl er in Schweden vorkommt, wurde der Moorfrosch nicht schon von Carl von LINNÉ, sondern erst 1842 vom schwedischen Zoologen Sven NILSSON, der Professor an der Universität und Direktor des Zoologiska Museet in Lund war, unter seinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Eine frühere Beschreibung aus dem Jahr 1832 als "Rana terrestris" wird nicht anerkannt. Je nach Autor gilt die Art als monotypisch oder umfasst bis zu vier Unterarten, wobei eine davon (R. a. altaica) bisweilen als eigene Art angesehen wird [1; 7; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THE WORLD
  2. AMPHIBIAWEB
  3. DGHT - FELDHERPETOLOGIE: Moorfrosch
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. HERRMANN, H. J. (2005)
  6. KARCH
  7. KUZMIN, S. et al. (2009). Rana arvalis. The IUCN Red List of Threatened Species 2009: e.T58548A11800928. Accessed on 02 March 2022.
  8. LITVINCHUK, S. N., BORKIN, L. J. & ROSANOV, J. M. (2008)
  9. NIETZKE, G. (1969)
  10. TAPLEY, B., BRADFIELD, K. S., MICHAELS, C. & BUNGARD, M. (2015)

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Gelesen 2224 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 03 März 2022 17:48
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx