Schutz für heimische Amphibien

Tierpark Görlitz: Amphibienschutz in der Oberlausitz

Moorfrosch-Paar (Rana arvalis) Moorfrosch-Paar (Rana arvalis)
© Naturschutzstation Östliche Oberlausitz e. V.

Amphibienschutz in der östlichen Oberlausitz

Durch ihren besonderen Lebenszyklus sind Amphibien für ihre Fortpflanzung auf Gewässer angewiesen. Sie leiden daher besonders unter dem Verlust geeigneter Lebensräume. Der fortschreitende Flächenverbrauch durch Industrie und Landwirtschaft, die Zerschneidung der Landschaft durch Siedlungen und Straßen erschweren ihnen das Überleben. Zudem bedrohen die zunehmende Gewässerverschmutzung und der Einsatz von Insektiziden die Tiere.

Der Naturschutz-Tierpark Görlitz-Zgorzelec unterstützt daher die Naturschutzstation "Östliche Oberlausitz" e.V. bei ihrem Einsatz für Amphibien.

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Installation des Amphibienschutzzauns © Naturschutzstation Östliche Oberlausitz e. V.

 

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Abschnitt des Amphibienschutzzauns © Naturschutzstation Östliche Oberlausitz e. V.

 

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Erdkrötebweibchen (Bufo bufo) am Amphibienschutzzaun© Naturschutzstation Östliche Oberlausitz e. V.

 

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Betreuung des Amphibienschutzzauns © Naturschutzstation Östliche Oberlausitz e. V.

 

Amphibienschutzzaun

Kaum aus der Winterruhe erwacht, begeben sich viele der heimischen Frosch- und Schwanzlurche auf Partnersuche. Auf ihrer Wanderung vom Winterquartier bis hin zum bevorzugten Gewässer müssen Molch, Erdkröte und Laubfrosch häufig mehrere Fahrbahnen passieren. Die Laichzeit des Bergmolchs, dem „Frühaufsteher“ unter den Schwanzlurchen, beginnt bereits Ende Februar. Um ihm die Wanderung zum Laichgewässer zu erleichtern, bauen die Mitarbeiter der Naturschutzstation "Östliche Oberlausitz" daher rechtzeitig Amphibienschutzzäune auf.

Zwischen Förstgen und Klitten, zwischen Kreba und Kaschel, Förstgen, Tauer, Zimpel sowie bei Reichwalde, Hammerstadt und Trebus finden Schutzzäune auf einer gesamten Länge von über 16 Kilometern auf beiden Seiten der Fahrbahn ihren Platz. Hierfür wurden Furchen in den Boden gezogen, Löcher für die Auffangeimer gegraben und der etwa 50 cm hohe Schutzzaun schlussendlich mit Eisenscharnieren in der Erde befestigt. Dieser Zaun stellt für die wandernden Amphibien ein unüberwindbares Hindernis dar. Im Abstand von 20 m befinden sich im Boden versenkte Eimer. Bei ihrer Suche nach einem Durchkommen fallen die Tiere in die Eimer. Die nummerierten Behältnisse werden ein- bis zweimal täglich von Mitarbeitern des Fördervereins kontrolliert und auf die andere Straßenseite getragen. Dabei werden Daten hinsichtlich der Anzahl der Tiere, der Art, des Geschlechtes und des Alters, sofern dieses feststellbar ist, erfasst und dokumentiert.

Insgesamt erfolgt die Kontrolle über einen Zeitraum von etwa 54 Tagen pro Jahr. Mit der Datenerhebung wird ein Vergleich der einzelnen Jahre erstellt und ein Überblick über die vorkommenden Arten gewonnen. Im Jahr 2021 wurden insgesamt 28'753 Amphibien über die Straße getragen.

In den letzten Jahren wurden folgende Arten gefunden: Erdkröte, Wechselkröte, Rotbauchunke, Knoblauchkröte, Grasfrosch, Teichfrosch, Moorfrosch, Laubfrosch, Kammmolch, Bergmolch, Teichmolch.

Eine genaue Übersicht findet sich hier ...

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Bau eines Biotops © Naturschutzstation Östliche Oberlausitz e. V.

 

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Erhalt der Offenlandschaft durch Einsatz von Schafherden © Naturschutzstation Östliche Oberlausitz e. V.

Errichtung neuer Feuchtbiotope

Nachdem die Anzahl der aufgenommenen Amphibien an den Schutzzäunen über die letzten Jahre dramatisch sank, werden nun auch verstärkt weitere Schutzmaßnahmen für Amphibien in der Region umgesetzt.

Amphibien verbringen das Larvenstadium im Wasser, sind jedoch auch als erwachsene Tiere auf die Nähe von Gewässern angewiesen. Tümpel und Teiche dienen demnach im Frühjahr als Laichgewässer und Lebensraum der später heranwachsenden Kaulquappen.

Um den Amphibien in der Region weitere Habitate zur Verfügung zu stellen, wurden neue Feuchtbiotope angelegt. Die regelmäßige Pflege der Biotope wird von der Naturschutzstation "Östliche Oberlausitz" übernommen. Für einige Flächen werden Schafe, etwa Moorschnucken zum Erhalt der Offenlandschaft eingesetzt.

Neben dem Anlegen neuer Biotope werden auch Teiche, die für die Fischzucht genutzt werden, durch das Schaffen sogenannter Röhrichtzonen attraktiver für Amphibien gestaltet.

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Ausstiegshilfe aus Graben mit Betonverschalung © Naturschutzstation Östliche Oberlausitz e. V.

 

Ausstiegshilfen an Gräben mit Betonverschalung

In den 70er und 80er Jahren wurden zahlreiche Teichzuleiter neu gebaut. Meist kam es zum naturfernen Ausbau der Gräben mit Betonverschalungen (KU-Betonteilen), da diese leicht zu pflegen waren. Die steilwandigen Betongräben stellen jedoch eine Gefahr für viele Tierarten dar. Einmal hineingefallen, können sie an den steilen Betonwänden von selbst nicht mehr hinaus, so dass selbst Amphibien in diesen Zuleitern ertrinken. Der Verbau des Grabenlaufs führte zur Verminderung der Strukturvielfalt und zum Verlust von Kleinstlebensräumen.

Um dem entgegenzuwirken wurde damit begonnen Ausstiegshilfen an den Gräben zu errichten. Nach einigen Tests verschiedener Varianten setze sich die Version mit umgelegten Betonplatten durch, welche von Tieren und Teichbewirtschaftern gleichermaßen akzeptiert wurden. Die Austiegshilfen wurden alle 50 m eingebaut. Um Ausspülungen in Fließrichtung zu unterbinden, wurden Rasengittersteine eingebracht und mit Grobschotter gefüllt.

Ohne die Erleichterungen für die Instandhaltung der Teichzuleiter durch die Bewirtschafter einzuschränken, können durch die Austiegshilfen anthropogen verursachte Verluste der biologischen Vielfalt erheblich reduziert bzw. komplett vermieden werden. Hiermit wird ein Zeichen für eine naturschutzgerechte Teichwirtschaft gesetzt, welches in der Folge hoffentlich von vielen anderen Bewirtschaftern übernommen wird.

Das Projekt hat das Potential technisch verbaute Teichzuleiter abschnittsweise naturnäher zu gestalten, weswegen der Naturschutz-Tierpark Görlitz-Zgorzelec die Umbaumaßnahmen weiter fördern will.

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Texte: Viktoria Michel, Naturschutz-Tierpark Görlitz-Zgorzelec

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Gelesen 1779 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 02 März 2022 10:31
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx