Antilopen

Cuviergazelle

Cuviergazelle (Gazella cuvieri), Bock im  Living Desert Zoo and Gardens, Palm Desert Cuviergazelle (Gazella cuvieri), Bock im Living Desert Zoo and Gardens, Palm Desert
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)
Tribus: Gazellen (Antilopini)

smiley happy  

 Neue Tierart

Red list status vulnerable

EEPCuvier- oder Atlas-Gazelle

Gazella cuvieri • The Cuvier's Gazelle • La gazelle de Cuvier

119 009 025 001 gazella cuvieri oasis fuerte KR1
Cuviergazelle (Gazella cuvieri) im Oasis Wildlife Park, Fuerte Ventura © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

119 009 025 001 gazella cuvieri SD map
Approximative Verbreitung der Cuviergazelle (Gazella cuvieri)

 

 

 

119 009 025 001 gazella cuvieri StLouis jPfleiderer
Cuviergazelle (Gazella cuvieri) im Saint Louis Zoo © Johannes Pfleiderer, Zoo Leipzig

 

 

 

119 009 025 001 gazella cuvieri SD mauno
Cuviergazelle (Gazella cuvieri) im San Diego Zoo © Marc6mauno. Übernommen aus Flickr unter der Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)-Lizenz

 

 

 

119 009 025 001 gazella cuvieri SD KR1
Cuviergazelle (Gazella cuvieri) im San Diego Zoo © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

119 009 025 001 gazella cuvieri sigean sigean
Cuviergazelle (Gazella cuvieri) in der Réserve africaine de Sigean © https://www.reserveafricainesigean.fr/

 

 

 

119 009 025 001 gazella cuvieri oasis fuerte KR2
Cuviergazellen (Gazella cuvieri) im Oasis Wildlife Park, Fuerte Ventura © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

119 009 025 001 gazella cuvieri sclater
Cuviergazelle (Gazella cuvieri).Illustration aus SCLATER, P. L. & OLDFIELD, T. (1894-1900). The Book of Antelopes. Public Domain.

 

 

 

119 009 025 001 gazella cuvieri sclater smit
Cuviergazelle (Gazella cuvieri).Illustration aus SCLATER, P. L. & OLDFIELD, T. (1894-1900). The Book of Antelopes. Public Domain.

 

 

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Aus unerfindlichen Gründen werden Gazellen von den europäischen Zoos ziemlich stiefmütterlich behandelt. Dass es von der Cuviergazelle, einer mediterranen Art, die in ihren Heimatländern als gefährdet bis vor wenigen Jahren als stark gefährdet gilt, in Europa überhaupt einen Zoobestand gibt, verdanken wird dem Parque de Rescate de Fauna Sahariana in Almería, einer für das Publikum nicht zugänglichen Einrichtung, die sich ganz der Erforschung und Erhaltungszucht von vier nordafrikanischen Huftierarten widmet. Aus der europäischen Zoopopulation wurden wiederholt Tiere in Nordafrika wiederangesiedelt.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Cuvier- oder Atlasgazelle ist eine ziemlich robuste Gazelle. Sie ist größer als die Dorkas- und die Dünengazelle. Die Kopf-Rumpflänge beträgt (95-)105-116 cm, die Schwanzlänge (15-)19-21 cm und die Schulterhöhe 60-69 cm. Böcke wiegen bis 35 kg, Geißen bis 20 kg. Das Fell ist ziemlich lang und und grob. Seine allgemeine Farbe ist matt beige, dunkler als das der Dorkasgazelle. Bei der Gesichtsmaske fällt ein schwarzer Fleck auf dem Nasenrücken auf. Der Flankenstreif ist brei und schwarzbraun. Der Bauch ist weiß, der Spiegel ist von einem eher undeutlichen dunklen Band umgeben. Der Schwanz ist schwarz. Die Hörner sind 25-37 cm lang, beim Bock dick und bis auf die Spitzen stark geringelt, bei den Geißen schlanker und nur 20-30 cm lang [2; 13].

Verbreitung

Nordwestafrika: Algerien, Marokko, Tunesien, Westsahara) [5].

Lebensraum und Lebensweise

Die Atlasgazelle besiedelt offene, semiaride Mittelmeerwälder mit Aleppokiefern, Atlaszedern, Phoenizischen Wachholdern (Juniperus phoenicea), Stein- und Korkeichen, am Sahararand mit Akazien und Arganbäumen (Argania spinosa), Macchie, Grassteppen, Fels- und Steinwüsten (Hammada) sowie trockene, schneearme Gebirge bis auf eine Höhe von 3'300 m. Gebietsweise nutzt sie auch Kornfelder. Die Gazellen leben in kleinen Gruppen von  bis zu 8 Individuen. Während der Brunft versuchen die Böcke, einen Harem um sich zu scharen. Wähend des übrigen Jahres gibt es auch gemischtgeschlechtliche Gruppen. Junge Böcke bilden Junggesellenrudel. Die Nahrung besteht aus Halfa- (Stipa = Macrochloa tenacissima) und anderen grösern, Leguminosen, Zweigen und Blättern von Sträuchern und Bäumen, namentlich der Steineiche [2; 6; 13].

Die Fortpflanzung erfolgt saisonal. Die Brunft beginnt im Oktober und dauert bis in den Winter hinein. Während dieser Zeit verhalten sich die Böcke territorial. Sie markieren ihren Gebietsanspruch mit dem Sekret ihrer Voraugendrüsen und Dunghaufen. Die Geißen verlassen den Harem vor der Geburt der Kitze. Diese werden nach einer Tragzeit von etwa 160-170 Tagen geboren, zu etwa 60% Einlinge, zu 40% Zwillinge. Einzelkitze wiegen bei der Geburt etwa 3 kg, Zwillinge im Mittel 2.58 kg. Die jungen Weibchen werden schon mit 26-27 Wochen geschlechtsreif [13].

Gefährdung und Schutz

Die Cuviergazelle wurde ab 1986 als stark gefährdet eingestuft. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 gilt sie jetzt noch als gefährdet (Rote Liste: VULNERABLE), weil ihre Bestände durch nicht nachhaltige Jagd und Lebensraumzerstörung zwar stark dezimiert wurden, aber mit gesamthaft geschätzten 2'360-4'560 Tieren doch noch größer ist, als zuvor angenommen. Das Artareal ist stark fragmentiert, und es gibt nur noch wenige größere Populationen. In Tunesien, wo der Bestand dank Schutzmaßnahmen im Chambi-Nationalpark angewachsen war, missbrauchte die Armee 2013-14 den Park als Übungsgelände, was dem größten Bestand Tunesiens sicher nicht gut getan hat [6; 9]. Die IUCN entwickelte in Zusammenarbeit mit den nationalen Behören, der CMS, Vertretern des EEP und weiteren Sachverständigen, eine Strategie, die bis 2050 zu einer möglichst zusammenhängenden Population im historischen Verbreitungsgebiet der Art führen sollte [7].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt. Ferner fällt die Art unter Anhang I des Bonner Übereinkommens über wandernde Tierarten (CMS).

Zoogestützte Artenschutzprojekte (Beispiel):

  • 1999 wurden 13 Cuviergazellen aus der EEP-Population in den tunesischen Boukornine-Nationalpark gesandt, wo sie in einem 6 ha großen Gehege akklimatisiert wurden; später vier weitere. Nach einem guten Start mit mehreren Geburten, der wissenschaftlich begleitet wurde, starb der ganze Bestand innert kürzester Zeit aus [1; 7].
  • 2016 wurden 43 (12.31) Cuviergazellen aus der EEP-Population im tunesischen Jebel Serj-Nationalpark wiederangesiedelt. Die Tiere stammten aus dem Parque de Rescate de Fauna Sahariana in Almería und dem Oasis Wildlife Park auf Fuerteventura. Trotz schmaler genetischer Basis entwickelte sich die Sache positiver als gedacht. Nach drei Jahren in Akklimatisationsgehegen wurden 2019 über 30 Nachkommen der ursprünglichen Zootiere im Park freigelassen, und 2020 konnten bei diesen die ersten Geburten registriert werden [4;7; 10].

Bedeutung für den Menschen

Cuviergazellen werden zur Gewinnung von Fellen und Fleisch gejagt, ferner im Rahmen der oft motorisierten Trophäenjagd. Die Bejagung in aller Regel illegal [5, 6]. Nach CITES-Handelsstatistik gab es von 2007-2020 keine Ausfuhren von lebenden Tieren oder Jagdtrophäen aus den Ursprungsländern der Art. Im selben Zeitraum wurden weltweit 56 Nachzuchttiere bei der Ausfuhr erfasst, die meisten davon bestimmt zur Wiederansiedlung [3].

Haltung

Eine Vergesellschaftung von Cuviergazellen mit anderen Arten ist möglich. So gibt oder gab es z.B. Gemeinschaftshaltungen Steppenzebras, Somali-Wildeseln, Warzenschweinen und  Sömmeringgazellen [10].

Als Altersrekord gibt WEIGL für einen im Tierpark Hellabrunn geborenen und später im San Diego Zoo gehaltenen Bock 17 Jahre und 11 Monate an [11].

Haltung in europäischen Zoos: Gegenwärtig (2022) wird die Art in 9 Zoos in Spanien und Frankreich gehalten. Die vermutliche europäische Erstzucht glückte 1859 im Londoner Zoo. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das von der Estación experimental de Zonas Áridas in Almería koordiniert wird. Die Station führt auch das Internationale Zuchtbuch (ISB). Dieses umfasste Ende 2019 196 lebende Individuen in 8 europäischen und 6 außereuropäischen Einrichtungen [3].

Zoogestützte Forschung: Die Wiederansiedlungsprojekte in Tunesien wurden bzw. werden wissenschaftlich begleitet [1; 8].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für bis zu 5 Tieren ein Gehege von mindestens 200 m² zur Verfügung stehen. Für jedes weitere Tier kommen 20 m² zur Basisfläche dazu. Zudem wird ein Stall von etwa 3 m²/Tier vorgegeben.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) schreibt für bis zu 10 Tieren ein Gehege mit Trenn- oder Absperrmöglichkeit vor, dessen Grundfläche 500 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 40 m² zur Basisfläche dazu. Ferner ist ein Stall mit einer Fläche von 4 m²/Tier erforderlich.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) ist für 1-5 Tiere ein Außengehege von 500 m² erforderlich, für jedes weitere 50 m² mehr. Zudem ist ein beheizter Stall mit einem Mindestausmaß von 4 m² pro Tier mit einer Mindesttemperatur von 10°C vorgeschrieben. Die Haltung hat in Gruppen mit einem erwachsenen Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs zu erfolgen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Cuviergazelle wurde 1841 von dem aus Irland stammenden Naturforscher William OGILBY als "Antilope cuvieri" erstmals wissenschaftlich beschrieben und später in die bereits 1816 vom französischen Zoologen Henri Marie Ducrotay de BLAINVILLE in die Gattung Gazella. gestellt. Lange galt sie als Unterart der Edmigazelle (Gazella gazella). Gegenwärtig wird sie als eigenständige, monotypische Art betrachtet, die nahe mit der Dünengazelle, Arabischen Sandgazelle und Indischen Gazelle (Gazella bennettii) verwandt ist, wobei einzelne Autoren so weit gehen, dass sie Dünen- und Arabische Sandgazelle als Unterarten von Gazella cuvieri betrachten [4; 5; 12].

Literatur und Internetquellen

  1. ABAIGAR, T. (2005)
  2. BEUDELS, R.C. et al. (2005)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. GILBERT, T. (2021). Antelope & Giraffid TAG meeting.Aridland Sub-group, Species status reports (PPT)
  5. HALTENORTH, T. & TRENSE, W. (1956)
  6. IUCN SSC ANTELOPE SPECIALIST GROUP (2016). Gazella cuvieri. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T8967A50186003. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-2.RLTS.T8967A50186003.en . Accessed on 17 February 2022.
  7. IUCN (2018)
  8. MALLON, D.P. & KINGSWOOD, S. C. (2001)
  9. MORENO, E., JEBALI, A., ESPESO, G. & BENZAL, J. (2020)
  10. REINTRODUCTION OF THE CUVIER'S GAZELLE, JEBEL SERJ, TUNISIA
  11. SVÁBIK, K. (2021)
  12. WEIGL, R. (2005)
  13. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)

Zurück zu Übersicht Paarzeher

Weiter zu Dorkasgazelle (Gazella dorcas)

Gelesen 2062 mal Letzte Änderung am Montag, 13 Juni 2022 14:23
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx