Schaf- und Ziegenartige

Urial

Buchara-Urial oder Tadschikistan-Wildschaf (Ovis vignei bochariensis), Widder im Zoo Liberec Buchara-Urial oder Tadschikistan-Wildschaf (Ovis vignei bochariensis), Widder im Zoo Liberec
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige: (Caprinae)
Tribus: Ziegenverwandte (Caprini)

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 Neue Tierart

D VU 650

Urial oder Steppenwildschaf

Ovis vignei • The Urial, or Shapu • L'urial

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Arkal oder Transkaspischer Urial (Ovis vignei arkal), Gruppe im Tierpark Berlin © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Bekanntes, mögliches und gragliches Vorkommen des Urials (Ovis vignei)

 

 

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Arkal oder Transkaspischer Urial (Ovis vignei arkal), Widder im Tierpark Berlin © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Arkal oder Transkaspischer Urial (Ovis vignei arkal), Lamm im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Arkal oder Transkaspischer Urial (Ovis vignei arkal), 2.1 mit Lamm im Zoo Pretoria © Gemeinfrei

 

 

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Buchara-Urial (Ovis vignei bochariensis), unterschiedlich alte Widder im Zoo Liberec © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Buchara-Urial (Ovis vignei bochariensis), Widder in Nordens Ark © Jonsson, Göteborg. Übernommen aus flickr und modifiziert unter der Creative Commons Attribution 2.0 Generic-Lizenz.

 

 

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Buchara-Urial (Ovis vignei bochariensis), Widder im Zoo Liberec © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Kreishornschaf oder Afghanischer Urial (Ovis vignei cycloceros), Widder im Zoo Kabul © Gunther Nogge

 

 

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Kreishornschaf oder Afghanischer Urial (Ovis vignei cyloceros), Aue mit Lamm im Zoo Kabul © Gunther Nogge, Köln

 

 

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Punjab-Urial (Ovis vignei punjabiensis). Abbildung aus Joseph SMIT (1898): Wild oxen, sheep & goats of all lands, living and extinct. Gemeinfrei.

 

 

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Ladakh-Wildschaf (Ovis vignei vignei), Widder, wildlebend in Ladakh © Fabrice Stoger. Übernommen unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International-Lizenz von Wikimedia Commons.

 

 

 

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Steppenwildschafe sind je nach Unterart gefährdet, stark gefährdet oder unmittelbar vom Aussterben bedroht. Trotzdem gibt es in Zoos nur wenige Haltungen, die sich auf zwei der 5-7 anerkannten Unterarten verteilen.

Körperbau und Körperfunktionen

Uriale sind kleiner und leichter als Argalis und haben im Gegensatz zu jenen keinen ausgeprägten Spiegel. Die Widder haben weniger massive Hörner, dafür zum Teil einen Kinnbart und eine je nach Unterart mehr oder weniger stark ausgeprägte, weiße oder schwarze Halsmähne. Auch Körpergröße und Fellfärbung sind je nach Unterart verschieden. Die Böcke erreichen eine Kopf-Rumpflänge von etwa 110-160 cm, eine Schulterhöhe von 78-93 cm, eine Schwanzlänge von 10-13 cm und ein Gewicht von ca. 40-100 kg. Die Kopf-Rumpflänge der Auen beträgt rund 110-140 cm, die Schulterhöhe 64-89 cm und das Gewicht 25-80 kg. Die bogen- oder schneckenförmigen Hörner der Böcke werden 114 cm lang und können einen Basisumfang bis 31 cm haben. Die Hörner der Auen sind säbel- oder bogenförmig, schwächer und mit etwa 13 cm kürzer. Voraugen-, Inguinal-, Anal- und Zwischenzehendrüsen sind vorhanden. Die Auen haben ein Euter mit 2 Zitzen [6; 7; 13].

Verbreitung

Mittlerer Osten und Zentralasien: Afghanistan, Nordwest-Indien, Iran, Kasachstan, Pakistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, sowie eine möglicherweise auf eingeführte Tiere zurückgehende Population in Oman [8; 10].

Weitere Angaben zu den Unterarten siehe unter Taxonomie und Nomenklatur.

Lebensraum und Lebensweise

Die Steppenwildschafe kommen in mäßig bis sehr trockenen Lebensräumen der gemäßigten bis subtropischen Zone vom Tiefland bis auf eine Höhe von 4'000 m vor. Sie besiedeln Steppen, Winterkalte Wüsten und Halbwüsten, teilweise laubabwerfenden Busch sowie lockere Wälder, wobei sie bevorzugen hügelige Landschaften und nicht zu steile Berghänge bevorzugen [8; 13].

Die Tiere sind überwiegend tagaktiv, weiden aber bisweilen auch nachts. Sie sind gesellig und können, wo noch entsprechende Bestände existieren, im Winter große Rudel bilden; früher waren Herden von mehreren hundert Tieren anzutreffen. Im Sommer sind die Rudel kleiner und oft nach Geschlechtern getrennt. Sommer- und Wintereinstände können relativ weit auseinander liegen, ansonsten sind die Tiere recht standorttreu. Ihre Nahrung besteht aus Süßgräsern, Seggen, Beifuß (Artemisia sp.), anderen Kräutern, halophilen Pflanzen wie Kannenkraut (Anabasis sp.) und Salzkraut (Salsola sp.) sowie Zweigen z. b. von Akazien (A. modesta), Jujuben (Zizyphus nummularia) oder dem Halbstrauch Salvadora oleoides. Sie können längere Zeit ohne Wasser auskommen [6; 7; 13].

Die Brunft beginnt in manchen Gebieten bereits im August, fällt aber meistens auf den Zeitraum November-Dezember. Nach einer Tragzeit von etwa 150-160 Tagen kommt es meist von April-Juni zur Geburt von Einzelkitzen und in etwa gleich oft von Zwillingen. Drillingsgeburten sind selten, ganz ausnahmsweise werden Vierlinge geboren. Die Geburtsgewichte liegen bei etwa 2.6-4.3 kg. Die Lämmer werden mit etwa 4 Monaten entwöhnt. Unter Zoobedingungen können Weibchen bereits mit 6.5 Monaten geschlechtsreif werden, häufiger aber erst mit 18 Monaten. Böcke können die Geschlechtsreife mit 18 Monaten erreichen, kommen meist aber erst zur Fortpflanzung, wenn sie 4-5 Jahre alt sind [7; 8; 13].

Gefährdung und Schutz

Der Urial hat zwar eine weite Verbreitung. Sein Bestand hat aber innerhalb von 24 Jahren vermutlich um mehr als 30% abgenommen und wird auf noch ca. 15'000 erwachsene Individuen geschätzt. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2020 wurde die Art daher als gefährdet eingestuft. Hauptsächliche Risiken waren Wilderei mit Schusswaffen und Schlingen, gebietsweise such kommerzielle Jagd, sowie Konkurrenz um Nahrung und Wasser durch Haustiere (Rote Liste: LEAST CONCERN). Dabei wurden die einzelnen Unterarten unterschiedlichen Gefährdungskategorien zugeordnet. Siehe im Abschnitt Taxonomie und Nomenklatur. [2].

CITES hat, abweichend von der Roten Liste die verschiedenen Unterarten des Urials zu vollen Arten aufgewertet. Das Ladakh-Wildschaf (Ovis vignei in diesem Sinn) fällt unter CITES-Anhang I, die übrigen (Unter-)Arten unter Anhang II.

Bedeutung für den Menschen

In ihren Ursprungsgebieten werden Steppenwildschafe zumeist illegal zur Gewinnung von Fleisch gejagt. Gebietsweise spielt auch die Sportjagd eine Rolle. In den USA gibt es Jagdfarmen auf denen Arkale oder Kreishornschafe gehalten werden. Die Abschussgebühren berechnen sich nach Trophäenqualität und können bis 20'000 USD betragen [2; 9]. Aus den Ursprungsländern wurde von 1977-2020 die Ausfuhr von 4 lebenden Exemplaren gemeldet (so dies überhaupt stimmt). Die Anzahl Jagdtrophäen zu erfassen ist schwierig, weil in vielen Fällen als Art "Ovis aries", d. h. das Hausschaf, angegeben wurde. Als arkal deklariert wurden 83 aus Iran und 9 aus Turkmenistan, als bochariensis 47 aus Pakistan und 17 aus Tadschikistan, als cycloceros 8 und als punjabiensis 33 aus Pakistan. Im selben Zeitraum wurden weltweit Bescheinigungen für 38 als arkal und 22 als bochariensis deklarierte Nachzuchttiere ausgestellt [1].

Haltung

Das von WEIGL angegebenen Höchstalter im Zoo liegen für O. v. cycloceros bei 17 Jahren und 9 Monaten. Es handelte sich um ein in amerikanischen Einrichtungen gehaltenes weibliches Nachzuchttier [12].

Haltung in europäischen Zoos: Steppenwildschafe waren in europäischen Zoos nie häufig. gegenwärtig (2022) werden die Unterarten O. v. arkal in 5 und O. v. bochariensis in 7 Zoos gehalten. 2020 lagen die Bestände bei 77 bzw. 32 Tieren [2]. Seit 2021 gibt es ein "New Style"-EEP für die beiden Unterarten, das vom Parco Faunistico Valcorba koordiniert wird. Die britische, ev. europäische Erstzucht gelang 1858 im Londoner Zoo. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für bis zu 5 Tieren ein Gehege von mindestens 250 m² zur Verfügung stehen, für jedes weitere Tier 20 m² zusätzlich. Ein Stall ist nicht erforderlich.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Gehege vor, dessen Grundfläche 500 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 50 m² zur Basisflächen dazu. Es sind natürliche oder künstliche Unterstände anzubieten, in denen alle Tiere gleichzeitig Platz finden. Werden die Tiere aufgestallt, ist eine Grundfläche von mindestens 2 m²/Tier vorgeschrieben.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) sind für bis zu 10 Tiere 500 m² erforderlich, für jedes weitere 50 m² mehr. Es müssen Unterstände zum Schutz gegen Witterungsverhältnisse wie Regen, Wind, Sonneneinstrahlung und Hitze angeboten werden, so dass alle Tiere bei Bedarf darin gleichzeitig Unterschlupf finden können. Die Haltung hat in Herden zu erfolgen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Nominatform des Urials wurde 1841 von dem viele Jahre in Kalkutta tätigen englischen Zoologen Edward BLYTH anhand eines Exemplars aus Kaschmir unter seinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Es wurden weitere Unterarten beschrieben, von denen heute 5-7 anerkannt, sind, die aber von manchen Autoren zu eigenständigen Arten erhoben wurden. Wir orientieren uns hier an der Roten Liste der IUCN, die auch davon ausgeht, dass es sich bei den Urialen (Chromosomenzahl n2 = 58) und den Mufflons (Ovis orientalis bzw. gmelini, Chromosomenzahl n2 = 54) um zwei separate Arten handelt:

  • Arabisches Wildschaf (O. v. arabica): Oman. Schwarze Halsmähne schwach ausgebildet. Möglicherweise keine autochthone Wildform und vielleicht nicht mehr existent. Rote Liste: DATA DEFICIENT
  • Arkal oder Transkaspischer Urial (O. v. arkal): Nordost-Iran, West-Kasachstan, Nordwest-Turkmenistan. Kimmbart und Halsmähne weiß. Gesamtbestand ca. 1'500-1'850 Tiere. Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED
  • Buchara-Urial oder Tadschikistan-Wildschaf (O. v. bochariensis): Nord-Afganistan, Süd-Tadschikistan, Nordost-Turkmenistan, Süd-Usbekistan. Kinnbart weiß, Halsmähne schwarz, eventuell Sattelfleck. Gesamtbestand weniger als 800 Tiere. Rote Liste: ENDANGERED
  • Kreishornschaf oder Afghanistan-Wildschaf (O. v. cycloceros): Zentral- und West-Afghanistan, West- und Süd-Pakistan. Kinnbart weiß, Halsmähne schwarz, weiß-schwarzer Sattelfleck. Gesamtbestand 20-30'000 Tiere. Rote Liste: VULNERABLE
  • Punjab-Wildschaf (O. v. punjabensis): Punjab, Pakistan. Kinnbart weiß, Halsmähne schwarz, eventuell Sattelfleck. Gesamtbestand weniger als 800 Tiere. Rote Liste: VULNERABLE
  • Ladakh-Wildschaf (O. v. vignei): Nordindien, Nord-Pakistan. Kinnbart weiß, Halsmähne schwarz, Sattelfleck. Gesamtbestand weniger ca. 1'800 Tiere. Rote Liste: VULNERABLE

Von der Taxonomie der eigentlichen Schafe gibt es so viele Varianten, wie es Autoren gibt. Manche anerkennen nur eine Art, andere zwei (alt- und neuweltliche Schafe), die Rote Liste der IUCN sechs, wieder andere bis zu sieben. Das Handbook of the Mammals of the World ist völlig unbrauchbar, weil es, GROVES & GRUBB folgend, viele Unterarten zu einem Total von 20 "guten" Arten aufwertet, was mit Biologie nichts mehr zu tun hat und z.B. von SCHÜRER kritisiert wurde [3; 4; 5; 6; 7; 8; 10; 13; 14].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES TRADE DATA BASE
  2. DAMOIS, P., ROBOVSKÝ, J.,MUELLER, D, PENELLO, M.,ZIMMERMANN,M., VAN DER MEER, R.AND VOORHAM, M. (eds., 2020).
  3. GROVES, C.P. & GRUBB, P. (2011)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. HALTENORTH, T. & TRENSE, W. (1956)
  6. JOHNSINGH, A. & MANJREKAR, N. (eds., 2015)
  7. MATSCHEI, C. (2012)
  8. MICHEL, S. & GHODDOUSI, A. (2020). Ovis vignei (errata version published in 2021). The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T54940655A195296049. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-2.RLTS.T54940655A195296049.en . Accessed on 12 February 2022.
  9. OX HUNTING RANCH
  10. SCHÜRER, U. (2012)
  11. SHACKLETON, D.M. (1997)
  12. WEIGL, R. (2005)
  13. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  14. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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