Schaf- und Ziegenartige

Schneeschaf

Schneeschaf (Ovis nivicola) im Zoo Dresden Schneeschaf (Ovis nivicola) im Zoo Dresden
© Wolfgang Dreier, Berlin

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige: (Caprinae)
Tribus: Ziegenverwandte (Caprini)

D LC 650

Schneeschaf

Ovis nivicola • The Sbow Sheep • Le mouflon des neiges

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Schneeschaf (Ovis nivicola) im Zoo Dresden © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Sehr approximative Verbreitung des Schneeschafs (Ovis nivicola). Rot: O. n. putorana; grün: O. n. lydekkeri; gelb: O. n. koriakorum; dunkelblau: O.n. nivicola

 

 

 

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In Sibirien werden Trophäenjagden auf Schneeschafe (Ovis nivicola) anhgeboten. Bild kopiert aus http://stalker-group.com

 

 

 

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Schneeschafwidder (Ovis nivicola). Abbildung aus Joseph SMIT (1898): Wild oxen, sheep & goats of all lands, living and extinct. Gemeinfrei.

 

 

 

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Schädel eines Schneeschafwidders (Ovis nivicola). Abbildung aus Joseph SMIT (1898): Wild oxen, sheep & goats of all lands, living and extinct. Gemeinfrei.

 

 

 

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Schneeschaf (Ovis nivicola). als Briefmarkenmotiv. Russland 2013, 15 Rubel.

 

 

 

 

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Weil Wildschafe - eigentlich zu Unrecht - als nicht besonders attraktiv gelten, ist wurde das in der Wildbahn nicht gefährdete Schneeschaf in der Vergangenheit in europäischen Zoos nur sehr selten gezeigt und ist seit mehreren Jahrzehnten außerhalb Russlands gar nicht mehr anzutreffen.

Körperbau und Körperfunktionen

Beim Schneeschaf besteht ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus. Die Böcke erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 136-188 cm, eine Schulterhöhe von 93-107 cm, eine Schwanzlänge von 9.5-13 cm und ein Gewicht bis 105 kg. Die Kopf-Rumpflänge der Auen beträgt 126-156 cm, die Schulterhöhe 69-93 cm, die Schwanzlänge 7.5-13 cm und das Gewicht 33-68 kg. Die bogen- oder schneckenförmigen Hörner der Böcke werden 69-93 cm lang und können einen Basisumfang von 25-36 cm haben. Die Hörner der Auen sind säbel- oder bogenförmig, 23-28 cm lang und mit einem Basisumfang von ca. 12 cm. Voraugen-, Inguinal-, Anal- und Zwischenzehendrüsen sind vorhanden. Die Auen haben ein Euter mit 2 Zitzen. Das Sommerfell ist mehr graubraun, das wollige Winterfell mehr hellbraun gefärbt. Muffel und allenfalls Stirn sind weiß, es ist ein weißer Spiegel vorhanden, der mit dem dunkelbraunen Wedel kontrastiert- Bei den Böcken sind die Vorderseiten der Läufe dunkelbraun [4; 7].

Verbreitung

Russland: von Zentralsibirien bis zur Kamtschatka-Halbinsel [2].

Weitere Angaben zu den Unterarten siehe unter Taxonomie.

Lebensraum und Lebensweise

Schneeschafe besiedeln steiles, felsiges Gelände bis auf eine Höhe von 1'800 m von der subalpinen Stufe mit lockeren Lärchenbeständen bis zur nivalen Stufe mit Tundravegetation [7].

Die Tiere sind tagaktiv, während des Winters weiden sie gezwungenermaßen auch im Dunkeln. Sie leben gesellig, außerhalb der Paarungszeit nach Geschlechtern getrennten Rudeln. Während des Sommerhalbjahrs werden überwiegend Gräser gefressen. Im Winter machen Weidenzweige, Moose und Flechten einen großen Teil der Nahrung aus. Die Brunft fällt auf den Zeitraum November-Dezember. Nach einer Tragzeit von 170-180 Tagen kommt es meist von Mai -Juni zur Geburt eines Einzelkitzes, nur selten von Zwillingen [1; 7].

Gefährdung und Schutz

Das Schneeschaf ist eine weitverbreitete Art mit einer mutmaßlich großen Gesamtpopulation. Manche Bestände nehmen zwar ab, aber nicht so stark, dass von einer Gefährdung gesprochen werden müsste. Die Art ist daher seit dem Jahr 1996, letztmals überprüft 2008, als nicht gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN). Allerdings sollte der Status überprüft werden [1].

Der internationale Handel unter CITES ist nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Das Schneeschaf wird von der lokalen Bevölkerung hauptsächlich zur Gewinnung von Fleisch gejagt. Früher wurden aus den Fellen Schlafsäcke hergestellt. Heute spielt auch die Sportjagd mit russischer und internationaler Kundschaft eine Rolle. Die Jagdsaison beginnt im August und dauert bis Ende September [1;4].

Haltung

Weil das Schneeschaf extrem an einen hochalpinen, arktisch-subarktischen Lebensraum angepasst ist, stellt es, wie so viele stenöke Arten, hohe Anforderungen an die Haltung.

Das von WEIGL angegebenen Höchstalter im Zoo von über 10 Jahren und 9 Monaten ist zweifellos nicht repräsentativ, andernorts werden 18 Jahre angegeben [6; 7].

Haltung in europäischen Zoos: Das Schneeschaf wird gegenwärtig (2022) in Europa nicht gehalten. Die Zootierliste führt 5 ehemalige Haltungen auf, davon 3 in Russland. Die letzte Haltung im übrigen Europa war jene des Dresdener Zoos von 1996-1998, wenn man von der Haltung von Schneeschaf-Hausschaf-Hybriden im Österreichischen Tierpark Altenfelden absieht.

Mindestanforderungen an Gehege: Die Mindestanforderungen nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL, Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) und 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) entsprechen jenen für das Dallschaf.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Schneeschaf wurde 1829 von dem deutschbaltischen Forschungsreisenden Johann Friedrich Gustav von ESCHSCHOLTZ unter seinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Zeitweilig wurde es als Unterart von Ovis canadensis angesehen. Auf Deutsch wird es bisweilen als "Sibirisches Schneeschaf" bezeichnet, um es vom Dallschaf, dem "Alaska-Schneeschaf", abzugrenzen. Über die Zahl seiner Unterarten gibt es unterschiedliche Ansichten. Nach HANDBOOK werden deren vier anerkannt [2; 3; 5, 7; 8]:

  • Kamtschatka-Schneeschaf (O. n. nivicola): Kamtschatka-Halbinsel
  • Putorana-Schneeschaf (O. n. borealis): Putorana-Gebirge, nördliches Zentralsibirien westlich der Lena
  • Koryak-Schneeschaf (O. n. koriakorum): Korjaken-Gebirge im Autonomen Kreis der Tschuktschen, Nordost-Sibirien
  • Jakutisches Schneeschaf (O. n. lydekkeri): Jakutien (Republik Sacha) östlich der Lena

Literatur und Internetquellen

  1. HARRIS, R.B. & TSYTSULINA, K. (2008). Ovis nivicola. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T15740A5076357. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2008.RLTS.T15740A5076357.en . Accessed on 12 February 2022.
  2. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  3. MATSCHEI, C. (2012)
  4. RALFS WILDLIFE AND WILD PLACES
  5. SHACKLETON, D.M. (1997)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  8. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx