Amazonen-Verwandte

Hispaniola-Amazone

Hispaniola-Amazone (Amazona ventralis)  im Zoo von Santillana del Mar, Kantabrien Hispaniola-Amazone (Amazona ventralis) im Zoo von Santillana del Mar, Kantabrien
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Papageienvögel (Psittaciformes)
Familie: Echte Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Eigentliche Papageien (Psittacinae)
Tribus: Neuweltpapageien (Arini)

D VU 650

Hispaniola- oder Blaukronenamazone

Amazona ventralis • The Hispaniolan Amazon • L'amazone d'Hispaniola

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Hispaniola-Amazone (Amazona ventralis) im Welt-Vogelpark Walsrode © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Verbreitung der Hispaniola-Amazone (Amazona ventralis). Dunkelblau aktuelle und möglich autochthone Vorkommen; dunkelgrün: angesiedelte Populationen; rot: ausgerottet

 

 

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Hispaniola-Amazone (Amazona ventralis) im Welt-Vogelpark Walsrode © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Hispaniola-Amazonen (Amazona ventralis) in Privathaltung © T. J. Lin, Taiwan. Übernommen aus Flickr unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Generic-Lizenz

 

 

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Hispaniola-Amazone (Amazona ventralis). Illustration von J. BARRABAND aus LEVAILLANT, F. (1801-1805) Histoire Naturelle des Perroquets. Gemeinfrei.

 

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Die Hispaniola-Amazone ist eine gefährdete Art aus der Karibik. Jungvögel werden für den lokalen Vogelmärkt der Natur entnommen, im internationalen Handel befinden sich aber nur Nachzuchtvögel. In europäischen Zoos ist die Art sehr selten.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Hispaniola-Amazone weist eine Gesamtlänge von etwa 28 cm auf. Davon fallen etwa 10 cm auf den Schwanz. Die Flügellänge betrgt 17-20 cm. Der Schnabel hornfarben, der Augenring weiß, die Iris dunkelbraun und die Füße blassrosa. Die Grundfärbung des Gefieders ist grün, teilweise mit dunkeln Federsäumen. Stirn und Zügel sind weiß, es ist ein schwarzer Ohrfleck vorhanden. Der Oberkopf ist bläulich, der Bauch weinrot, Flügel und Schwanz mit gelbgrünen und blauen Federn [1; 4; 5; 7; 8].

Verbreitung

Karibik: Dominikanische Republik, Haiti, eingeführte Populationen auf Puerto Rico sowie den Amerikanischen und Britischen Jungferninseln [2].

Lebensraum und Lebensweise

Die Hispaniola-Amazone bewohnt Savannen und unterschiedliche Waldtypen wie Palmenhaine, Koniferen- und feuchten Bergwald vom Tiefland bis auf eine Höhe von etwa 1'500 m. Zur Nahrungssuche besucht sie auch landwirtschaftliche Kulturen wie Bananenpflanzungen und Maisfelder. Ansonsten ernährt sie sich von von Samen, Früchten, vermutlich auch Blüten und Knospen diverser Laubbäume, Palmen und Kakteen. Gebrütet wird im April (Februar-Mai oder später) in Spechthöhlen, sowie Höhlen in Palmen und Kakteen. Die Gelege umfassen 2-4 Eier, die während etwa 25-29 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungen sind mit 7-8 Wochen flügge [1; 2; 5; 8].

Gefährdung und Schutz

Seit dem Jahr 2000, letztmals überprüft 2020, wird die Art als gefährdet eingestuft (Rote Liste: VULNERABLE). Die Kenntnisse über den Zustand der Populationen sind allerdings bruchstückhaft. Es ist daher möglich, dass eine Neueinstufung erforderlich wird, sobald bessere Informationen vorliegen [2].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Hispaniola-Amazonen werden für den lokalen Tierhandel gefangen bzw. ausgehorstet und zur Fleischgewinnung gejagt oder als Schädlinge an landwirtschaftlichen Kulturen wahrgenommen und verfolgt [2].

Von 1981-2004 wurden aus der Dominikanischen Republik 120, aus Haiti 43 und aus Puerto Rico 23 lebende Wildfänge bei der Ausfuhr registriert. Danach gab es bis 2020 keine erfassten Exporte mehr. Von 1981-2020 wurden weltweit Exporte von 657 Nachzuchtvögeln erfasst. Die wichtigsten Ausfurländer waren die USA (276 Stück), die Niederlande (150) und die Schweiz (67) [3].

Haltung

In Menschenobhut zählt die Hispaniola-Amazone zu den Seltenheiten. Die Zucht gilt als schwierig. Es wird empfohlen, potenzielle Brutpaare einzeln aber in Hörweite anderer Paare zu setzen [1; 8].

Haltung in europäischen Zoos: Die europäische Ersteinfuhr erfolgte 1862 durch den Londoner Zoo. Die Welterstzucht glückte 1971 im Jersey Zoo, die deutsche Erstzucht 1983 im Welt-Vogelpark Walsrode [9]. Schon früher wurde die Art in Europa nur selten gehalten, heute (2022) ist sie noch in drei Zoos zu sehen. Für Details siehe Zootierliste. 

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung von eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels ein Käfig mit einer Grundfläche von 2 m² und einer Höhe von 1 m erforderlich, der in mindestens 80 cm Höhe aufzustellen ist, ferner ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 1 m². Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) sind Amazonen mindestens paarweise zu halten. Für ein Paar ist ein Käfig mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 0.7 m² und einer Höhe von 120 cm vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 0.1 m² zu erweitern. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 6 m² und einer Höhe von 2 m sowie einen Schutzraum von 1 m² / 2 m Höhe mit einer Mindesttemperatur von 10°C vor. Je weiteres Paar sind die Flächen um 50% zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Hispaniola-Amazone wurde 1776 vom deutschen Universalgelehrten Philipp Ludwig STATIUS MÜLLER unter der Bezeichnung "Psittacus ventralis" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der heute gültige Gattungsname Amazona wurde 1830 vom französischen Arzt und Naturforscher René Primevère LESSON eingeführt. Die Art bildet mit der Kuba- (A. leucocephala) und Jamaikaamazone (A. collaria) eine Superspezies.  Es gibt keine Unterarten [5; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. BEAUTY OF BIRDS
  2. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2020). Amazona ventralis. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T22686215A179267983. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-3.RLTS.T22686215A179267983.en. Accessed on 14 December 2021.
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DE GRAHL, W. (1979/82)
  5. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  6. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
  7. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  8. LANTERMANN, W. (2007)

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Gelesen 1394 mal Letzte Änderung am Freitag, 15 April 2022 16:22
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx