Hasenartige

Baumwollschwanzkaninchen

Östliches Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus floridanus) im Prospect Park Zoo, New York Östliches Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus floridanus) im Prospect Park Zoo, New York
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Hasentiere (LAGOMORPHA)
Familie: Hasenartige (Leporidae)

D LC 650

Östliches Baumwollschwanzkaninchen,
Florida-Waldkaninchen

Sylvilagus floridanus • The Eastern Cottontail Rabbit • Le lapin à queue blanche

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Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus floridanus) im Rathtrevor Beach Provincial Park, Britisch-Kolumbien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Baumwollschwanzkaninchens (Sylvilagus floridanus)

 

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Approximative Verbreitung der angesiedelten Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus floridanus) in Italien und der Südschweiz

 

 

 

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Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus floridanus), Baton Rouge LA © Jeff Whitlock, Temple TX, veröffentlicht auf http://www.theonlinezoo.com unter der Creative Commons Attribution-Non-Commercial-Share-Alike-Lizenz

 

 

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Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus floridanus), Burlington, Ontario © Jeff Whitlock, Temple TX, veröffentlicht auf http://www.theonlinezoo.com unter der Creative Commons Attribution-Non-Commercial-Share-Alike-Lizenz

 

 

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Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus floridanus), Jungtier in Houston TX © Jeff Whitlock, Temple TX, veröffentlicht auf http://www.theonlinezoo.com unter der Creative Commons Attribution-Non-Commercial-Share-Alike-Lizenz

 

 

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Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus floridanus), Tucson AR © Jeff Whitlock, Temple TX, veröffentlicht auf http://www.theonlinezoo.com unter der Creative Commons Attribution-Non-Commercial-Share-Alike-Lizenz

 

 

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Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus floridanus) als Trickfilmfigur Walt DISNEYs

 

 

 

Weitere Infos auf BioLib

Das Baumwollschwanzkaninchen ist eine nicht-gefährdete, in Nordamerika weitverbreitete Art, deren Areal bis ins nördliche Südamerika reicht. Es ähnelt optisch sehr dem Europäischem Wildkaninchen. Aus diesem Grund, und weil sich nur wenige europäische Zoos auf die nordamerikanische Fauna spezialisiert haben, besteht kaum ein Interesse, die überwiegend nachtaktive und wenig soziale Art zu zeigen.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Baumwollschwanzkaninchen ist in Färbung und Größe dem Europäischen Wildkaninchen sehr ähnlich, hat aber etwas kürzere Ohren. Die Kopf-Rumpflänge beträgt 43 (40-48) cm, die Schwanzlänge 4.5 (2.6-6) cm, die Ohrlänge 6 (5.5-6.7) cm und das Gewicht 1.1-1.2 (0.8-1.5) kg. Die Zibben sind minim (im Mittel etwa 1%) größer und schwerer als die Rammler. Sie haben 4 Paar Zitzen. Das Fell ist weich und oberseits braun-grau-schwarz meliert, im Sommer brauner, im Winter grauer. Der Nacken ist rostrot, bei Tieren aus Südamerika gelblichbraun bis schwarz, Bauch und Unterseite des Schwanzes sind weiß. Die Fellwechsel finden von Mitte April bis Mitte Juli und von Mitte September bis Ende Oktober statt. Im Gegensatz zum ebenfalls im westlichen Nordamerika vorkommenden Eselhasen (Lepus californicus) haben die Ohren keine schwarzen Spitzen und die Schwanzoberseite ist nicht schwarz [1; 3; 9].

Verbreitung

Nord-, Mittel und Südamerika: Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Kanada, Kolumbien, Mexiko, Nikaragua, USA, Venezuela. Angesiedelt in Italien, mittlerweile auch lokalisierte Vorkommen in der Schweiz (Tessin: Mendrisiotto, ev. Magadino-Ebene) [2; 4; 6].

Lebensraum und Lebensweise

Das östliche Baumwollschwanzkaninchen nutzt unterschiedlichste Lebensräume einschließlich Ackerland, Grasland, Hecken, niedrigen Busch und Wald-Offenland-Mosaike, in Südamerika höher gelegene, eher trockene Regionen. Die Tiere sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Im Gegensatz zum Europäischen Wildkaninchen sind sie Einzelgänger und bauen keine Höhlensysteme. Sie besetzen saisonal unterschiedlich große Streifgebiete von etwa 1-3 ha, verteidigen diese aber nicht als Territorien. Die in sich überlappenden Streifgebieten lebenden Rammler bilden eine soziale Hierarchie aus. Die Nahrung besteht aus Gräsern, Kräutern, Blättern, Zweigen und Rinden mit saisonal wechselnder Zusammensetzung [1; 3; 6; 9].

Die Fortpflanzungsperiode variiert entsprechend den klimatischen Bedingungen. Nach einer Tragzeit von 28-29 (25-35) Tagen werden in einem mit Haaren ausgekleideten Nest aus Pflanzenmaterial meistens 3-5 Junge geboren. Im Verlauf eines Jahres kann ein Weibchen 6-35 Junge bringen. Die Jungen öffnen ihre Augen mit 3-4 Tagen, verlassen das Nest mit 13-14 Tagen und nehmen kurz darauf schon feste Nahrung zu sich. Gesäugt werden sie aber bis sie 25 Tage alt sind. Mit 4-5 Wochen sind sie selbständig [1; 3; 7; 9].

Gefährdung und Schutz

Das Östliche Baumwollschwanzkaninchen ist der am weitesten verbreitete und häufigste Vertreter seiner Gattung. Die ab den 1960er-Jahren in Italien ausgesetzten Populationen verhalten sich invasiv und haben 2008 auch die Südschweiz erreicht, wo 2019 erstmals 26 Stück erlegt wurden. Die Art gilt daher seit 1996, letztmals überprüft 2018 als nicht-gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [2; 4; 5; 6].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. Für die Einfuhr in die Schweiz ist zusätzlich zur veterinärrechtlichen auch eine jagdrechtliche Bewilligung erforderlich. Diese wird erteilt, wenn sichergestellt ist, dass die Tiere und deren Nachkommen nicht in die freie Wildbahn gelangen können [11].

Bedeutung für den Menschen

Baumwollschwanzkaninchen werden zu Gewinnung von Fleisch und als Sport bejagt. 

Kulturelle Bedeutung: In Walt DISNEYs "Bambi"- Film von 1942 wurde nicht nur aus dem Reh "Bambi" ein Virginiahirsch, sondern auch aus dem Feldhasen (Herr Hase) ein Baumwollschwanzkaninchen namens "Thumper", zu Deutsch "Klopfer". Diese Figur trat auch noch in späteren Filmen auf. "Cottontails" sind auch Protagonisten in verschiedenen amerikanischen Kinderbüchern, etwa in Thornton W. BURGESS' (1991) "The Adventures of Peter Cottontail".

Haltung

Ein kalifornischer Zoo hat Baumwollschwanzkaninchen mit Buntfalken vergesellschaftet [6]. Das publizierte Höchstalter im Zoo beträgt 8 Jahre und 5 Monate. Es wurde von einem Männchen im Tulsa Zoo erreicht [8].

Haltung in europäischen Zoos: Die britische und vermutlich europäische Erstzucht glückte 1887 im Londoner Zoo. Die einzige Institution, welche die Art noch nach dem Zweiten Weltkrieg hielt, war gemäß Zootierliste der Zoologische Garten Basel von 1949-1951.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll pro Paar "Wildkaninchen" ein Gehege von 10 m² vorhanden sein und für jedes weitere Adulttier 2 m² zusätzlich. Ob das für das Baumwollschwanzkaninchen funktioniert, ist fraglich. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 5 Tiere ein Außengehege mit einer Grundfläche von 30 m² und für jedes weitere Tier 3 m² Fläche zusätzlich vor. Daberi wurde mit Sicherheit nur an das Europäische Wildkaninchen gedacht. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs bezieht sich explizit nur auf Europäische Wildkaninchen.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Östliche Baumwollschwanzkaninchen wurde 1837 von dem amerikanischen Priester und Zoologen John BACHMAN als "Lepus sylvaticus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Allerdings gab Bachmann für das Typusexemplar keinen Fundort an, und die Artbezeichnung "sylvaticus" war bereits durch eine andere Art besetzt. Die akzeptierte Erstbeschreibung datiert aus dem Jahr 1890, als der erste Präsident des amerikanischen Ornithologenverbandes, Joel Asaph ALLEN, die Art als "Lepus sylvaticus floridanus" erneut beschrieb. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Sylvilagus war bereits 1867 von John Edward GRAY vom British Museum in London eingeführt worden. Die Zahl der in jüngerer Zeit akzeptierten Unterarten variiert zwischen 18 und 35, nach HANDBOOK sind es 31 [3; 9; 10].

Literatur und Internetquellen

  1. ANIMAL DIVERSITY WEB - Sylvilagus floridanus
  2. BERTOLINO, S., CORDERO DI MONTEZEMOLO, N. & PERRONE, A. (2013)
  3. CHAPMAN, J. A., HOCKMAN, J. G., OJEDA C, M. M. (1980)
  4. DORI, P., SCALISI, M. & MORI, E. (2019)
  5. GRAF, R. & FISCHER, C. (2021)
  6. NIELSEN, C. & LANIER, H.C. (2019). Sylvilagus floridanus. The IUCN Red List of Threatened Species 2019: e.T41299A45191626. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2019-1.RLTS.T41299A45191626.en . Downloaded on 08 November 2021.
  7. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  8. WEIGL, R. (2005)
  9. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-19)
  10. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  11. VERORDNUNG ÜBER DIE JAGD UND DEN SCHUTZ WILDLEBENDER SÄUGETIERE UND VÖGEL (JAGDVERORDNUNG, JSV) (Schweiz) vom 29. Februar 1988

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Gelesen 2378 mal Letzte Änderung am Dienstag, 21 Dezember 2021 15:04
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx