Hirsche, Hirschferkel und Moschustiere

Maultierhirsch

Maultierhirsch (Odocoileus hemionus) im Tierpark Berlin Maultierhirsch (Odocoileus hemionus) im Tierpark Berlin
© Wolfgang Dreier, Berlin

Überordnung: LAURASIATHERiA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Trughirsche (Capreolinae)
Tribus: Amerikanische Trughirsche (Odocoileini)

D LC 650

Maultier- oder Schwarzwedelhirsch

Odocoileus hemionus • The Mule Deer • Le cerf mulet

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Maultierhirsch (Odocoileus hemionus columbianus, Schmaltier auf Quadra Island BC © Peter Dollinger

 

 

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Approximative Verbreitung des Maultierhirschs (Odocoileushemionus). Rot = O. h. cerrosensis

 

 

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Maultierhirsch (Odocoileus hemionus columbianus), Kalb bei Qualicum Bay, Vancouver Island BC © Peter Dollinger

 

 

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Maultierhirsch (Odocoileus h. hemionus) im Tierpark Berlin © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Maultierhirsch (Odocoileus h. hemionus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Maultierhirsche (Odocoileus h. hemionus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Maultierhirschkuh (Odocoileus hemionus) im Umatilla Wildlife Refuge, OR. Bild: US Fish and Wildlife Service. Public Domain.

 

 

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Maultierhirsch (Odocoileus h. hemionus) im Yellowstone-Nationalapark. Bild: US Nationa Park Service / Neil Herbert. Public Domain.

 

 

 

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Die wegen ihrer langen Ohren Maultier- oder wegen ihrer Schwanzfärbung Schwarzwedelhirsch genannte Art ist eng mit dem Weißwedel- oder Virginiahirsch verwandt. Ihre Verbreitung ist auf das westliche Nordamerika beschränkt, wo sie häufig und somit nicht gefährdet ist. In Zoos wird sie selten gehalten, in Europa seit etlichen Jahren gar nicht mehr.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Maultierhirsch ist dem Weißwedelhirsch sehr ähnlich, hat aber längere Ohren, eine teilweise oder ganz schwarze Schwanzoberseite und potenziell mehr Geweihenden. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt bei den Böcken 150-180 cm, die Schulterhöhe 84-106 cm das Gewicht 50-110(-150) kg, bisweilen mehr. Bei den Hirschkühen liegt die Kopf-Rumpf-Länge bei 135-150 (125-156) cm, die Schulterhöhe bei 75-95(-100) cm und das Gewicht bei 35-65 kg. Der Wedel ist 15-23 cm lang. Das Geweih der erwachsenen Hirsche wird 45-65(-75) cm lang. Bei starken Hirschen kann es bis zu 50 Enden aufweisen. Es wird zwischen Januar und März abgeworfen. Das Fell ist im Sommer rostbraun, im Winter graubraun. Kehle, Bauch und eventuell Schnauzenpartie sind weiß. Es ist ein weißer Spiegel vorhanden. Die Schwanzoberseite ist je nach Unterart bis auf die schwarze Spitze weiß, in der oberen Hälfte braun und in der unteren schwarz, oder ganz schwarz [1;2; 5; 9].

Verbreitung

Westliches Nordamerika von Süd-Alaska  bis Nordmexiko: Kanada (Alberta, Yukon, British Columbia, Manitoba, Northwest Territories), Mexiko (Nuevo León, Chihuahua, Sonora, Tamaulipas, Coahuila, Baja California), USA (Oklahoma, New Mexico, Alaska, Oregon, Texas, Arizona, Colorado, Nevada, Montana, Idaho, Wyoming, Nebraska, South Dakota, Kansas, California, North Dakota, Iowa, Utah, Washington) [6].

1910, ev. bereits um 1900, wurden Maultierhirsche in England angesiedelt. Die letzten verschwanden kurz nach dem Zweiten Weltkrieg [4].

Lebensraum und Lebensweise

Der Maultierhirschhirsch besiedelt die unterschiedlichsten Lebensräume, einschließlich borealen Nadelwald, Pazifische Regenwälder, Misch- und Sommergrüne Laubwälder, Grasland , Halbwüsten und mediterrane Hartlaubvegetation. Im Gebirge geht er bis auf eine Höhe von 3'000 m. Im Norden und im Gebirge können zwischen den Sommer- und Wintereinständem 15-30 km liegen. Er ist ein anpassungsfähiger Äser, der sich sowohl von Gras als auch von Blättern, Knospen, Zweigen, Früchten etc. ernährt ("intermediate feeder"). Dabei nutzen die Tiere Streifgebiete von meist 250-500 ha [1; 2; 6; 9].

Maultierhirsche bilden Mutterfamilien, die auch ältere weibliche Nachkommen umfassen und die sich zeitweilig zu größeren Herden zusammenschließen können. Böcke leben solitär oder vereinigen sich zu losen Gruppen. Wie beim Reh folgt während der Brunft, die hauptsächlich von November bis Januar stattfindet, ein Bock einem einzelnen, empfängnisbereiten Weibchen. Nach einer Tragzeit von im Mittel 203-207 Tagen werden hauptsächlich im Juni / Juli meistens Zwillinge gesetzt, bei jungen Weibchen öfter einzelne Kälber. Diese sind gefleckt und wiegen beider Geburt 2.7-4 kg. Sie sind Ablieger und bleiben während der 1. Lebenswoche in ihren Verstecken. Geschlechtsreife wird in meist mit etwa 18 Monaten, erreicht, bei Weibchen ev. früher. Böcke kommen in der Regel erst zur Fortpflanzung, wenn sie 2-3 Jahre alt sind [1; 2; 5; 9].

Gefährdung und Schutz

Obwohl geeigneter Lebensraum als Folge der sich ausdehnenden Landwirtschaft abnimmt, wird der Gesamtbestand des Maultierhirschs als stabil angesehen. Seit 1996, letztmals überprüft 2015, wird die Art daher als nicht-gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) eingestuft. Die auf die mexikanischen Zederninsel beschränkte Unterart O. h. cerrosensis gilt dagegen wegen der vielen wildernden Hunde und illegaler Bejagung als gefährdet [6].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.


Bedeutung für den Menschen

Maultierhirsche sind in Teilen Nordamerikas ein wichtiges Jagdwild, das zur Fleischgewinnung und als Sport gejagt wird. Zum Leidwesen der Forstindustrie können sie größere Schäden an Douglasien- (Pseudotsuga menziesii) und Gelbkiefer- (Pinus ponderosa) Pflanzungen anrichten [6].

Haltung

Wie bei uns Rehe, gelangen junge Maultierhirsche in Nordamerika häufig als tatsächliche oder vermeintliche Waisen oder als von Privatpersonen illegal gehaltene und daher von den Behörden eingezogene Tiere in Zoos [10].

WEIGL gibt als Altersrekord 20 Jahre und 5 Monate für ein im Milwaukee County Zoo geborenes und gehaltenes weibliches Tier an [7].

Haltung in europäischen Zoos: Maultierhirsche wurden in Europa stets selten gehalten und waren insgesamt deutlich weniger häufig als der Weißwedelhirsch. Die letzten Haltungen dürften jene von Tierpark und Zoo Berlin sowie der Réserve zoologique de la Haute Touche in Obterre gewesen sein, die anfangs der 1990er-Jahre ausliefen Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL, der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 2021) und der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2021) gelten für den Maultierhirsch die gleichen Anforderungen wie für den Weißwedelhirsch.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Maultierhirsch wurde 1817 von dem in Marseille aufgewachsenen, hauptsächlich in den USA tätigen Universalgelehrten Constantine Samuel RAFINESQUE anhand eines Exemplars aus Süd-Dakota unter dem Namen "Cervus hemionus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Odocoileus wurde 1832 ebenfalls von RAFINESQUE eingeführt. Es wurden etwa ein Dutzend Unterarten beschrieben, von denen gegenwärtig noch 8 anerkannt sind [1; 3; 8; 9]:

  • Felsengebirgs-Maultierhirsch (O. h. hemionus): Kanada, USA (Rocky Mountains vom Yukon bis Texas und New Mexico)
  • Kalifornischer Maultierhirsch (O. h. californicus): USA (Mittelkalifornien)
  • Zederninsel-Maultierhirsch (O. h. cerrosensis): Mexiko (Isla de Cedros, Baja California)
  • Kolumbia-Schwarzwedelhirsch (O. h. columbianus): Kanada, USA (Pazifische Küstenregion von Port Simpson (Britisch Kolumbiem) bis Mittelkalifornien, ostwärts bis zur Wasserscheide des Kaskadengebirges und der Sierra Nevada)
  • Sonora-Maultierhirsch (O. h. eremicus): USA (Arizona, New Mexico)
  • San Diego-Maultierhirsch (O. h. fuliginatus): Mexiko (nördliches Niederkalifornien), USA (südliches Kalifornien)
  • Niederkalifornischer Maultierhirsch (O. h. peninsulae): Mexiko (südliches Niederkalifornien)
  • Südalaska-Maultierhirsch (O. h. sitkensis): Kanada, USA Küstenstreifen von Juneau (Alaska) bis Port Simpson Britisch Kolumbien) und vorgelagerte Inseln

Literatur und Internetquellen

  1. ANDERSON, A. E. & WALLMO, O. C. (1984)
  2. ANIMAL DIVERSITY WEB
  3. HALTENORTH, T. & TRENSE, W. (1956)
  4. LONG, J. L. (2003)
  5. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  6. SANCHEZ ROJAs, G. & GALLINA TESSARO, S. (2016). Odocoileus hemionus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T42393A22162113. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-1.RLTS.T42393A22162113.en . Downloaded on 02 November 2021.
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  9. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  10. ZOO IDAHO

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx