Schaf- und Ziegenartige

Iberischer Steinbock

Iberischer Steinbock (Capra (ibex) pyrenaica), Geiß im Zoo Barcelona Iberischer Steinbock (Capra (ibex) pyrenaica), Geiß im Zoo Barcelona
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige: (Caprinae)
Tribus: Ziegenverwandte (Caprini)

D LC 650

Iberischer Steinbock

Capra pyrenaica • The Iberian Wild Goat • Le bouquetin ibérique

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Iberischer Steinbock (Capra pyrenaica), junger Bock im San Diego Zoo © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung des Iberischen Steinbocks. Dunkelblau: C. p. hispanica; gelb: C. p. victoriae; dunkelgrün: wiederangesiedelte Populationen

 

 

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Iberischer Steinbock (Capra pyrenaica), Geiß im Zoo Barcelona © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Iberischer Steinbock (Capra pyrenaica), junger Bock im San Diego Zoo © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Iberischer Steinbock (Capra pyrenaica), Geiß im Zoo Barcelona © Johannes Pfleiderer, Zoo Leipzig

 

 

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Iberischer Steinbock (Capra pyrenaica), Bock im natürlichen Lebensraum © Saxifraga-Jan van der Straaten, veröffentlicht unter der CC BY-NC-SA-Lizenz

 

 

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Iberischer Steinbock (Capra pyrenaica), Gehege im Zoo Barcelona © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Iberischer Steinbock (Capra pyrenaica), oben: C. p. hispanica; unten C. p. lusitanica. Illustration auc CABRERA, A. (1914) Fauna ibérica: Mamíferos. Gemeinfrei.

 

 

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Das Verbreitungsgebiet des Iberische Steinbocks umfasst die Iberische Halbinsel und die Pyrenäen. Als Art ist er nicht mehr gefährdet. Es handelt sich um eine dem Alpensteinbock nahe verwandte, kleine, kontrastreich gefärbte Steinbockform, die in Europa nur sehr selten in spanischen und französischen Einrichtungen gehalten wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Iberische Steinbock ist kleiner und leichter gebaut als der Alpensteinbock. Der Geschlechtsdimorphismus ist ausgeprägt. Adulte Böcke haben einen kurzen Kinnbart. Sie erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 130-155 cm, eine Schulterhöhe von 65-75(-89) cm und ein Gewicht von 60-80 kg, die Geißen eine Kopf-Rumpflänge von 105-120 (97-130) cm, eine Schulterhöhe von 60-65 cm und ein Gewicht von 25-35 kg. Der kurze Schwanz misst etwa 10-15 cm. Die geschwungenen Hörner der Böcke haben an der Vorderseite Wülste, werden ca. 100 cm lang und können einen Basisumfang bis 26 cm haben. Das Sommerkleid ist rotbraun bis graubraun, das Winterkleid grau bis schwarzgrau. Die Beine sind kontrastreich schwarz-und-weiß gezeichnet. Es kann ein schmaler schwarzer Flankenstreif vorhanden sein[2; 5; 10].

Verbreitung

Spanische Halbinsel und Pyrenäen: Andorra (ausgerottet), Frankreich (ausgerottet und wiederangesiedelt), Gibraltar, Portugal (ausgerottet und wiederangesiedelt), Spanien [4].

Lebensraum und Lebensweise

Der Iberische Steinbock besiedelt steiles, felsiges Gelände vom Meeresspiegel bis in Höhenlagen von 3'400 m mit alpinen Rasen, Macchie oder lockeren Eichen- und Kiefernwäldern. Die Tiere sind überwiegend morgens und gegen Abend aktiv und ruhen über Mittag. Sie sind gesellig. Außerhalb der Brunft leben die Böcke und die Geißen mit ihren Kitzen in getrennten Rudeln. Die Nahrung besteht aus Gräsern, Kräutern und Stauden sowie Blättern und Zweigen von Sträuchern und Bäumen [2; 4; 5; 9].

Die Brunft fällt auf November-Dezember. Nach einer Tragzeit von 161-168 Tagen kommt es meist im Mai zur Geburt eines Einzelkitzes, gelegentlich von Zwillingen Geißen werden ab 1.5 Jahren geschlechtsreif, Böcke mit 2-3 Jahren [2; 5; 9].

Gefährdung und Schutz

Der Iberische Steinbock wurde 1996 als potenziell gefährdet eingestuft, seit 2008 letztmals überprüft 2020, gilt er als nicht-gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), weil die Bestände dank aktivem Schutz auf ca. 50'000 erwachsene Individuen zugenommen haben und das Areal durch Wiederansiedlungen erweitert werden konnte [4].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang 2 (nur C. p. pyrenaica, mittlerweile ausgestorben) und 3 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume sowie die Anhänge II, IV und V der FFH-Richtlinie (92/43/EWG).

Zoogestütztes Artenschutzprojekt (Beispiel):

  • Der Parc Animalier des Pyrénées in Argelès-Gazost engagiert sich in Kooperation mit Behörden für die Wiedereinbürgerung des Iberischen Steinbocks in den Pyrenäen. 2014 und 2019 erfolgten Auswilderungen im Pyrenäen-Nationalpark und im regionalen Naturpark Pyrénées-Ariégoises. 2020 lag der Bestand bei 200 Tieren [6].

Bedeutung für den Menschen

Der Spanische Steinbock wird von der lokalen Bevölkerung zur Gewinnung von Fleisch und als Sport gejagt. Verschiedene Veranstalter bieten Jagden für ausländische Touristen an [4].

Haltung

Das von WEIGL angegebenen Höchstalter im Zoo liegt für ein im New Yorker Bronx Zoo geborenes und gehaltenes weibliches Tier bei 15 Jahren und 2 Monaten [8].

Haltung in europäischen Zoos: Der Iberische Steinbock wird in etwa 8 spanischen Einrichtungen gehalten. Ferner gibt es in Spanien mehrere Privathaltungen. Für Details siehe Zootierliste [1].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für bis zu 5 Tieren ein Gehege von mindestens 250 m² zur Verfügung stehen, für jedes weitere Tier 20 m² zusätzlich. Ein Stall ist nicht erforderlich.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Gehege vor, dessen Grundfläche 500 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 50 m² zur Basisflächen dazu. Es sind natürliche oder künstliche Unterstände anzubieten, in denen alle Tiere gleichzeitig Platz finden. Werden die Tiere aufgestallt, ist eine Grundfläche von mindestens 2 m²/Tier vorgeschrieben.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) sind für bis zu 10 Tiere 500 m² erforderlich, für jedes weitere 50 m² mehr. Es müssen Unterstände zum Schutz gegen Witterungsverhältnisse wie Regen, Wind, Sonneneinstrahlung und Hitze angeboten werden, so dass alle Tiere bei Bedarf darin gleichzeitig Unterschlupf finden können. Die Haltung hat in Herden zu erfolgen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Iberische Steinbock wurde 1838 vom Schweizer Zoologen Heinrich Rudolf SCHINZ unter seinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Es wurden vier Unterarten beschrieben, deren Gültigkeit von manchen Autoren bezweifelt wird. Zwei dieser Unterarten sind ausgestorben [3; 4; 9; 10].

  • Pyrenäen-Steinbock (C. pyrenaica pyrenaica): ehemals in den ganzen Pyrenäen, zuletzt im Nationalpark Ordesa y Monte Perdido, letztes Exemplar im Jahr 2000 eingegangen
  • Ostspanischer Steinbock (C. pyrenaica hispanica): Gebirge entlang des Mittelmeers von Gibraltar bis zum Ebro; Sierra Nevada
  • Westspanischer Steinbock (C. pyrenaica victoriae): ehemals in den zentralspanischen Gebirgen, zuletzt in der Sierra de Gredos, von dort in Nordostspanien, Nordportugal und den Pyrenäen angesiedelt
  • Lusitanischer Steinbock (C. p. lusitanica): ehemals im Nordosten der Iberischen Halbinsel, zuletzt in der Sierra Dogorez in Nord-Portugal, 1892 ausgerottet

Literatur und Internetquellen

  1. DAMOIS, P., ROBOVSKÝ, J.,MUELLER, D, PENELLO, M.,ZIMMERMANN,M., VAN DER MEER, R.AND VOORHAM, M. (eds., 2020)
  2. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  3. HALTENORTH, T. & TRENSE, W. (1956)
  4. HERRERO, J., ACEVEDO, P., ARNAL, M.C., FERNÁNDEZ DE LUCO, D., FONSECA, C., GARCÍA-GONZÁLEZ, R., PÉREZ, J.M. & SOURP, E. (2021). Capra pyrenaica (amended version of 2020 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2021: e.T3798A195855497. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2021-1.RLTS.T3798A195855497.en. Downloaded on 29 September 2021.
  5. MATSCHEI, C. (2012)
  6. PARC ANIMALIER DES PYRÉNÉES
  7. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  8. WEIGL, R. (2005)
  9. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  10. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Subadulte Iberische Steinböcke (Capra pyrenaica), Bock im natürlichen Lebensraum © Saxifraga-Jan van der Straaten, veröffentlicht unter der CC BY-NC-SA-Lizenz

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