Hörnchen-Verwandte

Columbia-Ziesel

Columbia-Ziesel (Urocitellus columbianus) am Lake Minnewanka, Banff-Nationalpark, Alberta Columbia-Ziesel (Urocitellus columbianus) am Lake Minnewanka, Banff-Nationalpark, Alberta
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erdhörnchen (Xerinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)

D LC 650

Columbia-Ziesel

Urocitellus columbianus • The Columbian Ground Squirrel • Le spermophile de Columbia

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Columbia-Ziesel (Urocitellus columbianus) im Yoho-Nationalpark, Britisch Kolumbien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Aproximative Verbreitung des Columbia-Ziesels (Urocitellus columbianus)

 

 

 

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Columbia-Ziesel (Urocitellus columbianus) am Lake Minnewanka im Banff-Nationalpark, Alberta © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Columbia-Ziesel (Urocitellus columbianus) am Lake Minnewanka im Banff-Nationalpark, Alberta © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Columbia-Ziesel (Urocitellus columbianus) am Lake Minnewanka im Banff-Nationalpark, Alberta © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Columbia-Ziesel (Urocitellus columbianus) im Yoho-Nationalpark, Britisch Kolumbien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Columbia-Ziesel (Urocitellus columbianus) bei Banff im Banff-Nationalpark, Alberta © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Wie die meisten Hörnchen werden wildlebende Columbia-Ziesel (Urocitellus columbianus) leicht zahm. Hier lässt sich eines am Lake Minnewanka im Banff-Nationalpark, Alberta, verbotenerweise von einer Touristin füttern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der nicht-gefährdete Columbia-Ziesel aus Nordamerika wird in europäischen Zoos nicht mehr gehalten, da sich diese auf den Europäischen Ziesel konzentrieren, der als heimische Art zoopädagogisch interessanter ist und für den es auch Wiederansiedlungsprogramme gibt.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer mittleren Kopf-Rumpflänge von 258 mm bei den Männchen bzw. von 248 mm bei den Weibchen ist der Columbia-Ziesel größer als der europäische. Er erreicht nicht ganz das Kaliber des Richardson-Ziesels, hat aber mit im Mittel 101 bzw 84 mm einen etwas längeren Schwanz als jener. Die Gewichte variieren saisonal, als Mittel werden für Männchen 490 g, für Weibchen 441 g angegeben. Das relativ kurze, sehr dichte Fell ist oberseits gestrichelt zimt- bis sandfarben mit dunklerer Unterwolle, Gesicht, Hals, Brust , Pfoten und zum Teil der Bauch sind gelb- bis rotbraun. Der Nacken ist hellgrau und um die Augen befindet sich ein sandfarbener Augenring. Die Weibchen haben 5 Paar Zitzen [1; 4, 5; 9].

Verbreitung

Westliches Nordamerika: Rocky Mountains in Kanada (Alberta und Britisch-Kolumbien) und den USA (Idaho, Montana, Oregon Washington) [2].

Lebensraum und Lebensweise

Columbia-Ziesel besiedeln in dichten Kolonien offene Landschaften von der Hügel- bis zur Subalpinen Stufe, wo sie auf Rasen und Feuchtwiesen, in offenen Wäldern und Beifuß-Steppen oder im Uferbereich von Gewässern zu finden sind. Sie nutzen auch Weide- und Ackerland. Die Tiere haben sich überlappende Streifgebiete, die bei den Weibchen etwa 1'000 m², bei den Männchen 4'200 m² umfassen und von denen nur das Zentrum als Territorium gegen Artgenossen verteidigt wird. Ihre Baue graben sie in bröckeligem oder sandigem Grund. Die Baue haben zwei Arten von Zugängen: teils sind sie klein und rund, teils größer und trichterförmig. In den Bauen gibt es, nebst Laufgängen, einer Nestkammer und allenfalls Futterkammern, Abzugröhren, um das Nest vor Überflutung zu schützen. Die Nahrung besteht aus Gräsern, Kräutern, Pflanzenzwiebeln, Sämereien und Früchten, Insekten und Aas. Auch Infantizid und Kannibalismus wurden beobachtet. Columbia-Ziesel sind Winterschläfer, die im Mittel nur 3-4 Monate aktiv sind, wobei die Weibchen sich später schlafen legen als die Männchen, weil sie wegen der Jungenaufzucht länger brauchen, um das nötige Gewicht zu erreichen [1; 2; 3; 7].

Paarungszeit ist etwa 3 Wochen nachdem die Weibchen aus dem Winterschlaf erwacht sind. Nach einer Tragzeit von 24 Tagen werden 2-5(-7) Junge geboren. Diese werden während etwa 30 Tagen gesäugt und bleiben bis zum nächsten Frühjahr im Bau der Mutter. Weibchen werden im Folgejahr, Männchen ein Jahr später geschlechtsreif. Junge Männchen verlassen die Kolonie, die Weibchen bleiben im Streifgebiet ihrer Mutter oder in dessen Nähe [1; 2; 3; 7].

Gefährdung und Schutz

Der Columbia-Ziesel hat eine weite Verbreitung, ist in geeigneten Lebensräumen häufig und unterliegt keinen größeren Gefährdungen. Er gilt daher seit 1996, letztmals überprüft 2016, als nicht-gefährdete Tierart (Rote Liste: LEAST CONCERN) [2].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wo Columbia-Ziesel sich auf landwirtschaftlich genutztem Land stark vermehren, werden sie als Schädlinge wahrgenommen und bekämpft. Sie bilden ein Reservoir für auf den Menschen übertragbare Zoonosen wie z.B. das Powassan-Virus und den Erreger der St. Louis-Encephalitis, die beide durch Zecken (Dermacentor andersonii) übertragen werden, oder für die durch Flöhe übertragbare Pest (Yersina pestis) [1; 3].

Haltung

WEIGL gibt als Altersrekord 4 Jahre und 3 Monate für ein noch lebendes Exemplar in einem japanischen Zoo an [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wurde in europäischen Zoos nur ganz vereinzelt gezeigt, so z.B. in den 1960er-Jahren im Kölner Zoo. Gegenwärtig (2023) wird sie in keinem Zoo gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll die Grundfläche des Geheges für 2 Tiere soll 4 m² nicht unterschreiten. Für jedes weitere Tier kommt 1 m² zur Basisfläche dazu. Die Tiere müssen sich eingraben können.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.06.2022) schreibt für bis zu 5 Tiere ein Gehege vor, dessen Grundfläche 20 m² misst. Angaben für zusätzliche Tier fehlen. Es muss eine Grabschicht von 80 cm Tiefe vorhanden sein

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2023) ist für bis zu 5 Tieren eine Fläche von 40 m² erforderlich, für jedes weitere Tier ist die Fläche um 4 m² zu vergrößern. Die Anlage muss mit Naturboden, der zum Graben von Höhlen geeignet ist, ausgestattet sein. Die Tiere sind in Familien oder Kolonien zu halten. Die Möglichkeit zur Überwinterung in einem frostfreien Überwinterungsquartier in Form eines Natur- oder Kunstbaues, muss gegeben sein.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Columbia-Ziesel wurde 1815 vom amerikanischen Naturkundler und Literat George ORD als "Arctomys columbianus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Später wurde er in die 1825 von dem französischen Naturforscher und Direktor der Ménagerie von Paris, Georges-Frédéric CUVIER, aufgestellte Gattung Spermophilus eingeteilt. 1927 führte der Zoologe Sergei Iwanowitsch OBOLENSKIJ, ein Mitglied des russischen Hochadels, den Gattungsnamen Urocitellus ein, der sich aber vorerst nicht durchsetzen konnte, sondern erst seit einer Revision der als polyphyletisch erkannten Gattung Spermophilus und deren Aufteilung in 8 Gattungen im Jahr 2009 allgemein in Gebrauch ist. Es werden zwei Unterarten anerkannt [3; 4; 6; 7].

Literatur und Internetquellen

  1. ANIMAL DIVERSITY WEB
  2. CASSOLA, F. 2016. Urocitellus columbianus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T42466A22265632. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T42466A22265632.en . Downloaded on 06 September 2021.
  3. ELLIOTT, C. L. & FLINDERS, J. T. (1991)
  4. HELGEN, K. M., COLE, F. R., HELGEN, L. E. & WILSON D. E. (2009)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D.E. & REEDER, D. M. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)

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Gelesen 5203 mal Letzte Änderung am Sonntag, 05 Februar 2023 13:39
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx