Hörnchen-Verwandte

Bunthörnchen

Bunthörnchen (Sciurus variegatoides dorsalis) im Tierpark Hellabrunn Bunthörnchen (Sciurus variegatoides dorsalis) im Tierpark Hellabrunn
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Baum- und Gleithörnchen (Sciurinae)
Tribus: Baumhörnchen (Sciurini)

D LC 650

Bunthörnchen

Sciurus variegatoides • The Variegated Squirrel • L'écureuil varié

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Bunthörnchen (Sciurus variegatoides dorsalis) im Tierpark Hellabrunn © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Bunthörnchen (Sciurus variegatoides)

 

 

 

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Bunthörnchen (Sciurus variegatoides dorsalis) im Tergarten Staßfurt © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Bunthörnchen (Sciurus variegatoides variegatoides) wild, bei Puntarenas, Costa Rica © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Bunthörnchen (Sciurus variegatus atrirufus) im Zoo Magdeburg © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Bunthörnchen (Sciurus variegatoides variegatoides) wild, Costa Rica © Thomas Althaus, Detligen (https://www.thomas-althaus-zoologe.net/bildergalerien/)

 

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Das Bunthörnchen ist ein nicht gefährdetes Baumhörnchen, das in 15 recht unterschiedlichen Unterarten die Wälder fast ganz Mittelameirka besiedelt. Es ist in europäischen Zoos nicht häufig zu sehen. Ein Interesse an seiner Haltung besteht namentlich in Zoos, die einen Schwerpunkt auf die mittelamerikanische Fauna legen oder ein spezielles Interesse an der Gattung Sciurus haben.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Bunthörnchen ist ein typisches Baumhörnchen, das im Körperbau unserem Eichhörnchen ähnelt. Die Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von ca. 25-26 cm und eine Schwanzlänge von 26-28 cm. Das mittlere Gewicht beträgt bei den Männchen 536, bei den Weibchen 468 g. Sie weisen eine große Variabilität hinsichtlich Fellfarbe und -zeichnung auf, die zur Beschreibung zahlreicher Unterarten geführt hat [1; 2; 3; 6].

Verbreitung

Mittelamerika: von Südwest-Mexiko (Chiapas) bis Zentral-Panama [4].

Lebensraum und Lebensweise

Bunthörnchen besiedeln laubabwerfende Trockenwälder, teilweise laubawerfende Wälder, immergrüne Regen- und Höhenwälder bis auf etwa 1'800 m, stellenweise auch höher, Sekundärwälder und Baumpflanzungen. Wie andere größere Hörnchen sind sie tagaktive Einzelgänger. Sie sind baumlebend und queren baumlose Strecken auf Zäunen oder Gebüschen. Zum Schlafen nutzen sie Baumhöhlen oder bauen im Geäst Kobel aus Blattwerk. Sie suchen ihr Futter auf Bumen und am Boden. Sie ernähren sich von weichen Früchten wie Mangos, Guaven, Mombinpflaumen oder den Kapselfrüchten von Guazuma ulmifolia, einem Baum in der Familie der Malvengewächse, ferner von Sämereien, Nüsse, Eicheln, Insekten und Vogelnestlinge. Im Gegensatz zu unserem Eichhörnchen legen sie keine Vorräte an [1; 2; 4; 6].

Die Fortpflanzungsperiode fällt auf April-Mai(-Juni). Nach einer Tragzeit von 33-46 Tagen werden 4-6(-8) Junge beoren. Diese werden mit 10 Wochen entwöhnt und sind mit 12-15 Wochen geschlechtsreif [1; 2].

Gefährdung und Schutz

Die Art hat eine weite Verbreitung, einen mutmaßlich großen Bestand, kommt in etlichen Schutzgebieten vor und toleriert vom Menschen modifizierte Lebensräume. Seit 1996, letztmals überprüft 2016, gilt sie daher als nicht-gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [4].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Bunthörnchen gelten gebietsweise als Schädlinge an landwirtschaftlichen Kulturen. Sie werden zur Fleischgewinnung und als Sport bejagt [1].

Haltung

Als Höchstalter werden 15 Jahre und 1 Monat angegeben, erreicht von einem weiblichen Tier im New Yorker Bronx Zoo [5]. Bunthörnchen können Träger des auch auf den Menschen übertragbaren und Gehirnentzündungen verursachenden Bunthörnchen-Bornavirus 1 (VSBV-1) sein, ohne selbst klinische Symptome zu zeigen. Nach Deutschland wurde das Virus Ende der 1990er-Jahre durch ein Prevosthörnchen eingeschleppt und später auf andere exotische Hörnchenarten übertragen [7]. Hörnchen, die in Kontakt mit Menschen kommen, sollten daher routinemäßig auf VSBV-1 untersucht werden.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa einem Dutzend Zoos gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein Gehege für 1-2 Tiere mindestens 10 m² Grundfläche und eine Höhe von 2.5 m aufweisen. Für jedes weitere Adulttier sind 2 m² zusätzliche Fläche erforderlich.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege vor, dessen Grundfläche bei einer Höhe von 2.5 m 8 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 2 m² zur Basisflächen dazu.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) sind für 1-2 Tiere eine Fläche von 8 m² und eine Höhe von 2 m erforderlich, für jedes weitere Tier ist die Fläche um 0.8 m² zu vergrößern. Die Tiere sind solitär oder paarweise zu halten.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Bunthörnchen wurde 1839 von dem aus Irland stammenden Naturforscher William OGILBY unter seinem heute noch gültigten Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Es werden 15 Unterarten anerkannt, von denen zwei (S. v. atrirufus und S. v. dorsalis) in europäischen Zoos gehalten werden. Es wird die Möglichkeit diskuitiert, dass S. variegatoides, S. colliaei und S. yucatanensis eine einzige Art seien [2; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. ANIMAL DIVERSITY WEB
  2. BEST, T. L. (1995)
  3. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  4. REID, F. (2016). Sciurus variegatoides. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T20024A22246448. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-2.RLTS.T20024A22246448.en . Downloaded on 03 September 2021.
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  7. ALLENDORF, V. (2021)

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Gelesen 3457 mal Letzte Änderung am Dienstag, 12 April 2022 08:46
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx