Kapuzinerartige Neuweltaffen

Neblina-Uakari

Neblina-Uakari (Cacajao hosomi) Neblina-Uakari (Cacajao hosomi)
© J. P. Boubli, veröffentlicht unter der CC-Namensnennung-Nicht-kommerzell-Lizenz

smiley happy  Neue Tierart

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Neuwelt- oder Breitnasenaffen (Platyrrhini)
Familie: Sakiaffen (Pitheciidae)
Unterfamilie: Sakiaffen i.e.S. (Pitheciinae)

D VU 650

Neblina-Uakari

Cacajao hosomi • The Neblina Uakari • L'ouakari de Neblina

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Neblina-Uakari (Cacajao hosomi) im Kölner Zoo © Kölner Zoo

 

 

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Approximative Verbreitung des Neblina-Uakari (Cacajao hosomi)

 

 

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Neblina-Uakari (Cacajao hosomi) im Kölner Zoo © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Neblina-Uakari (Cacajao hosomi) im Kölner Zoo © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Der noch junge Neblina-Uakari (Cacajao hosomi) wurde im Kölner Zoo problemlos mit den Roten Uakaris (Cacajao calvus rubicundus) vergesellschaftet © Wolfgang Mennicken / Kölner Zoo

 

 

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Der Neblina-Uakari wurde erst vor wenigen Jahren beschrieben. Zuvor wurden die Tiere als Schwarzkopf-Uakaris angesehen. Aus europäischen Zoos ist nur ein Exemplar bekannt, das 1992 starb.

Körperbau und Körperfunktionen

Neblina-Uakaris erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 42-49 cm und eine Schwanzlänge von 14-22 cm. Das Gewicht liegt bei etwa 3-4.5 kg, wobei die Männchen etwas schwerer werden als die Weibchen. Charakteristisch für die Art sind das unbehaarte schwarze Gesicht und die schwarze Behaarung des übrigen Kopfes. Auch an den Schultern, den Armen und den Füßen ist das Fell schwarz, der untere Teil des Rückens, die Hüften und der Schwanz sind rotbraun [1].

Verbreitung

Tropisches Südamerika: Südliches Venezuela und angrenzendes Brasilien, begrenzt durch Rio Negro, Rio Marauiá, Canal Cassiquiare und Rio Orinoco [1; 3].

Lebensraum und Lebensweise

Neblina-Uakaris besiedeln unterschiedliche Waldtypen des Flach- und Hügellandes und Savannen. Sie leben in Gruppen von 35 bis über 100 Tieren beiderlei Geschlechts und ziehen je nach Verfügbarkeit der von ihnen bevorzugten Nahrung saisonal umher. Die Nahrung, hauptsächlich unreife Samen, aber auch Früchte, Blätter und Arthropoden, wird sowohl im Kronendach als auch im Unterwuchs gesucht, anscheinend aber nicht am Boden [3; 5].

Gefährdung und Schutz

Der Neblina-Uakari gilt seit 2008, letztmals überprüft 2016, als gefährdet, weil angenommen wird, dass die Bestände während der letzten 30 Jahre um über 30% abgenommen haben (Rote Liste: VULNERABLE) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Neblina-Uakaris werden zur Gewinnung von Fleisch für den Eigenbedarf sowohl von den indigenen Yanomani als auch von den eingewanderten "Caboclos" (Mischlingen) bejagt. Der Jagddruck ist in den letzten Jahren stärker geworden [1]. Der Neblina-Uakari fällt in der CITES-Handelsstatistik unter Cacajao melanocephalus. Von diesem wurden seit 2008 keine Wildfänge aus Brasilien oder Venezuela registriert [2].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Aus europäischen Zoos ist nur ein Exemplar bekannt: ein Wildfang, den Karl Peter (Pedro) TREBBAU († 2021), damals Direktor des El Pinar-Zoos in Caracas 1974 an den Kölner Zoo sandte, wo das Tier bis 1992 lebte. Mit geschätzten 20 Jahren gilt es als ältestes bekanntes Individuum der melanocephalus-Verwandtschaft [4; 6; 7]. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung einer Familie ein Außen- und ein Innengehege von je 15 m² / 45 m³ gefordert und für jedes zusätzliche (?!) erwachsene Tier 2 m² / 6 m³ mehr. Dies ist eine Verdreifachung des Raumangebots gegenüber dem Gutachten’96, das 6 m² / 12 m³ vorsah. Die neue Anforderung ist aber weder durch konkrete wissenschaftliche Daten noch durch Tierhaltererfahrung erhärtet. Die Tierschutzsachverständigen hielten daher im Differenzprotokoll fest, dass für 5 Tiere 10 m² / 25 m³ und für jedes weitere Tier eine Vergrößerung der Fläche um 1.5 m² ausreichend seien.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2021) schreibt für 5 Tiere ein Innen- und ein Außengehege mit einer Grundfläche von je 10 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 2 m² Fläche zusätzlich vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2021) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen und es sind für 5 Adulttiere ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 20 m² bei 3 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier sind die Flächen um 2 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Neblina-Uakari wurde erst 2008 von Jean P. BOUBLI von der Universität Auckland und Kollegen unter seinem heute gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Zuvor war er unbeachtet unter den Schwarzkopf-Uakari (C. melanocephalus) subsumiert worden. Das Artepitheton hosomi ist die Bezeichnung für den Uakari bei den Yanomani-Indios [1].

Literatur und Internetquellen

  1. BOUBLI, J. P., DA SILVA, M. N., AMADO, M. V. HRBEK, T., PONTUAL,. F. B. & FARIA I. P. (2008)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. MITTERMEIER, R.A., BOUVLI, J.P., BEZERRA, B.M. & URBANI, B. (2021). Cacajao hosomi (amended version of 2020 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2021: e.T136640A191697668. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2021-1.RLTS.T136640A191697668.en. Downloaded on 28 July 2021.
  4. PETERS, G., HAUS, T. & HUTTERER, R. (2014)
  5. SCHRÖPEL, M. (2010)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WINDECKER, W. (1975). Jahresbericht des Zoologischen Gartens Köln 1974. Z. Kölner Zoo 18 )1):3-12.

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Gelesen 2253 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 29 Juli 2021 15:19
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx