Kapuzinerartige Neuweltaffen

Kahlkopf-Uakari

Roter Uakari (Cacajao calvus rubicundus) im Kölner Zoo Roter Uakari (Cacajao calvus rubicundus) im Kölner Zoo
© Wolfgang Dreier, Berlin

smiley happy  Neue Tierart

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Neuwelt- oder Breitnasenaffen (Platyrrhini)
Familie: Sakiaffen (Pitheciidae)
Unterfamilie: Sakiaffen i.e.S. (Pitheciinae)

D VU 650

Kahlkopf-Uakari

Cacajao calvus • The Bald Uakari • L'ouakari chauve

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Novae-Uakari (Cacajao calvus novaesi) im Zooparque Itatiba, São Paulo © Roland Wirth, Gauting

 

 

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Approximative Verbreitung des Roten Uakari (Cacajao calvus)

 

 

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Roter Uakari (Cacajao calvus rubicundus) im Kölner Zoo © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Roter Uakari (Cacajao calvus rubicundus) im Kölner Zoo © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Weißer Uakari (Cacajao calvus calvus) im Kölner Zoo © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Uyacali-Uakari (Cacajao calvus uyacalii) in Iquitos, Peru © Marc Wisniak, veröffentlicht auf Flickr unter der Creative Commons Attribution 2.0 Generic-Lizenz

 

 

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Der Rote Uakari ist eine gefährdete Affenart aus dem tropischen Südamerika. Wegen seines eigenartigen, nackten und rotgefärbten Gesichts weckt er das Interesse des Publikums und wäre somit als Botschafter für den Schutz des Regenwaldes geeignet. Allerdings gelang es nicht, in Europa eine sich selbst erhaltende Population aufzubauen, weshalb die Art heute in unseren Zoos nicht mehr zu sehen ist.

Körperbau und Körperfunktionen

Kahlkopf-Uakaris erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 36-56 cm und eine Schwanzlänge von 14-19 cm. Männliche Tiere werden etwa 3-3.5 kg, die im Mittel unwesentlich kleineren weiblichen 2.3-3 kg schwer. Charakteristisch für die Art ist der nahezu unbehaarte, scharlachrote Kopf. Erst von der Mitte des Oberkopfs an ist die Haut mit zunächst kurzen Haaren bestanden. Das übrige Körperfell ist sehr langhaarig, der Schwanz buschig. Die Fellfarbe variiert nach Unterart von weiß bis dunkelbraun und auch individuell recht stark [4; 7].

Verbreitung

Tropisches SüdamerikaBrasilien, Peru, in Kolumbien möglicherweise ausgestorben [3].

Lebensraum und Lebensweise

Der Kahlkopf-Uakari besiedelt hauptsächlich zeitweilig überflutete primäre Regenwälder an Weißwasserflüssen, sogenannte Várzea-Wälder. Die Tiere ernähren sich hauptsächlich von unreifen Samen und Früchten, die sie mit ihren langen Eckzähnen aufknacken, ferner nehmen sie reife Samen und Früchte, Blüten, Knospen sowie Insekten und andere Wirbellose zu sich. Sie leben in großen Gruppen mit variierender Zusammensetzung, die 10-50, bisweilen bis 200 Tiere beiderlei Geschlechts umfassen können. Die Gruppen haben Streifgebiete bis zu 1200 ha [1; 4; 7].

Kahlkopf-Uakaris bekommen nach einer Tragzeit von etwa 190 Tagen in der Regel ein einzelnes Junges. Weibchen werden mit 3½, Männchen mit 5½ Jahren geschlechtsreif [3; 7].

Gefährdung und Schutz

Der Kahlkopf-Uakari gilt seit 2008, letztmals überprüft 2020, als gefährdet, weil angenommen wird, dass die Bestände bis 2048 um 30% abnehmen werden (Rote Liste: VULNERABLE). Zuvor war er seit 1982 während einzelner Jahre als stark oder als potenzielle gefährdet, meistens aber als gefährdet eingestuft worden [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Kahlkopf-Uakaris werden zur Gewinnung von Fleisch für den Eigenbedarf oder lokale Märkte bejagt. Gebietsweise ist der Jagddruck sehr hoch [1]. Von 1977 bis 2020 wurden aus Brasilien 4 und aus Peru 6 lebende Wildfänge zur Ausfuhr genehmigt. Daneben wurde aus den beiden Ländern noch etwas Wissenschaftsmaterial ausgeführt. Im selben Zeitraum wurden weltweit keine lebenden Nachzuchttiere (eine offensichtliche Falschmeldung) grenzüberschreitend abgegeben [2].

Haltung

WEIGL gibt mehrere Tiere an, die über 30 Jahre alt geworden sind [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art war in Europa stets selten und oft wurden nur Einzeltiere gehalten. Die Nominatform war nach dem Zweiten Weltkrieg einzig in Köln zu sehen, der 1969 ein Paar erhielt, das zwar keine Nachzucht brachte, aber äußerst langlebig war: Das Männchen starb nach einer Haltungsdauer von 36, das Weibchen in 2006 nach 37 Jahren. Von der Unterart C. c. rubicundus gab es nach dem Weltkrieg ein halbes Dutzend Haltungen. Dem Frankfurter Zoo glückte 1968 die europäische Erstzucht. Das letzte Tier starb 2001 im Twycross Zoo. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung einer Familie ein Außen- und ein Innengehege von je 15 m² / 45 m³ gefordert und für jedes zusätzliche (?!) erwachsene Tier 2 m² / 6 m³ mehr. Dies ist eine Verdreifachung des Raumangebots gegenüber dem Gutachten’96, das 6 m² / 12 m³ vorsah. Die neue Anforderung ist aber weder durch konkrete wissenschaftliche Daten noch durch Tierhaltererfahrung erhärtet. Die Tierschutzsachverständigen hielten daher im Differenzprotokoll fest, dass für 5 Tiere 10 m² / 25 m³ und für jedes weitere Tier eine Vergrößerung der Fläche um 1.5 m² ausreichend seien.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2021) schreibt für 5 Tiere ein Innen- und ein Außengehege mit einer Grundfläche von je 10 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 2 m² Fläche zusätzlich vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2021) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen und es sind für 5 Adulttiere ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 20 m² bei 3 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier sind die Flächen um 2 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Kahlkopf-Uakari wurde 1847 von dem französischen Zoologen Isidore GEOFFROY SAINT-HILAIRE dem Gründer der Société nationale d'acclimatation, die im Bois de Boulogne einen Zoo betrieb, als "Brachyurus calvus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Cacajao war bereits 1840 vom französischen Arzt und Naturforscher René Primevère LESSON für den 1812 von Alexander von HUMBOLDT als Simia melanocephalus bezeichneten Schwarzen Uakari eingeführt worden. Es werden gegenwärtig vier Unterarten anerkannt [6; 7]:

  • Weißer Kahkopf-Uakari (Cacajao c. calvus): Brasilien
  • Novae-Kahllkopf-Uakari (Cacajao c. novaesi): Brasilien
  • Roter Kahlkopf-Uakari (Cacajao c. rubicundus) Brasilien, Peru, ev. Kolumbien
  • Uyacali-Kahlkop-Uakari (Cacajao c. uyacalii): Brasilien, Ekuador, Peru

Literatur und Internetquellen

  1. AQUINO, R. et al. (2021). Cacajao calvus (amended version of 2020 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2021: e.T3416A191694447. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2021-1.RLTS.T3416A191694447.en. Downloaded on 26 July 2021.
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  4. SCHRÖPEL, M. (2010)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)

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Gelesen 2275 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 28 Juli 2021 10:26
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx