Meerkatzen, Makaken, Mangaben, Paviane

Steppenpavian

Gelber Steppenpavian (Papio cynocephaluis) im Zoo Johannesburg Gelber Steppenpavian (Papio cynocephaluis) im Zoo Johannesburg
© Wolfgang Dreier, Berlin

Ordnung: Affen und Halbaffen (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder  Schmalnasenaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus Pavianartige (Papionini)

D LC 650

EEPGelber Steppenpavian

Papio cynocephalus • The Yellow Baboon • Le babouin jaune

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Gelber Steppenpavian (Papio cynocephalus) im Amboseli-Nationalpark, Kenia © Paul Mannix. Veröffentlicht auf Wikimeida Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic-Lizenz

 

 

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Approximative Verbreitung desGelben Steppenpavians (Papio cynocephalus)

 

 

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Gelber Steppenpavian (Papio cynocephalus) Weibchenmit Jungtier, Universität Dar-es-Salaam. Foto Alexander Landfair. Gemeinfrei.

 

 

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Gelber Steppenpavian oder Hybride mit Anubis im Zoo Breslau © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Gelber Steppenpavian (Papio cynocephalus) im Zoo Johannesburg © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Gelber Steppenpavian (Papio cynocephalus) im Zoo Johannesburg © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Gelber Steppenmpavian (Papio cynocephalus), Schädel eine jungen Weibchens im Muséum d'histoire naturelle de Toulouse © Didier Descouens, veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz.

 

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Der in Ost- und Südostafrika verbreitete Gelbe Steppenpavian ist nicht gefährdet. In europäischen Zoos war er früher relativ häufig, ist heute aber eine Seltenheit.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Steppenpavian ist schlanker und hat längere Extremitäten als seine Verwandten. Es besteht ein deutlicher Dimorphismus zwischen männlichen und weiblichen Tieren. Die Männchen erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 62-85 cm, eine Schwanzlänge von 53-66 cm und ein Gewicht bis 28 kg. Die Weibchen weisen mit einer Kopf-Rumpflänge von 51-69 cm, einer Schwanzlänge von 34-57 cm und einem Gewicht bis zu 13 kg nur etwa 54-56% der Körpermasse der Männchen auf. Die ausgewachsenen Männer haben verlängerte Haare im Nacken, aber keine ausgeprägte Mähne. Die Fellfarbe variiert von graugelb, hellbraun bis olivgrün. Das Gesicht ist schwärzlich bleigrau bis dunkel fleischfarben. Neugeborene sind schwarz und wechseln mit 3-6 Monaten zur Erwachsenenfärbung [1; 6].

Verbreitung

Ost- und Südostafrika: Äthiopien, Kenia, Malawi, Mosambik, Sambia, Somalia, Tansania [4].

Lebensraum und Lebensweise

Der Gelbe Steppenpavian bevorzugt offene Savannen und Trockenwälder, nementlich Miombo, vom Tiefland bis in  Höhenlagen von 1'900 m. Er kommt aber auch in Buschland, Dickicht, Grassteppen und an Meeresküsten vor, wo er etwa Mangrovenwälder besiedelt. Auch nutzt er Agrarland und kommt in Siedlungen hinein, wo er sich an Speiseabfällen gütlich tut. Die Paviane streifen in nicht-territorialen Trupps von Tieren beiderlei Geschlechts umher, die im Extremfall bis zu 300 Individuen umfassen können. Besonders wichtig als Nahrunsquellen, Zufluchtsorte und Schlafstellen sind  Schirm- (Acacia tortilis) und Fieberkazien (A. xanthophloea). Als opportunistische Allesfresser nehmen die Steppenpaviane aber auch Samen, Schoten, Früchte etc. von anderen Bäumen, wie Seidenbäumen (Albizia), Mopanis (Colophospermum) und Tamarinden (Tamarindus) zu sich, ferner Gräser, Schösslinge, Kulturpflanzen, Flechten und Pilze. Sie plündern Vogelnester und Reptiliengelege und fangen Wirbellose, Vögel und kleinere Säugetiere, einschließlich Grünmeerkatzen und Senegalgalagos [1; 4; 6].

Im Gegensatz zum Mantelpavian gibt es beim Steppenpavian keine Harems, sondern die Männchen versuchen jeweils, ein läufiges Weibchen zu monopolisieren. Die Weibchen bleiben in ihrer Geburtsgruppen und bilden dort lineare Hierarchien. Die Männchen wandern meistens mit 7-13 Jahren ab. Der Sexualzyklus setzt bei den Weibchen im Alter von 4-6 Jahren ein. Mit 5-9 Jahren bekommen sie nach einer Tragzeit von ca 180 Tagen ihr erstes Junges. Die Geburtsintervalle liegen bei 22-27 Monaten. Die Männchen werden mit etwa 8 Jahren geschlechtsreif [6].

Gefährdung und Schutz

Der Steppenpavian ist weitverbreitet, häufig, hat einen stabilen Bestand und kommt in zahlreichen Schutzgebieten vor. Er gilt daher seit 2016, letztmals überprüft 2020, als nicht-gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [4].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Steppenpaviane werden weniger zur Fleischgewinnung gejagt, jedoch gebietsweise als Schädlinge an landwirtschaftlichen Kulturen bekämpft. Vor längerer Zeit hatten sie eine gewisse Bedeutung als Versuchstiere in der biomedizinischen Forschung [4].

Von 1980-2019 meldeten die Ursprungsländer die Ausfuhr von 378 lebenden Wildfängen. Im selben Zeitraum wurden weltweit Exporte von nur 144 Nachzuchttieren erfasst [2].

Haltung

WEIGL gibt als Höchstalter 34 Jahre und 1 Monat an, erreicht von einem in einem japanischen Zoo gehaltenen weiblichen Tier [5].

Haltung in europäischen Zoos: Der Steppenpavian war früher in europäischen Zoos weit verbreitet, wobei es sich bei einzelnen Gruppen um Hybriden mit anderen Pavianarten oder um Fehlbestimmungen gehandelt haben dürfte. Heute ist er eine absolute Ausnahmeerscheinung. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das vom Zoo Paris-Vincennes koordiniert wird.

Mindestanforderungen an Gehege: Es gelten in Deutschland, Österreich und der Schweiz die gleichen Anforderungen wie für den Anubispavian.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Steppenpavian wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter seinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Es wurde mehrere Unterarten vorgeschlagen, gegenwärtig werden zwei anerkannt, der Südliche (P. c. cynocephalus) und der Nördliche (P. c. ibeanus) Steppenpavian. Einer weiteren Unterart wurde in jüngerer Zeit Artstatus (Papio kindae) zuerkannt. Wo der Steppenpavian auf die benachbarten Arten, Anubis-, Kinda- und Bärenpavian, trifft, gibt es Hybridzonen. Sogar Bastarde zwischen Steppenpavian und Hochlandmangabe (Rungwecebus kipunji) kommen vor. Biologisch gesehen sind die verschiedenen Papio-Arten also eher Unterarten und wurden von verschiedenen Autoren auch als solche behandelt [1; 3; 4; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. WALLIS, J. (2020). Papio cynocephalus. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T92250442A92251260. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-2.RLTS.T92250442A92251260.en. Downloaded on 13 June 2021.
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx