Eigentliche Frösche und Ruderfrösche

Goliathfrosch

Goliathfrosch (Conraua goliath) in Südwest-Kamerun Goliathfrosch (Conraua goliath) in Südwest-Kamerun
© Marvin Schäfer, Frogs and Friends, Berlin (Pressefoto)

Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Goliathfrösche (Conrauidae)

D EN 650

Goliathfrosch

Conraua goliath • The Goliath, or Giant Slippery, Frog • La grenouille géante

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Erwachsener Goliathfrosch (Conraua goliath) in Südwest-Kamerun © Marvin Schäfer, Frogs and Friends, Berlin (Pressefoto)

 

 

 

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Approximative Verbreitung desGoliathfroschs (Conraua goliath)

 

 

 

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Junger Goliathfrosch (Conraua goliath) in Südwest-Kamerun © Marvin Schäfer, Frogs and Friends, Berlin (Pressefoto)

 

 

 

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Erwachsener Goliathfrosch (Conraua goliath) in Südwest-Kamerun © Marvin Schäfer, Frogs and Friends, Berlin (Pressefoto)

 

 

 

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Skelett eines Goliathfroschs (Conraua goliath) im Muséum d'Histoire Naturelle de Genève. Gemeinfrei.

 

 

 

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Lebensraum des Goliathfroschs (Conraua goliath) am Mpoula River bei Penja, Südwest-Kamerun © Marvin Schäfer, Frogs and Friends, Berlin (Pressefoto)

 

 

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Der bis 3.3 kg schwere Goliathfrosch ist der größte lebende Froschlurch. Wegen starker Bejagung und Lebensraumverlusts gilt er mittlerweile als stark gefährdet. Über seine Biologie im natürlichen Lebensraum ist wenig bekannt und in europäischen Zoos ist er nur sporadisch anzutreffen.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Kopf-Rumpflänge von 17-32 cm und einem Gewicht von 660-3'250 g ist der Goliathfrosch der größte lebende Vertreter der Froschlurche. Weibchen werden etwas schwerer als Männchen, die nur auf 2'700 g kommen. Der Körper ist flach und breit, der Kopf dreieckig. Die Augen könen einen Durchmesser von beinahe 2.5 cm haben. Die Hinterbeine sind sehr lang, die Vorderbeine kurz und kräftig. An allen Füßen befinden sich gut entwickelte Schimmhäute. Die Haut ist auf der Oberseite körnig und grünlich braun, am Bauch ist sie heller gelblichgrün [2; 3].

Verbreitung

Zentralafrika: Äquatorial-Guinea (nur Festland), Südwest-Kamerun, möglicherweise Gabun [4].

Lebensraum und Lebensweise

Lebensraumansprüche: Der Goliathfrosch lebt in oder an schnell fließenden, sauerstoffreichen, etwa 20ºC warmen  Bächen und Flüssen in Höhenlagen von 100-700(-1000) m, die von Primär- oder Sekundärwald umgeben sind [3; 4; 5].

Biologie: Obwohl der Goliathfrosch vor über 100 Jahren für die Wissenschaft entdeckt wurde, war über seine Lebensweise wenig bekannt. Ein Forscherteam aus Kamerun und Deutschland unter Leitung des Museums für Naturkunde Berlin und Frogs & Friends e.V. entdeckte erst kürzlich im Rahmen eines durch deutschsprachige Zoos und Zooverbände geförderten Projekts, dass der Goliathfrosch Teiche für seine Eier und Kaulquappen baut. Er ist damit die erste bekannte afrikanischen Amphibienart, von der eine aktive Brutpflege bekannt ist. Die Frösche heben kleine Teiche mit einem Durchmesser von etwa 1 m und einer Tiefe von etwa 10 cm entlang der Flussufer aus. Dabei bewegen sie manchmal Steine mit einem Gewicht von bis zu 2 kg. Sie deponieren dann mehrere Gelege von jeweils einigen hundert 3.5 mm großen, braungrauen Eiern in diesen Teichen und bewachen sowohl Eier als auch die jungen Kaulquappen. Die Kaulquappen wachsen bis zu einer Länge von 4.5 cm. Die Metamorphose ist nach 89 Tagen abgeschlossen. Die fertigen Jungfrösche messen dann 1.4 cm [5; 6].

Gefährdung und Schutz

Die Art wurde 1986 als gefährdet eingestuft und gilt seit 2004, letztmals überprüft 2018 als stark gefährdet (Rote Liste: ENDANGERED), weil ihre Bestände drastisch abgenommen haben und ihr Lebensraum zunehmend beeinträchtigt wird [4].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. In Kamerun ist er als einzige Amphibienart nach nationaler Gesetzgebung geschützt.

Zoogestütztes Artenschutzprojekt (Beispiel):

  • Der Amphibienfonds der deutschsprachigen Zooverbände förderte 2017 und 2018 Feldstudien über zur Nahrungsökologie der Goliathfrosch-Kaulquappen in Kamerun und zur Untersuchung von Umweltfaktoren und Lebensraumbedingungen, die einen Einfluss auf dem Reproduktionserfolg und das Überleben der Art haben. Ferner wurden das Paarungs- und Brutverhalten im Freiland dokumentiert, dies im Hinblick auf ein mögliches ex-situ-Zuchtprogramm. mehr ...

Bedeutung für den Menschen

Wie z. B. auch der Nordamerikanische Ochsenfrosch wird der Goliathfrosch zwecks Fleischgewinnung bejagt, wozu Gift, Netze, Fallen oder Schlingen eingesetzt werden. Laut IUCN wird er auch für den internationalen Tierhandel gefangen [2; 4].

Haltung

Der Goliathfrosch gilt als schreckhaft. Die Haltung erfolgt in einem Aquaterrarium, wobei das Wasserbecken  eine Tiefe von mindestens 30 cm haben sollte. Als Bodensubstrat ist grober Kies geeignet. Steine im Flachwasser dienen als Sitzposition. Die Umgebungstemperatur sollte 20-28º betragen [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art war in Europa stets selten. Nach dem Jahr 2000 war sie nur noch in Chester und Pilsen zu sehen. Für Details siehe Zootierliste. Legendär ist die Einfuhr von 10 Individuen, die der damalige Duisburger Zoodirektor Wolfgang GEWALT 1975 selbst in Kamerun gefangen hatte, wobei er sich bei dieser Gelegenheit eine Filariose zuzog. 

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz, wo das Halten der Art durch Privatpersonen bewilligungspflichtig ist, in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Goliathfrosch wurde 1906 von dem am British Museum tätigen belgischen Zoologen George Albert BOULENGER als "Rana goliath" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Conraua wurde 1908 von Fritz NIEDEN, Herpetologe am Berliner Museum für Naturkunde, eingeführt. Die Art ist monotypisch [1; 2].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THE WORLD
  2. AMPHIBIAWEB
  3. ANIMAL DIVERSITY WEB
  4. IUCN SSC Amphibian Specialist Group. 2019. Conraua goliath. The IUCN Red List of Threatened Species 2019: e.T5263A96062132. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2019-1.RLTS.T5263A96062132.en . Downloaded on 08 June 2021.
  5. HERRMANN, H. J. (2005)
  6. SCHÄFER, M., S.J. TSEKANÉ, F.A.M. TCHASSEM, S. DRAKULIĆ, M., KAMENI, N.L. GONWOUO & M.-O. RÖDEL (2019)

 

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Gelesen 7346 mal Letzte Änderung am Dienstag, 08 Februar 2022 15:47
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx