Karpfenfische

Koi, Brokatkarpfen

Koi oder Brokatkarpfen (Cyprinus carpio f. dom.) im Haus des Meeres, Wien Koi oder Brokatkarpfen (Cyprinus carpio f. dom.) im Haus des Meeres, Wien
© Andreas Filz, Tiergarten Bernburg

Überklasse: Knochenfische (Osteichthyes)
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Ordnung: Karpfenfische (Cypriniformes)
Familie: Karpfen (Cyprinidae)
Unterfamilie: Eigentliche Karpfen (Cyprininae)
Tribus: Cyprinini

D NB 650

Koi, Brokatkarpfen

Cyprinus carpio f. dom. • The Koi, or Colour Carp • Le koï ou la carpe d'ornement

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Kois im Tropiquarium de Servion © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Vorkommen von Cyprinus rubrofushus - in aller Regel Kois - nach GBIF

 

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Koi (Cyprinus carpio f. dom) im Tropiquarium de Servion © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Koi (Cyprinus carpio f. dom.) im Bodenseezoo Reutemühle, Überlingen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Koi (Cyprinus carpio f. dom.) im Zoo Osnabrück © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kois (Cyprinus carpio f. dom) in Streichelbecken im Aliotis Aquarium de Sologne, Villeherviers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Koi (Cyprinus carpio f. dom) in Streichelbecken im Haus des Meeres, Wien © Andreas Filz, Tiergarten Bernburg

 

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Kois (Cyprinus carpio f. dom) haben keine Berührungsängste, hier im Streichelbecken im Haus des Meeres, Wien © Andreas Filz, Tiergarten Bernburg

 

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Kois (Cyprinus carpio f. dom) im Zoo Osnabrück © Andreas Filz, Tiergarten Bernburg

 

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Kois (Cyprinus carpio f. dom) in Teich im Loro Parque, Tenerife © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Koi oder Brokatkarpfen ist eine Zuchtform, die hauptsächlich auf den Ostasiatischen Wildkarpfen zurückgeht, d. h. eine Unterart des Eurasischen Karpfens oder, nach aktueller Taxonomie, eine eigenständigen Art. In Zoos ist er wegen seiner Buntheit und weil er sich für die Haltung in Streichelbecken eignet, außerordentlich populär. "Koi" bedeutet übrigens "Karpfen". "Koi-Karpfen", was man oft lesen kann, ist daher ein Pleonasmus.

Körperbau und Körperfunktionen

Kois, auch Nishikigoi oder Brokatkarpfen genannt, sind mit einem Jahr etwa 15-20 cm lang und 100 g schwer.  Ab 6 Jahren können sie eine Länge von 80+ cm und ein Gewicht von 11+ kg erreichen. Es gibt ganz oder teilweise beschuppte und unbeschuppte Formen sowie ein- oder mehrfarbige. Die Schuppen können mehr oder weniger stark reflektieren und dadurch metallisch schimmern. Farben sind weiß, gelb, orange, rot, blau, braun, platin, grau und schwarz, die in allen möglichen Kombinationen auftreten können. Es werden etwa 200 Farb- und Musterungsvarianten unterschieden, die in 15-21 Gruppen eingeteilt werden. Verwildern Kois, was in vielen Ländern der Fall ist, nehmen sie nach einigen Generationen wieder die Farbe ihrer wilden Vorfahren an [1; 6; 7].

Abstammung und Domestikation

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden in Dörfern der Niigata-Präfektur nordwestlich von Tokyo mindestens drei Karpfenschläge gezüchtet. Die Ausgangstiere stammten aus dem Uonofluss. Es handelte sich um Ostasiatische Karpfen, deren Ahnen aus China stammten, wo sie seit gegen 4'000 Jahren als Speisefische gezüchtet worden waren. Wohl als Folge einer durch Trockenheit bedingten Hungersnot kam es zu einer Verschmälerung der genetischen Basis, und kurz darauf traten Farbmutanten auf [1; 4]. Nach einer anderen Quelle wurden Zierkarpfen in Japan bereits vor annähernd 2'500 Jahren gezüchtet [PÉNZES & TÖLG zitiert in 4]). 1904 wurden "Doitsu-goi", Deutsche Karpfen, importiert und in verschiedene Farbschläge eingekreuzt [9].

Lebensraum und Lebensweise

Kois bevorzugen stehende oder langsam fließende, warme und pflanzenreiche Gewässer der tieferen Lagen. Sie stellen geringe Anforderungen an die Wasserqualität. Sie nehmen wie Staubsauger Schlamm vom Boden des Gewässers auf, spucken die nicht genießbaren Bestandteile aus und zermahlen die tierischen und pflanzlichen Komponenten mit den in ihrem Schlund befindlichen Zähnen. Die Laichzeit fällt in die Sommermonate. In dieser Zeit legen die Weibchen um die 100'000 Eier pro Kilogramm Körpermasse, im Ganzen meistens 300'000 - 500'000 Stück, bisweilen mehr. Sinkt die Wassertemperatur auf unter 10 °C, reduzieren Kois ihren Stoffwechsel und halten am Boden ihres Gewässers Winterruhe. Geschlechtsreife wird mit etwa 4 Jahren erreicht [1].

Bedeutung für den Menschen

In Japan gilt der Koi als Glückssymbol. 1914 fand in Tokyo eine Ausstellung statt, an der Kois gezeigt wurden. Dadurch wurden sie auch außerhalb Japans bekannt. Im Lauf des 20. Jahrhunderts verbreiteten sie sich in Hobbyhaltungen weltweit. In zahlreichen Ländern entstanden auch kommerzielle Zuchten. Die Preise für die Fische variieren nach Größe, Farbschlag und individueller Qualität. In der Schweiz werden einjährige Tiere für etwa 45 CHF angeboten, in Deutschland sind kleine Exemplare ab etwa 25 € zu haben, für 40-65 cm lange Individuen werden je nach Varietät Preise zwischen 250 und 6'500 € gefordert (Online-Inserate 2021). Für besonders schöne Tiere werden bisweilen viel höhere Beträge bezahlt.

Haltung

Bei guter Pflege können Kois etwa 40 Jahre alt und älter werden. Das Höchstalter wird mit 230 Jahren angegeben [1].

Haltung in europäischen Zoos: Kois werden in rund 300 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich um die 40% im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen: In Deutschland macht das Gutachten über die Haltung von Süßwasserfischen für Kois die Vorgabe, dass für wenigstens 5 Fische ein Becken von über 200 cm Kantenlänge zur Verfügung gestellt werden sollte. In Österreich fordert die 2. Tierhaltungsverordnung dass die Länge der Haltungseinheit (Teich, Aquarium) mindestens das zehnfache und ihre Tiefe mindestens das dreifache der Gesamtkörperlänge des größten Fisches betragen muss. Bei einem Aquarium muss die Mindestkantenlänge 200 betragen. Es sind mindestens 5 Fische zusammen zu halten. In der Schweiz gibt Anhang 2, Tabelle 8 der Tierschutzverordnung an, wie viele Liter Wasser pro cm Gesamtkörperlänge (ohne Schwanzflosse) der für aquaristische Zwecke gehaltenen Fische angeboten werden müssen. Für Speise- und Besatzfische gilt Anhang 2, Tabelle 7.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Wildform des Karpfens wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter ihrem heute noch gültigen Namen (Cyprinus carpio) erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die ostasiatische Form wurde traditionell als Unterart angesehen, oft unter der Bezeichnung C. c. haematopterus. In jüngerer Zeit wurde sie unter dem 1803 von dem französischen Naturforscher Bernard Germain de LACÉPÈDE verliehenen Namen Cyprinus rubrofuscus als eigene Art behandelt. Nachdem der Artstatus von rubrofuscus nicht so eindeutig ist und in den Koi auch europäische Spiegelkarpfen eingekreuzt wurden, verwenden wir hier "carpio" als Artbezeichnung. Da es sich beim Koi um eine nicht formell beschriebene Zuchtform handelt, wird im Sinne der Bohlken-Nomenklatur der Artname ergänzt durch "forma domestica", bisweilen auch "forma koi" [2; 3].

Literatur und Internetquellen

  1. DE KOCK, S. & GOMELSKY, B. (2015)
  2. FISH BASE - Cyprinus rubrofuscus
  3. BOHLKEN, H. (1958)
  4. HERRE, W. & RÖHRS, M. (1990)
  5. HUCKSTORF, V. (2012). Cyprinus rubrofuscus. The IUCN Red List of Threatened Species 2012: e.T166052A1108337. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2012-1.RLTS.T166052A1108337.en . Downloaded on 16 April 2021.
  6. KOI + TEICHCENTER BOEHRER
  7. NET-KOI
  8. U.S. FISH AND WILDLIFE SERVICE (2020)
  9. ZEN NIPPON AIRINKAI

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Gelesen 8969 mal Letzte Änderung am Dienstag, 17 Mai 2022 08:31
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx