Schweine, Pekaris und Flusspferde

Zwergwildschwein

Zwergwildschwein (Porcula salvania) im Pygmy Hog Research and Breeding Centre in Assam, Guwahati-Basistha, Assam Zwergwildschwein (Porcula salvania) im Pygmy Hog Research and Breeding Centre in Assam, Guwahati-Basistha, Assam
© Jürg Völlm†, Basel

smiley happy  Neue Tierart

Überordnung: LAURASIATHERiA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Nichtwiederkäuer (Nonruminantia) bzw. Schweineartige (Suina)
Familie: Schweine (Suidae)
Tribus: Schweine i.e.S (Suini)

D EN 650Zwergwildschwein

Porcula salvania • The Pigmy Hog • Le sanglier nain

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Zwergwildschwein (Porcula salvania) im Pygmy Hog Research and Breeding Centre in Assam, Guwahati-Basistha, Assam © Jürg Völlm†, Basel

 

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Aktuelle Vorkommen des Zwergwildschweins (Porcula salvania). Dunkelblau: Reliktvorkommen; rot: Zuchtzentrum Guwahathi; dunkelgrün: Wiederansiedlungsgebiete

 

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Zwergwildschweine (Porcula salvania) im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Zwergwildschwein (Porcula salvania) im Pygmy Hog Research and Breeding Centre in Assam, Guwahati-Basistha, Assam © Jürg Völlm†, Basel

 

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Zwergwildschwein-Frischling (Porcula salvania) im Zoo Zürich © Zoo Zürich (1977)

 

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Zwergwildschweine (Porcula salvania) im Pygmy Hog Research and Breeding Centre in Assam, Guwahati-Basistha, Assam © Jürg Völlm†, Basel

 

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Zwergwildschwein-Bache (Porcula salvania) mit Frischlingen im Pygmy Hog Research and Breeding Centre in Assam, Guwahati-Basistha, Assam © Johannes Pfleiderer, Zoo Duisburg

 

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Das Pygmy Hog Research and Breeding Centre in Assam, Guwahati-Basistha, Assam © Jürg Völlm†, Basel

 

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Zwergwildschwein-Frischling (Porcula salvania) Zeichnung von Joseph SMIT in den Proceedings of the Zoological Society 1885. Gemeinfrei.

 

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Zwergwildschwein-Schädel (Porcula salvania). Zeichnung aus der Erstbeschreibung von HODGSON, B. H. (1847) im Journal of tghe Asiatic Society of Bengal 16: 423-428 (1847). Gemeinfrei.

 

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Das Zwergwildschwein ist in seiner nordindischen Heimat stark gefährdet. In Indien wird in Zusammenarbeit mit dem Durrell Wildlife Conservation Trust (Jersey Zoo) eine Zuchtstation betrieben, von der aus Tiere in Schutzgebieten ausgewildert werden. Die Einfuhr nach Europa ist aus tierseuchenpolizeilichen Gründen verboten, während der letzten Jahrzehnte gelangten lediglich 1976 zwei Tiere in den Zoo Zürich.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Kopf-Rumpflänge von 55-71 cm, einer Schwanzlänge von 2-5 cm, einer Schulterhöhe von 20-25 cm und einem Gewicht von (6.6-) 8-10 kg ist das Zwergwildschwein sehr viel kleiner als alle anderen Schweinearten. Bachen sind ein wenig kleiner als Keiler. Der Kopf ist spitz zulaufend mit kleinen, abgerundeten Ohren und ohne Gesichtswarzen, bei den Keilern mit verlängerten Haaren auf der Oberlippe. Der Körper ist hinten überbaut. Die inneren Afterklauen sind klein. Das Fell ist braun bis braunschwarz. Die Bachen haben drei Paar Zitzen [1; 3; 4; 5; 7].

Verbreitung

Südasien: Ursprünglich im ganzen Terai von Uttarakhand und Uttar Pradesh bis nach Assam. Heute beschränkt auf wenige Stellen in Nordost-Indien (Assam, West-Bengalen), möglicherweise Bhutan. Ausgestorben in Bangladesch und Nepal [2].

Lebensraum und Lebensweise

Ursprünglich besiedelte das Zwergwildschwein die Grasländer der nordindischen Schwemmebenen in Höhenlagen von 50-300 m über Meer. Der typische Lebensraum wird dominiert von  1-4 m hohen Gräsern (Saccharum spp., Themeda villosa, Narenga porphyrocoma, Imperata cylindrica). Während längerer Zeit überschwemmte Gebiete werden gemieden. Zwergwildschweine bauen nicht nur zum Abferkeln, sondern auch zum Schlafen überdachte Nester aus Gras [1; 7].

Keiler sind in der Regel Einzelgänger. Bachen bilden kleine Gruppen, meistens bestehend aus dem Muttertier und den Jungen der beiden letzten Würfe. Zwergwildschweine sind Allesfresser, die nebst pflanzlicher Kost auch Wirbellose und wahrscheinlich kleinere Wirbeltiere und Vogeleier  verzehren. Nach einer Tragzeit von rund 110-120 Tagen werden meistens von April-Juni 3-5 (2-7) Frischlinge geboren, die 150-200 g wiegen und das für Eigentliche Schweine typische, längsgestreifte Jungendkleid tragen [1; 7].

Gefährdung und Schutz

Ab 1986 wurde das Zwergwildschwein als stark gefährdet in der Roten Liste geführt, ab 1996 als unmittelbar vom Aussterben bedroht. Wegen erfolgreicher Wiederansiedlungen erhielt es 2019 wieder den Status "stark gefährdet" (Rote Liste: ENDANGERED). Der Bestand ist aber immer noch klein und umfasst vermutlich nicht mehr als 100-250 wildlebende erwachsene Tiere [2].

Zoogestütztes Artenschutzprogramm: 1971 wurde das lange ausgestorben geglaubte Zwergwildschwein im Barnardi-Wildschutzgebiet wiederentdeckt. 14 Tiere wurden eingefangen und auf eine Teeplantage verbracht. Beraten durch den Direktor des Jersey Zoos wurden dort über 40 Frischlinge nachgezogen, zwei der Nachzuchten gelangten in den Zoo Zürich. Letztlich konnte aber mangels qualifizierten Personals in Assam kein dauerhafter Bestand aufgebaut werden. 1995 wurde das Pygmy Hog Conservation Programme (PHCP) unter Beteiligung von indischen Amtsstellen, der IUCN und des Durrell Wildlife Conservation Trust gegründet. In Basistha bei Guwahati (Gauhati) wurde eine Forschungs- und Zuchtstation gebaut, in der sechs (2.4) Wildfänge aus dem Manas-Nationalpark untergebracht wurden. Diese züchteten so erfolgreich, dass zwei Jahre später in Potasali eine weitere Station mit Auswilderungsgehegen gebaut wurde. 2008 konnten die ersten 16 Nachzuchten im Sonai-Rupai-Wildschutzgebiet angesiedelt werden. Bis 2016 folgten ca. 75 weitere. In den Zuchtstationen verbleibt ein Bestand von 60 Tieren. Zu den Unterstützern des Programms gehört auch die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP).

Der internationale Handel ist durch Anhang I-CITES eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Zwergwildschweine werden lokal zur Fleischgewinnung gejagt [2].

Haltung

Das Höchstalter wird von WEIGL mit über 14 Jahren angegeben, erreicht von einem weiblichen Tier, das der Antwerpener Zoo 1908 an den Zoo Berlin lieferte, und das dort 1922 starb [6].

Haltung in europäischen Zoos: 1882 erhielt der Londoner Zoo 4, 1883 der Jardin d'Acclimatation in Paris 8 Wildfänge. 1883 kam es in London, 1884 in Paris erstmals zur Zucht. Weitere Haltungen gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Antwerpen und Berlin sowie bis 1954 im Zoo Paris-Vincennes [8]. 1976 erhielt der Zoo Zürich als Einstellung ein Paar Zwergwildschweine aus Assam, die eigentlich für den Jersey Zoo bestimmt waren, dort aber nicht eingeführt werden durften. Am 2 Mai 1977 gab es einen Fünferwurf, bestehend aus 4 Männchen und einem Weibchen. Am 2. August 1977 starb das Zuchtweibchen völlig unerwartet. 1978 starb das Nachzuchtweibchen zufolge Geburtskomplikationen, auch ihre drei Föten konnten nicht gerettet werden. Damit verblieben dem Zoo fünf Keiler, von denen 1980 und 1983 je einer, und 1984 die restlichen drei das Zeitliche segneten. Seitdem gibt es in Europa keine Zwergwildschweine mehr [9].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL und die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs enthalten Vorgaben für "andere (tropische) Schweine", die aber für Zwergwildschweine wohl kaum anwendbar sind.

In der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 2021) wird für 2 Tiere ein Gehege von 30 m² und ein Stall mit einer Fläche von 4 m² vorgeschrieben. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche außen um 10 m² zu erweitern. Für das Innengehege fehlt eine entsprechende Angabe.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Zwergwildschwein wurde 1888 von Brian Houghton HODGSON, einem in Nepal und Indien niedergelassenen englischen Naturforscher und Ethnologen, erstmals unter seinem heute wieder gültigen Namen wissenschaftlich beschrieben. Zwischenzeitlich wurde es lange als "Sus salvanius" bezeichnet. Die Art ist monotypisch [7].

Literatur und Internetquellen

  1. JOHNSINGH, A. & MANJREKAR, N. (eds., 2015)
  2. MEIJAARD, E., NARAYAN, G. & DEKA, P. (2019). Porcula salvania. The IUCN Red List of Threatened Species 2019: e.T21172A44139115. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2019-3.RLTS.T21172A44139115.en . Downloaded on 20 March 2021.
  3. MOHR, E. (1960)
  4. PYGMY HOG CONSERVATION PROGRAMME
  5. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  8. ZOOTIERLISTE
  9. ZOO ZÜRICH - JAHRESBERICHTE und TIERBESTANDSLISTEN 1976-1984

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Gelesen 1312 mal Letzte Änderung am Freitag, 02 April 2021 07:39
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx