Meerkatzen, Makaken, Mangaben, Paviane

Campbell- und Lowe-Meerkatze

Lowe-Meerkatze (Cercopithecus lowei) im Zoo Dvůr Králové Lowe-Meerkatze (Cercopithecus lowei) im Zoo Dvůr Králové
© Wolfgang Dreier, Berlin

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder Schmalnasenaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus: Meerkatzenartige (Cercopithecini)

D NT 650

D VU 650

Campbell- und Lowemeerkatze

Cercopithecus campbelli / Cercopithecus (campbelli) lowei
The Campbell's and Lowe's Monkeys • Les cercopithèques de Campbell et de Lowe

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Lowe-Meerkatze (Cercopithecus lowei) im Zoo Dvůr Králové © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung der Arten der Monameerkatzen-Gruppe

 

 

 

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Lowe-Meerkatze (Cercopithecus lowei) im Zoo Dvůr Králové © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Campbell-Meerkatze (Cercopithecus campbelli) im ZooParc de Beauval, Saint-Aignan © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Campbell-Meerkatze (Cercopithecus campbelli) im Zoologisch-Botanischen Garten Iglau © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung der Campbell-Meerkatze (C. campbelli) gelb, der Lowe-Meerkatze (C. lowei) dunkelblau, dazwischen Hybridzone in rot

 

 

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz:
campbelli bzw. lowei

Campbell- und Lowe-Meerkatze sind zwei potenziell gefährdete bzw. gefährdete Meerkatzenformen aus Westafrika. Sie gehören zur Verwandtschaft der Monameerkatze und dürfte biologisch gesehen eher Unterartstatus haben, auch wenn sie gegenwärtig als Arten eingestuft werden. In europäischen Zoos werden sie selten (lowei) oder nicht mehr (campbelli) gehalten, obwohl sie aufgrund ihrer Lebhaftigkeit und Buntheit gute Botschafter für den Schutz der westafrikanischen Wälder und ihrer vielfach gefährdeten Bewohner wären.

Körperbau und Körperfunktionen

Männliche Campbell- und Lowe-Meerkatzen erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 43-54 cm, eine Schwanzlänge von 49-85 cm und ein Gewicht von 3.9-4.6 kg. Die kleineren Weibchen wiegen 2 bis 3.8 kg. In der Färbung ähneln sie der Monameerkatze. Wie jene haben sie ein kontrastreiches, buntes Gesicht, eine braune, grünlich gesprenkelte Oberseite, weiße Unterseite und außen dunkle Gliedmaßen. Ein Unterschied zur eigentlichen Monameerkatze ist das Fehlen der weißen Flecken zwischen Schwanzbasis und Oberschenkeln [1; 8].

Verbreitung

Westafrika:
C. campbelli: Gambia, Guinea, Guinea-Bissau, Liberia, Senegal, Sierra Leone.
C. lowei: Elfenbeinküste, Ghana [4].

Lebensraum und Lebensweise

Campbell- und Lowemeerkatzen besiedeln Tiefland-Regenwald bis auf eine Höhe von 300-600 m, meist aber unter 150m, Galerie- und Mangrovenwälder sowie Wald-Savannenmosaike und Baumsavannen. Meistens leben sie in Gruppen von etwa 10-16 (1-20) Individuen, bestehend aus einem adulten Männchen und mehreren Weibchen mit ihren Nachkommen. Bisweilen bilden sie gemischte Trupps mit Kleinen Weißnasen (C. petaurista), Dianameerkatzen oder Stummelaffen (Colobus polykomos und C. badius). Geschlafen wird in mittleren Lagen der Baumkronen. Bei der Nahrungssuche, die hauptsächlich im mittleren bis unteren Lagen der Baumkronen, aber auch auf dem Boden stattfindet, verwenden sie etwa die Hälfte der Zeit auf das Suchen und Fressen von Früchten, ein Drittel auf tierische Beute, hauptsächlich Insekten, in Mangrovenwäldern auch Krabben und Schlammspringer. Daneben fressen sie auch Blätter [2; 5; 7; 8].

Nach einer Tragzeit von 5-6 Monaten werfen die Weibchen in der Regel ein einzelnes Junges, das mit etwa einem Jahr entwöhnt wird. Die meisten Jungen kommen von Mitte November bis Mitte Januar zur Welt [1; 2; 8].

Gefährdung und Schutz

Wegen einer noch nicht allzu hohen Abnahme der Bestände und zunehmenden Lebensraumverlusts wurde die bis anhin als nicht-gefährdet geltende Campbell-Meerkatze 2020 als potenziell gefährdet eingestuft. Die Lowe-Meerkatze gilt mit einem abnehmenden, auf 10'000 erwachsene Individuen geschätzten Bestand seit 2019 als gefährdet (Rote Liste: NEAR THREATENED / VULNERABLE) [4].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Als Folge der Bestandsabnahme oder der lokalen Ausrottung größerer Primatenarten hat der Jagddruck zur Gewinnung von Fleisch für den Eigenbedarf und lokale Märkte auf Campbell- und Lowe-Meerkatzen in den letzten Jahren zugenommen. Jungtiere werden als Heimtiere gefangen [4]. Von 2001 bis 2019 wurden nur 7 lebende campbelli-Wildfänge von der Demokratischen Republik Kongo zur Ausfuhr genehmigt. Im selben Zeitraum wurden weltweit 65 Nachzuchttiere grenzüberschreitend abgegeben, alle stammten aus den USA. Mit lowei wurde keinerlei Handel registriert [3].

Haltung

Lowe-Meerkatzen wurden erfolgreich mit Drills sowie mit Nördlichen Zwergmeerkatzen vergesellschaftet [4]. WEIGL gibt als bekanntes Höchstalter 29 Jahre und 4 Monate für eine in amerikanischen Zoos geborene und gehaltene campbelli und über 30 Jahre für einen in den USA gehaltenen Wildfang von lowei an [6].

Haltung in europäischen Zoos: Beide Formen waren in europäischen Zoos nie häufig. C. campbelli ist heute (2021) aus den Zoos ganz verschwunden, lediglich die Station biologique de Paimpont der Universität Rennes hält noch eine Gruppe, an der ethologische Studien gemacht werden. Von lowei gibt es ein halbes Dutzend Haltungen, aber keine davon im deutschsprachigen Raum. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung von bis zu 5 erwachsenen Tieren ein Außen- und ein Innengehege von je 33 m² bei 3 m Höhe gefordert und für jedes zusätzliche Adulttier jeweils 3 m² Fläche mehr. Dies ist eine Erhöhung des Raumangebots um mehr als das Doppelte gegenüber dem Gutachten’96, die wissenschaftlich nicht begründet ist. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos hielten eine Erhöhung des Platzangebots ebenfalls für angebracht schlugen aber im Differenzprotokoll vor, dass für 5 Tiere außen 30 m² und innen 20 m² bei jeweils 2 m Höhe angeboten werden sollten.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2021) schreibt für 5 Meerkatzen ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 15 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 3 m² Fläche zusätzlich vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2021) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen und es sind für 5 Adulttiere ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 30 m² bei 3 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier sind die Flächen um 3 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Campbell-Meerkatze wurde erstmals 1838 von George Robert WATERHOUSE vom Museum der Londoner Zoologischen Gesellschaft unter ihrem heute noch gültigen Namen wissenschaftlich beschrieben. Die Lowe-Meerkatze beschrieb der englische Zoologe Michael Rogers Oldfield THOMAS 1923 als Unterart der Campbell-Meerkatze. Ab 1997 wurden beide Formen zumeist als selbständige Arten angesehen, die innerhalb der Gattung Cercopithecus zusammen mit C. denti, C. mona, C. wolfi und C. pogonias eine Superspezies bzw. Artengruppe bilden. Nach biologischen Kriterien dürfte dies allerdings nicht korrekt sein, denn im Grenzgebiet der Vorkommen der beiden Formen vermischen sich diese. Die Hybridzone reicht vom Grenzfluss zwischen Liberia und der Elfenbeinküste ostwärts bis zum Sassandra-Nzo-Fluss [7; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  2. BOURLIÈRE, F., BERTRAND, M. & HUNKELER, C. (1969)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. KRAAIJ, E. & TER MAAT, P. (2011)
  5. MATSUDA GOODWIN, R., GONEDELÉ BI, S. & KONÉ, I. (2020). Cercopithecus campbelli. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T136930A92374066. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-2.RLTS.T136930A92374066.en . Downloaded on 20 February 2021.
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WIAFE, E. et al. (2019). Cercopithecus lowei. The IUCN Red List of Threatened Species 2019: e.T136931A92373680. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2019-1.RLTS.T136931A92373680.en . Downloaded on 20 February 2021.
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)

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Gelesen 4794 mal Letzte Änderung am Dienstag, 21 Dezember 2021 14:50
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx