Krallenaffen

Braunrückentamarin

Braunrückentamarin (Saguinus fuscicollis)im Huachipa-Zoo, Lima, Peru Braunrückentamarin (Saguinus fuscicollis)im Huachipa-Zoo, Lima, Peru
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Neuwelt- oder Breitnasenaffen (Platyrrhini)
Familie: Krallenaffen (Callitrichidae)

D LC 650

EEPBraunrückentamarin

(Saguinus =) Leontocebus fuscicollis s. l. • The Brown-mantled Tamarin • Le tamarin à selle

106 007 004 003 saguinus fuscicollis HAL dreier1
Braunrückentamarin (Leontocebus fuscicollis) im Zoo Halle © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

106 007 004 003 saguinus fuscicollis map
Aproximative Verbreitung des Braunrückentamarins (Saguinus fuscicollis)

 

 

106 007 004 003 saguinus fuscicollis wien nPotensky2
Braunrückentamarin (Leontocebus fuscicollis) im Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky, Wien

 

 

106 007 004 003 saguinus fuscicollis wien nPotensky1
Braunrückentamarine (Leontocebus fuscicollis) bei sozialer Fellpflege im Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky, Wien

 

 

106 007 004 003 saguinus fuscicollis wien nPotensky3
Braunrückentamarine (Leontocebus fuscicollis) im Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky, Wien

 

 

106 007 004 003 saguinus fuscicollis HAL dreier2
Braunrückentamarin (Leontocebus fuscicollis) im Zoo Halle © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

106 007 004 003 saguinus fuscicollis robertson peru
Braunrückentamarin (Leontocebus fuscicollis) im Tambopata-Nationalreservat Peru © D. Gordon E. Robertson. Veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz.

 

 

106 007 004 003 saguinus fuscicollis huachipa PD2
Gehege für Braunrückentamarine (Leontocebus fuscicollis) im Huachipa-Zoo, Lima, Peru © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

106 007 004 003A saguinus weddelli dreier1
Schwarzmnanteltamarin (Leontocebus fuscicollis weddelli), gegenwärtig als separate Art eingestuft, im Zoo Magdeburg © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

106 007 004 011 saguinus lagonotus pilsen dreier1
Rotschultertamarin im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Wolfgang Dreier, Berlin. Früher eine Unterart des Braunrückentamarins (Saguinus fuscicollis lagonotus), heute als Leontocebus lagonotus eine eigene Art. 1972 unterschieden NAPIER & NAPIER 29 Tamarin-Formen, in 11 verschiedenen Arten in einer Gattung. 2013 waren es immer noch 29 Formen, aber diese wurden auf 21 Arten in 2 Gattungen verteilt. 2015 erhielt eine weitere Unterart Artstatus.

 

 

Weitere Bilder auf BioLib

Der Braun- oder Sattelrückentamarin ist eine nicht-gefährdete Krallenaffenart aus dem Amazonasgebiet. Er würde sich im Prinzip als Botschafter für die Erhaltung seiner Heimat, des Regenwalds, anbieten, zieht aber gegenüber gefährdeten oder auffälligeren Arten den Kürzeren und wird nur selten gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Braunrückentamarin erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 21 cm und eine Schwanzlänge von 32 cm. Das Gewicht liegt zwischen 300 und 400 g. Damit ist er der kleinste aller Tamarine. Die Ohren sind groß und unbehaart. Die Fellfärbung variiert je nach Unterart. Meistens sind Kopf, Hals, Nacken und Vorderseite der Arme dunkelbraun bis schwarz. Der Rücken ist schwarz und rötlichgelb marmoriert, bisweilen auch rostrot. Beckenregion, Schwanzansatz und Hinterbeine sind rotbraun. Die neuerdings als eigene Arten qualifizierten lagonotus und weddelli weichen farblich deutlich ab, wie auf den Abbildungen zu erkennen ist [5; 6].

Verbreitung

Tropisches Südamerika: Bolivien, Brasilien (Bundesstaaten Acre, Rondônia, Amazonas, Mato Grosso), Ekuador, Kolumbien, Peru [3].

Lebensraum und Lebensweise

Braunrückentamarine besiedeln Regenwälder des Tieflands bis in die untere montane Stufe in Höhenlagen von 100-1'200 m. Sie halten sich hauptsächlich im Unterholz und den tieferen Schichten des Kronendachs auf. Sie bilden stabile Gruppen von 5-8 Individuen, vergesellschaften sich oft mit Schnurrbart- und Springtamarinen, und oft schließen sich ihnen Weißbrusttukane an. Bisweilen finden sich auch mehrere Gruppen zusammen und gehen gemeinsam auf Nahrungssuche. Sie sind tagaktiv und verbringen die Nacht gerne in Baumhöhlen. Sie ernähren sich von Insekten, kleinen Echsen, reifen Früchten und Beeren, Nektar, Baumsaft, insbesondere Gummiexsudat der Hülsenfrüchte von Parkia sp., seltener von unreifen Früchten und Pilzen [1; 6].

Nach einer Tragzeit von etwa 150 Tagen werden in der Regel 2 Junge mit einem Gewicht von ca. 40 g geboren. Die Geburtsintervalle betragen im Mittel 167 Tage [4].

Gefährdung und Schutz

Der Braunrückentamarin gehört gemäß einer Beurteilung aus dem Jahr 2020 nicht zu den gefährdeten Tierarten (Rote Liste: LEAST CONCERN), da er eine stabile Population hat und gebietsweise recht hohe Bestandsdichten erreicht.

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Braunrückentamarine werden zur Fleischgewinnung gejagt und für den lokalen Heimtiermarkt gefangen [3]. Von 1977-2019 wurden nebst allerhand totem Material 650 lebende Wildfänge zur Ausfuhr bewilligt, 562 davon von Peru. Im selben Zeitraum wurden weltweit 233 Nachzuchttiere exportiert [2].

Haltung

WEIGL gibt als bekanntes Höchstalter 24 Jahre und 11 Monate für ein in Florida nachgezogenes und dann im Bronx Zoo gehaltenes Weibchen an [4].

In einer für Besucher zugänglichen Außenvoliere von 235 m³ und einer Innenanlage von 110 m³ wurden im Zoo Halle Braunrückentamarine gemeinsam mit Rotbauch- und Springtamarinen sowie, nur im Haus, mit Zwergflusspferden gehalten. Im Kölner Zoo wurden Braunrücken- mit Rotbauchtamarinen und männlichen Löwenäffchen vergesellschaftet, eine weitere Gruppe mit Zwergseidenäffchen, Goldgelben Löwenäffchen, Rothandtamarinen und Weißkopf-Sakis. In Bad Liebenstein erfolgte eine Vergesellschaftung mit Springtamarinen [0, ZTL].

Nach den "Best practice"-Leitlinien der EAZA soll Tamarinen tagsüber ein Gesamtvolumen (innen / außen) von 32.5 m³ (3+10 m² / 2.5 m hoch) zur Verfügung stehen, wobei das Gehege unterteilbar sein soll  [1].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in nur ganz wenigen Zoos in Deutschland, Österreich und Russland gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt in Europa weder ein Zuchtbuch noch ein Zuchtprogramm für Braunrückentamarine.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL fordert für alle Tamarine ein Innen- und ein Außengehege von je 10 m² Grundfläche und 2.5 m Höhe für jeweils ein Paar mit bis zu zwei Nachzuchten. Für jedes weitere Tier ist bei gleicher Gehegehöhe die Grundfläche um 1,5 m² zu erhöhen. Leider sah sich der Leiter der Arbeitsgruppe, die das Primatenkapitel verfasst hatte, außerstande, die Frage zu beantworten, ob es sich bei den „bis zu zwei Nachzuchten“ um zwei Jungtiere oder um zwei Würfe von normalerweise Zwillingen handelt. Die Anforderung ist zudem weder durch konkrete wissenschaftliche Daten noch durch Tierhaltererfahrung erhärtet. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos vertraten daher im Differenzprotokoll den Standpunkt, dass aufgrund von Tierhaltererfahrung und mangels festgestellter Probleme die Anforderungen des Gutachtens’96 beibehalten werden sollten, d. h. ein Innen- und gegebenenfalls ein Außengehege (es ist zu beachten. dass in vielen Fällen die Voraussetzungen nach Ziffer II.1.9 dieses Gutachtens erfüllt sein dürften, sodass auf ein Außengehege verzichtet werden kann) von je 5 m² Grundfläche und 2.0 m Höhe für jeweils eine funktionierende Familiengruppe, d.h. Eltern und so viele Nachkommen, wie von diesen toleriert werden.

Ferner gibt das Säugetiergutachten als Futtergrundlage „vielseitiges Obst und Gemüse“ an., Da der Zuckergehalt der auf dem Markt erhältlichen Obstsorten generell sehr hoch ist, sind die Zoos dazu übergegangen, den Obstanteil zu Gunsten des Gemüses zu reduzieren und auf das Verfüttern von Tomaten, Paprika, Zitrusfrüchten, Ananas, Kiwis und Trauben ganz zu verzichten [1].

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2021) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Innengehege mit einer Fläche von 3 m² und 2 m Höhe vor. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 0.5 m² zu ergänzen.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2021) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen. Dazu ist ein Innengehege mit einer Fläche von 10 m² und einer Höhe von 2.5 m erforderlich.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Braunrückentamarin wurde 1823 von dem Naturwissenschaftler Johann Baptist Ritter von SPIX, der im Auftrag des Königs von Bayern Brasilien bereist hatte, als "Midas fuscicollis" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Später wurde er in die vom deutschen Naturforscher Johann Centurius HOFFMANNSEGG 1807 aufgestellte Gattung Saguinus überführt. 2014 wurde diese aufgesplittet. Der Gruppe der kleineren Arten wurde der von dem Münchner Zoologieprofessor Johann Andreas WAGNER 1839 eingeführte Gattungsname Leontocebus verpasst. Dies wurde von der IUCN in der Roten Liste übernommen. Bis vor einigen Jahren wurden 10 Unterarten anerkannt, von manchen Autoren noch mehr. Nachdem von 2011-2015 cruzlimai, fuscus, illigeri, leucogenys, lagonotus, nigrifrons, und weddelli durch Molekulargenetiker als eigenständige Arten ausgegliedert wurden, blieben davon noch drei übrig: L. f. fuscicollis, L. f. avilapiresi und L. f. primitivus, und 2009 kam mit L. f. mura eine neubeschriebene Unterart hinzu [1; 4, 6; 7].

Literatur und Internetquellen

  1. CARROLL, B. (ed., 2002) / BARRÃO RUIVO, E. (ed. 2010)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. RYLANDS, A.B. & MITTERMEIER, R.A. (2020). Leontocebus fuscicollis. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T160885500A17931686. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-2.RLTS.T160885500A17931686.en. Downloaded on 23 March 2021.
  4. SCHRÖPEL, M. (2010)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  7. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  8. ZIEGLER, T. (2002)

Zurück zu Übersicht Spitzhörnchen, Halbaffen und Affen

Weiter zu Schwarzrückentamarin (Leontocebus nigricollis)

Gelesen 9628 mal Letzte Änderung am Dienstag, 21 Dezember 2021 14:10
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx