Krallenaffen

Perückentamarin

Perückentamarin (Saguinus geoffroyi) im Zoo Jaime Duque, Cundinamarca, Kolumbien Perückentamarin (Saguinus geoffroyi) im Zoo Jaime Duque, Cundinamarca, Kolumbien
© Petruss. Veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Neuwelt- oder Breitnasenaffen (Platyrrhini)
Familie: Krallenaffen (Callitrichidae)

D NT 650

EEPPerückentamarin

Saguinus geoffroyi • The Geoffroy's Tamarin • Le tamarin à nuque rousse

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Perückentamarin (Saguinus geoffroyi) im Bronx Zoo, New York © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Aproximative Verbreitung des Perückentamarins (Saguinus geoffroyi)

 

 

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Perückentamarin (Saguinus geoffroyi) im Bronx Zoo, New York © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Perückentamarin (Saguinus geoffroyi) in Panama © Brian Gratwicke. Übernommen aus Flickr unter der Attribution 2.0 Generic-Lizenz.

 

 

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Perückentamarin (Saguinus geoffroyi) in Panama © Brian Gratwicke. Veröffentlicht auf Flickr unter der Attribution 2.0 Generic-Lizenz.

 

 

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Perückentamarin (Saguinus geoffroyi), beim Gatunsee, Panama © Charles J. Sharp, sharpphotography.co.uk. Veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

 

 

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Perückentamarin (Saguinus geoffroyi), beim Gatunsee, Panama © Charles J. Sharp, sharpphotography.co.uk. Veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

 

 

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Der Perückentamarin ist ein potenziell gefährdeter Krallenaffe aus der Übergangszone zwischen Süd- und Mittelamerika. In europäischen Zoos wurde er früher nur selten und wird heute gar nicht mehr gehalten, da sich die Zoos auf seine engen Verwandten, den stark gefährdeten Zweifarbtamarin und das vom Aussterben bedrohte Lisztäffchen konzentrieren.

Körperbau und Körperfunktionen

Perückentamarine haben eine Kopf-Rumpflänge von etwa 24(20-29) cm und eine Schwanzlänge von rund 37 (32-42 cm. Sie bringen etwa 480-540 g auf die Waage. Damit sind sie deutlich größer als die nahverwandten Lisztäffchen. Sie haben ein graues Gesicht, einen weißen Stirnschopf, eine im Übrigen braune, dunkelgraue bis schwarze Oberseite mit streifigen, weißlichen Flecken. Brust, Unterseite, Arme, Hände und Füße sind weiß, der Schwanz ist dunkel und wird nach hinten schwarz [1; 6].

Verbreitung

Tropisches Mittel- und Südamerika: Panama, Nordwest-Kolumbien [3].

Lebensraum und Lebensweise

Perückentamarine besiedeln feuchte, periodisch trockene Wälder  und gerne Sekundärwälder mit hohen Bäumen vom Tiefland bis auf etwa 1'100 m Höhe. Sie sind tagaktiv, beginnen den Tag kurz nach Sonnenaufgang und ziehen sich nach im Mittel 11 Stunden zum Schlafen in hohe Bäume zurück. Sie ernähren sich von kleinen Früchten, Blüten, Nektar, Knospen, Baumsäften, größeren Insekten sowie kleinen Echsen und anderen Wirbeltieren. Sie leben typischerweise in Gruppen von 4-9 Tieren. Ihre Streifgebiete können sich mit denen anderer Gruppen überlappen. Ist dies der Fall, werden vermehrt Duftmarken gesetzt [1; 3; 4, 6].

In ihrem Ursprungsgebiet bringt das α-Weibchen der Gruppe nach einer Tragzeit von ca. 145 Tagen ein- bis zweimal pro Jahr in der Regel 2 Junge mit einem Geburtsgewicht von etwa 50 g zur Welt. Geburten können während des ganzen Jahres stattfinden, am häufigsten von März bis Juni. Die Jungen werden mit 2-3 Monaten entwöhnt und sind mit etwa 15 Monaten geschlechtsreif [1; 3; 4; 6].

Gefährdung und Schutz

Der Perückentamarin galt ab 1996 als nicht gefährdet. Aufgrund einer Neubeurteilung im Jahr 2015 ist er jetzt seit 2019 als potenziell gefährdet eingestuft. Grund dafür ist die Annahme, dass es innerhalb der kommenden 18 Jahre zu einer Bestandsabnahme um mindestens 25% kommen wird, bedingt durch Lebensraumzerstörung, illegalen Fang für den nationalen Heimtiermarkt und Unfälle mit Motorfahrzeugen (Rote Liste: NEAR THREATENED) [3].

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Perückentamarine werden vermutlich nicht gejagt, jedoch gelegentlich für den lokalen Heimtierhandel gefangen [3]. Von 1977-2019 bewilligte Panama 31 lebende Wildfänge zur Ausfuhr, letztmals 1982. Im selben Zeitraum wurden weltweit 34 Nachzuchttiere international abgegeben [2].

Haltung

WEIGL gibt als bekanntes Höchstalter gegen 21 Jahre für einen im Cleveland Zoo gehaltenen weiblichen Wildfang an [5]. Im Zoo Dresden wurden Perückentamarine mit Meerschweinchen vergesellschaftet, allerdings zur geringen Freude der Meerschweinchen, die von den Affen herumgejagt wurden [8].

Nach den "Best practice"-Leitlinien der EAZA soll Tamarinen tagsüber ein Gesamtvolumen (innen / außen) von 32.5 m³ (3+10 m² / 2.5 m hoch) zur Verfügung stehen, wobei das Gehege unterteilbar sein soll [1].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wurde vor der Jahrtausendwende in wenigen Zoos gehalten. Gegenwärtig (2021) gibt es keine mehr. Für Details siehe Zootierliste. Es gibt in Europa weder ein Zuchtbuch noch ein Zuchtprogramm für diese Art.

Mindestanforderungen an Gehege: Die auf dem Tierart-Datenblatt für den Rotbauchtamarin gemachten Angaben zum Säugetiergutachten 2014 und zur Stellungnahme der Tierschutzsachverständigen der Zoos gelten auch für diese Art. Bei der Empfehlung des Säugetiergutachtens verschiedene Krallenaffenarten zu vergesellschaften ist im Fall des Perückentamarins Vorsicht angebracht. Eine Vergesellschaftung mit Rotbauchtamarinen musste nach wenigen Tagen aufgegeben werden, weil diese von den Perückentamarinen angegriffen wurden. Andererseits funktionierte eine Vergesellschaftung mit Zwergseidenäffchen [7].

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2021) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Innengehege mit einer Fläche von 3 m² und 2 m Höhe vor. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 0.5 m² zu ergänzen.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2021) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen. Dazu ist ein Innengehege mit einer Fläche von 10 m² und einer Höhe von 2.5 m erforderlich.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Perückentamarin wurde 1845 von dem französischen Arzt und als Zoologe am Muséum national d’histoire naturelle tätigen Jacques PUCHERAN als "Hapale geoffroyi" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Später wurde er in die 1807 vom deutschen Naturforscher Johann Centurius HOFFMANNSEGG aufgestellte Gattung Saguinus überführt und galt zeitweilig als Unterart von Saguinus oedipus. Die Art ist monotypisch [4; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. CARROLL, B. (ed., 2002) / BARRÃO RUIVO, E. (ed. 2010)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. MÉNDEZ-CARVAJAL, P., LINK, A., MITTERMEIER, R.A. & PALACIOS, E. (2019). Saguinus geoffroyi. The IUCN Red List of Threatened Species 2019: e.T41522A17932085. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2019-3.RLTS.T41522A17932085.en . Downloaded on 23 March 2021.
  4. SCHRÖPEL, M. (2010)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  7. ZIEGLER, T. (2002)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx