Antilopen

Kap-Greisbock

Kap-Greisbock (Raphicerus melanotis), Weibchen im Tygerberg-Zoo, Kraaifontein, Westkap, Südafrika Kap-Greisbock (Raphicerus melanotis), Weibchen im Tygerberg-Zoo, Kraaifontein, Westkap, Südafrika
© Johannes Pfleiderer, Zoo Leipzig

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)

D LC 650

Kap-Greisbock

Raphicerus melanotis • The Cape Grysbok • Le raphicère du Cap

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Kap-Greisbock (Raphicerus melanotis) im Tygerberg-Zoo, Kraaifontein, Westkap, Südafrika © Johannes Pfleiderer, Zoo Leipzig

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Kap-Greisbocks (Raphicerus melanotis)

 

 

 

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Kap-Greisbock (Raphicerus melanotis) im Tygerberg-Zoo, Kraaifontein, Westkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Kap-Greisbock-Weibchen (Raphicerus melanotis) im Tygerberg-Zoo, Kraaifontein, Westkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Kap-Greisbock-Weibchen (Raphicerus melanotis) im Tygerberg-Zoo, Kraaifontein, Westkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Steinböckchen (Raphicerus campestris) und Kap-Greisbock (Raphicerus melanotis) im Vergleich. Illustration aus SCLATER, P. L. (1894-1900): The Book of Antelopes.London. Gemeinfrei.

 

 

 

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Der Kap-Greisbock ist eine nicht-gefährdete, zierliche Kleinantilope aus Südafrika, die, obwohl sie sehr hübsch ist, seit über einem Jahrhundert in europäischen Zoos nicht mehr gezeigt wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Kopf-Rumpflänge von rund (63-)70-75cm, einer Schulterhöhe von 45-55 cm, einer Schwanzlänge von 4-8 cm und einem Gewicht von etwa 10 (8.8-11) kg ist der Kap-Greisbock etwas kleiner als der Klippspringer. Beide Geschlechter sind gleich groß. Nur die Männchen tragen 6-8(-15) cm kurze, leicht nach vorne gebogene Hörner. Die Augen sind groß, die auf der Rückseitige grauen Ohren lang und zugespitzt, der Rücken ist rund. Es sind große Voraugendrüsen und kleine Afterklauen vorhanden. Das oberseits rotbraune Fell wirkt durch einzelne weisse oder graue Haare rotgrau meliert, die Unterseite ist rot, die Kehle rotgelb [1; 2; 4; 5; 7].

Verbreitung

Südafrika: Nord-, West- und Ostkap-Provinzen. Das Artareal liegt weitgehend innerhalb des Kap-Florenreichs [3].

Lebensraum und Lebensweise

Der Kap-Greisbock besiedelt in erster Linie Fynbos und Renosterveld, ist aber auch in Wäldern, Sukkulenten-Dickicht und Sukkulenten-Karoo, marginal in mit Wald- oder Buschfragmenten durchsetztem Grasland und in der Nama-Karoo anzutreffen. Auch Weinberge und Rotbusch-(Roojbos-)Pflanzungen können genutzt werden, wichtig ist vor allem gute Deckung. Die Tiere sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Laub und Zweigen, aber auch saftiges Gras und Früchte werden gefressen. Der Flüssigkeitsbedarf kann weitgehend durch die Äsung gedeckt werden. Greisböcke sind Einzelgänger, die Ricken haben sehr kleine Streifgebiete in denen sie andere Weibchen tolerieren, die Böcke sind territorial, sie markieren und verteidigen ihre im Mittel 2.5 ha großen Reviere gegen Geschlechtsgenossen. Es gibt keine feste Fortpflanzungszeit. Nach einer Tragzeit von 6-7 Monaten wird in aller Regel ein einzelnes Kitz geboren, das mit 18-24 Monaten geschlechtsreif wird. Kurz nach der Geburt werden die Ricken wieder gedeckt [1; 2; 4; 7].

Gefährdung und Schutz

Seit 1996, letztmals beurteilt 2016 gilt die Art trotz ihrer relativ kleinen Verbreitung nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), denn das Artareal umfasst auch zahlreiche Schutzgebiete und die Gesamtpopulation wird als stabil angesehen. Ein Problem stellt der Schwund an geeignetem Lebensraum dar, bedingt durch invasive Neophyten, die Erweiterung des menschlichen Siedlungsgebiets und des Agrarlands, sowie durch Überbesatz mit anderen Huftieren in privaten Naturschutzgebieten und Jagdfarmen oder durch die steigende Elefantenzahl im Addo-Nationalpark [3].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Die Einfuhr aus den Ursprungsländern ist aber wegen der restriktiven Veterinärbestimmungen der EU so gut wie ausgeschlossen.

Bedeutung für den Menschen

Kap-Greisböcke werden lokal und teils illegal zur Gewinnung von Fleisch gejagt. Sie sind auch Ziel der Trophäenjagd von Jägern, die auf die "Tiny Ten" oder "Little Five" spezialisiert sind. In Südafrika bewegen sich die Abschussgebühren ("Trophy Fees") in der Größenordnung von 1'000-2'500 € [3; Online-Inserate 2021].

Haltung

Als Altersrekord gibt WEIGL für einen im südafrikanischen Tygerberg Zoo gehaltenen weiblichen Wildfang 7 Jahre und 8 Monate an [7].

Haltung in europäischen Zoos: Der Kap-Greisbock wurde 1851 in der Sammlung des Earl of Derby, des heutigen Knowsley Safari Parks, gehalten, wahrscheinlich als europäische Ersteinfuhr. Später und bis zum Ersten Weltkrieg wurden einige Exemplare im Londoner Zoo gezeigt. Seitdem gibt es in Europa vermutlich keine mehr. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für ein Paar ein Außengehege von mindestens 50 m² zur Verfügung stehen. In der Stallung sind pro Tier 2 m² vorzusehen und es ist eine Mindesttemperatur von 18ºC einzuhalten. Man beachte, dass die mittleren Temperaturen im natürlichen Verbreitungsgebiet während des Winters zum Teil deutlich tiefer sind (z.B. Clanwilliam im Juli Mittel 13ºC, mittleres Minimum 7ºC).

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2021) schreibt für bis zu 2 Tieren ein Gehege mit Verstecken und Sichtblenden vor, dessen Grundfläche 50 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 20 m² zur Basisfläche dazu. Die Mindestfläche in der Stallung beträgt 3 m² pro Tier.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2021) ist für 1-5 Tiere ein Außengehege von 200 m² erforderlich. Innen sind pro Tier 10 m² vorgeschrieben und es ist eine Mindesttemperatur von 18ºC einzuhalten. Die Tiere sind paarweise oder in Familiengruppen zu halten.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Kap-Greisbock wurde 1811 von dem schwedischen Naturforscher Carl Peter THUNBERG, einem Schüler LINNÉs, als "Antilope melanotis" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der heute gültige Gattungsname Raphicerus wurde 1827 von dem vielseitigen englischen Oberstleutnant Charles Hamilton SMITH eingeführt. Die Art ist monotypisch [7].

Literatur und Internetquellen

  1. ANIMAL DIVERSITY WEB
  2. GRZIMEK, B. (ed., 1970)
  3. PALMER, G. et al. (2017). Raphicerus melanotis. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T19306A50193334. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2017-2.RLTS.T19306A50193334.en . Downloaded on 16 February 2021.
  4. MILLS, G & HES, L. (1999)
  5. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 7657 mal Letzte Änderung am Dienstag, 21 Dezember 2021 15:36
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx