Schaf- und Ziegenartige

Dickhornschaf

Kalifornische Dickhornschafe (Ovis canadensis californiana) in Burgers Zoo, Arnheim Kalifornische Dickhornschafe (Ovis canadensis californiana) in Burgers Zoo, Arnheim
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige: (Caprinae)
Tribus: Ziegenverwandte (Caprini)

D LC 650

Dickhornschaf

Ovis canadensis• The Bighorn Sheep • Le mouflon canadien

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Wüsten-Dichhornschaf (Ovis canadensis nelsoni), Widder im Arizona Sonora Desert Museum, Tucson © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Approximative Verbreitung des Dickhornschafs (Ovis canadensis)

 

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Wüsten-Dickhornschafe (Ovis canadensis nelsoni) im Los Angeles Zoo © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Kalifornische Dickhornschafe (Ovis canadensis californiana), Aue mit Lamm in Burgers Zoo Arnheim © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kalifornisches Dickhornschaf (Ovis canadensis californiana), Widder im Zoo Prag © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Kalifornische Dickhornschafe (Ovis canadensis californiana), Auen im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Rocky-Mountains-Dickhornschaf (Ovis canadensis canadensis), Widder bei Radium Hot Springs im Kootenay-Nationalpark, Britisch Kolumbien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Rocky-Mountains-Dickhornschaf (Ovis canadensis canadensis), Widder bei Radium Hot Springs im Kootenay-Nationalpark, Britisch Kolumbien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Rocky-Mountains-Dickhornschaf (Ovis canadensis canadensis), Aue am Lake Minnewanka im Banff-Nationalpark, Alberta © Peter Dollionger, Zoo Office Bern

 

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Rocky-Mountains-Dickhornschaf (Ovis canadensis canadensis), Lamm am Lake Minnewanka im Banff-Nationalpark, Alberta © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Rocky-Mountains-Dickhornschaf (Ovis canadensis canadensis), Aue am Lake Minnewanka im Banff-Nationalpark, Alberta © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Dickhornschaf-Widder (Ovis canadensis subsp.) im Zoo Peking © Wolfgang Dreier, Berlin

 

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Weil Wildschafe - eigentlich zu Unrecht - als nicht besonders attraktiv gelten und die nordamerikanische Fauna für die meisten europäischen Zoos keine Priorität hat, ist das in der Wildbahn nicht gefährdete und von der EAZA nicht geförderte Dickhornschaf in der europäischen Zoowelt zu einer echten Rarität geworden.

Körperbau und Körperfunktionen

Beim Dickhornschaf besteht ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern hinsichtlich Körperlänge- und -höhe. Die Böcke sind um bis zu 70% massiger wobei ihr massives Gehörn bis zu 13% des Körpergewichts ausmachen kann. Die Böcke erreichen je nach Population und Unterart eine Kopf-Rumpflänge von 109-169(-195) cm, eine Schulterhöhe von 81-112 cm, eine Schwanzlänge von 10-15 cm und ein Gewicht von im Mittel 68 bis maximal etwa 145 kg bei den nördlichen, bis 104 kg bei den südlichen Unterarten. Die Kopf-Rumpflänge der Auen beträgt 96-126(-153) cm, die Schulterhöhe 76-91 cm, die Schwanzlänge 10-13 cm und das Gewicht 45-72, im Norden bis maximal ca. 104 kg. Die bogen- oder schneckenförmigen Hörner der Böcke werden 90-126 cm lang und können einen Basisumfang von 37-44 cm haben. Die Hörner der Auen sind säbel- oder bogenförmig, schwächer und nur bis 26 cm lang. Voraugen-, Inguinal-, Anal- und Zwischenzehendrüsen sind vorhanden. Die Auen haben ein Euter mit 2 Zitzen. Das Fell ist hell-, grau- oder dunkelbraun mit individuell dunklem Rückenstreifen sowie mit dunklem Schwanz und großem, weißem Spiegel [5; 10].

Verbreitung

Westliches Nordamerika: Kanada (Alberta, British Columbia), Mexiko (Sonora, Niederkalifornien), USA [2].

Weitere Angaben zu den Unterarten siehe unter Taxonomie.

Lebensraum und Lebensweise

Die Gruppe der Neuweltlichen Wildschafe füllt in Nordamerika ökologische Nischen, die in Europa von Wildziegen besetzt sind. Das Dickhornschaf besiedelt mit Felsen und steilen Partien durchsetzte alpine und subalpine Weiden sowie, im Süden, Wüsten und Halbwüsten. Im Norden ist es während des Sommers in Höhenlagen von 2'000-2'600 m anzutreffen, im Süden von unter dem Meeresspiegel (Death Valley) bis zu 4'500 m. Im Winter werden tiefere Lagen aufgesucht. Sommer- und Wintereinstände können bis zu 40 km voneinander entfernt sein [2; 5; 10].

Die Tiere sind überwiegend tagaktiv, wobei die Hauptaktivitätszeiten auf die frühen Morgen- und späten Abendstunden fallen. Sie leben gesellig, außerhalb der Brunft in nach Geschlechtern getrennten Gruppen. Erwachsene Böcke bilden Rudel von 5-50 Tieren, die Weibchenrudel umfassen bis zu 100 Auen, Lämmer und junge Böcke. Böcke sind eher in tieferen Lagen anzutreffen, wo das Nahrungsangebot größer, aber auch der Prädationsdruck durch den Wolf höher ist. Die Auen halten sich mit den Lämmern in höheren, steileren Lagen auf, wo das Futter spärlicher aber auch das Feindrisiko geringer ist. Wichtige Fressfeinde sind, nebst dem Wolf, der Puma und für Lämmer, Rotluchs, Kojote und Steinadler. Die Ernährung variiert je nach regionalem Angebot. Gefressen werden Gräser, Sauergräser, Kräuter, Laub und Zweige sowie Moose [5; 10].

Die Brunft fällt auf den Zeitraum November-Dezember. Nach einer Tragzeit von 172-180 Tagen kommt es meist im Mai bis anfangs Juni zur Geburt eines Einzelkitzes, nur selten von Zwillingen, mit einem Geburtsgewicht von 2.7-4.5 kg. Später im Jahr geborene Lämmer haben eine schlechtere Überlebenschance. Die Lämmer werden mit etwa 4-6 Monaten entwöhnt. Das Hornwachstum setzt mit 2 Monaten ein, nach 5½ Monaten sind die Hörnchen bereits 5-7 cm lang.  Auen sind mit 3-4 Jahren voll ausgewachsen, Böcke nehmen bis zu 8. Lebensjahr an Größe und Gewicht zu [5 6; 10].

Gefährdung und Schutz

Das Dickhornschaf ist eine weitverbreitete Art mit einer Gesamtpopulation von etwa 50'000 erwachsenen Tieren. Die Art wird zwar bejagt, da die Jagd aber strikt geregelt ist und es auch in vielen Schutzgebieten vorkommt, wird es seit 1996, letztmals überprüft 2019, als nicht gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [2].

Der internationale Handel unter CITES ist ausschließlich für die mexikanische Population nach Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Das Dickhornschaf ist Gegenstand einer strikt geregelten Sportjagd [2]. Nebst bis gegen 200 Jagdtrophäen und Körperteilen pro Jahr genehmigte Mexiko 2008 die Ausfuhr von 40 lebenden Tieren in die USA. Diese registrierten jedoch keine Einfuhr [1].

Haltung

Die von WEIGL angegebenen Höchstalter im Zoo liegen bei 20 Jahren und einigen Monaten. Es handelte sich jeweils um in amerikanischen Einrichtungen gehaltene weibliche Nachzuchttiere [9].

Haltung in europäischen Zoos: Das Dickhornschaf war in europäischen Zoos nie häufig. Gegenwärtig (2021) wird nur die kalifornische Unterart in zwei Zoos gezeigt. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für bis zu 5 Tieren ein Gehege von mindestens 250 m² zur Verfügung stehen, für jedes weitere Tier 20 m² zusätzlich. Ein Stall ist nicht erforderlich.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2021) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Gehege vor, dessen Grundfläche 500 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 50 m² zur Basisflächen dazu. Es sind natürliche oder künstliche Unterstände anzubieten, in denen alle Tiere gleichzeitig Platz finden. Werden die Tiere aufgestallt, ist eine Grundfläche von mindestens 2 m²/Tier vorgeschrieben.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2021) sind für bis zu 10 Tiere 500 m² erforderlich, für jedes weitere 50 m² mehr. Es müssen Unterstände zum Schutz gegen Witterungsverhältnisse wie Regen, Wind, Sonneneinstrahlung und Hitze angeboten werden, so dass alle Tiere bei Bedarf darin gleichzeitig Unterschlupf finden können. Die Haltung hat in Herden zu erfolgen.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Dickhornschaf wurde 1804 vom englischen Arzt und Naturforscher George Kearsley SHAW, der als Kustos am Britischen Museum tätig war, unter seinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Es wurden und werden unterschiedliche Ansichten hinsichtlich Unterarten und deren Bezeichnung vertreten [5; 8; 12]. Im HANDBOOK werden deren 5 anerkannt [10]:

  • Felsengebirgs-Dickhornschaf (O. c. canadensis): Kanada, USA (Washington, Montana, Wyoming, Idaho, Nord- und Süd-Dakota, Nebraska, Colorado, Neumexiko)
  • Mexikanisches Dickhornschaf (O. c. mexicana): Mexiko (Sonora, wiederangesiedelt in Coahuila und Chihuahua), USA (Arizona und Neumexiko)
  • Wüsten-Dickhornschaf (O. c. nelsoni): Mexiko, USA (Kalifornien, Arizona, Neumexiko, nach manchen Autoren auch Oregon, Idaho, Nevada, Utah)
  • Kaskadengebirgs-Dickhornschaf (O. c. sierrae = californiana): USA (Kalifornien)
  • Niederkalifornisches Dickhornschaf (O. c. weemsi): Mexiko (Niederkalifornien)

Hinzu kommt das 1926 oder früher ausgerottete "Badlands Bighorn" (A. c. auduboni), das in Montana, Wyoming, Nebraska, Süd- und Nord-Dakota vorkam, das sich aber nach neueren Erkenntnissen nicht von der Nominatform abgrenzen lässt. Es ist zu beachten, dass bei Umsiedlungen oder Bestandsstützungen nicht immer auf die Unterart geachtet wurde und es damit zu Unterart-Hybriden gekommen sein kann [8; 12].

Von der Taxonomie der eigentlichen Schafe gibt es so viele Varianten, wie es Autoren gibt. GROVES & GRUBB haben viele Unterarten zu einem Total von 20 "guten" Arten aufwertet, was mit Biologie nichts mehr zu tun hat und z.B. von SCHÜRER kritisiert wurde [3; 5; 7; 10; 11].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES TRADE DATA BASE
  2. FESTA-BIANCHET, M. 2020. Ovis canadensis. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T15735A22146699. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-2.RLTS.T15735A22146699.en . Downloaded on 17 February 2021.
  3. GROVES, C.P. & GRUBB, P. (2011)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. MATSCHEI, C. (2012)
  6. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  7. SCHÜRER, U. (2012)
  8. SHACKLETON, D.M. (1997)
  9. WEIGL, R. (2005)
  10. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  11. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  12. WEHAUSEN, J. D., RAMEY, R. R. (2000)

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Rocky-Mountains-Dickhornschaf (Ovis canadensis canadensis), Widder bei Radium Hot Springs im Kootenay-Nationalpark, Britisch Kolumbien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Gelesen 5976 mal Letzte Änderung am Dienstag, 21 Dezember 2021 15:37
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