Lebensräume in Süd- und Mittelamerika

Dornwälder und Savannen

Lear-Aras im ihrem Lebensraum, der Caatinga Brasiliens Lear-Aras im ihrem Lebensraum, der Caatinga Brasiliens
Matthias Reinschmidt, Loro Parque, Tenerife

(3.0) Allgemeines
(3.1) Caatinga
(3.2) Chaco seco
(3.3) Espinal

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Allgemeines

Dornwälder charakterisieren nebst anderen Waldtypen die Caatinga, Teile des Chacos und die als Espinal bezeichnete Übergangszone zwischen Chaco bzw. Monte im Westen und der Pampa im Osten.

Typische Zootiere

Schwarzer Brüllaffe (Alouatta caraya), Weißbüscheläffchen (Callithrix jacchus), Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus), Waldhund (Speothos venaticus), Nasenbär (Nasua nasua), Waschbär (Procyon lotor), Ozelot (Leopardus pardalis), Zwergtigerkatze (L. tigrinus), Kleinfleckkatze (L geoffroyi), Jaguarundi (Herpailurus yagouaroundi), Puma (Puma concolor), Jaguar (P. onca), Flachlandtapir (Tapirus terrestris), Weißbartpekari (Tayassu pecari), Halsbandpekari (T. tajacu), Chaco-Pekari (Catagonus wagneri), Wildmeerschweinchen (Cavia aperea), Felsenmeerschweinchen (Kerodon rupestris), Zwergmara (Dolichotis salinicola), Flachland-Viscacha (Lagostomus maximus), Großer Ameisenbär (Myrmecophaga tridactyla), Braun- (Chaetophractus villosus), Weissborsten- (Euphractus sexcinctus) und Kugelgürteltier (Tolypeutes matacus).

Nandu (Rhea americana), Königsgeier (Sarcoramphus papa), Schopfkarakara (Caracara plancus), Rotfußseriema (Cariama cristata), Lear-Ara (Anodorhynchus leari), Spix-Ara (Cyanopsitta spixii), Rotrückenara, Kanincheneule (Athene cunicularia).

Boa (Boa constrictor), Schauer-Klapperschlange (Crotalus durissus), Rokokokröte (Bufo paracnemis = Rh. schneideri).

Weitere Tierarten

im Chaco: Riesengürteltier (Priodontes maximus), Nacktschwanzgürteltier (Cabassous chacoensis), Graumazama (Mazama gouazoubira)

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Caatinga

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Caraibeira. Bundesstaat Bahía, Brasilien © Matthias Reinschmidt, Loro Parque

 

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Lear-Aras (Anodorhynchus leari) im natürlichen Lebensraum, der Caatinga Brasiliens © Matthias Reinschmidt, Loro Parque

 

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Felskessel, in dem Lear-Aras nisten. Serra Branca, Bahía, Brasilien © Matthias Reinschmidt, Loro Parque

Die Caatinga ist eine rund 700'000 km² große Ökoregion im Osten Brasiliens mit lichtem Wald und Savannen. Bedingt durch den Passat liegt der Jahresniederschlag bei nur 500-700 mm. Die Temperatur beträgt gleichmäßig 24-26°C.

Vegetation und Charakterpflanzen

Die Vegetation besteht hauptsächlich aus Dornwäldern, laubabwerfenden Trockenwäldern mit Kakteen und teilimmergrünen Trockenwäldern. Die Strauchschicht ist meist mit Kakteen durchsetzt. Die für die Caatinga typische Baumart ist der Juazeiro (Ziziphus juazeiro), ein immergrüner Kreuzdorn, ferner der laubabwerfende, stammsukkulente Flaschenbaum (Cavanillesia arborea).

In der Caatinga kommen verschiedene Palmenarten vor, die zum Teil wirtschaftlich genutzt werden. So die Babassu- (Attalea speciosa), Carnauba- (Copernicia prinifera), Macauba- (Acrocomia aculeata) und Tucúmpalme (Astrocaryum vulgare). Aus Artenschutzgründen besonders wichtig ist die Likuripalme (Syagrus coronata), weil deren ca. 2.5 cm großen Nüsse die Hauptkomponente (etwa 90 %) der Nahrung des Lear-Aras darstellen.

Tierwelt

In der Caatinga kommen 148 Säugetier- und 51 Vogelarten vor, ferner 154 Arten Reptilien und Amphibien, darunter der Breitschnauzenkaiman, sowie 240 Arten Fische.

 

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Chaco seco

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Chaco Seco, Agua Dulce, Nord-Paraguay. Bild: Peer V

 

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Chaco Seco, Palmar de las Islas, Nord-Paraguay. Bild: Peer V

Das größte Trockenwaldgebiet des Kontinents befindet sich im Chaco Seco.

Vegetation und Charakterpflanzen

Hier gedeihen verschiedene hartholzige und alkaloidehaltige Quebrachobäume (Aspidosperma quebracho-blanco, Schinopsis spp.), der Mistol, ein dornbewehrter Verwandter der asiatischen Jujuben (Ziziphus mistol), Caesalpinien (Caesalpinia spp.), an sehr trockenen Standorten "Algarrobos" genannte Mimosen (Prosopis spp.) und stammsukkulenten Flaschenbäumen (Chorisia insignis), dazwischen Säulen- (Cereus) und Feigenkakteen (Opuntia).

Tierwelt

Der Chaco seco ist die Heimat des lokal "Tagua" genannten Chaco-Pekaris.

 

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Nationalparks und andere Schutzgebiete

Kaa-Iya del Gran Chaco-Nationalpark, Bolivien

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Santiago de Chiquitos, Kaa-Iya-Nationalpark. Bild RodrigoCeLy, www-gopixpic.com
Gegründet im September 1995

Fläche: Kernzone und Pufferzonen (Integrated Management areas)  3'441'000 ha t, also etwas mehr als ganz Nordrhein-Westfalen.
Höhe: 200-400, im Mittel ca. 300 m.ü.M.
Jahresniederschlag: ca. 700-800 (400-1400) mm, höhere Niederschläge im Norden als im Süden
Jahresdurchschnittstemperatur ca. 25°C

Zweck des Parks, der 22% des bolivianischen Chacos abdeckt, ist der Schutz der noch verbliebenen Trockenwälder in Bolivien, eines Bioms, das noch stärker bedroht ist als der tropische Regenwald.

Vegetation: Hauptsächlich niedriger Dornwald, dazwischen Sümpfe, Palmen- und Trockensavannen sowie Galeriewälder. Unter den charakteristischen Bäumen des Dornwaldes finden sich drei Quebracho-Arten (Schinopsis spp.), Verawood oder Lila Guayacán (Bulnesia sarmientoi), Schwarzer Guayacán (Izozogia nellii), Cuchi (Myracrodruon urundeuva), Cupesí-Mimose (Prosopis chilensis) und Mistol (Ziziphus mistol). Zu den häufigen Palmen zählen Copernicia alba und Trithrinax schizophylla. Im Park kommen mindestens vier für den Chaco endemische Kakteen (Monvillea ebenacantha, Echinopsis klingeriana, Frailea larae, Gymnocalycium izozogsii) und zwei endemische Orchideen (Oncidium bolivianense, O. morenoi) sowie zwei weitere endemische Pflanzen vor.

Tierwelt: Mindestens 69 Säugetierarten (ohne Fledertiere) leben im Park, darunter Silberäffchen, Rotkehl-Nachtaffe, Schwarzer Brüllaffe, Kleinfleckkatze, Ozelot, Margay, Puma, Jaguarundi, Jaguar, Mähnenwolf, Südliches Kugelgürteltier, Sechsbindengürteltier, Großer Ameisenbär, Flachlandtapir, Chaco-Pekari, Halsbandpekari, Weißbartpekari, Guanako, Zwergmara. Er ist ein ornithologisch bedeutendes Gebiet (IBA BO035), in dem über 301 Vogelarten, u.a. Nandu, Moschusente, Glanzgans, Harpyie und Hellroter Ara vorkommen. Die Amphibien sind mit Arten aus mindestens vier, die Reptilien aus mindestens zehn  Familien vertreten.

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Espinal

 

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Espinal mit Prosopis, Geoffroea und Celtis im Parque Tau Bell Ville, Provinz Córdoba, Argentinien. Bild: Eduardo Quinteros

 

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Junge Palmen (Trithrinax campestris), im Vordergrund Geoffroea decorticans. Estancia 'Montes Grandes', Noetinger, Argentinien (Archivo: "Palmeritas en Noetinger").

 

Der Espinal ist die Fortsetzung des Chaco-Trockenwaldes in Argentinien. Zwischen dem Monte im Westen und der Pampa im Osten erstreckt er sich südsüdostwärts bis nach Bahía Blanca und zur Mündung des Río Negro in den Atlantik.

Vegetation und Charakterpflanzen

Die Vegetation des Espinals gleicht jener des Chacos. Dominierenden Baumarten sind dornenbewehrte Mimosen, die "Algarrobos" (Prosopis spp.), der Chañar (Geoffroea decorticans), wie die Mimosen eine Leguminose mit langen Dornen, die zu denKreuzdorngewächsen gehörenden "Jarillas" (Larrea spp.), die "Atamisque" (Atamisquea emarginata ), ein Kaperngewächs, Tala-Zürgelbaum (Celtis spinosa ), die Blaue Nadelpalme (Trithrinax campestris) etc.

Tierwelt

Pampasfuchs, Kleinfleckkatze, Jaguarundi, Puma, Jaguar, Guanako, Pampashirsch ,Wild-Meerschweinchen, Flachland-Viscacha etc.

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Nationalparks und andere Schutzgebiete

 El Palmar-Nationalpark, Argentinien

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Yatay-Palmen (Butia yatay) im Nationalpark el Palmar. Foto: Leandro Kibisz
Naturschutzgebiet seit 1962, Nationalpark seit 1965

Fläche: 8'500 ha
Höhe: < 100 m.ü.M.
Jahresniederschlag: ca.900 mm
Temperatur: Im Sommer im Mittel 20°C, im Winter 10-13°C

Vegetation: Der Nationalpark hat seinen Namen nach der bis 12 m hohen, einzeln stehenden Yatay-Palme (Butia (= Syagrus) yatay), deren Bestände außerhalb des Parks stark geschrumpft sind. Daneben hat es xerophile Baumgruppen. Die ursprügliche Grassavanne verbuscht zusehends, wobei eingeschleppte invasive Arten (z.B. Zedrachbaum (Melia azedarach) und Mittelmeer-Feuerdorn (Pyracantha coccinea)) mit eine Rolle spielen.

Tierwelt: Jaguar und Puma wurden bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Das Charaktersäugetier ist das Capybara. Ein Problem sind die ausgesetzten Axishirsche und Europäischen Wildschweine, deren Bestände sich trotz Bejagung kaum reduzieren lassen. Ebenfalls ausgesetzt wurden Hirschziegenantilopen und Feldhasen. Ansonsten setzt sich die Säugetierfauna nebst Grauem Spießhirsch (Mazama gouazoubira) hauptsächlich aus kleineren Arten wie Opossums, Jaguarundi, Salzkatze, Krabbenwaschbär, Flachland-Viscacha und verschiedenen Gürteltieren zusammen. Die Vogelfauna ist mit 250 Arten bedeutend.

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Literatur und Internetquellen

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Gelesen 8075 mal Letzte Änderung am Montag, 13 September 2021 16:41
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx