Marder und Stinktiere

Chinesischer Sonnendachs

Chinesischer Sonnendachs (Melogale moschata) im Zoo Prag Chinesischer Sonnendachs (Melogale moschata) im Zoo Prag
© Wolfgang Dreier, Berlin

smiley happy  Neue Tierart

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Marderverwandte (Mustelidae)
Unterfamilie: Marder (Mustelinae)

D LC 650

Chinesischer Sonnendachs

Melogale moschata • The Chinese Ferret-badger • Le blaireau-furet de Chine

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Chinesischer Sonnendachs (Melogale moschata) im Zoo Prag © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Approximative Verbreitung des Chinesischen Sonnendachses (Melogale moschata)

 

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Chinesischer Sonnendachs (Melogale moschata) im Zoo Prag © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Chinesischer Sonnendachs (Melogale moschata) im Zoo Prag © Wolfgang Dreier, Berlin

 

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Chinesische Sonnendachse (Melogale moschata) im Zoo Prag © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Sonnendachs (Melogale moschata) im Zoo Prag © Nikolaj Usik, veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz

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Schädel eines Chinesischen Sonnedachses (Melogale moschata) in der Sammlung des Museums Wiesbaden © Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden. Veröffentlicht unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz

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Sonnendachs ("Helictis subaurantiacus" = Melogale moschata subaurantiaca). Illustration von J. WOLF in Proceedings of the Zoological Society of London, 1862. Gemeinfrei.

 

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Der Chinesische Sonnendachs ist eine weit verbreitete, nicht gefährdete und ziemlich häufige Art aus Ost- und Südostasien. In europäischen Zoos war er stets selten und wird gegenwärtig in keinem Zoo gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Körperbau des Sonnendachses ist plump marderartig, deutlich schlanker als bei den eigentlichen Dachsen, mit langem, buschigem Schwanz. Er erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 30-43 cm, eine Schwanzlänge von 10-15(-21) cm und ein Gewicht von (0.5-) 0.8-1.6) kg. Die knorpelige, sehr bewegliche Nase ist lang und überragt den Unterkiefer deutlich. Der große Nasenspiegel ist rosa und hat kein Philtrum. Die vorne und hinten je 5, durch Spannhäute miteinander verbundenen Zehen sind mit kräftigen, gebogenen, nicht-rückziehbaren Krallen versehen. Die Sohlen sind nackt. Das Fell ist braun bis graubraun mit weißer Zeichnung an Kopf und Kehle und weißem oder rötlichem Rückenstreifen. Die Bauchseite ist etwas heller. Die Fähen haben nur 4 Zitzen [2; 3; 4; 5; 7].

Verbreitung

Südost- und Ostasien: China, Indien, Laos, Myanmar, Taiwan, Vietnam, eventuell Bhutan [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Sonnendachs besiedelt unterschiedliche Lebensräume, einschließlich Agrarland, vom Meeresspiegel bis auf eine Höhe von 1'500 m. Er ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, kann zwar auf Bäume klettern, bewegt sich jedoch meist am Boden. Er lebt in der Regel einzeln. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Wirbellosen, daneben werden Früchte, Kleinsäuger, Vögel, Echsen und Frösche gefressen [1; 3; 4; 7].

Ranzzeit ist im März. Nach einer Trächtigkeit von 60-80 Tagen werden im Mai oder Juni 1-4 Junge geboren. Diese haben bei der Geburt ein gut entwickeltes Fell, sind aber blind und öffnen die Augen erst nach zwei Wochen [4; 5; 7].

Gefährdung und Schutz

Der Sonnendachs wird nach einer Beurteilung aus dem Jahr 1996, letztmals überprüft 2015, nicht als gefährdet angesehen, da er sehr weit verbreitet ist, einen großen Bestand hat und unterschiedliche, auch vom Menschen modifizierte Lebensräume nutzen kann. Die Nachfrage nach Teilen und Erzeugnissen ist zwar hoch, wird aber wahrscheinlich hauptsächlich durch gefarmte Tiere gedeckt (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Sonnendachse werden in ihren Ursprungsländern gegessen und Körperteile werden für die Zwecke der traditionellen chinesischen Medizin genutzt. Gebietsweise ist das unter der Bezeichnung "Pahmi" vermarktete Fell zur Herstellung von Pelzkleidern begehrt. Die Art wird daher in großen Mengen in Pelztierfarmen gezüchtet [1; 2].

Haltung

Für ein in den USA gehaltenes weibliches Tier wird eine Haltungsdauer von 16 Jahren und 11 Monaten und ein vermutliches Alter von 19 Jahren angegeben [6].

Haltung im Zoo: Die bisher in Europa gehaltenen Sonnendachse lassen sich vermutlich an den Fingern abzählen. Gegenwärtig ist die Art in europäischen Zoos nicht vertreten.  Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL sollen Sonnendachse paarweise oder in verträglichen, nicht züchtenden Gruppen in Gemeinschaftsgehegen oder in verbindbaren Einzelgehegen von mindestens 25 m² / Tier gehalten werden. Es ist festzuhalten, dass keiner der am Gutachten beteiligten Sachverständigen Erfahrung mit der Haltung von Sonnendachsen hatte, sondern dass man einfach die für die eigentliche Dachse festgelegten Mindestanforderungen auch auf diese Art anwandte, ohne sich viel dabei zu überlegen.

In der Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2020) und der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) ist der Sonnendachs nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Sonnendachs wurde 1831 von John Edward GRAY vom British Museum in London als "Helictis moschata" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Melogale stammt ebenfalls aus dem Jahr 1831 und wurde von dem französischen Zoologen Isidore GEOFFROY SAINT-HILAIRE, dem Gründer der Société nationale d'acclimatation, die im Bois de Boulogne einen Zoo betrieb, für den Burma-Sonnendachs (Melogale personata) eingeführt. Es werden 6 Unterarten anerkannt. Bisweilen wird die Gattung in eine eigene Unterfamilie, Helictidinae, gestellt [7].

Literatur und Internetquellen

  1. DUCKWORTH, J.W. et al. (2016). Melogale moschata. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T41626A45209676. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-1.RLTS.T41626A45209676.en . Downloaded on 25 November 2020.
  2. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  3. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  4. SMITH, A. T. & XIE, Y. (Hrsg., 2008)
  5. STORZ, J. F. & WOZENCRAFT, W. C. (1999)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 310 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 02 Dezember 2020 15:31
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx