Katzen

Pardelluchs

Pardelluchs (Lynx pardinusus) im Zoo Lissabon Pardelluchs (Lynx pardinusus) im Zoo Lissabon
© Wolfgang Dreier, Berlin

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Kleinkatzen (Felinae)

D EN 650

Pardelluchs

Lynx pardinus • The Iberian Lynx • Le lynx pardelle

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Pardelluchs (Lynx pardinus) im Zoo Lissabon © Wolfgang Dreier, Berlin

 

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Vorkommen des Pardelluchses (Lynx pardinus). Dunkelblau: Restvorkommen; dunkelgrün: Wiederansiedlungen

 

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Pardelluchs (Lynx pardinus) im Zoo Lissabon © Wolfgang Dreier, Berlin

 

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Pardelluchs (Lynx pardinus) im Zoo Lissabon © Wolfgang Dreier, Berlin

 

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Kleinfleckiger Pardelluchs (Lynx pardinus) im ex situ-Zuchtprgramm (2010) © Programa de Conservación Ex-situ (https://www.lynxexsitu.es), lizenziert unter der Creative Commons Attribution 2.5 Generic license.

 

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Großfleckiger Pardelluchs (Lynx pardinus) im ex situ-Zuchtprgramm (2010) © Programa de Conservación Ex-situ (https://www.lynxexsitu.es), lizenziert unter der Creative Commons Attribution 2.5 Generic license.

 

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Pardelluchswelpen (Lynx pardinus) geboren 2008 im Rahmen des ex situ-Zuchtprgramms © Programa de Conservación Ex-situ (https://www.lynxexsitu.es), lizenziert unter der Creative Commons Attribution 2.5 Generic license.

 

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Junger Pardelluchs (Lynx pardinus) geboren 2005 im Rahmen des ex situ-Zuchtprogramms © Programa de Conservación Ex-situ (https://www.lynxexsitu.es), lizenziert unter der Creative Commons Attribution 2.5 Generic license.

 

 

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Der aufgrund molekulargenetischer Befunde vom Eurasischen Luchs als eigene Art abgetrennte Pardelluchs ist eine der am stärksten bedrohten Katzenarten. Er wird gegenwärtig nur in Zoos auf der Iberischen Halbinsel gezeigt, erfährt aber auch Unterstützung vom Europäischen Zoo- und Aquarienverband und dessen Mitgliedern.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Kopf-Rumpflänge von 84-98(-110) cm, einer Schulterhöhe von 60-70 cm, einer Schwanzlänge von 8-14 cm und einem Gewicht von 8-14 (7-18) kg ist der Pardelluchs kleiner als der Eurasische Luchs. Er hat einen kontrastreich weiß und schwarz gefärbten, langen, nach unten in Spitzen auslaufenden Backenbart. Seine Fellfarbe ist oberseits gelbrot bis hell braungrau mit kräftigen dunkelbraunen oder schwarzen Flecken, deren Größe individuell variiert [3; 7; 13].

Verbreitung

Iberische Halbinsel: Portugal (seit 2014 wiederangesiedelt) und Spanien (Reliktpopulationen im Südwesten, in Zentralspanien wiederangesiedelt) [8; 13].

Lebensraum und Lebensweise

Bevorzugte Lebensräum des Pardelluchses sind Macchia und unterholzreiche Wälder, möglichst als Mosaik mit Grasland. Er kommt auch in felsigem Grasland, Heide und offenem Buschland vor. Als mittlere Größe der Streifgebiete wurden 10.3 km² für Kuder und 8.7 km² für Kätzinnen ermittelt. Der Pardelluchs hat sich auf das Wildkaninchen als Hauptbeute spezialisiert. Dieses macht 75-99% seiner Nahrung aus [3; 8; 13].

Die Ranzzeit fällt auf Januar-Februar. Nach einer Tragzeit von Nach einer Tragzeit von durchschnittlich 63-73 Tagen werden meist im April 2 (1-4) Junge geboren, die von der Mutter allein aufgezogen werden. Mit etwa 20 Monaten wandern die Jungluchse ab. In der Folgezeit sind sie besonders durch Verkehrsunfälle gefährdet [3; 13].

Gefährdung und Schutz

Wegen Bejagung und Fallenfang sowie wegen Verkehrsunfällen und der Abnahme seiner Hauptbeute, des Wildkaninchens, als Folge scharfer Bejagung und von Seuchen wieder Hämorrhagischen Kaninchenkrankheit (RHD), hat der Bestand des Pardelluchses im 20. Jahrhundert massiv abgenommen. 1986 wurde er deshalb als stark gefährdet eingestuft und 2002, mit einem Wildbestand von nur noch 94 Individuen, als unmittelbar vom Aussterben bedroht. Aufgrund intensivierter Schutzbemühungen, namentlich von ex situ-Zucht und Wiederansiedlungen konnte er, gestützt auf eine Beurteilung aus dem Jahr 2014, 2015 wieder in die Kategorie "stark gefährdet" (Rote Liste: ENDANGERED) herabgestuft werden [8; 11]. Die Zählung von 2019 ergab in Spanien und Portugal einen Gesamtbestand von 894 Luchsen [9]. Bis März 2020 wurden in Portugal 43 Luchse ausgewildert. Der Bestand lag zu diesem Zeitpunkt bei 97-110 Individuen [10].

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

Zoogestütztes Artenschutzprojekt: An dem auch von der EU geförderten langfristigen Programm zur Erhaltung des Pardelluchses, u.a. durch ex situ-Zucht und Wiederansiedlung beteiligen sich auch verschiedene Zoos, namentlich der Zoobotánico de Jerez, der ein Zuchtzentrum betreut. An einer Kampagne des Iberischen Zooverbands (AIZA) beteiligten sich 9 spanische und 3 portugiesische Zoo. Im Rahmen der "European Carnivore Campaign" 2008-2010 erfuhr das Programm auch finanzielle Unterstützung durch die EAZA [1; 11].

Bedeutung für den Menschen

Es werden zwar immer noch Pardelluchse erlegt oder mit Fallen gefangen, dies ist aber illegal, und die Art hat heute keine wirtschaftliche Bedeutung mehr [8].

Von 1977-2019 wurde aus den Ursprungsländern Spanien und Portugal lediglich diagnostisches Material (specimens, skin pieces) ausgeführt. Lebende Tiere wurden zwar im Rahmen des Programms zur Erhaltung des Pardelluchses von Spanien nach Portugal verbracht, wurden aber durch CITES nicht erfasst [2].

Haltung

Ein im Tierpark Hellabrunn gehaltener Pardelluchs erreichte ein Alter von 9 Jahren und 7 Monaten [12]. Effektiv dürfte das mögliche Höchstalter über 20 Jahren liegen, wie dies bei anderen Luchsen der Fall ist.

Haltung in europäischen Zoos:
Früher wurde die Art vereinzelt in verschiedenen Ländern gehalten. Heute ist sie auf etwa ein halbes Dutzend Zoos in Spanien und Portugal beschränkt. Für Details siehe Zootierliste. Ein recht großer Bestand wird zwecks Wiederansiedlung in spanischen und portugiesischen Zuchtzentren gepflegt [6].

Mindestanforderungen an Gehege: Es gelten in den deutschsprachigen Ländern dieselben Anforderungen wie für den Eurasischen Luchs, die in der Praxis nicht zum Tragen kommen, weil die Art hierzulande jetzt und in absehbarer Zukunft nicht gehalten wird.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Pardelluchs wurde 1827 von Coenraad Jacob TEMMINCK vom Naturhistorischen Museum in Leiden unter seinem heute (wieder) gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Er galt lange als Unterart des Eurasischen Luchses [4], wird aber seit 2004 aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen als eigene Art betrachtet. Zeitweilig wurde der ebenfalls stark gefleckte Kaukasusluchs (Lynx lynx dinniki) als Unterart des Pardelluchses betrachtet [5; 13].

Literatur und Internetquellen 

  1. AIZA - CAMPAÑA PARA LA CONSERVACIÓN DEL LINCE IBÉRICO
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. KITCHENER, A. C. et al. (22 weitere Autoren) (2017)
  6. PROGRAMA DE CONSERVACIÓN EX-SITU DEL LINCE IBÉRICO
  7. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  8. RODRIGUEZ, A. & CALZADA, J. (2015). Lynx pardinus (errata version published in 2020). The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T12520A174111773. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2015-2.RLTS.T12520A174111773.en . Downloaded on 21 November 2020.
  9. THR OLIVE PRESS vom 10.10.2020
  10. THE PORTUGAL NEWS vom 13.03.2020
  11. VARGAS, A. et al. (2008)
  12. WEIGL, R. (2005)
  13. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 1849 mal Letzte Änderung am Sonntag, 22 November 2020 13:53
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx