Plattschweif-Sittiche

Ziegensittich

Ziegensittich (Cyanoramphus novaezelandiae) im Tierpark Petersberg Ziegensittich (Cyanoramphus novaezelandiae) im Tierpark Petersberg
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Papageienvögel (PSITTACIFORMES)
Familie: Echte Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Eigentliche Papageien (Psittacinae)
Tribus: Plattschweifsittiche (Platycercini)

D LC 650

Ziegensittich

Cyanoramphus novaezelandiae • The Red-crowned Parakeet • Le kakariki à front rouge

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Ziegensittich (Cyanoramphus novaezelandiae), Lutino, im Tierpark Perleberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Ziegensittichs (Cyanoramphus novaezelandiae). Dunkelblau: autochthone Vorkommen; violett: vermutlich ausgestorben; dunkelgrün: wiederangesieelte Bestände

 

 

 

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Ziegensittich (Cyanoramphus novaezelandiae) im Tierpark Petersberg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Ziegensittich (Cyanoramphus novaezelandiae), Farbmutante, im Tierpark Petersberg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Drei Arten Laufsittiche im Vergleich: Cyanoramphus auriceps, Cyanoramphus novaezelandiae, Cyanoramphus malherbi. Illustration von J. G. KEULEMANS, aus BULLER, W. L. (1888) A History of the Birds of New Zealand. 2nd edition.Gemeinfrei.

 

 

 

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Der in seiner neuseeländischen Heimat als nicht gefährdet geltende Ziegensittich wird in Europa in großer Zahl gezüchtet, wobei es mittlerweile verschiedenen Farbmutanten gibt. In zoologischen Einrichtungen ist er recht oft zu sehen, am häufigsten in Vogelparks und kleinere Tierparks, die häufiger Zuchtformen als die Wildform zeigen.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Ziegensittich erreicht eine Gesamtlänge von ca. 27 cm und ein Gewicht von ca. 80-100 (50-113) g. Das Gefieder ist grün, Stirn, Vorderkopf, Zügel sowie ein Fleck hinter dem Auge sind rot. Die Iris orange, der Schnabel grauschwarz, die Läufe und Zehen sind braungrau. Weibchen sind etwas kleiner und leichter und ihre roten Abzeichen am Kopf sind weniger ausgedehnt [1; 5; 6; 8; 9]. 

Verbreitung

Ozeanien: Neukaledonien, Neuseeland, Norfolk-Insel. Ausgestorben in Australien [2].

Lebensraum und Lebensweise

Der Ziegensittich besiedelte ursprünglich Wälder aller Höhenlagen. Heute ist er auf kleine Waldstücke beschränkt und auf den baumlosen Antipodeninseln wurde er zum Bodenbewohner. Das Nahrungsspektrum variiert saisonal. Es umfasst Samen, Beeren, Früchte, Nüsse, Knospen und in geringem Umfang Insekten. Gebrütet in Baum- oder Fels- oder Erdhöhlen oder unter der Pflanzendecke. Das Gelege besteht aus 5-6 (-9) weißen Eiern, die allein vom Weibchen während 18-20 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungen verlassen das Nest mit etwa 35-40 Tagen. Die Vögel geben meckernde Laute von sich, daher der Name Ziegensittich [1; 6; 9] 

Gefährdung und Schutz

Der Ziegensittich galt bei seiner ersten Beurteilung im Jahr 2014 als potenziell gefährdet, seit 2017 wird er als nicht-gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) eingestuft, was im Vergleich mit der Einstufung anderer Arten als reichlich optimistisch erscheint. Die Art hat einen abnehmenden Bestand von 16'500-35'300 erwachsenen Individuen. Sie ist im größten Teil ihres neuseeländischen Areals wegen Lebensraumzerstörung, hauptsächlich aber wegen eingeführter Beutegreifer ausgestorben, kommt aber auf einigen kleineren Inseln noch vor oder wurde dort angesiedelt. Die Unterart cookii von Norfolk Island hatte 2008 einen Bestand von 150-200 Vögeln und hat seitdem wegen wildernder Hauskatzen wohl abgenommen [2].

Der internationale Handel wird durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Die Vögel werden im lokalen oder nationalen Rahmen zur Fleischgewinnung und als Heimtiere genutzt [2]. International wurden von 2001-2019 keine Wildfänge gehandelt. Im selben Zeitraum wurde weltweit die Ausfuhr 30'345 Nachzuchtvögeln gemeldet. Wichtigste Exportländer waren Tschechien mit 16'806 und die Niederlande mit 4'056 Vögeln [4].

Haltung

Als Höchstalter werden 12 Jahre und 5+ Monate angegeben, erreicht in einer Privathaltung in den USA [3]. Die Ersteinfuhr nach Europa erfolgte 1864 durch den Londoner Zoo. Die europäische Erstzucht glückte bereits 1872 bei einem Privathalter in Zagreb [1].

Haltung in europäischen Zoos: Die Wildform wird in rund 60 Zoos gezeigt, von denen sich etwa die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Zuchtformen gibt es in ca. 80 Parks, zwei Drittel davon im deutschsprachigen Raum. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels ein Käfig mit einer Grundfläche von 2 m² und einer Höhe von 1 m erforderlich, der in mindestens 80 cm Höhe aufzustellen ist, ferner ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 1 m². Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) sind Springsittiche mindestens paarweise zu halten. Für 6 (!) Vögel ist ein Käfig mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 0.5 m² und einer Höhe von 60 cm vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 0.05 m² zu erweitern. Dies ist für die Art sicher nicht adäquat. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 4 x 2 m Fläche und einer Höhe von 2 m sowie einen frostfreien Schutzraum von 2 m² / 1 m Höhe vor. Je weiteres Paar sind die Flächen um 50% zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Ziegensittich wurde 1787 von dem schwedischen Arzt, Ornithologen und Botaniker Anders SPARRMAN, der als Schiffsarzt an der zweiten Südseereise von James COOK teilgenommen hatte als "Psittacus Novae Zelandiae" erstmals wissenschaftlich beschrieben. 1854 stellte Prinz Charles Lucien BONAPARTE, ein Neffe von Kaiser Napoléon Bonaparte, die Laufsittiche in die neue Gattung Cyanoramphus. Gegenwärtig werden acht Unterarten anerkannt, von denen zwei ausgestorben sind [6; 7].

Auf den Aucklandinseln kommt es zu einer starken Vermischung von novaezelandiae mit dem Springsittich (Cyanoramphus auriceps) [1; 2].

Literatur und Internetquellen

  1. ASMUS, J. & LANTERMANN, W. (2012)
  2. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2018). Cyanoramphus novaezelandiae. The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T22727981A132031270. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2018-2.RLTS.T22727981A132031270.en . Downloaded on 22 October 2020.
  3. BROUWER, K., JONES, M. L., KING, C. E. und SCHIFTER, H. (2000)
  4. CITES TRADE DATA BASE
  5. DE GRAHL, W. (1979/82)
  6. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  7. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
  8. FORSHAW, J. M. & COOPER, W. T. (1981)
  9. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009) 

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx