Fasanenartige

Argusfasan

Argusfasan-Hahn (Argusianus argus) im Zoo Berlin Argusfasan-Hahn (Argusianus argus) im Zoo Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin
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 Neue Tierart

Ordnung: Hühnervögel (GALLIFORMES)
Unterordnung: Fasanenverwandte (PHASIANI)
Familie: Fasane und Feldhühner (Phasianidae)
Unterfamilie: Fasane (Phasianinae)

D NT 650

EEPArgusfasan

Argisianus argus • The Great Argus • L'argus géant

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Argusfasan-Hahn (Argusianus argus) im Tucson Zoo © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Argusfasans (Argusianus argus). Dunkelblau: aktuelles Vorkommen; rot: vermutlich ausgestorben

 

 

 

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Rufender Argusfasan-Hahn (Argusianus argus) im San Diego Zoo © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Argusfasan-Hahn (Argusianus argus) im Zoo Heidelberg © Frank Teigler, www.Hippocampus-Bildarchiv.de

 

 

 

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Argusfasan-Henne (Argusianus argus) im Welt-Vogelpark Walsrode © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Balzender Argusfasan (Argusianus argus). Illustration von T. W. WOOD aus Charles DARWIN (1874). The Descent of Man, And Selection in Relation to Sex. Gemeinfrei.

 

 

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Der pfauengroße, in seinem Ursprungsgebiet potenziell gefährdete  Argusfasan ist mit seinem langen Schweif und seiner Pfauenaugen-Zeichnung eine auffällige Erscheinung, die sich gut als Botschafter für die Erhaltung der schwindenden Wälder Südostasiens und deren vielfach gefährdeten Bewohner eignet. Innerhalb der Pfauen-/Pfaufasanengruppe gehört er zu den in Europa häufiger gezeigten Arten.

Körperbau und Körperfunktionen

Beim pfauengroßen Argusfasan ist der Geschlechtsdimorphismus sehr ausgeprägt. Hähne erreichen eine Gesamtlänge von 170-200 cm, wovon 116-143 cm auf den aus 12 Federn bestehenden Schwanz entfallen und ein Gewicht von 2'280 (2'040-2'725) g. Von den 74-76 cm der Gesamtlänge der Henne fallen 31-36 cm auf den Schwanz. Ihr Gewicht liegt bei 1'590-1'700 g. Der Hahn ist der einzige Vogel, bei dem die Armschwingen viel länger (bis 100 cm) sind als die Handschwingen. Auf seinen Schwingen befindet sich Reihen von jeweils 15 großen Augenflecken. Seine beiden mittleren Schwanzfedern sind bandartig verlängert und etwa dreimal so lang wie die übrigen, die in der Länge regelmäßig abgestuft sind. Die Haut von Kopf und Hals ist fast unbefiedert und kobaltblau, nur auf dem Scheitel befindet sich ein Streifen kurzer, samtartiger Federchen, die am Hinterkopf einen kleinen Schopf bilden. Die Henne ist unauffällig braun gefärbt. Gesicht und Kehle sind auch bei ihr nackt und blau, am Hinterkopf hat sie eine Haube aus haarartigen Federn. Der Arguspfau ist der einzige Hühnervogel, der keine Bürzeldrüse hat [4; 5; 6; 7].

Verbreitung

Südostasien: Brunei, Indonesien (Borneo, Sumatra, ausgestorben auf Java), Malaysia. Ausgestorben in Singapur [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Argusfasan besiedelt Primär- und Sekundärwälder mit hohen Bäumen und wenig Unterholz vom Tiefland bis auf eine Höhe von 1'500 m, bleibt aber meist unter 900 m.  in Höhenlagen bis 2'000 m. Die Vögel gehen einzeln auf Futtersuche. Sie ernähren sich hauptsächlich von Früchten von Palmen, Annonengewächsen und Leguminosen, nehmen aber auch anderes pflanzliches Material wie Blüten, Knospen und Sämereien und Wirbellose zu sich [1; 4].

Argusfasanen sind Einzelgänger. Zur Fortpflanzungszeit errichten die Hähne Balzplätze von 4-5 m Durchmesser, die sie von Falllaub säubern. Durch langgezogene, klagende Laute versuchen sie, Hennen anzulocken. Zum Balzritual gehört neben Tanzvorführungen auch eine ausgiebige Präsentation des Prachtgefieders. Nach der Paarung gehen die Hennen wieder ihrer Wege. Die Gelege bestehen aus zwei gesprenkelten, ca. 68x45 mm großen und 74 g schweren Eiern, die während 24-25 ausgebrütet werden [4; 5; 6; 7].

Gefährdung und Schutz

Der Argusfasan hat eine weite Verbreitung und einen Bestand, der auf über 100'000 Individuen geschätzt wird. Wegen hohen Jagdrucks und Lebensraumverlusts ist die Bestandstendenz negativ. Die Art wird daher seit 2012, letztmals überprüft 2016, als potenziell gefährdet eingestuft (Rote Liste: NEAR THREATENED) [1].

Der internationale Handel ist nicht nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Argusfasane werden zur Fleischgewinnung bejagt und für den Tierhandel bzw. als Heimtiere gefangen [1]. Wildfänge spielen allerdings im internationalen Verkehr keine Rolle. Von 2001-2019 meldete nur Malaysia 2004 die Ausfuhr von vier Stück. Im selben Zeitraum wurden weltweit Exporte von 178 Nachzuchtvögeln registriert [3].

Haltung

Die Haltung erfolgt in Tropenhallen oder in geräumigen Volieren mit gut beheiztem Innenraum. Argusfasane sind verträglich gegenüber kleineren Hühnervögeln, Tauben und Kleinvögeln. Das Höchstalter wird mit 30 Jahren angegeben [6].

Haltung in europäischen Zoos: Ab 1860 kamen Argusfasane in größerer Zahl nach Europa [2]. Heute wird die Art in rund 40 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein halbes Dutzend im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt ein Europäisches Zuchtbuch (ESB), das am Zoo Moskau geführt wird.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Hühnervögel.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs sind Hühnervögel ihren sozialen Bedürfnissen entsprechend paarweise, in Gruppen oder außerhalb der Brutzeit einzeln zu halten. Die Volieren müssen für ein Paar Pfauen (Pavo) eine Mindestfläche von 18 m², eine Höhe von 3 m und einen Schutzraum oder gedeckten Bereich aufweisen. Für jeden weiteren Adultvogel ist die Fläche um 8 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Argusfasan wurde 1766 von Carl von LINNÉ als "Phasianus Argus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Argusianus wurde 1849 von dem britischen Zoologen George Robert GRAY eingeführt. Es werden zwei Unterarten anerkannt [4; 9]:

  • Malayischer Argusfasan (Argusianus a. argus) - auf dem Festland und auf Sumatra
  • Borneo-Argusfasan (Argusianus a. grayi) - auf Borneo, ist etwas kleiner als die Festlandform

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Argusianus argus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22725006A94883506. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22725006A94883506.en . Downloaded on 19 October 2020.
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  5. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  6. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  7. RAETHEL, H. S. (1988)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx