Zungenlose, Scheibenzüngler, Krötenfrösche

Mallorca-Geburtshelferkröte

Mallorca-Geburtshelferkröte (Alytes muletensis) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen Mallorca-Geburtshelferkröte (Alytes muletensis) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen
© Klaus Rudloff, Berlin
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 Neue Tierart

Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Urfrösche (Archaeobatrachia)
Familie: Scheibenzüngler (Alytidae / Discoglossidae)

D EN 650

Mallorca-Geburtshelferkröte

Alytes muletensis • The Majorcan Midwife Toad • L'alyte de Majorque

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Mallorca-Geburtshelferkröte (Alytes muletensis) im Marineland Mallorca, Costa d'en Blanes © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Vorkommen der Mallorca-Geburtshelferkröte (Alytes muletensis)

 

 

 

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Vorkommen der Mallorca-Geburtshelferkröte (Alytes muletensis) nach DODDINGTON & OLIVER (2013), vereinfacht. Dunkelblau: autochthone Vorkommen, dunkelgrün: wiederangesiedelte Populationen; rot: Cova de Muleta,

 

 

 

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Mallorca-Geburtshelferkröte (Alytes muletensis) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Johannes Pfleiderer, Zoo Duisburg

 

 

 

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Mallorca-Geburtshelferkröte (Alytes muletensis), eiertragendes Männchen © Quelle: https://thebestfrogsblog.wordpress.com/2014/08/25/majorcan-midwife-toad-alytes-muletensis/ , keine Angaben zu Autor oder Copyright

 

 

 

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Mallorca-Geburtshelferkröte (Alytes muletensis), Gehegebeschilderung im Marineland Mallorca © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

Weitere Bilder auf BioLib

 

Die Mallorca-Geburtshelferkröte ist eine gefährdete Amphibienart, die auf aktiven Schutz in situ und ex situ angewiesen ist. Die Zahl der Zoos, welche die Art halten, ist zwar klein, aber diese sind engagiert und halten zum Teil recht große Bestände.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Mallorca-Geburtshelferkröte ist eine kleine, gedrungene Kröte mit relativ großem Kopf und großen Augen mit vertikaler Schlitzpupille. Männchen werden ca. 35 mm, Weibchen ca. 38 mm lang. Damit sind sie kleiner als unsere einheimische Geburtshelferkröte. Das Gewicht erwachsener Tiere beträgt etwa 10-11 g. Im Vergleich zu anderen Alytes-Arten ist ihre Haut glatt und ist die Ohrdrüse schwach ausgebildet. Die Grundfarbe ist oberseits gelb oder cremefarben mit dunkelgrünen oder braunen Flecken und bisweilen einem schwarzen Dreieck auf dem Kopf. Der Bauch ist weiß [2; 3].

Verbreitung

Mallorca: Heute beschränkt auf ein kleines Areal in der Serra de Tramuntana im Norden der Insel [6].

Lebensraum und Lebensweise

Die Mallorca-Geburtshelferkröte lebt in Höhenlagen von 10-850 m in Bächen, die in steilen Schluchten verlaufen, einige Bestände auch in vom Menschen gemachten Strukturen wie Wassertrögen auf Viehweiden oder Regenwassertanks. In ihrem natürlichen Lebensraum macht sie keine Winterruhe. Die Nahrung besteht aus Arthropoden aller Art, die sie hauptsächlich nachts fängt. Paarungen fnden im Sommer zwischen Juli und Ende August statt. Gelaicht wird in von den austrocknenden Bächen gebildeten Tümpeln oder anderen stehenden Kleingewässern. Die Gelege umfassen meist 8-12 bis zu 7 mm große Eier. Die Männchen tragen die Gelege, oft von mehr als einem Weibchen, während 3-4 Wochen. Danach kommt es erneut zu Paarung und Eiablage. Die Kaulquappen sind beim Schlupf etwa 18 mm lang und wachsen bis auf eine Länge von 77-88 mm. Die frisch metamophosierten Krötchen habe eine Länge von ca. 20.5 mm. Die Tiere könen ein Alter bis zu 18 Jahre erreichen [2; 3; 4; 7].

Gefährdung und Schutz

Die Art wurde 2009 als gefährdet eingestuft (Rote Liste: VULNERABLE), weil sie ein kleines Areal von weniger als 20 km² hatte und ohne permanente Schutzanstrengungen in ihrem Bestand weiter abnehmen würde. Im Rahmen einer Neubeurteilung wurde sie 2020 in die Kategorie "stark gefährdet" (ENDANGERED) aufgenommen, weil die Lebensraumqualität und die Bestände weiterhin abnehmen. Zu den Gefährdungsursachen gehören die eingeführte Vipernatter (Natrix maura) als Fressfeind und der ebenfalls eingeführte Iberische Wasserfrosch (Pelophylax perezi) als Konkurrent und Fressfeind sowie wasserbauliche Maßnahmen [7].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. Die Geburtshelferkröte fällt unter Anhang II der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und ist in den Anhängen II und IV der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) aufgeführt.

Zoogestützte Schutzprojekte (Beispiele): Der Durrell Wildlife Conservation Trust (Jersey Zoo) betrieb während Jahren ein Wiederansiedlungsprogramm, an dem sich auch die Wilhelma Stuttgart beteiligte und durch das mindestens 10 neue Populationen entstanden. Das Programm wurde 2002 eingestellt, nachdem der Krankheitserreger Batrachochytrium dendrobatidis in einzelnen Beständen festgestellt worden war. Gegenwärtig wird ein neues Programm vorbereitet [3; 7]. Das Marineland Mallorca in Costa d'en Blanes informiert nicht nur seine Besucher über die gefährdete Art, sondern hat bis 2020 bereits über 1'000 im Park geschlüpfte Tiere für die Wiederansiedlung zur Verfügung gestellt. Von 2017-2019 trug auch der Barcelona Zoo über 220 Nachzuchten zum Wiederansiedluingsprogramm bei [5; 6].

Bedeutung für den Menschen

Zur Erhaltung der Art werden in situ- und ex situ-Massnahmen getroffen. Eine Nutzung findet nicht statt.

Haltung

Die EAZA Amphibian TAG hat 2015 detaillierte Haltungsempfehlungen mit Angaben zu klimatischen Bedingungen und Fütterung herausgegeben. Für die Aufzucht der Kaulquappen ist mit etwa 1 l Wasser pro Individuum zu rechnen. Entsprechende Infrastruktur voausgesetzt, können bis zu 15 metamorphosierte Individuen auf 0.25 m² Fläche gehalten werden, wovon etwa ein Viertel Wasser sein soll. Im Fall einer Winterruhe werden Temperaturen von 8-14ºC angegeben [3; 4].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in weniger als 10 europäischen Einrichtungen gepflegt, auch im Tiergarten Schönbrunn, wo die Nachzucht regelmäßig gelingt. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Mallorca-Geburtshelferkröte wurde erst 1979 von den Paläontologen Borja SANCHIZ und Rafel ANDROVER unter dem Namen "Baleaphryne muletensis" als ausgestorbene, subfossile Art erstmals wissenschaftlich beschrieben. Das Artepitheton "muletensis" bezieht sich auf den Fundort des Typus-Exemplars, die Cova de Muleta, eine Höhle in der Nähe von Port de Sóller im Nordwesten Mallorcas. Erst zwei Jahre später wurde festgestellt, dass die Art überlebt hatte, und 1984 wurde sie in die Gattung Alytes gestellt [1].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THR WORLD
  2. AMPHIBIA WEB
  3. EAZA AMPHIBIAN TAG
  4. EUROPÄISCHE REPTILIEN UND AMPHIBIEN
  5. MAJORCA DAILY BULLETIN
  6. MARINELAND MALLORCA
  7. IUCN SSC AMPHIBIAN SPECIALIST GROUP (2020). Alytes muletensis. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T977A89697685. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-3.RLTS.T977A89697685.en. Downloaded on 19 December 2020.

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Gelesen 579 mal Letzte Änderung am Samstag, 19 Dezember 2020 11:07
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx