Karpfenfische

Blicke, Güster

Blicke (Blicca bjoerkna) im Alpenzoo Innsbruck Blicke (Blicca bjoerkna) im Alpenzoo Innsbruck
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überklasse: Knochenfische (Osteichthyes)
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Ordnung: Karpfenfische (Cypriniformes)
Familie: Karpfen (Cyprinidae)
Unterfamilie: Weißfische (Leuciscinae)

D LC 650

Blicke, Güster

Blicca bjoerkna • The White Bream • La brème bordelière

516 011 030 011 blicca bjoerkna innsbr PD1
Blicke (Blicca bjoerkna) im Alpenzoo Innsbruck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

516 011 030 011 blicca bjoerkna map
Approximative Verbreitung der Blicke (Blicca bjoerkna)

 

 

 

516 011 030 011 blicca bjoerkna malchow KR1
Blicke (Blicca bjoerkna) in der Naturschutzstation Berlin-Malchow © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

516 011 030 011 blicca bjoerkna BLOCH
Blicke ("Cyprinus blicca"). Abbildung aus BLOCH, M. E et al. (1795-1797) Illustrations de Ichtyologie ou histoire naturelle générale et particulière des Poissons. Gemeinfrei.

 

 

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Als einheimische Art ist die Blicke von einem gewissen zoopädagogischem Interesse. Sie wird daher nebst anderen Weißfischen in etlichen Zoos und Schauaquarien gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Blicke ähnelt dem Brachsen, hat aber deutlich größere Augen und kein vorstülpbares Maul. Sie erreicht eine mittlere Länge von 20-35 cm, im Extremfall bis 45 cm. Sie wird bis etwa 1.5 kg schwer, bleibt aber meist deutlich darunter. Sie hat einen hohen, seitlich zusammengedrückten Körper mit stumpfer Schnauze und leicht unterständigem Maul. Die Grundfarbe ist silbrig. Die paarigen Flossen sind am Ansatz rötlich, ansonsten sind die Flossen farblos. Die zurückgelegten Brustflossen reichen nicht bis zum Ansatz der Bauchflossen. Die Rückenflosse weist 3 Stachel- und 8 Weichstrahlen auf, die Afterflosse 3 Stachel- und 19-23 Weichstrahlen [2; 4; 5; 6; 7]

Verbreitung

Westliche Paälarktis: In Europa nördlich der Alpen und Pyrenäen bis ins südliche Fennoskandien und ohne die Britischen Inseln. Im Osten bis zum Ural/Kaspischem Meer: Armenien, Aserbaidschan, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Großbritanien,Iran, Kasachstan, Kosovo, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Moldawien, Montenegro, Niederlande, Nordmazedonien, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz (nur im Einzugsgebiet des Rheins, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Ungarn, Weißrussland. Eingeführte Populationen in Spanien und Italien [3; 7].

Lebensraum und Lebensweise

Die Blicke ist ein Schwarmfisch, der hauptsächlich Seen und langsam fließende Gewässer mit weichem Bodengrund der Brachsenregion besiedelt. Sie ist auch im Brackwasser anzutreffen. Ihre Nahrung besteht aus Würmern, Schnecken, Insektenlarven und anderen Wirbellosen sowie Pflanzenmaterial. Gelaicht wird im Mai und Juni. Die Weibchen legen ihre etwa 100'000 gelben, ca. 2 mm großen Eier an Pflanzen ab, wo sie bis zum Schlüpfen der Jungen haften [2; 4; 6; 7].

Gefährdung und Schutz

Wegen ihrer weiten Verbreitung und weil sie keinen wesentlichen Gefährdungen ausgesetzt ist, wurde die Blicke 2008 als nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) eingestuft  [3].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Die Art fällt nicht unter Anhang 3 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume.

Bedeutung für den Menschen

Die Art wird allenfalls im lokalen oder nationalen Rahmen genutzt [3]. Wie BREHM schreibt, "ist die Blicke der gefräßigste aller Karpfen, ihr Fang daher auch ungewöhnlich einfach und leicht, weil jeder Köder seine Dienste thut. In großartigem Maßstabe betreibt man diesen Fang übrigens nirgends; denn als Nahrungsmittel wird unser Fisch von niemandem geschätzt, schon weil ihn mehr als andere Riemenwürmer, deren oft sechs bis acht in seinem Bauche wohnen, plagen; dagegen läßt er sich in Teichen, wo Forellen gehegt werden, mit Vortheil als Futterfisch verwenden." [1].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa 30 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich rund ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen: In Deutschland und Österreich gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In der Schweiz gibt Anhang 2, Tabelle 8 der Tierschutzverordnung an, wie viele Liter Wasser pro cm Gesamtkörperlänge (ohne Schwanzflosse) der für aquaristische Zwecke gehaltenen Fische angeboten werden müssen. Für Speise- und Besatzfische gilt Anhang 2, Tabelle 7.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Cyprinus bjorkna" erstmals wissenschaftlich beschrieben. 1843 stellte sie der Präparator und Leiter der Fischsammlung des Wiener Naturhistorischen Museums, Johann Jakob HECKEL in die neue, monotypische und heute noch gültige Gattung Blicca [2]. Der deutsche Name wird oft als "Blikke" geschrieben.

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. FISH BASE
  3. FREYHOF, J. & KOTTELAT, M. (2008). Blicca bjoerkna (errata version published in 2020). The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T39270A174781952. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2008.RLTS.T39270A174781952.en . Downloaded on 30 July 2020.
  4. GEBHARDT, H. & NESS, A. (2009)
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. SCHINDLER, O. (1959)
  7. ZAUGG, B., STUCKI, P., PEDROLI, J.C. & KIRCHHOFER A. (2003)

Zurück zu Übersicht Fische

Weiter zu Nase (Chondrostoma nasus)

Gelesen 4296 mal Letzte Änderung am Dienstag, 21 Dezember 2021 18:04
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx