Gartenpflanzen

Bauerngärten im Zoo

Mahnkesche Mühle mit Bauernhofgarten im Zoo Stralsund Mahnkesche Mühle mit Bauernhofgarten im Zoo Stralsund
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Bauerngarten im Tierpark Hellabrunn © Tierpark Hellabrunn / J. Koch (Pressefoto)

 

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Der Bauerngarten im Tierpark Hellabrunn © Tierpark Hellabrunn / J. Koch (Pressefoto)

 

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Der Bauerngarten im Tierpark Hellabrunn © Tierpark Hellabrunn

 

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Der Bauerngarten im Tierpark Hellabrunn © Tierpark Hellabrunn / J. Koch (Pressefoto)

 

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Der Bauerngarten im Tierpark Hellabrunn © Tierpark Hellabrunn / J. Koch (Pressefoto)

 

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Bauernhofgarten bei der Mahnkeschen Mühle im Zoo Stralsund © Zoo Stralsund (Pressefoto)

 

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Im Bauernhofgarten bei der Mahnkeschen Mühle im Zoo Stralsund © Zoo Stralsund (Pressefoto)

 

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Der Bauerngarten des Tierparks Lange Erlen, Basel © TP Lange Erlen / Lorenz Schmid

 

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Der Bauerngarten des Tierparks Lange Erlen, Basel, im Sommer © TP Lange Erlen / Lorenz Schmid

 

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Der Bauerngarten des Tierparks Lange Erlen, Basel, im Herbst © TP Lange Erlen

 

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Der Vechtehof mit Bauerngarten im Tierpark Nordhorn © Tierpark Nordhorn

 

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Bauerngarten und Hortensienpflanzung am Vechtehof im Tierpark Nordhorn © Nild Kramer, Tierpark Nordhorn

 

Unter einem „Bauern-“ oder "Bauernhofgarten" verstehen wir heute eine rechteckige oder quadratische Gartenanlage, in der auf eher kleiner Fläche Pflanzen sowohl nach verschiedenen Kategorien wie Obst, Gemüse, Kräuter, Zierpflanzen, als auch nach Prinzipien der Ästhetik geordnet sind. Ein typischer Bauerngarten ist meist durch einen Zaun, eine Mauer oder eine Hecke eingefriedet und wird durch ein streng geometrisches, meistens symmetrisches Wegenetz erschlossen. Charakteristisch ist der Kreuzweg, in dessen Mitte sich meist ein Rondell befindet, häufig mit einem Brunnen, einem kleinen Baum oder einem kleinen runden Blumenbeet. Die Beete werden typischerweise von Buchsbaumhecken eingefasst. Die Wegeflächen sind in der Regel nicht versiegelt, sondern bestehen aus offenem Boden, Rasen, feinem Kies oder Rindenmulch. Für große, repräsentative oder vielbegangene Bauerngärten eignen sich auch Beläge aus Klinker oder Naturstein [3].

Solche Bauerngärten gab es vor 1900 nachweislich nicht, sie sind also keine traditionelle Gartenform. Höchstwahrscheinlich gehen sie auf einen „Ideal-Bauerngarten“ zurück, der 1913 unter Verwendung von Elementen von Kloster- und Schlossgärten im Botanischen Garten Hamburg angelegt wurde [3].

Unter den Zierpflanzen sind ausdauernde Stauden von besonderer Bedeutung. Typisch sind Stauden, die aus europäischen oder vorderasiatischen Wildformen kultiviert wurden wie z.B. Schafgarbe (Achillea), Kokardenblumen (Gaillardia), Sonnenhut (Rudbeckia), Bartnelke (Dianthus barbatus), Hohe Flammenblume (Phlox paniculata), Lupinen (Lupinus), Duftnessel (Agastache), Stockmalve (Alcea rosea), Akelei (Aquilegia), Rittersporn (Delphinium), Tränendes Herz (Lamprocapnos spectabilis), Garten-Mohn (Papaver orientale) und Pfingstrosen (Paeonia) [3; 8].

Bunt blühende, meist bienenfreundliche Sommerblumen sorgen im Bauerngarten für Abwechslung. Beliebt sind namentlich Schmuckkörbchen (Cosmea), Löwenmäulchen (Antirrhinum), Bienenfreund (Phacelia tanacetifolia), Tagetes, Margeriten (Leucanthemum), Ringelblume (Calendula officinalis), Kornblume (Centaurea cyanus), Levkojen (Matthiola), Garten-Strohblume (Xerochrysum bracteatum), Bechermalven (Lavatera), Kapuzinerkresse (Tropaeolum) und Zinnien sowie die nicht zu übersehenden Sonnenblumen (Helianthus annuus) [3; 8].

Große Bäume haben im Bauergarten nichts verloren. Lediglich als gestalterisches Element kann ein Obstgehölz z.B. in der Mitte des Rondells auf dem Kreuzweg einen Platz finden. Was man an Gehölzpflanzen dagegen regelmäßig antrifft, sind Buchs (Buxus empervirens), Johannis- und Stachelbeerensträucher (Ribes), Halbsträucher wie Hortensien sowie Kletterrosen [2].

Selbstverständlich gehören Nutzpflanzen wie Tomaten, Gurken, Salate, Möhren, Hülsenfrüchte, Sellerie, Blumenkohl und Kohlrabi in einen Bauerngarten. Hier kommt es besonders darauf an, die Fruchtfolge einzuhalten [2].

Auch pflegeleichte Küchen- und Heilkräuter haben ihren festen Platz im Bauergarten. Diese können in einer schneckenhausförmigen Kräuterspirale gepflanzt werden die es erlaubt auf die unterschiedliche Anforderungen der einzelnen Arten an ihren Standort einzugehen. Im oberen Bereich, der am trockensten ist, gedeihen z.B.  Currykraut (Helichrysum italicum), Lavendel (Lavandula), Majoran (Origanum majorana), Rosmarin (Rosmarinus officinalis), Thymian (Thymus) oder Winter-Bohnenkraut (Satureja montana). Im mäßig trockenen bis frischen mittleren Bereich,können Borretsch (Borago officinalis), Gewürz-Fenchel (Foeniculum vulgare), Koriander (Coriandrum sativum), Zitronenmelisse (Melissa officinalis) oder Petersilie (Petroselinum crispum) angepflanzt werden. Der eher feuchte untere Bereich ist für Schnittlauch (Allium schoenoprasum), Dill (Anethum graveolens), Bergminze (Clinopodium), Liebstöckel (Levisticum officinale) oder Goldmelisse (Monarda didyma) geeignet [1; 2].

Eine Reihe von Zoos und Tierparks im deutschsprachigen Raum verfügen über Bauerngärten, mit denen sie ihren Bildungsauftrag in Sachen Biodiversität erweitern wollen. Die Pflege dieser Gärten wird bisweilen von Freiwilligen wahrgenommen wird und es werden spezielle Veranstaltungen für Garten- und Pflanzenfreunde durchgeführt.

Im seit 2018 bestehenden Bauerngarten im Mühlendorf des Münchener Tierparks Hellabrunn, der von den Hellabrunner Artenschutzbotschaftern in Zusammenarbeit mit dem Kartoffelkombinat – der Verein e.V. ökologisch bewirtschaftet und gepflegt wird, wachsen über 100 verschiedene Kräuter-, Gemüse- und Blumenarten. Dabei werden vorwiegend samenfeste und alte Nutzpflanzensorten mit unterschiedlichem Nährstoffbedarf im Wechsel angebaut, damit die Bodenfruchtbarkeit dauerhaft erhalten bleibt. Anlässlich von Gartenfesten führen Artenschutzbotschafter durch den Garten. Die kleinsten Besucher können beim Gießen der Pflanzen helfen und die Gemüsesorten probieren, die im Bauerngarten angebaut werden. An einem Info- und Bastelstand erfahren die Besucher alles rund um heimische Nutzpflanzen, können ihr Wissen in Sachen Pflanzenkunde testen und Pflanzenschilder für den Garten basteln [4].

Im Zoo Stralsund befindet sich in in der Nähe der Mahnkeschen Mühle ein Bauerngarten in dem neben Rosen, Phlox, Rittersporn und Gewürzkräutern auch Färberwaid und Färberlupinen stehen. Zusätzlich gibt es einen kleinen Garten im Zoo, der 2018 unter dem Titel „Ein Garten für alle“ eröffnet wurde und von einer Gruppe Stralsunder Senioren bewirtschaftet wird. Darin hat es u.a. Hochbeete, die gepflegt werden können, ohne dass sich die betagten Freiwilligen bücken müssen, und eine kleine Laube, die früher in einem Schrebergarten stand [3; 6].

Der 2007 eröffnete Erlebnishof des Tierparks Lange Erlen in Basel zeigt die Nutztiere des Menschen. Bei seiner Errichtung wurde eng mit der Stiftung ProSpecieRara zusammengearbeitet, die sich für den Erhalt bedrohter Nutztierrassen und Pflanzen einsetzt. Aus diesem Grund haben hier nicht nur bedrohte Nutztierrassen ein Zuhause gefunden, sondern in einem Bauerngarten werden unbekannte und in Vergessenheit geratene Gemüse- und Beerensorten gepflegt. Jährlich findet beim Bauerngarten der "ProSpecieRara-Buuremärt" statt, wo die Besucher an zahlreichen Ständen pflanzliche und tierische Produkte aus ProSpecieRara-Gütesiegel-Betrieben degustieren und erwerben und damit nach dem Motto "Erhaltung durch Nutzung" zur Erhaltung dieser Sorten und Rassen beitragen können [5].

Weitere Bauerngärten gibt es z.B. am über 100 Jahre alten Vechtehof des Tierparks Nordhorn, wo ebenfalls das Motto "Erhalten durch Aufessen" hochgehalten wird. Ferner beim Meyers Hof im Erlebniszoo Hannover, im Welt-Vogelpark Walsrode, im Heimattierpark Olderdissen in Bielefeld, im Haustierpark Lelkendorf, im Zoo der Minis in Aue, im Affen- und Vogelpark Eckenhagen und im Wildpark Venusberg in Bonn [9].

Natürlich gibt es Bauerngärten auch in Frelichtmuseen, die ja oft auch alte Haustierrassen zeigen. Beispiele sind das Museumsdorf Kürnbach bei Bad Schussenried in Oberschwaben, das Nordhannoversche Bauernhaus-Museum Isernhagen, das Jura-Bauernhof-Museums in Hitzhofen bei Eichstätt, oder das Schweizerische Freilichtmuseum Ballenberg in Hofstetten bei Brienz im Berner Oberland.

Literatur und Internetquellen:

  1. BAUERNGARTEN
  2. GARTEN-RATGEBER
  3. MEIN SCHÖNER GARTEN
  4. OSTSEEZEITUNG VOM 03.07.2019
  5. PRESSEMITTEILUNG TIERPARK HELLABRUNN VOM 06.09.2018
  6. TIERPARK LANGE ERLEN
  7. ZOOFREUNDE STRALSUND
  8. PFLANZEN FÜR DEN BAUERNGARTEN
  9. PRESSEMITTEILUNGEN UND INTERNETAUFTRITTE DER ZOOS

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Gelesen 597 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 10 Juni 2020 16:51
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx