Mäuse-Verwandte

Sinai-Stachelmaus

Sinai-Stachelmaus (Acomys dimidiatus) im ZooPark Erfurt Sinai-Stachelmaus (Acomys dimidiatus) im ZooPark Erfurt
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Mäuse (Muridae)
Unterfamilie: Stachelmausverwandte (Deomyinae)

D LC 650

Sinai- oder Orient-Stachelmaus

Acomys dimidiatus • The Arabian Spiny Mouse • La souris épineuse arabe

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Sinai-Stachelmaus (Acomys dimidiatus) im ZooPark Erfurt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung der Sinai-Stachelmaus (Acomys dimidiatus)

 

 

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Sinai-Stachelmaus (Acomys dimidiatus) im ZooPark Erfurt © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Sinai-Stachelmäuse (Acomys dimidiatus) im ZooPark Erfurt © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Sinai-Stachelmaus (Acomys dimidiatus) im ZooPark Erfurt © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Sinai-Stachelmaus (Acomys dimidiatus) im Zoo Moskau © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Die nicht gefährdete Sinai oder Helle Orient-Stachelmaus ist ein populäres Heimtier und wird auch in einigen Zoos gehalten, weil sie als tagaktive und soziale Art für das Publikum sehr attraktiv ist.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Sinai-Stachelmaus erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 85-130 mm, eine Schwanzlänge von 75-127 mm und ein Gewicht bis 77 g bei den Männchen und 85 g bei den Weibchen. Die Stacheln sind auf den hinteren Teil des Rückens beschränkt. Die Farbe der Oberseite variiert von hellem Sandgelb bis zu kräftigem Orangebraun [2; 3].

Verbreitung

Naher Osten: Ägypten (Sinai-Halbinsel), Irak, Israel, Jordanien, Libanon, Pakistan, Arabische Halbinsel, Syrien [1].

Lebensraum und Lebensweise

Die Sinai-Stachelmaus ist ein Wüstenbewohner, der an trockenen, steinigen Berghängen, Fels- und Geröllhalden vorkommt. Sie lebt in Familiengruppen und ist im Freiland wahrscheinlich überwiegend nachtaktiv. Sie ernährt sich von tierischem und pflanzlichem Material, darunter auch Halophyten. Nach einer Tragzeit von durchschnittlich 37-38 Tagen werden meist 2-3 Junge mit einem Gewicht von 4-8 Gramm geboren. Bereits wenige Stunden nach der Geburt wird das Weibchen wieder gedeckt, wodurch es zu einer fast pausenlosen Wurffolge kommt [2].

Gefährdung und Schutz

Die Sinai-Stachelmaus hat eine weite Verbreitung und kann verschiedene Lebensräume nutzen. Die Gesamtpopulation ist groß und durch ihre Anpassungsfähigkeit ist es unwahrscheinlich, dass die Bestände in nächster Zeit abnehmen. Deshalb wurde die Art aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 als nicht-gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt.

Bedeutung für den Menschen

An Kulturen und Lebensmittelvorräten können Stachelmäuse erhebliche Schäden anrichten. Auch sind sie potenzielle Überträger bzw. Reservoire verschiedener Infektionskrankheiten. Sie werden in verschiedenen Bereichen der biomedizinischen Forschung als Versuchstiere eingesetzt. Die Sinai-Stachelmaus spielt namentlich eine Rolle bei der Erforschung des Diabetes mellitus. Auch wird sie häufig als Heimtier gehalten [1].

Haltung

Stachelmäuse sind soziale Tiere, die nicht einzeln gehalten werden sollen. Für die Haltung eines Paars wird ein Behälter mit einer Grundfläche von 2'500 cm² und einer Höhe von 60 cm empfohlen, für eine kleine Gruppe von 5 Tieren ist eine Grundfläche von 0.5 m² das absolute Minimum [3]. Bei größeren Behältern und mehr Mäusen besteht die Gefahr, dass sich Clans bilden, die einen Teil des Geheges exklusiv für sich beanspruchen und sich gegenseitig bekriegen.

WEIGL gibt als Altersrekord für ein im Zoo von Washington DC gehaltenes Männchen über 6 Jahre und 11 Monate an [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa 15 Zoos gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll Stachelmäusen ein Gehege von mindestens 0.5 m³ Grundfläche zur Verfügung gestellt werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.06.2022) enthält keine spezifischen Vorschriften für Stachelmäuse.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2023) gilt für kleinere Arten der Mäuseverwandtschaft pauschal eine Mindestfläche von 1 m² pro Haltungseinheit.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Orient-Stachelmaus wurde 1826 von dem Direktor der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, Philipp Jakob CRETZSCHMAR, unter der Bezeichnung "Mus dimidiatus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Acomys wurde 1838 von Isidore GEOFFROY SAINT-HILAIRE eingeführt [5].

Die Orient-Stachelmaus lässt sich äußerlich kaum von Acomys cahirinus unterscheiden. Sie wurde daher in der Vergangenheit entweder als Synonym oder Unterart von cahirinus betrachtet. Heute gilt sie aufgrund von Gebissunterschieden und molekulargenetischen Untersuchungen als eigenständige Art mit 5 Unterarten, nach HANDBOOK einschließlich megalodus, die wir hier unter cahirinus subsumiert haben. Möglicherweise handelt es sich um eine Unterart-Gruppe der westlich an ihr Areal anschließenden Ägyptischen Stachelmaus (Acomys cahirinus) [5].

Literatur und Internetquellen

  1. CASSOLA, F. (2016). Acomys dimidiatus (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T263A115048396. http://www.iucnredlist.org/details/136471/0. Downloaded on 21 May 2018.
  2. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)  
  3. HONIGS, S. (2008)
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx