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Eigentliche Tauben

Haustaube

Stadttaube (Columba livia f. dom) wildlebend im Tierpark Berlin Stadttaube (Columba livia f. dom) wildlebend im Tierpark Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin
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 Neue Tierart

Ordnung: Taubenvögel (COLUMBIFORMES)
Familie: Tauben (Columbidae)
Unterfamilie: Eigentliche Tauben (Columbinae)

D NB650

Haustaube

Columba livia f. dom. • The Domestic Pigeon • Le pigeon domestique

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Stadttauben (Columba livia f. dom.) in Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Strassertaube (Columba livia f. dom.) im Wild- und Freizeitpark Oberrreith © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Altenburger Trommeltaube (Columba livia f. dom.) im Tiergehege des Bratwurstmuseums Holzhausen © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Brieftaube (Columba livia f. dom.) im Tierpark Dessau © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Klätschertaube (Columba livia f. dom.) im Haustierpark Lelkendorf © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Balzende Stadttauben (Columba livia f. dom.) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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St. Galler Flügeltaube (Columba livia f. dom.), Nestlinge im Walter Zoo Gossau © Walter Zoo

 

 

 

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Stadttauben (Columba livia f. dom) auf der Piazza San Marco in Venedig © Nino Barbieri. Veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license.

 

 

 

Weitere Bilder auf BioLib

Haustauben sind in fast jedem Zoo, Tier- oder Vogelpark anzutreffen. Oft handelt es sich um verwilderte Stadttauben, die sich an den Futterstellen des Parkgeflügels verköstigen, es werden aber auch zahlreiche der über 800 Taubenrassen gehalten. Die Problematik der verwilderten Stadttauben, die verschiedenen Zuchtzwecke und Qualzüchtungen bieten viel Stoff für die Zoopädagogik.

Stammformen und Domestikation

Die Haustaube wie auch deren verwilderte Form, die Stadttaube, stammen von der Felsentaube (Columba livia) ab, die heute noch die Felsküsten des Mittelmeerraumes besiedelt. Vermutlich schon vor 6'000 Jahren wurde die Felsentaube im Nahen Osten domestiziert. Die ersten Nachweise nördlich der Alpen sind etwa 3'500 Jahre alt. Wahrscheinlich wurden Tauben zuerst wegen ihres schmackhaften Fleisches gehalten. Früh wurden sie aber auch zur Nachrichtenübermittlung eingesetzt und erfuhren auch eine vielfältige kulturelle Bedeutung [6; 7; 8].

Körperbau und Körperfunktionen

Verwilderte Haustauben lassen sich oft nur schwer von der Felsentaube unterscheiden. Rassetauben zeigen eine enorme Bandbreite hinsichtlich Körperbaus, Färbung und Befiederung. Sie können in Sporttauben, Formen- und Farbentauben sowie Masttauben gegliedert werden. Sie kommen in den vier Hauptfarben Blau, Schwarz, Rot und Gelb, ferner in Weiß vor. Die Zeichnungsmuster der einzelnen Rassen sind sehr variabel. Bei den Sporttauben ist zu unterscheiden zwischen den auf Dauerleistung gezüchteten Reisetauben und den Tümmlertauben, die Kunstflieger sind. Bei den Formen- und Farbentauben gibt es Huhn-, Warzen-, Kropf-, Mövchen-, und Strukturtauben, wie z.B. Locken-, Perücken und Pfauentauben, manche Rassen mit befiederten Läufen. Ferner Trommeltauben, die nicht Gurren, sondern an Trommelschläge erinnernde Laute von sich geben.  Die schwerste Mastrasse, die Römertaube, erreicht ein Körpergewicht von 1 kg und eine Flügelspannweite von 1 m. Tauben legen normalerweise zwei Eier. Im Gegensatz zu den Küken der anderen Hausgeflügelarten sind Jungtauben blinde Nesthocker mit schütterem Dunenkleid. Während etwa 10 Tagen werden sie von den Eltern mit sogenannter Kropfmilch, einem Sekret der Kropfschleimhaut, ernährt [6; 8; 9].

Rassen und Bestände in Mitteleuropa

In Deutschland umfasst der Verband Deutscher Rassetaubenzüchter e. V. (VDT) einige Hundert regionale und überregionale Rassetaubenzüchtervereine, die sich in drei Gruppen gliedern lassen: Ortsvereine, Sondervereine, die sich der Zucht ausgewählter Rassen widmen, und Flugtaubenvereine. Die höchst umfangreiche Liste der gepflegten Rassen kann von der Internetseite des Verbands heruntergeladen werden [14]. In Österreich existieren 14 einheimische Rassen, die von der Sparte Tauben des Rassezuchtverbands Österreichischer Kleintierzüchter betreut werden. Der erste Verein der Brieftaubenzüchter entstand 1874 in Wien. 1949 schlossen sich die diversen Brieftaubenvereine zu einem nationalen Verband zusammen [12; 13]. In der Schweiz gibt es etwa 2'000 organisierte Rassetaubenzüchter, von denen sich viele der Haltung und Zucht einer der 26 einheimischen Rassen widmen,  und ungefähr 400 Brieftaubenzüchter [3; 11].

Wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung

Da Haustauben überwiegend als Hobby gehalten werden, liegen seitens der FAO keine Zahlen über den Weltbestand vor. Der Weltbestand an verwilderten Strassentauben wurden um 1990 auf rund 500 Millionen geschätzt [7]. Diese treten vielfach als Problemvögel auf, weil sie Gebäude verschmutzen und dadurch Schäden verursachen und weil sie, wenn auch selten, Krankheiten, etwa Ornithose oder Salmonellose auf den Menschen übertragen [5]. Gehaltene Tauben dienen je nach Rasse unterschiedlichen Zwecken: Brieftauben früher der Übermittlung von Nachrichten, heute der Verwendung in Flugwettbewerben, Purzler- und Rollertauben einem - allerdings anders gearteten - Flugsport, Riesentauben der Fleischproduktion, Formen-, Farben- und Strukturtauben Dekorationszwecken bzw. der Teilnahme an Schönheitswettbewerben.

Weiße Tauben wurden in allen Hochkulturen verehrt. Schon seit der Antike gelten sie als Symbol der Reinheit und der Friedfertigkeit. Im Alten Testament brachte eine Taube Noah die Nachricht vom Ende der Sintflut. In der christlichen Religion ist die weisse Taube die Übermittlerin des göttlichen Willens in Form des Heiligen Geistes, der sich kulturgeschichtlich auf die Fruchtbarkeitsgöttin Innana der Sumerer zurückführen lässt. Auch heute erfreut sich die Taube als Symbol des Friedens und der Liebe großer Beliebtheit, was eine emotionsfreie Diskussion des "Taubenproblems" und dessen Lösung in vielen Städten erschwert oder verunmöglicht [7].

Haltung im Zoo

Die Haltung von Haustauben erfolgt freifliegend, oder in konventionellen oder für das Publikum begehbaren Volieren, oft in Gesellschaft mit anderem Hausgeflügel.

Haltung in europäischen Zoos: Haustauben gibt es praktisch in jedem Zoo, und seien es nur verwilderte Straßentauben die an den Futtertrögen des Wasser- und Parkgeflügels parasitieren. Es werden über 120 verschiedene Taubenrassen gehalten. Für rund 200 Haltungen macht die Zootierliste keine Angabe zur Rasse. Die beliebteste Rasse ist die Pfautaube mit 120 Haltungen. Viele Zoos beschränken sich auf eine Rasse, andere zeigen mehrere, so z.B. der Zoo Berlin, wo 1908 ein spezielles Hühner- und Taubenhaus mit 18 Abteilungen eröffnet wurde [10] und heute noch 7 Haustaubenrassen miteinander verglichen werden können. Oft werden Rassen mit lokalem Bezug gehalten, so z.B. Kölner Tümmler im Kölner Zoo oder Wiener Gansel, Österreicher Ganselkröpfer, Wiener Fluggansel, Wiener Hochflieger und Wiener Kurze im Tiergarten Schönbrunn. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Die Gesetzgebungen Deutschlands und Österreichs enthalten keine Vorgaben für Gehege, welche für die Haltung unter Zoobedingungen relevant wären. In der Schweiz sind konkrete Mindestabmessungen und sonstige Anforderungen in Tabelle 9.3 der Tierschutzverordnung enthalten. Diese dürften unter Zoobedingungen jedoch in aller Regel übertroffen werden. Zu beachten ist, dass Tauben einmal pro Woche eine Badegelegenheit mit frischem Wasser angeboten werden muss.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Haustaube wurde von Carl von LINNÉ 1758 als "Columba domestica" erstmals wissenschaftlich beschrieben. 1789 führte der Göttinger Professor Johann Friedrich GMELIN in der von ihm bearbeiteten 13. Auflage von LINNÉS "Systema Naturae" für die Felsentaube, die Wildform der Haustaube, den Namen Columba livia ein. 1958 wurde vorgeschlagen, dass grundsätzlich der Name der Wildform Vorrang vor dem Namen der Haustierform haben soll, auch wenn dies, wie im vorliegenden Fall, der Prioritätsregel widerspricht. Nach der Nomenklatur von BOHLKEN ist die Haustaube demnach als Columba livia f. domestica zu bezeichnen [1; 2; 4].

Literatur und Internetquellen

  1. BOHLKEN , H. (1958)
  2. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  3. DER SCHWEIZER TAUBENZÜCHTER
  4. DONEGAN, T. (2016)
  5. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  6. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  7. HAAG-WACKERNAGEL, D. (1991)
  8. HERRE, W. & RÖHRS, M. (1990)
  9. HOFMANN, H. (1991)
  10. KLÖS, H.G. & KLÖS, U. (Hrsg., 1990)
  11. KLUB SCHWEIZER TAUBENRASSEN
  12. ÖSTERREICHISCHER VERBAND DER BRIEFTAUBENZÜCHTER
  13. RASSEZUCHTVERBAND ÖSTERREICHISCHER KLEINTIERZÜCHTER (RÖK)
  14. VERBAND DEUTSCHER RASSETAUBENZÜCHTER

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Einzelne Rassen

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Pfautauben

 

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Pfauentaube (Columba livia f. dom) im Wildfreizeitpark Oberreith © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Indische Pfautaube (Columba livia f. dom.) im Tierpark Bierer Berg, Schönebeck © Klaus Rudloff, Berlin

Die Pfau- oder Pfauentaube ist eine der ältesten Taubenrassen. Sie stammt aus Indien und wurde im 16. Jahrhundert nach Europa und um 1650 nach Deutschland eingeführt.

In Paradestellung steht bzw. läuft die Taube auf den Zehenspitzen. Der Kopf liegt bedingt durch den nach hinten gebogenen Hals auf dem Vorderkissen auf. Der Körper ist allseits gerundet, die Brust wird soweit wie möglich angehoben, die schmalen Flügel fest geschlossen und die Schwingen unter den tiefsten seitlichen Schwanzfedern getragen. Der leicht konkave, trichterförmige, aus 22 Federn bestehende Fächerschwanz wird aufrecht getragen. Pfautauben sind meistens weiß Es wird unterschieden zwischen eigentlichen Pfautaube, der englische Garten-Pfautaube, in die Brieftauben eingekreuzt wurden, und der Indischen Pfautaube, die in Deutschland 1976 als Rasse anerkannt wurde.

Literatur und Internetquellen

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Wiener Hochflugtaube

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Wiener Hochflugtauben (Columba livia f. dom) im Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky / TG Schönbrunn (Pressefoto)

 

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Wiener Hochflugtauben (Columba livia f. dom) im Tiergarten Schönbrunn © Christian Kunz / TG Schönbrunn (Pressefoto)

Die Österreichische UNESCO-Kommission veröffentlichte 2019 sieben Traditionen, die in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen wurden. Eine davon ist das sogenannte Jauken, der traditionelle Hochflugtaubensport mit Wiener Hochflugtauben. Wien war jahrhundertelang eine Hochburg der Taubenzucht. Einst gab es in den Arbeiterbezirken Ottakring und Hernals hunderte Flugtaubensportler, die allmorgendlich ihre Tauben aufjaukten, also auffliegen ließen. Bei Wettbewerben wird der Flug der Taubenschar im Hinblick auf Höhe, Dauer und Zusammenhalt bewertet. Früher wurden sogar Wetten abgeschlossen und die Wiener Hochflugtaube galt als das Rennpferd des kleinen Mannes.

Heute gibt es nur noch wenige, die das Jauken professionell betreiben. Dennoch wird „das Wissen und die Praxis um die besondere Taubenzucht, das Halten und Training der Tiere, das Regelwerk sowie die lokalen Dialektausdrücke von Generation zu Generation weitergereicht.

Literatur und Internetquellen

  • TIERGARTEN SCHÖNBRUNN - PRESSEMITTEILUNG

 

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Gelesen 1233 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 19 März 2020 15:48