Eulen und Schleiereulen

Allgemeines

Steinkauz (Athene noctua) im Schwarzwaldzoo Waldkirch Steinkauz (Athene noctua) im Schwarzwaldzoo Waldkirch
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Klasse: Vögel (AVES)
Unterklasse: Neukiefervögel (NEOGNSTHAE)
Klade: Landvögel (TELLURAVES)
Klade: AFROAVES
Ordnung:

Eulenvögel

Strigiformes • The Owls • Les strigiformes

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Schneeeule (Nyctea scandiaca = Bubo scandiacus), Männchen im Zoologischen Garten Hof © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Schneeeule (Nyctea scandiaca = Bubo scandiacus), Weibchen im Highland Wildlife Park, Kingussie © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Europäischer Uhu (Bubo bubo) im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Steinkauz (Athene noctua) im Opel-Zoo, Kronberg © Archib Opel-Zoo

 

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Malaienkauz (Strix leptogrammica), ein Vertreter der tropischen Eulen im Zoo Neunkirchen. Man beachte den Gesichtsschleier und die Federborsten um den Schnabel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Eingang zum 1997 eröffneten Eulenkloster im Kölner Zoo, einer vierteiligen, begehbaren Voliere mit über 300 m² Gesamtfläche. Grundfläche der einzelnen Volieren 12, 30, 95 und 170 m², Höhe 3-7 m. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Begehbare Voliere im Eulenkloster des Kölner Zoos mit Bartkauz (Strix nebulosa) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Eingang zur 2001 eröffneten, dreiteiligen, begehbaren Eulenschlucht mit ca. 600 m² Grundfläche im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Begehbare Voliere in der Eulenschlucht des Natur- und Tierparks Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Bartkauz (Strix nebulosa) in begehbarer Voliere im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Europischer Uhu (Bubo bubo) in Flugshow im Wildpark Springe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Schleiereule (Tyto alba) in Flugshow im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Auch kleine Eulenarten, wie diese Nord-Weißgesichtseule (Ptilopsis leucotis) werden gelegentlich für Flugdemonstrationen eingesetzt, hier im Zoo Neunkirchen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Eulen sind kulturell bedeutsame und populäre Vögel, die in den meisten größeren Zoos, Tier- und Wildparks vertreten sind. Oft werden sie für Flugdemonstrationen eingesetzt.

Artenspektrum und innere Systematik

Die Ordnung besteht aus 2 Familien, den Schleiereulen (Tytonidae) und den Eigentlichen Eulen (Strigidae) mit zusammen 27 Gattungen und, nach HANDBOOK OF THE BIRDS OF THE WORLD, 205 verschiedenen Arten. Fünf weitere Arten sind ab dem 17. Jahrhundert ausgestorben, die letzte 1914. Die Eigentlichen Eulen werden in drei Unterfamilien unterteilt: die Käuze (Striginae) und die Kleinen Eulen und Käuze (Surniinae) mit je drei Tribus sowie die Ohreulen (Asioninae) [1].

Körperbau und Körperfunktionen

Eulen besitzen einen auffällig großen, rundlichen Kopf mit einem stark gekrümmten, scharfkantigen Schnabel und großen, vorwärts gerichteten Augen, die binokulares, also räumliches Sehen ermöglichen. Die Augen sind unbeweglich, weil sie durch einen Skleralring fixiert sind. Weil die Eulen aber 14 Halswirbel haben, können sie ihren Kopf um bis zu 270° drehen und dadurch ihr Gesichtsfeld stark erweitern. Die je nach Art unterschiedlich gefärbte Iris lässt sich weit öffnen, sodass ein starker Lichteinfall auf die Netzhaut trifft. Bei nächtlichen Arten verfügt diese fast nur über Stäbchenzellen. Die Vögel haben daher eine gute Nachtsicht, sind aber praktisch farbenblind. Zudem sind alle Eulen weitsichtig. Zur Orientierung auf sehr kurze Distanz dienen den Schnabel umgebende, als Tastorgane funktionierende Federborsten, die beim Beutefang ähnlich eingesetzt werden, wie die Schnurrbarthaare der Katze [1; 3; 7].

Das Gehör der Eulen ist ausgezeichnet entwickelt. Ihre Ohröffnungen sind groß und asymmetrisch angeordnet, was eine präzise Ortung von Geräuschen ermöglicht. Das Trommelfell ist größer als bei anderen, vergleichbar großen Vögeln. Bei vielen Eulen ist eine willkürlich zu bewegende Ohrklappe, das Operculum, vorhanden, welches einen Trichter bilden kann, der Geräusche auf das Trommelfell leitet. Derselben Funktion dient der bei vielen Arten vorhandene Gesichtsschleier, eine aus steifen Federn bestehende kranzförmige Einfassung des Gesichts. Zusammen mit den bei manchen Arten vorhandenen Federohren dient der oft auffällig gefärbte Gesichtsschleier auch dazu, Stimmungen auszudrücken [3; 7].

Das Gefieder der Eulen ist außerordentlich weich. Die Flügelflächen sind in Relation zum Körper breit. Die Flügel weisen ein Remicle, ein kleines steifes, sich distal der Handschwingen befindendes Federchen, 10 Hand- und 11-18 Armschwingen auf. Die beiden äußersten Handschwingen der meisten Arten haben einen weichen, kammförmigen Rand, der die Luft so verwirbelt, dass der Fug lautlos ist [1; 3; 7].

Die Füße besitzen vier mit starken Krallen bewehrte und bei manchen Arten befiederte Zehen. Die bei den Eigentlichen Eulen etwas verkürzte Innenzehe weist nach hinten. Die äußerste Zehe kann sowohl nach vorn als auch – was den Normalfall darstellt - nach hinten gedreht werden [3; 7].

Eulen sind mehrheitlich nachaktiv. Während ihrer Aktivitätszeit sind sie meist recht stimmfreudig. Alle Arten verfügen über ein großes Schrei-, Heul- und Miau-Repertoire in einem Frequenzbereich, in dem die Rufe außerordentlich weit zu hören sind. Daneben geben sie zur Kommunikation innerhalb des Paar- oder Familienverbands auch leise Laute von sich [1].

Eulen sind ausschließliche Fleischfresser, Die sich von Wirbeltieren, Insekten und andere Wirbellosen ernähren. Die mit dem Gesichts- oder Gehörsinn geortete Beute wird mit den Krallen erdolcht und im Schnabel weggetragen. Die nach der Verdauung verbleibenden Haare, Federn und Knochen werden in Form kompakter Gewölle ausgewürgt [7].

Die Eier sind weiß und kugelig. Es brütet meistens nur das Weibchen, die Jungen werden von beiden Eltern gefüttert [7].

Verbreitung

Eulen besiedeln alle Klimazonen und Ökoregionen der Erde. Mit Ausnahme der Antarktis kommen sie auf allen Kontinenten vor und sind auf allen größeren Inseln anzutreffen [2].

Haltung im Zoo

In europäischen zoologischen Einrichtungen werden gut 60 Eulenarten gehalten, etliche davon in mehreren Unterarten. Für Details siehe Zootierliste. Dabei handelt es sich überwiegend um Arten aus gemäßigten oder kalten Klimaten. Diese werden meist ganzjährig in Außenvolieren gehalten, seltener in falknerischer Haltung in Verbindung mit Schauflügen. Tropische Arten müssen allenfalls während der kalten Jahreszeit in einem temperierten, hellen Winterhaus gehalten werden oder einen ausreichend großen, frostfreien Raum im Anschluss an die Außenvoliere zur Verfügung haben [4].

Die Volieren sollten so groß sein, dass die Vögel fliegen können. Sie sollten mit lebenden Gehölzen, Stämmen, Ästen, Wurzelstöcken, Felsbrocken, Nistkästen, Felsnischen entsprechend der jeweiligen Art zweckmäßig eingerichtet sein. Stets sollte frisches Trinkwasser zur Verfügung stehen. Die meisten Arten haben ein starkes Bedürfnis zu Baden [3; 4].

Eine Haltung in begehbaren Volieren ist möglich, auch im Fall großer Arten. Kleinere Eulenarten bzw. solche, deren Beutespektrum aus Kleintieren besteht (z.B. Bartkauz) werden oft mit anderen Vögeln (z.B. Raufußhühnern, kleinen Falken) oder Säugetieren (z.B. Feldhase) vergesellschaftet. Gelegentlich werden auch verschiedene Eulenarten gemeinsam gehalten, was je nach Arten bei ausreichend großen Volieren und genügend Verstecken durchaus funktionieren kann, der Zucht aber meist nicht förderlich ist [3].

Eulen sind sehr langlebig. Große Arten wie Uhus können in Menschenobhut über 40 Jahre alt werden. Männliche und weibliche Tiere lassen sich visuell kaum unterscheiden. Weibchen sind durchschnittlich etwas größer und schwerer als Männchen, doch trifft dies nicht immer zu. Zum Zusammenstellen von Zuchtpaaren empfehlen sich daher DNA-Untersuchungen. Wo dies nicht möglich ist, kann man es mal mit Wiegen versuchen und dann das leichteste und schwerste Tier zusammensetzen. Hat nach eigener Erfahrung zumindest vor einem halben Jahrhundert bei Uhus im Zoo Mülhausen funktioniert: Nachdem es mit der Zucht nie geklappt hatte, brachte ein mittels Waage zusammengesetztes Paar von 1971-76 jährlich Nachwuchs, insgesamt wurden 19 Jungvögel großgezogen. Idealerweise lässt man aber Paare aus einer Gruppe selbst zusammenfinden [3].

Mindestanforderungen an Gehege: 1995 veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BMELF) Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen. Diese werden gegenwärtig (Juli 2019) überarbeitet und sollen als Leitlinien zur Haltung von Greifvögeln (Accipitriformes, Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) neu herausgegeben werden. Die Schweizerische Tierschutzverordnung und die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs enthalten für alle Eulenarten geltende Detailvorschriften.

Taxonomie und Nomenklatur

Die älteste bekannte Eule wurde im amerikanischen Bundesstaat Colorado entdeckt und Ogygoptynx wetmorei benannt. Sie stammt aus dem Paläozän, ist also etwa 58 Millionen Jahre alt und gehörte einer heute ausgestorbenen Eulenfamilie an [2].

Obwohl häufig von "Tag- und Nachgreifen" die Rede ist, handelt es sich bei den Eulen und den Greifvögeln um zwei verschiedene Ordnungen, wobei die Eulen traditionell in die Nähe der Kuckucke (Cuculiformes) und der Schwalme (Caprimulgiformes) gestellt wurden, bzw. nach jüngsten Taxonomien der Klade AFROAVES zugeordnet werden, zu der auch die Mausvögel, Trogone, Nashornvögel, Racken und Spechte gehören. Die Habichtartigen und Neuweltgeier sind dagegen in einer eigenen Klade ACCIPITRIMORPHAE zu finden, die Falken bei den AUSTRALAVES in Gesellschaft mit den Singvögeln und Papageien. Wenn man das nicht versteht, macht es nichts. Solange es Taxonomen gibt werden bestehende Systematiken auf den Kopf gestellt und durch neue ersetzt werden [2; 6; 7].

Literatur und Internetquellen

  1. BURTON, J. A. (1984)
  2. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  3. ECK, S. & BUSSE, H. (1973)
  4. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  5. MORONY, J.J., BOCK, W.J. & FARRAND, J. (1975)
  6. PRUM, R. O., BERV, J. S., DORNBURG, A., FIELD, D. J., TOWNSEND, J. P., MORIARTY LEMMON, E. & LEMMON, A. (2015)
  7. ZISWILER, V. (1976)

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Gelesen 78 mal Letzte Änderung am Dienstag, 09 Juli 2019 15:55
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