Schaf- und Ziegenartige

Hausschaf

Weißes Alpenschaf (Ovis orientalis f. aries) beim Naturschutzgebiet Düdinger Moos Weißes Alpenschaf (Ovis orientalis f. aries) beim Naturschutzgebiet Düdinger Moos
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern
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 Neue Tierart

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige: (Caprinae)
Tribus: Ziegenverwandte (Caprini)

D NB650

Hausschaf

Ovis orientalis f. aries • The Domestic Sheep • Le mouton domestique

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Beispiel für eine hornlose Rasse: Rauwolliges Pommersches Landschaf (Ovis orientalis f. aries) im Zoo Stralsund © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Beispiel für ein behorntes Langwollschaf: Walliser Landschaf (Ovis orientalis f. aries) im Tierpark Lange Erlen, Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Frisch geschorenes Spiegelschaf (Ovis orientalis f. aries) im Parc animalier de Sauvabelin, Lausanne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Jakobs- oder Vierhornschaf (Ovis orientalis f. aries) im BergTierPark Blindham © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Beispiel für ein Haarschaf: Kamerun-Widder (Ovis orientalis f. aries) im Tiergarten Bernburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Meistens besteht ein Wurf aus zwei Lämmern: Kamerun-Schaflämmer(Ovis orientalis f. aries) im Zoo Berlin © Zoo Berlin (Pressefoto)

 

 

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Schwarzbraunes Bergschaf (Ovis orientalis f. aries) beim Naturschutzgebiet Düdinger Moos (FR) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Weiβes Alpenschaf (Ovis orientalis f. aries) Beim Naturschutzgebiet Düdinger Moos (FR) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Wanderschäferei: Schäfer mit Herde und Hund in der Wohlei bei Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Sömmerung in den Alpen: Walliser Schwarznasenschaf (Ovis orientalis f. aries) am Sidelhorn (Berner Oberland) auf ca. 2'200 m Höhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Mufflon-Hausschaf-Bastard (Ovis orientalis musimon x f. aries) im Wildpark Bad Orb © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Besucherkontakt: Ouessant-Schafe (Ovis orientalis f. aries) in Kontaktgehege im Zoo de Champrépus © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Besucherkontakt: Skudden (Ovis orientalis f. aries) in Kontaktgehege im Zoo Augsburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Hausschafe gehören zum Standardbesatz von Kinderbauernhöfen und mit Haustieren besetzten Kontaktgehegen. Sie werden dementsprechend in sehr vielen Zoos und Tierparks gehalten. Auch die Rassenvielfalt ist im Zoo sehr groß. Wie andere Haustiere auch sind Schafe für die Zoopädagogik äußerst nutzbar, um Fragen in Zusammenhang mit Domestikation, biologischer Vielfalt, Nutzung, Wolfspräsenz etc. zu illustrieren.

Stammformen und Domestikation

Aufgrund von Knochenfunden wird angenommen, dass das Hausschaf vor 11'000 Jahren in Mesopotamien domestiziert wurde. Manche Autoren zweifeln dies allerdings an in der Annahme, dass die Knochen von Wildschafen stammten. Sichere Nachweise sind etwa 9'000 Jahre alte Funde aus dem westlichen Iran und dem Südosten der Türkei. Stammform war das Westasiatische Wildschaf, der Urial. Die domestizierten Schafe haben sich rasch verbreitet. Vor etwa 8'500 Jahren gab es sie im heutigen Israel, von 8'000 Jahren auf dem Balkan, vor 7'000 Jahren im Karpatenbecken, vor 6'000 Jahren in Mittel- und Westeuropa, vor 5'000 Jahren in Jütland und England und vor 4'000 Jahren in Skandinavien. In Nordafrika traten sie vor etwa 7'000 Jahren auf, in Südostasien vor 6'000 Jahren. Die auf den mediterranen Inseln heimischen Wildschafe (Mufflons) werden oft als verwilderte Abkömmlinge von ehemals eingeführten Hausschafen betrachtet. Dies dürfte beim Tyrrhenischen Mufflon zutreffen, beim Zypernmufflon ist es weniger offensichtlich [6; 7; 9].

Körperbau und Körperfunktionen

Nach Angaben der FAO gibt es über 1'200 Schafrassen [17], wobei diese Zahl nicht unumstritten ist. Jedenfalls sind es Hunderte, und diese zeigen eine beachtliche Vielfalt. Bei der kleinsten Rasse, dem Ouessant-Schaf werden die Widder 15-20 kg schwer, Auen 13-16 kg. Bei den größten Rassen liegt das Gewicht der Widder bei 120-130 kg, das der Auen bei 80-90 kg. Es gibt gehörnte und ungehörnte Rassen, und solche, bei denen nur die Widder Hörner tragen. Die Hörner sind meistens schneckenförmig oder spiralig gedreht wie bei den Wildschafen, manche Rassen haben aber korkenzieherartig gedrehte Hörner. Auch vierhörnige Rassen kommen vor. Hinsichtlich des Fells unterscheidet man zwischen Haarschafen, bei denen die Unterwolle kürzer ist als die Grannenhaare, sowie Wollschafen, bei denen die Grannenhaare weitgehend oder ganz verschwunden sind. Bei den Wollschafen kann zwischen Fein-, Lang-, Kurz- und Grobwollschafen unterschieden werden. Sie werden, je nach Rasse 1-2-mal pro Jahr geschoren. Die Fellfarbe kann weiß, gelb-weiß, braun, rostrot, grau oder schwarz sein, Schecken kommen vor und oft gibt es rassetypische Zeichnungen. Im Gesicht und an den Läufen befinden sich kurze Stichelhaare. Manche Schafrassen wurden auf hohe Fleisch-, andere auf Milchleistung gezüchtet. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei etwa 500 kg pro Jahr. Es gibt kurz- und langschwänzige Rassen. Namentlich in Asien und Afrika sind Fettschwanz- und Fettsteissschafe verbreitet, die in ihrem Schwanz oder Hinterteil Fettdepots von bis zu 15 kg einlagern können. Das Euter der Auen weist, wie jenes der Ziege, nur zwei Zitzen auf. Nach einer Trächtigkeit von ca. 150 Tagen werden 1-2, selten 3 Lämmer geboren [5; 7; 8].

Rassen und Bestände in Mitteleuropa

Für Deutschland liegen Daten über 64 gehaltene Schafrassen vor. Davon sind 25 einheimisch [18]. In Österreich werden insgesamt 25 Schafrassen gehalten. Darunter befinden sich neben dem Alpinen Steinschaf und dem Braunen Bergschaf, die auch in  Deutschland zuhause sind, die folgenden Lokalrassen: Kärntner Brillenschaf, Krainer, Montafoner und Tiroler Steinschaf, Tiroler Bergschaf sowie das Waldschaf aus dem Bundesland Salzburg [10]. In der Schweiz gibt es 9 einheimische bzw. ehemals einheimische und mit Tiermaterial aus dem benachbarten Alpenraum wiederhergestellte Rassen: Engadiner Fuchsschaf, Spiegelschaf, Walliser Landschaf, Bündner Oberländerschaf, Braunköpfiges Fleischschaf, Schwarzbraunes Bergschaf, Spiegelschaf, Walliser Schwarznasenschaf und Weisses Alpenschaf, ferner die Walliser Mutte als Lokalform des Bergamaskerschafs. 7 weitere, aus dem Ausland stammende Rassen werden im Rahmen des Schweizerischen Schafzuchtverbands gezüchtet [11; 13]

Für 2019 wurden in Deutschland 1'556'500 Schafe in 9'400 Haltungen ausgewiesen. In der Schweiz wurden 2019 343'537 Schafe in rund 8'200 Betrieben gehalten. Der Gesamtbestand entspricht in etwa jenem zu Beginn der 1990er Jahre. Von 1995-2014 lagen die Bestände jeweils bei über 400'000 Tieren. In Österreich wurden unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg 398'000 Schafe gehalten, danach nahmen die Bestände ab, 1970 lag der Bestand bei nur noch 113'192 Tieren. Seitdem ist eine kontinuierliche Zunahme zu verzeichnen: 2018 wurden 406'336 Schafe in 15'614 Betrieben gezählt [12; 14; 15].

Wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung

Die Nutzung des Hausschafs ist vielfältig. Von lebenden Tieren können Blut (als Nahrung), Milch, Wolle und Kot (als Düngemittel und zum Verfeuern) gewonnen werden. Nach der Schlachtung fällt neben dem Fleisch auch Fett an, das als Nahrungsmittel sowie zur Kerzen- oder Seifenherstellung verwendet werden kann. Die Haut kann zu Wollfellen, Leder oder Pergament verarbeitet werden. Knochen, Horn und Därme wurden früher - und werden gebietsweise auch heute noch - zu Gebrauchsgegenständen verarbeitet [7].

Der Weltbestand an Schafen nahm laut FAO von 1961 bis 2014 von 1 Milliarde auf 1.2 Milliarden Individuen zu. In Deutschland wurden 2019 über 1.1 Millionen Schafe geschlachtet. In der Schweiz waren es im Jahr 2018 260'693 Stück mit einem Netto-Fleischertrag von etwa 3.9 Millionen kg, in Österreich 295'000 Stück [1; 12; 14; 15].

Die Sömmerung der Schafe in den Bergen und die während des Winters betriebene Wanderschäferei sind mit allerlei Brauchtum verbunden, das von den Schafhaltern, Schäferzünften oder -vereinen gepflegt wird, so z.B. der Uracher Schäferlauf, das Schäferfest auf der Gemmi oder die vielen Schafscheiden und Alpabzüge. Das Schaf, vielmehr das Lamm, hat als "Agnus Dei" einen hohen Stellenwert in der christlichen Tradition. Auch in anderen Religionen spielt es als Opferlamm eine Rolle. Es ist in verschiedene sprichwörtliche Redensarten eigegangen, so kann jemand "das schwarze Schaf" sein oder "sein Schäfchen ins Trockene" bringen. Der Herdentrieb der Schafe wird belächelt und zu Unrecht wird das Schaf der Dummheit bezichtigt. Von der Antike bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren Schäferszenen ein häufiges Motiv in der bildenden Kunst.

Haltung im Zoo

Schafe eignen sich für die Haltung in Kontaktgehegen. Bei Böcken ist allerdings eine gewisse Vorsicht am Platz.

Schafe können Träger des des Erregers des Bösartigen Katarrhalfiebers (BKF, Ovines Herpesvirus Typ 2) sein. Sie erkranken selbst nicht, aber übertragen das Virus auf andere Wiederkäuer (z.B. Wisent, Elch, Rentier, Giraffe), bei denen es meistens zum Tode führt. Es sollten deshalb nur BKF-freie Schafe in Kontakt mit anfälligen Arten gehalten werden.

Haltung in europäischen Zoos: In europäischen Zoos, Tier- und Wildparks werden rund 130 Schafrassen gehalten. Am beliebtesten sind das Kamerunschaf mit rund 300, das Ouessantschaf mit 230, die Zackelschafe mit 150, das Jakobsschaf mit etwa 110, sowie die Heid- und Moorschnucken mit zusammen rund 100 Haltungen. Das Soayschaf und die Skudde mit je etwa 60, das Somalischaf mit 50 und die Walliser Schwarznasen mit gegen 40 Haltungen liegen im Mittelfeld. Manche Rassen werden praktisch nur im Ursprungsland gehalten, so z. B. das Coburger Fuchs- und das Rhönschaf mit je 25 oder das Bentheimer Landschaf mit gegen 20 Haltungen nur in Deutschland, das Kärntner Brillenschaf mit gegen 20 Haltungen in Deutschland und Österreich, oder das Engadiner Fuchs- und das Walliser Landschaf mit je 5 Haltungen in der Schweiz. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In der Schweiz sind die minimalen Dimensionen von Boxen, Fressplätzen etc. mit dem Tiergewicht korreliert, in Österreich wird zwischen einzelnen Tierkategorien unterschieden. Die entsprechenden Angaben finden sich in Anlage 3 der 1. Tierhaltungsverordnung Österreichs bzw. in Tabelle 4 der Schweizerischen Tierschutzverordnung.

Taxonomie und Nomenklatur

Vorab ist festzustellen, dass hinsichtlich der Taxonomie der eigentlichen Schafe so viele Varianten existieren, wie es Autoren gibt. Carl von LINNÉ beschrieb 1758 drei Hausschafformen als jeweils eigenständige Arten: "Ovis aries", "Ovis guineensis" und "Ovis strepsiceros". Von diesen Bezeichnungen setzte sich "Ovis aries" als Artname für die Haustierform durch. 1774 beschrieb der Göttinger Professor Johann Friedrich GMELIN in der von ihm bearbeiteten 13. Auflage von LINNÉS "Systema Naturae" das Westasiatische Wildschaf unter seinem heute noch verwendeten, von manchen Autoren allerdings angezweifelten Namen Ovis orientalis. Gemäß einer "Opinion" der Internationalen Nomenklatur-Kommission aus dem Jahr 2003 ist dieser Name auf das Hausschaf anzuwenden weil grundsätzlich der Name der Wildform Vorrang vor dem Namen der Haustierform haben soll, auch wenn dies, wie im vorliegenden Fall, der Prioritätsregel widerspricht. Nach der Nomenklatur von BOHLKEN ist das Hausschaf demnach als Ovis orientalis f. aries zu bezeichnen [2; 3; 16]. Siehe dazu auch die Kommentare beim Europäischen Mufflon.

Literatur und Internetquellen

  1. AGRECOL
  2. BOHLKEN , H. (1958)
  3. DONNDORFF, J. A. (1792)
  4. FÖRDERVEREIN BAUERNHOFTIERE AUF DEM BALLENBERG
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. HADJISTERKOTIS, E. (1996)
  7. HERRE, W. & RÖHRS, M. (1990)
  8. HOFMANN, H. (1991)
  9. MATSCHEI, C. (2012)
  10. ÖSTERREICHISCHER BUNDESVERBAND FÜR SCHAFE UND ZIEGEN
  11. PRO SPECIE RARA
  12. SCHWEIZERISCHES BUNDESAMT FÜR STATISTIK
  13. SCHWEIZERISCHER SCHAFZUCHTVERBAND
  14. STATISTIK AUSTRIA
  15. STATISTISCHES BUNDESAMT (DEUTSCHLAND)
  16. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  17. THE STATE OF THE WORLD’s ANIMAL GENETIC RESOURCES FOR FOOD AND AGRICULTURE (2007)
  18. ZENTRALE DOKUMENTATION TIERGENETISCHER RESSOURCEN

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Einzelne Rassen

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Border Leicester-Schaf

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Border Leicesterschaf (Ovis orientalis f. aries) im Bodenseezoo Reutemühle, Überlingen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Border Leicesterschafe (Ovis orientalis f. aries) im Bodenseezoo Reutemühle, Überlingen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das Border Leicester-Schaf  entstand aus dem Dishley Leicester-Schaf, das Robert BAKEWELL, ein bedeutender englischer Agronom, im 18. Jahrhundert auf seinem Landsitz Dishley Grange erzüchtet hatte. In Northumberland und an der Schottischen Grenze entwickelten sich zwei verschiedene Schläge. Die Bauern der Grenzregion bevorzugten den kälteresistenteren Typ, der dann ab etwa 1850 Border Leicester genannt wurde und ab 1898 im Rahmen eines Herdebuchs als Rasse gezüchtet wurde.

Das Border Leicester-Schaf ist ein großes, hornloses, langwolliges Fleischschaf, bei dem die Widder ein Gewicht von 120-145 kg, die Auen von 80-100 kg erreichen. Es hat eine Ramsnase und lange, schmale, aufrechtstehende Ohren, die seinem Kopf ein hasenartiges Aussehen verleihen. Das Vlies der Widder wird 6-9kg schwer, das der Auen 4-6 kg. Die Wolle ist bei Handspinnern wegen ihres natürlichen Glanzes und ihrer guten Färbbarkeit sehr beliebt. Border-Leicester-Widder werden oft für Gebrauchskreuzungen mit Mutterschafen verschiedener Rassen eingesetzt, wodurch dank dem Heterosiseffekt sehr produktive Lämmer entstehen.

Literatur und Internetquellen:

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Braunes Bergschaf

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Braunes Bergschaf (Ovis orientalis f. aries) im BergTierPark Blindham © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Braune Bergschafe (Ovis orientalis f. aries) im BergTierPark Blindham © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das Tiroler Bergschaf ist eine alte Rasse, die in der Nachkriegszeit nahezu verschwunden war. Nebst weißen kamen schon früher immer wieder braune und schwarze Tiere vor. 1977 wurden diese als eigene Rassen anerkannt. Mit dem Ziel, diese Rassen zu erhalten, wurde im Jahr 1992 der 1. Tiroler Schafzuchtverein Braunes und Schwarzes Bergschaf gegründet. Heute sind beide Rasse auch im übrigen Österreich und in Deutschland verbreitet. Unabhängig davon gibt es in der Schweiz das Schwarzbraune Bergschaf (= Juraschaf), dessen erste offizielle Rassenbeschreibung bereits 1925 erfolgt war.

Das Braune Bergschaf ist mit einer Höhe von über 80 cm bei den Widdern und 70-80 cm bei den Auen sowie einem Gewicht von 80-120 kg bzw. 70-80 kg eine mittelgroße Schafrasse. Es hat breite Hängeohren, eine leicht gebogene Ramsnase und ist in beiden Geschlechtern hornlos. Die grobe Wolle ist cognacfarben bis braun. Sie wird zweimal jährlich geschoren. Der Wollertrag liegt beim Widder bei 6-7 kg, bei der Aue bei 4-5 kg pro Jahr. Neben dem Fleisch und naturfarbener Wolle werden auch die braunen Schaffelle vermarktet.

Literatur und Internetquellen:

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Heid- und Moorschnucke

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Heidschnuckenbock (Ovis orientalis f. aries) im Wildpark Müden © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Heidschnucke (Ovis orientalis f. aries) Mutterschaf (=Aue) in Privathaltung in Kleinwabern bei Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Heidschnucke (Ovis orientalis f. aries), Aue in Privathaltung in Kleinwabern bei Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Moorschnuckenlamm (Ovis orientalis f. aries) in der ZOOM Erlebniswelt, Gelsenkirchen © ZOOM (Pressefoto)

Heidschnucken sind kleine, mischwollige Landschafe, die hauptsächlich zur Lammfleischproduktion und extensiven Grünlandbeweidung genutzt werden. Sie stammen aus den norddeutschen Heide- und Moorgebieten. Sie werden in drei Rassen gezüchtet: Die Graue Gehörnte Heidschnucke, bei der die Widder eine Höhe von 70-80 cm und ein Gewicht von 80-90 kg, die Auen eine Höhe von 60-70 cm und ein Gewicht von 40-50 kg erreichen, die ein graues Vlies sowie schwarze Beine, Schwanz und Kopf hat, und bei der die Lämmer bei Geburt schwarz sind und  im zweiten Lebensjahr umfärben. Die Weiße Gehörnte Heidschnucke mit 65-70 cm hohen und 70-80 kg schweren Widdern und 60-65 cm hohen und 40-50 kg schweren Auen. Schließlich als kleinste, die Weiße Hornlose Heidschnucke oder Moorschnucke, bei der die Widder 55-60 cm hoch und 60-70 kg schwer werden, die Mutterschafe 45-50 cm hoch und 40-50 kg schwer. Die behornten Rassen haben in beiden Geschlechtern Hörner, die bei den Widdern schneckenförmig gedreht, bei den Auen halbkreisförmig nach hinten gerichtet sind. Bei allen Rassen ist der Schwanz kurz. Das äußere Vlies besteht aus grobem Oberhaar, das innere Vlies aus feinerem, weichem Unterhaar. Die weißen Rassen haben keine Abzeichen.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war die Heidschnucke die bedeutendste Nutztierrasse in Norddeutschland. Um 1848 gab es im Fürstentum Lüneburg 638'304 Schafe, wovon 379'000 Schnucken. 2002 waren es noch 53'760 Schafe, wovon 12'000 Schnucken. In den letzten Jahrzehnten stieg jedoch das allgemeine Interesse an den Heidschnucken und es entstanden allenthalben in ganz Deutschland kleinere Koppelhaltungen. Ab etwa 1980 entstand auch eine kleine Population von mittlerweile gegen 2'000 Tieren in der Schweiz, wo der Zoo Basel die Rasse schon seit Jahrzehnten gehalten hatte, und auch in Oberösterreich gibt es einen Zuchtverband.

Literatur und Internetquellen:

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Jakobsschaf

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Jakobs- oder Vierhornschaf (Ovis orientalis f. aries), Widder im Tiergarten Kleve © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Jakobsschaf (Ovis orientalis f. aries) im Zoo Stralsund © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Jakobsschaf (Ovis orientalis f. aries) im Wild- und Freizeitpark Oberreith © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Jakobs- oder Vierhornschafe wurden in England seit Jahrhunderten zur Rasenpflege und Belebung der Parks von Herrenhäusern gehalten. Woher die Schafe ursprünglich stammen, ist nicht sicher, möglicherweise gelangten sie von Syrien über Nordafrika nach Spanien und von dort, wie die Sage geht, 1588 in einem Schiff der spanischen Armada, das zu Bruch ging, nach England. Während des Ersten Weltkrieges schrumpfte der englische Bestand auf nur noch 50 Herden. Mitte der 1960er Jahre war die Rasse akut gefährdet. Daher wurde 1969 die Jacob Sheep Society gegründet. Durch das Definieren eines Rassestandards wurden in der Folge Grösse und Exterieur der Rasse vereinheitlicht und die Bestände nahmen zu. Als möglicherweise erster deutscher Zoo hielt der alte Hamburger Zoo um 1902 Jakobsschafe. In der Schweiz waren die vermutlich ersten ab 1957 im Zoo Basel zu sehen. Die Haltung in landwirtschaftlichen Betrieben geht im deutschsprachigen Raum auf die 1970er-Jahre zurück.

Das Jakobschaf ist ein mittelgroßes, mischwolliges, langschwänziges, robustes Schaf, welches in beiden Geschlechtern 2-6, meistens 4 Hörner trägt und braunweiß oder schwarzweiß gefleckt ist. Das Vlies besteht aus feinen, schlichten Wollfasern und wenigen, gleichgefärbten Kurz- oder Stichelhaaren. Die Wolle ist gut spinnfähig. Der Kopf ist bis zum Hornansatz wollfrei. Typischerweise hat das Gesicht eine weiße, breite Blesse, dunkle Backen und möglichst eine dunkle Nase. Der Name "Jakobsschaf" kommt daher, dass nach dem Alten Testament (1, Mose 30 ff.) Jakob, der Sohn Isaaks und Enkel Abrahams, als Lohn für seine Tätigkeit als Schäfer alle anfallenden gefleckten und bunten Lämmer behalten durfte und dadurch ein reicher Mann wurde.

Literatur und Internetquellen:

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Kamerunschaf

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Kamerun-Schafbock (Ovis orientalis f. aries) in der Fasanerie Groß-Gerau © Frank Teigler, www.Hippocampus-Bildarchiv.de

 

 

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Kamerun-Schaflämmer(Ovis orientalis f. aries), Aue mit Lämmern in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

Das Kamerunschaf stammt aus Westafrika. Wann und wie es nach Europa gelangt ist, weiß man nicht. Möglich ist, dass es als lebender Fleischvorrat auf einem Schiff diente und die nicht für diesen Zweck verwendeten Tier in Europa lebend verkauft wurden.

Mit einer Widerristhöhe von maximal 55-65 cm und einem Gewicht von 35-50 kg bei den Auen und 60-70 cm Höhe und einem Gewicht von 45-60 kg bei den Widdern ist das Kamerunschaf ein eher kleiner Vertreter seiner Art. Es handelt sich nicht um ein Woll- sondern ein Haarschaf, das nicht geschoren wird. Das Haarkleid besteht aus zwei Schichten, dem straffen Deckhaar und dem Unterhaar. Das Unterhaar ist im Aussehen und in der Textur wolliger. Es wächst in der kalten Jahreszeit und wird von selbst abgeworfen, wenn die warme Periode beginnt. Die Fellfarbe ist häufig rehbraun mit schwarzen Gliedmassen und einem schwarzen Bauch. Auch schwarze oder gescheckte Tiere kommen vor. Die Aue ist hornlos, wogegen der Widder sichelförmige Hörner und eine Mähne an Hals und Brust trägt. Es gibt keine feste Fortpflanzungsperiode. Kamerunschafe können zweimal jährlich lammen, pro Wurf gibt es ein bis zwei Lämmer.

Literatur und Internetquellen:

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Kärntner Brillenschaf

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Kärntner Brillenschaf (Ovis orientalis f. aries) im Naturschutz-Tierpark Görlitz © NTP Görlitz (Pressefoto)

 

 

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Kärntner Brillenschaf (Ovis orientalis f. aries) im Wild- und Freizeitpark Oberreith © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kärntner Brillenschaflämmer (Ovis orientalis f. aries) im Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky / TG Schönbrunn (Pressefoto)

Das Kärtner Brillenschaf geht auf kleine, mischwollige Landschafe zuück, die robust und genügsam waren, aber nur wenig Fleisch und eine grobe Wolle lieferten. Zur Verbesserung der Wollqualität wurden im 18. Jahrhundert immer wieder Bergamasker- und Paduaner Seidenschafböcke aus Italien eingeführt und eingekreuzt, was zu einem neuen, 1844 erstmals beschriebenen Schaftyp führte, der ab 1880  „Seeländer Rasse“ genannt wurde und rasch eine weite Verbreitung fand. Im Dritten Reich wurde eine "Rassenbereinigung" durchgeführt, in deren Rahmen 1939 alle Bergschafrassen zum „Deutschen  Bergschaf“ zusammengefasst wurden. Dies und das allgemeine Desinteresse an der Schafhaltung führte dazu, dass das Brillenschaf in der Nachkriegszeit praktisch verschwand. Mitte der 1980er-Jahre gab es in Österreich nur noch 6 männliche und 17 weibliche Brillenschafe, mit denen eine Erhaltungszucht in Angriff genommen wurde. Später konnten noch einzelne Tiere aus Deutschland und Slowenien erworben werden. Ab 1992 wurde ein zentrales Herdebuch eröffnet und der Bestand nahm wieder zu.

Das Kärntner Brillenschaf ist ein mittelgroßes Schaf, bei dem die Widder eine Widerristhöhe von 75-80 cm und ein Gewicht von 75-90 kg, die Auen eine Höhe von 70-85 cm und ein Gewicht von 55-70 kg. erreichen. Es ist hornlos, der Kopf ist ramsnasig und unbewollt, die Ohren sind mittellang und hängenden bis leicht abstehend. Das Vlies besteht aus weißer Schlichtwolle mit gröberem Oberhaar. Charakteristisch sind die  schwarzen bis braunen Flecken um die Augen und die in der äußeren Hälfte bis zu zwei Dritteln  schwarz-braunen Ohren. Pigmente im Lippenbereich sind erlaubt.

Literatur und Internetquellen:

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Ouessantschaf

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Ouessant-Widder (Ovis orientalis f. aries) im Tiergarten Eisenberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Ouessant-Schaf (Ovis orientalis f. aries) im Zoo de Champrépus © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Ouessantschaf (Ovis orientalis f. aries) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das Ouessant- oder Bretonische Zwergschaf stammt von der kleinen Île d'Ouessant etwa 20 km vor der französischen Atlantikküste. Im Jahr 1852 gab es auf der 1'564 ha großen Insel um die 6'000 Schafe. Zu Beginn und in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden einige Zuchtwidder anderer Rassen eingeführt, was zu einer Vermischung der Inselpopulation führte. Die reinen Ouessantschaf wurden dadurch erhalten, dass in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Schafe nach dem französischen Festland ausgeführt und dort in Schlossparks und in der Ménagerie des Jardin des Plantes in Paris erhalten wurden. Zur Rettung der Rasse wurde 1976 die Association des éleveurs de moutons d’Ouessant gegründet, die auf diese Festlandtiere zurückgriff und 1981 einen Rassestandard verabschiedete. Heute gibt es in Frankreich wieder über 3'000 eingetragene Ouessant-Schafe.

Das Ouessantschaf ist das kleinste Schaf der Welt. Es ist ein relativ hochbeiniges Schaf, bei dem die Widder wildschafartig spiralig gedrehte Hörner tragen. Die Auen sind hornlos oder haben nur Hornstümpfe. Der Schwanz ist kurz. Das Vlies besteht aus sehr lang abwachsender, dichter und grober Wolle mit sehr dichter Unterwolle. Seine Farbe muss einheitlich schwarz, braun oder weiß sein, neuerdings wird auch schimmel geduldet. Wie Wildschafe ist das Ouessant nicht ganzjährig paarungsbereit, sondern hat eine Brunftsaison von Oktober bis Anfang Januar. Einlingsgeburten sind die Regel.

Literatur und Internetquellen:

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Skudde

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Skudde (Ovis orientalis f. aries), jüngerer Widder im Tierpark Hamm © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Skudde (Ovis orientalis f. aries), gehörnte Aue mit Lamm im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Skudde(Ovis orientalis f. aries), unbehornte Aue mit Lämmern in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

Die Skudde, ein ursprüngliches Heideschaf, ist die kleinste deutsche Schafrasse. Sie gilt als Nachfahre der Schafe der Kelten oder der Wikinger. Ihre Heimat war Ostpreußen und das Baltikum, wo sie schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch anderen Schafrassen weitgehend verdrängt wurden, und wo 1936 nur noch etwa 3’600 Tiere lebten. Der Zweite Weltkrieg gab diesem Bestand den Rest. Der heutige Bestand geht im Wesentlichen auf wenige Tiere zurück, die 1941 vom Tierpark Hellabrunn gekauft worden waren und deren Nachzucht 1942 den Weg in den Leipziger Zoo, dann in andere Tiergärten, später auch zu Einzelzüchtern fand. Die Rasse gilt immer noch als gefährdet. 2017 waren in Deutschland 203 Widder und 2'436 Mutterschafe im Herdebuch registriert. In der Schweiz wurde 1992 ein Skuddenzüchter-Verband gegründet, der seit 2004 offiziell als Rassezuchtorganisation anerkannt ist und dessen Mitglieder etwa 800 registrierte Tiere halten.

Bei den Skudden erreichen die Widder eine Widerristhöhe von 55-60 cm und ein Gewicht von 35-50 kg, die Auen werden 45-50 cm hoch und 25-35 kg schwer. Widder tragen eindrückliche, spiralige Schneckenhörner, Auen sind meist hornlos, gelegentlich haben sie Hornstummel, seltener Hörner. Die Skudden gibt es in den Farbschlägen weiss, schwarz und braun. Weisse Skudden haben oft Pigmentflecken am Kopf. Rassetypisch ist die Mischwolle. Sie setzt sich zusammen aus sehr feinen Wollfasern, durchsetzt mit Kurzhaaren und dem deckenden Langhaar. Ein weiteres Merkmal der Rasse ist der kurze, flunderförmige Schwanz. Die Fortpflanzung ist nicht saisonal, Zwillingsgeburten sind häufig.

Literatur und Internetquellen:

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Soayschaf

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Junger Soay-Widder (Ovis orientalis f. aries) in Privathaltung bei Gampel im Oberwallis © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Soay-Widder (Ovis orientalis f. aries) im Zoo Besançon © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Soay-Aue mit Lamm (Ovis orientalis f. aries) im Zoo Stralsund © ZOOM (Pressefoto)

Das Soayschaf, die primitivste Hausschafrasse Europas, hat eine starke Ähnlichkeit mit dem Tyrrhenischen Mufflon und gleicht jenen domestizierten neolithischen Schafen, die um 5000 v. Chr. nach Britannien gebracht wurden und auf dem dortigen Festland im Lauf des Mittelalters ausstarben. Überlebt hat die Rasse auf St. Kilda, einer isolierten vulkanischen Inselgruppe, vor der Westküste Schottlands. Als 1930 die Einwohner beschlossen, die Inseln aufzugeben und nach Schottland zu ziehen, verblieb eine wildlebende Schafpopulation auf der der 99 ha großen Insel Soay, und ein Teil des Bestands wurde auf die größere Insel Hirta umgesiedelt. Heute leben auf den beiden Inseln rund 2'000 Schafe, die wie Wildtiere gemanagt und seit 1985 wissenschaftlich überwacht werden.

Das Soayschaf ist ein kleinwüchsiges, kurzschwänziges Schaf. Die Widder erreichen eine Widerristhöhe von 51-65 cm und ein Gewicht von 26-48 kg. Die Auen werden 48-60 cm hoch und 24-39 kg schwer. Beide Geschlechter sind behornt. Das Gehörn der Widder gleicht dem des Mufflons, die Hörner der Auen sind viel kleiner und säbelförmig nach hinten gebogen. Das Vlies ist grob und kurzwollig. Es muss nicht geschoren werden, vielmehr wird die alte Wolle im Mai/Juni an Bäumen oder Zäunen abgestreift. Es gibt eine dunkelbraune und eine hellere Farbvariante, gelegentlich treten Schecken oder Tiere mit Abzeichen auf.

Das genügsame und widerstandsfähige Soayschaf ist gut für den Einsatz in der Landschaftspflege geeignet. Die Qualität des mageren Fleisches ist hervorragend und hat einen leichten Wildcharakter.

Literatur und Internetquellen:

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Spiegelschaf

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Spiegelschafe (Ovis orientalis f. aries) im Parc animalier de Sauvacelin bei Lausanne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Spiegelschaf (Ovis orientalis f. aries) im Schweizerischen Freilichtmuseum Ballenberg, Hofstetten bei Brienz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Nach mündlicher Überlieferung stammt das Spiegelschaf aus dem Prättigau, der Bündner Herrschaft und den angrenzenden Gebieten. Wanderherden aus Österreich und Italien haben im 17. und 18 Jahrhundert zusammen mit lokalen Schlägen wie dem Prättigauer-, dem Luzeiner- und dem Seidenschaf, die Schafzucht in dieser Region beeinflusst. Die charakteristische Kopfzeichnung des Spiegelschafs ist vermutlich durch den Einfluss des Kärntner Brillenschafes und des Villnöser Schafes entstanden. 1985 wurden die letzten lebenden Spiegelschafe entdeckt, aus denen wieder ein respektabler Bestand aufgebaut werden konnte. 2004 wurde die Rasse vom Bund anerkannt. Sie wird heute in der ganzen Schweiz gehalten.

Beim hornlosen Spiegelschaf erreichen die Widder eine Schulterhöhe von ca. 80 cm und ein Gewicht von etwa 80 kg, die Auen werden etwa 75 cm hoch  und 70 kg schwer. Das Fell ist weiß bis auf die dunkeln, im Alter erblassende Augenpartien und Ohrspitzen. Die Haut und die Lammwolle haben dunkle Flecken. Stirn und Bauch sind unbewollt.

Literatur und Internetquellen:

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Thônes et Marthod-Schaf

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Hornloses Thônes et Marthod-Schaf (Ovis orientalis f. aries) im Parc Zoo du Reynou, Le Vigen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Gehörnte Thônes et Marthod-Schaf (Ovis orientalis f. aries) im Parc Zoo du Reynou, Le Vigen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das Thônes-et-Marthod-Schaf stammt aus Savoyen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte dort jedes Tal seinen eigenen Schafschlag. Mit der Zeit dominierten die Schläge der Gemeinden Thônes und Marthod, die sich aber mit der Intensivierung des Handels zunehmend vermischten. 1930 wurden die beiden Schläge als Rasse «Thônes-et-Marthod» zusammengelegt. Der damalige Bestand von über 30'000 Tieren nahm in der Nachkriegszeit dramatisch ab. 1975 stand die Rasse vor dem Aussterben, und es wurden Maßnahmen ergriffen, um dies zu verhindern. 1992 gründeten zehn Halter einen Zuchtverband. Heute gibt es wieder 30 Herden mit über 4'500 Mutterschafen.

Bei den Thônes-et-Marthod-Schafen tragen beide Geschlechter spiralig nach außen gedrehte Hörner. Hornlose Tiere kommen selten vor, sie werden vom Zuchtbuch akzeptiert. Die Fellfarbe ist weiß, bis auf Schnauze, Brille und Ohren, die schwarz sind. Die Wolle ist grob und lang. Die Widder werden 70-80 kg schwer, die Auen 55-65 kg. Das Thônes-et-Marthod ist ein an das Leben im Gebirge angepasstes Zweinutzungsschaf, dessen Milch hauptsächlich zu Weichkäse («tommes») verarbeitet wird.

Literatur und Internetquellen:

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Tiroler Bergschaf

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Tiroler Bergschaf (Ovis orientalis f. aries), Aue im Ötzidorf Umhausen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Tiroler Bergschaf (Ovis orientalis f. aries), Lamm im Ötzidorf Umhausen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das Tiroler Bergschaf ist eine alte Rasse, die auf das Steinschaf und das Bergamaskerschaf zurückgeht. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es nahezu verschwunden. Nachdem 1977 die braunen und schwarzen Varianten als eigene Rassen anerkannt worden waren, wurde die weiße Form reingezüchtet.

Das Tiroler Bergschaf ist ein mittelgroßes bis großes, ganzfarbig weißes Landschaf mit unbewolltem, schmalem, ramsnasigem Kopf, der hornlos ist und lange, breite Hängeohren trägt. Widder erreichen eine Schulterhöhe von 100 cm und ein Gewicht von 80-130 kg, Auen eine Höhe bis 90 cm und ein Gewicht von 70-110 kg. Die Wolle ist weiß, schlicht bis gewellt und von mittlerer Feinheit. Sie wird zweimal jährlich geschoren. Die Schafe sind sehr fruchtbar. Sie sind ganzjährig paarungsbereit und eine Aue kann in einem Jahr zwei Würfe bringen.

Literatur und Internetquellen:

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Walachenschaf

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Walachenschaf (Ovis orientalis f. aries) im Bodenseezoo Reutemühle, Überlingen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Walachenschaf (Ovis orientalis f. aries) im Bodenseezoo Reutemühle, Überlingen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das Walachenschaf ist eine alte Rasse, die vor 300 Jahren mit den walachischen Hirten aus Rumänien in die Slowakei einwanderte. Im Rahmen der Planwirtschaft der damaligen CSSR wurden gezielt Milch- und Texelschafe eingekreuzt. 1993 waren in Tschechien nur noch 30 reinblütige Tiere vorhanden, in der Slowakei gab es keine mehr. Zum Glück waren 1988 zwei Widder und acht Mutterschafe nach Deutschland eingeführt worden, die im Rahmen eines anfänglich vom Zoo Karlsruhe geführten Zuchtbuchs vermehrt wurden. 2004 konnten zwischen dem deutschen und dem tschechischen Bestand 46 Tiere zwecks Vermeidung von Inzucht ausgetauscht werden.

Das Walachenschaf ist ein mittelgroßes und feingliedriges Schaf aus der Gruppe der Zackelschafe mit langer Mischwolle und einem Körpergewicht von 60-80 kg bei den Widdern und 40-50(-55) kg bei den Auen. Die Ohren sind kurz und seitlich abstehend. Widder haben spiralig gewundene, seitlich abstehende Hörner, je die Hälfte der Auen haben kürzere Hörner oder sind hornlos. Früher gab es auch graue/schwarze Tiere, heute nur noch weiße, deren unbewollte Körperteile häufig gesprenkelt oder gefleckt sind. Die Milchleistung ist mit ca. 100 kg recht hoch. Traditionell wurden die Schafe zur Käseherstellung gemolken.

Literatur und Internetquellen

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Walliser Landschaf

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Walliser Landschafe (Ovis orientalis f. aries) im Parc animalier de Sauvabelin bei Lausanne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Walliser Landschaf (Ovis orientalis f. aries), Aue mit Lamm im Parc animalier de Sauvabelin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Von einst mehreren Schafrassen des Wallis nur wenige bis heute überlebt. Das Walliser Landschaf oder «Roux du Valais» gehört dazu. Zu seinen Vorfahren gehören die ausgestorbenen Kupferschafe sowie die Roux de Bagnes. Eine Verbindung wird aufgrund der Behornung auch zum Walliser Schwarznasenschaf angenommen. Das einstige schwarze Lötschenschaf, das als eigene Rasse als ausgestorben gilt, lebt heute als schwarzer, seltener Farbschlag innerhalb der Roux-du-Valais-Rasse weiter. Als Mitte der 1980er-Jahre ein Erhaltungsprojekt in Angriff genommen wurde, stand das Walliser Landschaf kurz vor dem Aussterben. Man fand nur noch wenige Tiere, mit denen man den Wiederaufbau der Rasse starten konnte. 1994 wurde der Zuchtverein gegründet, der 1998 die Anerkennung der Walliser Landschafe als Schweizer Rasse beim Bund bewirken konnte. Heute ist die Rasse in den meisten Regionen der Schweiz vertreten.

Literatur und Internetquellen

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Walliser Schwarznasenschaf

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Walliser Schwarznasenschaf (Ovis orientalis f. aries), Widder beim Naturschutzgebiet Düdinger Moos, Kt. Freiburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Walliser Schwarznasenschaf (Ovis orientalis f. aries), Aue beim Naturschutzgebiet Düdinger Moos, Kt. Freiburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das Walliser Schwarznasenschaf ist eine alte Rasse, die ursprünglich im Vispertal im Oberwallis gezüchtet wurde. Angeblich soll sie im 15. Jahrhundert enstanden sein. Erstmals schriftlich erwähnt wurde sie 1884 im Walliser Gesetzbuch. Im 20. Jahrhundert machte die Rasse ein Tief durch, heute gibt es aber wieder 13'700 Herdebuchtiere.

Das Walliser Schwarznasenschaf ist ein großrahmiges, widerstandsfähiges und genügsames Gebirgsschaf mit starkem Fundament. Widder erreichen eine Widerristhöhe von 75-85 cm und ein Gewicht von 80-120 kg, Auen werden 72-78 cm hoch und 70-90 kg schwer. Beide Geschlechter tragen spiralförmige Hörner. Das Fell ist frei von Stichelhaaren und wächst in 180 Tagen um über 10 cm. Seine Farbe ist weiß mit charakteristischen schwarzen Partien an Nase, Augen, Ohren, Vorderknien, Sprunggelenkhöckern und Füßen. Auen haben zusätzlich schwarze Schwanzflecken, die bei Widdern nicht toleriert werden.

Literatur und Internetquellen

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Zackelschaf

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zackelschaf (Ovis orientalis f. aries) im Tierpark Nordhorn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Zackelschaf-Widder (Ovis orientalis f. aries) im Haustierpark Werdum © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das ungarische Zackelschaf entstand durch Mischung einiger Karpatenrassen und war, mit Schwerpunkt Ungarn, bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die häufigste Schafrasse in Südosteuropa. Danach wurde es weitgehend durch Merinoschafe verdrängt und gilt heute als stark gefährdet.

Es ist ein mittelgroßes, langschwänziges Schaf mit schmalem Kopf, bei dem die Widder eine Schulterhöhe von 60 cm und ein Gewicht von 55-65 kg erreichen, und die Auen 50 cm hoch und 40-55 kg schwer werden. Es gibt einen schwarzen und einen weißen Schlag, die nicht vermischt werden sollten. Lämmer des schwarzen Farbschlags haben bei der Geburt ein schwarzes, glänzendes und gekräuseltes Fell, bei den Alttieren ist das Vlies grau, Beine Kopf, Hörner und Klauen sind schwarz. Beide Geschlechter tragen V-förmig auseinanderstrebende, korkenzierartig gedrehte Hörner. Die Mischwolle des Vlieses ist in Körpernähe verfilzt und hängt in langen Locken herab. Das Zackelschaf hat eine gute Milchleistung und ist gut melkbar. Die Milch wird zu Halbhartkäse und Weichkäse verarbeitet.

Literatur und Internetquellen:

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx