Rinder und Waldböcke

Hausrind

Rätisches Grauvieh (Bos primigenius f. taurus), Kuh im Parc animalier de Sauvabelin, Lausanne Rätisches Grauvieh (Bos primigenius f. taurus), Kuh im Parc animalier de Sauvabelin, Lausanne
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Echte Rinder (Bovinae)
Tribus: Rinder i. e. S. (Bovini)

D NB650

Taurines Hausrind

Bos primigenius f. taurus • The Domestic Cattle • Le boeuf domestique

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Beispiel für langhörnige Primitivrasse: Ungarische Steppenrinder (Bos primigenius f. taurus) im Tiergarten Bernburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Beispiel für kurzhörnige Zweinutzungsrasse: Pinzgauer Rind (Bos primigenius f. taurus) im BergTierPark Blindham © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Beispiel für genetisch hornlose Mastrasse: Galloway-Rind (Bos primigenius f. taurus) im Tierpark Krüzen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Beispiel für Hochleistungs-Milchrasse: Enthornte Holsteinkuh (Bos primigenius f. taurus) in Kanada. Foto: www.holstaininternational.com

 

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Beispiel für Hochleitungs-Milchrasse: Enthornte Brown Swiss-Kuh (Bos primigenius f. taurus) in der Landwirtschaftsschule Neudamm, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Brown Swiss-Kalb (Bos primigenius f. taurus) in der Landwirtschaftsschule Neudamm, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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"Blüem" eine seltene Färbungsvariante beim Original Schweizer Braunvieh (Bos primigenius f. taurus) im Kanton Glarus © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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"Gurt" eine seltene Färbungsvariante beim Original Schweizer Braunvieh (Bos primigenius f. taurus) im Kanton Glarus © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Beispiel für ausgesprochene Brachycephalie: Eringerkuh (Bos primigenius f. taurus) bei Gampel im Oberwallis © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Eringerkühe (Bos primigenius f. taurus) im Val d'Hérens (Unterwallis) auf ca. 1'300 m Höhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Original Schweizer Braunvieh (Bos primigenius f. taurus), Ochse im Schweizerischen Freilichtmuseum Ballenberg, Hofstetten bei Brienz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Rinder im Dienste des Tourismus: Ungarisches Steppenrind (Bos primigenius f. taurus), Ochsengespann im Lázár-Pferdepark, Domonyvölgy © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kinder begegnen im Tiepark Nordhorn "Bauer Harms" und dürfen seine Altdeutsche Schwarzbunte Niederungskuh (Bos primigenius f. taurus) streicheln © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Schottische Hochlandrinder (Bos primigenius f. taurus) vergesellschaftet mit Tarpanen auf der Europa-Aanlage des Serengetiparks Hodenhagen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Mit einem Weltbestand von (einschließlich Zebus) rund 1.5 Milliarden Individuen ist das Rind das häufigste Haussäugetier. Die Biomasse seiner Gesamtpopulation ist fast doppelt so groß wie die des Menschen. Wegen seiner vielfältigen wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung ist es von großem Interesse für die Zoopädagogik und wird entsprechend häufig in Zoos, Tier- und Wildparks gezeigt.

Stammformen und Domestikation

Das Rind wurde in verschiedenen Regionen der Erde domestiziert. Die Überreste der ersten bekannten, von der Nominatform des Auerochsen (Bos p. primigenius) abstammenden Hausrinder wurden in der neolithischen Siedung Argissa Magoula in der nordgriechiechischen Landschaft Thessalien gefunden. Sie sind etwa 9'000 Jahre alt. In Anatolien und Südwestasien gab es domestizierte Rinder vor 7'000, in Ägypten vor 6'000, in China vor mindestens 4'000 Jahren. Ob diese bereits als Haustiere importiert oder mehrfach lokal domestiziert wurden, ist ungewiss. Manche Forscher vertreten die Ansicht, dass das Rind primär nicht als Nutztier, sondern aus kultischen Motiven domestiziert worden sei [3; 5]. 

Körperbau und Körperfunktionen

Je nach vorgesehenem Verwendungszweck werden unterschiedliche Zuchtziele verfolgt und Rinder mit höchst unterschiedlicher Konstitution gezüchtet. Im 19. und anfangs des 20. Jahrhundert geschah dies hauptsächlich durch die Kreuzung verschiedener Rassen. Dank der künstlichen Besamung, in der intensiven Landwirtschaft die Regel, können heute die Ziele auch bei Reinzucht innert kurzer Zeit erreicht werden, wodurch sich das Erscheinungsbild einer Rasse innerhalb weniger Jahre ändern kann. Vielfach wird versucht, zur Erhaltung der Biodiversität neben der modifizierten auch noch einen kleinen Bestand der ursprünglichen Rasse zu erhalten [5; 6].

Es wird unterschieden zwischen Fleisch-, Milch und Zweinutzungsrassen, wobei letztere früher als Zugtiere noch einem dritten Zweck dienten, es aber in der modernen Landwirtschaft zunehmend schwer haben. Es gibt Kurzhorn- und Langhornrassen, selten auch hornlose. Im Gegensatz zu den asiatischen Zebus und den afrikanischen Sangarindern sind sie brachycephal, haben also einen breiten, etwas bist stark verkürzten Schädel. Das Euter der Kühe hat vier Zitzen, gelegentlich gibt es auch hinter diesen liegende, sogenannte Afterzitzen. Die Fellfarbe ist sehr variabel. Es gibt weiße, gelbbraune, rotbraune, graubraune, graue und schwarze Rinder. Sehr häufig sind gefleckte Rassen, bei manchen gibt es auch spezielle Zeichnungen, wie etwa "Blüm" und "Gurt" beim Braunvieh. Bei manchen Rassen gibt es noch einen Geschlechtsdichromatismus, bei anderen ist er verschwunden [3; 5; 6].

Wie bei den meisten Haustieren ist die innerartliche Variabilität der Körpergröße enorm. Bei der italienischen Chianina, der größten Rinderrasse der Welt, werden die Bullen 180 cm hoch und bis 1'500 kg schwer, die Kühe 160 cm hoch und 800 kg schwer. Bei der kleinsten europäischen Rasse, dem irischen Dexter-Rind werden die Kühe gerade mal 92-106 cm hoch und 270-315 kg schwer, und die Bullen bringen es auf 101-11 cm und bis 450 kg. Stiere der in unserer Landwirtschaft häufigsten Rassen erreichen eine Widerristhöhe von 150-158 cm, einen Brustumfang von 230-250 cm und ein Gewicht von 1’000-1'200 kg, Kühe eine Widerristhöhe von 136-146 cm, einen Brustumfang von 190-210 cm und ein Gewicht von 600-  über 700 kg [3; 5; 6].

Rassen und Bestände in Mitteleuropa

Von der Vielzahl der in Deutschland gehaltenen Rinderrassen gelten, einschließlich der unterschiedlichen Nutzungstypen, 26 offiziell als einheimisch. Von diesen sind 11 gefährdet (Erhaltungspopulationen) und 9 potenziell gefährdet (Beobachtungspopulationen). Die traditionellen Rinderrassen der Schweiz sind das rotbunte Simmentaler und das schwarzbunte Freiburger Fleckvieh, das Braunvieh, das Rätische Grauvieh, das Eringer und das Évolèner Rind. Die Freiburger Rasse ist ganz im Holsteiner Rind aufgegangen, mit der Schlachtung der letzten reinrassigen Kuh im Jahr 1975 waren daher von den ursprünglich 35 dokumentierten Schweizer Rinderrassen deren 30 ausgestorben. Bei den Simmentalern und den Braunen gibt es jeweils einen Originalstamm, bei dem es sich um klassische Zweinutzungsrinder handelt, sowie einen auf hohe Milchleistung getrimmten Stamm, in den Hochleistungsrassen eingekreuzt wurden. Bei den Rotbunten wurden ab Beginn der 1970er-Jahre vor allem Stiere der Red Holstein-Rasse eingekreuzt, wodurch das Swiss Fleckvieh entstand. Zur Bewahrung des Originalstamms bildete sich 1978 die Schweizerische Vereinigung zur Erhaltung und Förderung der reinen Simmentaler Fleckviehrasse. Im Falle des Braunviehs erfolgte die Einkreuzung ab 1965, zuerst in Baden-Württemberg, mit der in den Vereinigten Staaten gezüchteten Rasse Brown Swiss. Das Original-Braunviehl gilt in Deutschland mittlerweile als stark gefährdete Rasse. In Österreich gibt es nebst den Hochleistungs- oder eingeführten Rassen noch neun gefährdete einheimische, nämlich die Ennstaler Bergschecke, das Kärntner Blondvieh, das Original Brauvieh, das Murbodner Rind, das Original Pinzgauer Rind, die Pustertaler Sprinze, das Tiroler Grauvieh, das Tux-Zillertaler Rind und das Waldviertler Blondvieh. Bei Mastrassen macht man sich oft den Heterosiseffekt zunutze, indem man Gebrauchskreuzungen verschiedener Rassen durchführt [6; 7; 12].

Für 2019 werden in Deutschland 11'639'532 Rinder in 135'768 Haltungen ausgewiesen, in Österreich 1'879'520 Rinder in 56'389 Haltungen, Mitte der 1980er-Jahre waren es dort noch rund 2.6 Millionen Stück gewesen. In der Schweiz wurden 2019 laut offizieller Nutztierzählung 1'525'000 Rinder in rund 34'890 Betrieben gehalten, davon waren 682'909 Milchkühe. Deren Bestand hat seit Mitte der 1980er-Jahre um etwa 20% abgenommen [8; 9; 10].

Wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung

Das Rind ist ein bedeutender Lieferant von Fleisch, Milch, Häuten und Dünger. Gebietsweise wird es immer noch als Zugtier eingesetzt. In der Schweiz z.B. kommen 75% des Endrohertrags der Landwirtschaft aus der Tierhaltung, über 50% allein aus der Rindviehproduktion [6]. Der Weltbestand an Hausrindern, einschließlich Zebus, Balirindern und Gayalen nahm laut FAO von 1961 bis 2014 von 950 Millionen auf 1.5 Milliarden Individuen massiv zu. Die globale Rindfleischproduktion liegt bei etwa 65 Milliarden kg, die Kuhmilchproduktion bei 625 Milliarden kg. In Deutschland wurden 2019 über 3.43 Millionen Tiere der Rindviehgattung geschlachtet, die einen Fleischertrag von 1.1 Milliarden kg ergaben, in Österreich 680'528 Tiere. In der Schweiz waren es 2018 628'000 Tiere mit einem Netto-Fleischertrag von 96 Millionen kg. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei den modernen Milchrassen bei etwa 6-8'000 kg pro Kuh und Jahr [1; 8; 9; 10].

Haltung im Zoo

Hausrinder können mit vielen andern Haus- und Wildtierarten (z.B. Wildpferden oder Hirschen) vergesellschaftet werden. Auf Kinderbauernhöfen kann es unter Aufsicht zu direktem Besucherkontakt kommen.

Haltung in europäischen Zoos: In europäischen Zoos, Tier- und Wildparks werden über 100 Rinderassen des taurinen Typs gehalten. Am beliebtesten sind - nebst dem andernorts besprochenen "Rückgezüchteten Auerochsen" - das Schottische Hochlandrind mit rund 150 Haltungen, davon 40% im deutschsprachigen Raum, das Ungarische Steppen- oder Szilayrind mit über 40 Haltungen, wovon gegen die Hälfte in Deutschland oder Österreich und das Dahomeyrind mit rund 30 Haltungen, wovon zwei Drittel im deutschsprachigen Raum. Viele Rassen werden nur in wenigen oder gar nur einer einzigen Haltung gezeigt, oft beschränkt auf ihr Ursprungsland, so das Altdeutsche Schwarzbunte, das Glan- oder das Rote Harzer Höhenvieh in Deutschland, das Rätische Grauvieh, das Eringer und das Évolèner Rind in der Schweiz und das Montafoner Braunvieh sowie das Murbodner und das Tuxer Rind in Österreich. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Österreich und der Schweiz sind die minimalen Dimensionen von Boxen, Fressplätzen etc. mit dem Tiergewicht korreliert. Die entsprechenden Angaben finden sich in Anlage 2 der 1. Tierhaltungsverordnung Österreichs bzw. in Tabellen 1 und 2 der Schweizerischen Tierschutzverordnung.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Hausrind wurde von Carl von LINNÉ 1758 als Bos taurus erstmals wissenschaftlich beschrieben. 1827 führte der aus dem Elsass stammende Zoologe Ludwig Heinrich von BOJANUS für den Auerochsen, die Wildform des Hausrinds, den Namen Bos primigenius ein. 1958 wurde vorgeschlagen, dass grundsätzlich der Name der Wildform Vorrang vor dem Namen der Haustierform haben soll, was, wie im vorliegenden Fall, der Prioritätsregel widerspricht, wenn das Haustier vor dem Wildtier beschrieben wurde. 2003 legte die Internationale Nomenklaturkommission Bos primigenius als offiziellen Namen der Art fest [GROVES, WILSON]. Nach der Nomenklatur von BOHLKEN ist das Hausrind als Bos primigenius forma taurus zu bezeichnen. In der Literatur und auf Gehegeschildern findet man allerdings auch die Bezeichnungen Bos taurus, oder Bos primigenius taurus. Für die Rassen gibt es keine gültigen wissenschaftlichen Bezeichnungen [1; 11].

Literatur und Internetquellen

  1. AGRECOL
  2. BOHLKEN , H. (1958)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. GROVES, C.P. & GRUBB, P. (2011)
  5. HERRE, W. & RÖHRS, M. (1990)
  6. HOFMANN, H. (1991)
  7. RINDERZUCHT AUSTRIA
  8. SCHWEIZERISCHES BUNDESAMT FÜR STATISTIK
  9. STATISTISCHES BUNDESAMT (DEUTSCHLAND)
  10. STATISTIK AUSTRIA
  11. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  12. ZENTRALE DOKUMENTATION TIERGENETISCHER RESSOURCEN

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Einzelne Rassen

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Altdeutsches Schwarzbuntes Niederungsrind

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Altdeutsches Schwarzbuntes Niederungsrind (Bos primigenius f. taurus) im Tierpark Nordhorn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Altdeutsches Schwarzbuntes Niederungsvieh (Bos primigenius f. taurus) im ErlebnisZoo Hannover © Zoo Hannover (Pressefoto)

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Altdeutsches Schwarzbuntes Niederungsvieh (Bos primigenius f. taurus) im ErlebnisZoo Hannover © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das mittelrahmige Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind ist eine alte Zweinutzungsrasse. Es ist behornt, schwarz-weiß gescheckt und hat ein weißes Euter, eine weiße Schwanzspitze und weiße Beine unterhalb der Fußwurzelgelenke. Es ist vom Schwarzbunten Deutschen Holstein durch eine geringere Körpergröße und eine stärkere Bemuskelung deutlich zu unterscheiden. Kühe erreichen eine Kreuzbeinhöhe von 130-140 cm und ein Gewicht von 550-650 kg, Bullen werden 150-162 cm hoch und 1’000-1'150 kg schwer.

Schwarzbunte Niederungsrinder sind langlebig, fruchtbar, robust und vital. Sie werden zunehmend im ökologischen Landbau und in der Landschaftspflege eingesetzt. Sie sind geeignet für Betriebe, die die eigenen Bullenkälber mästen. Die durchschnittliche Milchleistung der registrierten Kühe lag im Jahr 2016 bei 6'774 kg mit einem Milchproteingehalt von 3.5% und einem Fettgehalt von 4%. Seit 1989 existiert ein Verein, der sich um die Erhaltung der Rasse kümmert.

Die Rasse wird in Deutschland in etwa einem Dutzend Zoos gezeigt

Literatur und Internetquellen:

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Camargue-Rind

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Camargue-Rind (Bos primigenius f. taurus) auf dem Domaine Paul Ricard, Méjanes © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Camargue-Rind (Bos primigenius f. taurus), Stier- und Ochsenherde auf dem Domaine Paul Ricard, Méjanes© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Camargue-Kuh (Bos primigenius f. taurus) in der Camargue, Nähe Bac du Sauvage © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Die Rinder der auf Provenzalisch "Raço di bioù" genannten Camarguerasse leben seit Langem halbwild auf den Feuchtwiesen der Camargue und der Petite Camargue. In den autochthonen Bestand wurden zwischen 1950 und 1980 jährlich etwa 5% spanische Kampfstiere eingekreuzt. Heute wird die Rasse rein gezüchtet. Die zur Zucht eingesetzten Stiere sind im Mittel 4, die Kühe 6 Jahre alt.

Die schwarzen, selten dunkelbraun gefärbten Stiere erreichen eine Schulterhöhe von 125, selten mehr als 130 cm und ein Gewicht von 300-450 kg, bei den Kühen sind es 115-120 cm bzw. 200-270 kg. Die Hörner ähneln jenen des Auerochsen, von dem 2 km von Arles entfernt rund 20'000 Jahre alte Überreste aus der Solutréen-Periode gefunden worden sind.

Es gibt über 150 "Manades" (Haltungen) mit zusammen ungefähr 18'000 bis 20'000 Tieren, von denen allerdings nur ein kleiner Teil im seit 1999 offiziell anerkannten Zuchtbuch eingetragen ist. Die Rasse dient vor allem den traditionellen Festen, Stierwettkämpfen und Strassenveranstaltungen, die während der "Saison taurine", in der Regel von Mitte März bis Mitte November stattfinden. Die Milchleistung der Kühe ist gering und reicht nur für die Aufzucht des Kalbs aus. Das Fleisch aus den jährlich 1’700-1'800 Schlachtungen wird, wenn die Qualitätsanforderungen erfüllt sind, als "Taureau de Camargue AOP" vermarktet. Die Produktionsmenge liegt zwischen 240 und 320 Tonnen pro Jahr.

Literatur und Internetquellen:

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Dahomeyrind

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Dahomeykuh mit Kalb (Bos primigenius f. taurus) im Tierpark Hellabrunn, München © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Dahomeyrind (Bos primigenius f. taurus) im Tiergarten Eisenberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Dahomeyrind (Bos primigenius f. taurus) in spielerischem Kampf mit Zwergziegenbock im Tierpark Berlin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Im Gegensatz zu anderen afrikanischen Rindern gehören die Dahomeys dem in Europa verbreiteten taurinen Rindertyp an. Sie sind haben einen ausgesprochen kurzen Schädel mit kurzen, ovalen Hörnern, die im Alter meist nach unten zeigen und einen sehr langen Schwanz mit langer Quaste. Die Fellfarbe ist schwarz oder grau, bisweilen mit weißen Flecken am Bauch. Das Euter der Kuh, ist klein und hat manchmal nur 3 Zitzen. Die Milchleistung reicht lediglich zur Aufzucht der bei Geburt bräunlichen oder silbergrauen, ca. 40-45cm großen und 10-15 kg schweren Kälber.

Mit einer Widerristhöhe von 80-90 kg und einem Gewicht bis 230 kg bei den Kühen sowie 90-105 cm und bis 300 kg bei den Bullen ist das Dahomey-Rind die weltweit kleinste Rinderrasse. Es stammt ursprünglich aus dem ehemaligen Königreich Dahomey (heute Benin) in Westafrika, wo es heute als Folge von Verdrängungskreuzungen mit leistungsfähigeren Rinderrassen selten geworden ist. Nach Europa gelangten die ersten Dahomey-Rinder zu Beginn des 20. Jahrhunderts, nämlich in den Zoo von Antwerpen, wohin sie als Futtertiere für einen Raubtiertransport mitgeführt worden waren. Die für diesen Zweck nicht benötigten Überlebenden bildeten den Anfangsbestand der Rasse in Europa.
Dahomeys sind extrem anspruchslose Rinder mit bescheidener wirtschaftlicher Bedeutung. Sie haben sich gut an das mitteleuropäische Klima angepasst und eignen sich sehr gut für die Weidpflege von Ökowiesen und Berghängen, da sie kaum Trittschäden verursachen. Ein gut belüfteter, trockener Stall im Winter und eine Schutzhütte im Sommer sind ausreichend für das Wohlergehen der Tiere.

Literatur und Internetquellen:

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Glanrind

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Glankuh (Bos primigenius f. taurus) mit Kalb im Tiergarten Worms © Tiergarten Worms (Pressefoto)

 

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Glankuh (Bos primigenius f. taurus) mit Kalb im Tiergarten Worms © Jennifer Natusch, Tiergarten Worms (Pressefoto)

 

Das Glanrind ist ein robustes Dreinutzungsrind, das sich besonders für eine extensive Nutzung eignet. Es wird auch in der Landschaftspflege eingesetzt. Das Hauptzuchtgebiet dieses einfarbig gelben Höhenviehschlages liegt in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen. Sein Ursprung geht auf eine 1771 von Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken erlassene Körverordnung zurück, die vorsah, dass das rote Pfälzer Landvieh durch Einkreuzung von Simmentaler Fleckvieh und Schweizer Braunviehdie verbessert werden sollte. Ursprünglich gab es zwei verschiedene Schläge, einen leichteren, einfarbigen Schlag mit relativ hohem Milchertrag und ein schwereres, grobknochiges, geschecktes Arbeitsrind. Aber noch im 19. Jahrhundert kam es zur Vereinigung beider Schläge. In den 1950er Jahren erreichte die Rasse einen Höchstbestand von 400'000 Tieren. Innerhalb der drei folgenden Jahrzehnte starb sie als Ergebnis einer Verdrängungszucht mit dem Roten Dänischen Milchrind beinahe aus. 1984 wurde mit den verbleibenden 27 zuchttauglichen Glanrindern ein Erhaltungszuchtprogramm gestartet. Heute gibt es in Deutschland wieder rund 2'000 Stück. In der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) ist das Glanrind in der Kategorie II - Stark gefährdet aufgeführt.

Literatur und Internetquellen:

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Rätisches und Tiroler Grauvieh

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Rätisches Grauvieh (Bos primigenius f. taurus), Stier im Schweizerischen Freilichtmuseum Ballenberg, Hofstetten bei Brienz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Rätisches Grauvieh (Bos primigenius f. taurus), Kalb im Schweizerischen Freilichtmuseum Ballenberg, Hofstetten bei Brienz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Rätisches Grauvieh (Bos primigenius f. taurus), Rind im Schweizerischen Freilichtmuseum Ballenberg, Hofstetten bei Brienz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das Grauvieh hat seinen Ursprung in den Torfrindern der Pfahlbauer, den silbergrauen Rindern der Rätier und dem Vieh der Kelten, Alemannen und Walser. Die ursprünglich in den Bündner Bergtälern beheimatete Rasse, von der es einen leichten und einen schweren Schlag gab, galt als ausgesprochenes Dreinutzungsrind (Arbeit, Milch und Fleisch) und noch bis Ende des 19. Jahrhunderts war die Nachfrage nach Grauvieh im In- und Ausland gross. Durch die einseitige Förderung des auf Milchleistung gezüchteten Braunviehs wurde das Grauvieh bis 1920 verdrängt und ging in der Schweiz komplett in der Braunviehpopulation auf. Daher galt die Rasse lange als ausgestorben, bis man typähnliche Tiere im Südtirol fand und diese wieder einführte. Heute hat sich der leichte Schlag des anspruchslosen und robusten rätische Grauviehs als Zweinutzungsrasse im schweizerischen Berggebiet wieder etabliert. Genutzt werden die Tiere als Mutterkühe für die Kälbermast und für die Milchproduktion. Auf der Basis von Raufutter liefern die Kühe über eine Laktationsperiode im Mittel 3'600 kg Milch. In der extensiven Haltung sind sie auch deshalb beliebt, weil sie mit ihrem leichten Körperbau wenig Trittschäden verursachen und auch unwegsames Gelände beweiden können. In Österreich, wo der Schwerpunkt der Zucht in Tirol liegt, gab es 2019 im Herdebuch 42 Zuchtstiere und 4'112 Zuchtkühe.

Die Farben des Grauviehs reichen von eisengrau, silbergrau, dunkelgrau bis zu grau-gelb mit stark fuchsigem Stirnschopf. Klauen und Hörner sind dunkel. Das Flotzmaul ist schwarz. Charakteristisch ist der weiße Aalstrich auf dem Rücken. Die Umgebung der Augen, Hals und Schultern sowie die Außenseite der Schenkel sind etwas dunkler. Die Umgebung des Flotzmauls, die Innenseite der Ohren, die Rumpfunterseite und das Euter sind nahezu weiß. Die Stiere sind dunkler und oft hell gesattelt.

Literatur und Internetquellen:

 

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Hinterwälder Rind

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Hinterwälder Rinder (Bos primigenius f. taurus) im Tierpark Hellabrunn, München © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Hinterwälder Kühe (Bos primigenius f. taurus) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

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Hinterwälder Kühe (Bos primigenius f. taurus) mit Kalb in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

Kleine, trittsichere Rinder waren früher in vielen Alpentälern und Mittelgebirgen verbreitet. Die meisten sind ausgestorben. Überlebt hat aber z. B. im südlichen Hochschwarzwald das Hinterwälder Rind, das dank seiner Isoliertheit auch die Rinderpestepidemie von 1814 bis 1816 überstand, welche ansonsten dem badischen Rindviehbestand arg zusetzte. Seine größte Verbreitung hatte es mit ca. 30'600 Tieren wohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die organisierte Zucht begann im Jahr 1889, kam aber während des Zweiten Weltkriegs zum Erliegen und musste in der Folge neu aufgebaut werden. Um 1960 war der Bestand wieder auf über 1’300 Tiere angestiegen, sank aber danach, bis 1975 nur noch 298 Herdbuchkühe vorhanden waren. Durch staatliche Förderung und das Aufkommen der Mutterkuhhaltung gab es ab den 1980er Jahren eine Zunahme, und 2018 zählte das deutsche Herdbuch wieder 89 Bullen und 2'252 Kühe. 1984-87 importierten PRO SPECIE RARA und engagierte Züchter 102 Tiere in die Schweiz. 1988 wurde ein Zuchtverein gegründet, der nach zwei weiteren Importen 1998 offiziell als Zuchtverband anerkannt wurde, was mit einer Förderung der Zucht durch den Bund einherging. 2015 umfasste das Herdbuch 9 Bullen und 647 Kühe.

Hinterwälder sind robuste, genügsame und langlebige, bestens zur Mutter- und Ammenkuhhaltung geeignete Zweinutzungsrinder mit hoher Fruchtbarkeit, die auch in der Landschaftspflege eingesetzt werden. Sie sind falb bis rot gesprenkelt, gescheckt oder gedeckt mit meist weißem Kopf. Sie sind die kleinsten Rinder Mitteleuropas. Kühe haben eine Widerristhöhe von 115-125 cm und erreichen ein Gewicht von 380-490 kg. Die Milchleistung liegt  bei etwa 3'400 kg mit 3.99% Fett- und 3.40% Eiweißgehalt. In zoologischen Einrichtungen Deutschlands und der Schweiz sind sie relativ gut vertreten.

Literatur und Internetquellen:

 

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Schottisches Hochlandrind

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Schottisches Hochlandrind (Bos primigenius f. taurus), Kuh im Naturschutzgebiet Neeracher Ried bei Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Schottisches Hochlandrind (Bos primigenius f. taurus), Kalb im Naturschutzgebiet Neeracher Ried bei Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Schottisches Hochlandrind (Bos primigenius f. taurus), Bulle im Tierpark Neumünster © Verena Kaspari, TP Neumünster

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Schottisches Hochlandrind (Bos primigenius f. taurus), unterschiedliche Farbschläge im Tierpark Weihermätteli, Liestal © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das Schottische Hochlandrind ist durch ein langes, dichtes Fell gegen Kälte, Regen und Hitze geschützt. Die vorherrschende Farbe ist Rot. Gelb, Dunkelbraun und Schwarz sind auch relativ häufig, während Graubraun und Weiß seltener vorkommen. Der kurze dreieckige Kopf trägt einen buschigen Haarschopf, der die Augen bedeckt. Die Ohren haben einen auffallend langen Behang. Die extrem langen, symmetrisch geschwungenen Hörner ähneln jenen des Auerochsen und verleihen dem klein- bis mittelrahmigen Schottischen Hochlandrind sein charakteristisches Aussehen. Kühe haben eine Kreuzbeinhöhe von 110-128 cm und ein Gewicht von 450-650 kg, Bullen werden um die 138 cm hoch und 650-850 kg schwer. Das Geburtsgewicht der Kälber liegt bei 22-25 (20-30) kg.

Hochlandrinderherden werden ganzjährig im Freien gehalten und werden gerne zur Landschaftspflege eingesetzt. Die Kälber verbleiben bei ihren Müttern und werden von diesen gesäugt. Da die Bullen ruhige und umgängliche Tiere sind, können sie ganzjährig in der Herde stehen.  Jungbullen werden auf gesonderten Flächen gehalten, um Rivalitäten zu verhindern. Die Rinder sind spätreif. Bullen und Ochsen sind nur weidemasttauglich und für eine Intensivmast nicht geeignet. Ihr ideales Schlachtalter liegt bei 24 bis 30 Monaten. Schriftliche Belege für das Schottische Hochlandrind gibt es seit dem 18. Jahrhundert. Das Erste Zuchtbuch wurde 1885 veröffentlicht. In der Schweiz wird die Haltung durch den Verein "Highland Cattle Society Switzerland" mit über 200 Mitgliedern gefördert, in Deutschland und Österreich gibt es entsprechende Vereine. In Deutschland wurden die ersten Hochlandrinder 1978 nach Schleswig-Holstein eingeführt, in Zoos, Tier- und Wildparks wurde die Rasse ab den 1990er Jahren in größerem Umfang gehalten.

Um höhere Erträge zu erzielen werden in Schottland neben der Reinzucht auch Gebrauchskreuzungen mit Fleischrassen, z. B. Beef Shorthorn, durchgeführt

Literatur und Internetquellen:

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Limpurger oder Leintäler Rind

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Limpurger Kühe(Bos primigenius f. taurus) mit Kälbern in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

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Limpurger Kalb (Bos primigenius f. taurus) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

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Limpurger Kalb (Bos primigenius f. taurus) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

Das extrem gefährdete Limpurger oder Leintäler Rind, ist die älteste noch existierende württembergische Rinderrasse. Ihr Namen leitet sich von der Grafschaft Limpurg ab, die um die Wende von 18. zum 19. Jahrhundert mit Württemberg vereinigt wurde. Während die anderen württembergischen Landschläge durch Einkreuzung von Schweizer Simmentalern verdrängt wurden, erhielten sich die nach dem 30-jährigen Krieg aus Kreuzungen des Roten Landviehs mit dem Allgäuer Vieh entstandenen Limpurger trotz mehrerer Einkreuzungsversuche rein. Ab Ende des 19. Jahrhunderts ging ihre Zahl jedoch kontinuierlich zurück, 1963 wurde der Limpurger Zuchtverband aufgelöst, und Anfang der 1980er Jahre galt die Rasse offiziell als ausgestorben. Einige Betriebe hatten jedoch an ihren Tieren festgehalten. Diese wurden ab 1986 aufgespürt. 1987 kam es zur Gründung der Züchtervereinigung Limpurger Rind und bereits im Sommer 1987 wurden 56 Kühe ins neue Limpurger Herdbuch aufgenommen. Seither nahm die Population eine erfreuliche Entwicklung - zum Ende des Jahres 2019 verzeichnete sie ca.720 Kühe im Herdbuch mit entsprechender Nachzucht in 94 Herdbuchbetrieben. Dabei ist die Anzahl der Milchkühe in den letzten Jahren rückläufig, im Gegenzug nimmt die Zahl der Mutterkühe laufend zu.

Das Limpurger war Früher ein Dreinutzungsrind (Milch/Fleisch/Arbeit) und ist heute ein langlebiges Zweinutzungsrind mit einer Milchleistung von 4'140 kg und Tageszunahmen bei Bullen von 1'370 g. Es handelt sich um mittelrahmig Tiere mit feinem Knochenbau, fein geschnittenem Kopf und einfarbig hell- bis rotgelbem Fell. Das Flotzmaul ist, fleischfarben, Hörner und Klauen sind gelb. Kühen haben eine Widerristhöhe von 134-137 cm  und ein Gewicht von 600-650 kg, Bullen eine  Widerristhöhe von 143-150 cm und ein Gewicht von 1'000-1'100 kg. Es ist nur in sehr wenigen zoologischen Einrichtungen im süddeutschen Raum zu sehen.

Literatur und Internetquellen:

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Englisches Parkrind

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Englisches Parkrind (Bos primigenius f. taurus) im Haustierpark Lelkendorf © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Englisches Parkrind (Bos primigenius f. taurus) im Whipsnade Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Das Englische Parkrind ist eine sehr ursprüngliche Rasse. Es wird vermutet, dass es in vorchristlicher Zeit durch die Kelten eingeführt und dann wild oder halbwild lebte, bis es ab dem 12. Jahrhundert in großflächigen Parks gehalten wurden, wo es dem Adel als Jagdwild diente. Wegen seiner Ursprünglichkeit wurde das Englische Parkrind das bereits von Conrad GESSNER als "Bison albus scoticus" beschrieben worden war, von Lutz und Heinz HECK, den ehemaligen Direktoren des Berliner Zoos und des Tierparks Hellabrunn, als eine der Ausgangsrassen für die "Rückzüchtung" des Auerochsen  eingesetzt.

Das Englische Parkrind ist cremeweiß mit schwarzer oder rotbrauner Pigmentierung an den Ohren, um das Flotzmaul, an den Sprunggelenken und den Zitzen. Möglich sind unregelmäßige, kleine schwarze Pigmentflecken an anderen Körperstellen. In seinem Körperbau ähnelt es relativ stark dem Typ des Auerochsen. Bullen werden ca. 143 cm hoch und 950 kg schwer, Kühe erreichen eine Höhe um die 132 cm und ein Gewicht um 630 kg. Die Tiere sind mittelrahmig mit auffallender Brusttiefe versehen und zeigen eine gerade Oberlinie. Charakteristisch ist die relativ schwach ausgeprägte Bemuskelung der Hinterhand. Die stark ausgeprägten Hörner sind sehr lang und variieren in ihrer Stellung. Englische Parkrinder werden in gegen 10 britischen und deutschen zoologischen Einrichtungen gehalten. Die größte Herde in Deutschland besitzt die Arche Warder.

Literatur und Internetquellen:

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Ungarisches Steppenrind

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Ungarisches Steppenrind (Bos primigenius f. taurus) im Tiergehege Mundenhof, Freiburg i. Br.© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Ungarisches Steppenrind (Bos primigenius f. taurus) im Tiergehege Mundenhof, Freiburg i. Br.© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Ungarisches Steppenrind (Bos primigenius f. taurus) im Tiergarten Mönchengladbach © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das auch Graurind oder Szilayrind genannte Ungarische Steppenrind gelangte vermutlich im 9. Jahrhundert mit der Einwanderung der Magyaren aus dem Osten in die Pannonische Tiefebene. Vom 14. bis ins 19. Jahrhundert soll es hier die bevorzugte Rinderasse gewesen sein. Bis ins frühe 20. Jahrhundert galten die robusten Hausrinder, vor allem die Ochsen, als zuverlässige Arbeitstiere und an vielen Orten weideten große Viehherden. Nach dem Zweiten Weltkrieg verdrängten Umstellungen in der Landwirtschaft und Viehzucht die alte Rinderrasse nach und nach, bis es schließlich nur noch sechs Stiere und 187 Kühe gab. In Österreich konnte die Rasse durch ein gemeinsames Engagement des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel und örtliche Bauern erhalten werden. Im Nationalpark weiden heute etwa 500 Steppenrinder und stellen dadurch wertvolle Lebensräume sicher. In Ungarn ist das Überleben der Rasse dem wachsenden Tourismus zu verdanken: Die stattlichen und beeindruckenden Ochsen ziehen heutzutage überwiegend Kutschen für Touristen durch die Puszta.

Die Widerristhöhe liegt bei den Bullen bei 145-155 cm, das Gewicht bei 800-960 kg. Kühe werden 135 -140 cm hoch und 500-600 kg schwer. Die Tiere haben bis zu 80 cm lange ausladende Hörner, die Fellfarbe ist grau, das Maul ist dunkel. Die Kälber sind bei der Geburt rötlich blond und nehmen erst mit etwa einem halben Jahr die typisch hellgraue Farbe an. Verwandte Rassen sind das Siebenbürger und das Ukrainische Steppenrind sowie die italienische Maremmana.

Literatur und Internetquellen:

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Vogtländisches Rotvieh

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Vogtländisches Rotvieh (Bos primigenius f. taurus), Kuh im Naturschutz-Tierpark Görlitz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Vogtländisches Rotvieh (Bos primigenius f. taurus) im Naturschutz-Tierpark Görlitz © Naturschutz-Tierpark Görlitz

 

 

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Vogtländisches Rotvieh (Bos primigenius f. taurus), Kuh im Naturschutz-Tierpark Görlitz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das Vogtländische Rotvieh entstand im 17. Jahrhundert auf der Grundlage des einfarbigen mitteldeutschen Gebirgsviehs. Es wurde ursprünglich als Dreinutzungsrind gezüchtet, geeignet als Zugtier, zur Milch- und zur Fleischproduktion. Bis Mitte des 19. Jahrhundert war es die vorherrschende Rinderrasse im oberen Vogtland. Dann wurde es zunehmend durch importierte Rassen mit höherer Milch- oder Mastleistung ersetzt. 1907 gab es nur noch 6’400 Kühe. Im Dritten Reich wurde die Zucht des Rotviehs nicht mehr unterstützt und die Rasse verschwand fast ganz. Nach dem zweiten Weltkrieg ging es zunächst wieder bergauf, 1966 lag der Bestand wieder bei 600 Kühen. Im zentralen Zuchtprogramm der DDR von 1968 war das Vogtländische Rotvieh aber nicht mehr zur Weiterzucht vorgesehen. Nur in einer LPG und bei einzelnen Bauern blieben Rotviehbestände erhalten. Durch Bemühungen des Bauernmuseums Landwüst und zweier einzelner Züchter ab 1989 konnte aus den wenigen vorgefundenen Alttieren im Vogtland und eingeführten polnischen Tieren eine neue Zucht aufgebaut werden. 1990 wurde der Verein „Vogtländisches Rotvieh e. V.“ gegründet, 1992 erfolgte die Anerkennung des Rotviehs als existenzbedrohte Haustierrasse in Sachsen mit entsprechender staatlicher Förderung und züchterischer Betreuung.

Das heutige Zuchtziel ist ein einfarbig rotes bis rotbraunes, mittelgroßes Rind mit hellem Flotzmaul, hellen Hörner mit dunklen Spitzen und heller Schwanzquaste. Die Milchleistung liegt bei 5’000 Litern pro Kuh und Jahr. Die Tiere werden überwiegend in der Mutterkuhhaltung zur Grünlandnutzung und Fleischerzeugung eingesetzt. Ähnliche einfarbig rote Rinder gab und gibt es in Deutschland in vielen Mittelgebirgen. Dazu gehören Vogelsberger Rotvieh in Hessen, Harzer Rotvieh in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen und Westfälisches Rotvieh. Seit mehreren Jahren koordiniert die „Bundesarbeitsgemeinschaft Rotes Höhenvieh“ als Dachverband die Zucht. Der Kuhbestand dieser gesamten Höhenvieh-Population liegt seit dem Jahr 2000 bei ca. 700 Tieren, davon entfallen 100 Kühe auf das Vogtländische Rotvieh. Der Naturschutz-Tierpark Görlitz ist der einzige Zoo, welcher die Rasse zeigt.

Literatur und Internetquellen:

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Gelesen 6644 mal Letzte Änderung am Samstag, 24 Juli 2021 15:18
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx