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SCHÖNBÄCHLER, K., HATT, J.-M., SILAGHI, C., MERZ, N., FRAEFEL, C. & BACHOFEN, C. (2019)

Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus Nachweis beim Europäischen Igel (Erinaceus europaeus).

Schweiz Arch Tierheilkd. 161 (1): 23-32.
ISSN 0036-7281; online 1664-2848. DOI: https://doi.org/10.17236/sat00191

Zusammenfassung:

Aufgrund des hohen Zeckenbefalls bei wildlebenden Europäischen Igeln (Erinaceus europaeus) haben diese Tiere eine starke Exposition gegenüber diversen, durch Zecken übertragenen Pathogenen, die neben der direkten gesundheitlichen Bedeutung für den Wirt auch zoonotisches Potential aufweisen können. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist in der Schweiz eine wichtige durch Zecken übertragene Krankheit, die durch das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus verursacht wird. Über dessen Vorkommen beim Europäischen Igel ist bisher wenig bekannt. Mit der Untersuchung von Organen, Blut und Zecken von 65 Europäischen Igeln sollte daher erstmalig eine Aussage über die Präsenz des Virus bei dieser Tierart in der Schweiz gemacht werden. Der Nachweis viraler RNA erfolgte mittels real-time RT-PCR aus Lunge, Leber, Milz und Niere von 56 Igeln sowie aus gesamthaft 114 infestierenden Zecken, die entweder der Art Ixodes hexagonus oder Ixodes ricinus angehörten. Zusätzlich wurden 19 Blutproben mittels ELISA auf Antikörper gegen das Virus getestet. In der vorliegenden Studie konnten erstmals Antikörper gegen das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus im Blutserum eines Europäischen Igels nachgewiesen werden. Die Lungen- und Milzproben des gleichen Tieres waren zudem schwach Virus-positiv. Derselbe Igel zeigte neurologische Symptome, die allerdings auch mit anderen Krankheiten einhergehen können. In keiner der Zecken wurde virale RNA nachgewiesen. Die Möglichkeit einer durch die Virusinfektion ausgelösten Enzephalitis im Igel kann mit dieser Studie weder bestätigt noch ausgeschlossen werden. Der gleichzeitige Nachweis von Antikörpern und Virus-RNA im selben Tier macht den Europäischen Igel nicht nur zum kompetenten Wirt des Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus sondern gibt auch Anlass zur Annahme, dass diese Art als Reservoir fungieren kann.

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