Halbaffen

Alaotra-Halbmaki

Alaotra-Halbmaki (Hapalemur alaotrensis) mit Jungem im Zoo Zürich Alaotra-Halbmaki (Hapalemur alaotrensis) mit Jungem im Zoo Zürich
© Zoo Zürich (Pressefoto)

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Halbaffen (Prosimiae / Strepsirrhini)
Teilordnung: Maki-Verwandte (Lemuriformes)
Familie: Makis (Lemuridae)

D CR 650

EEPAlaotra-Halbmaki

Hapalemur alaotrensis • The Alaotran Gentle Lemur • Le grand hapalémur

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Alaotra-Halbmakis (Hapalemur alaotrensis) mit Jungtier im Kölner Zoo © Rolf Schlosser, Kölner Zoo

 

 

 

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Vorkommen des Alaotra-Halbmakis (Hapalemur alaotrensis)

 

 

 

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Alaotra-Halbmakis (Hapalemur alaotrensis) im Kölner Zoo © Rolf Schlosser, Kölner Zoo

 

 

 

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Alaotra-Halbmaki (Hapalemur alaotrensis) im Nowe Zoo Poznan / Posen © Elias Neideck

 

 

 

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Alaotra-Halbmakis (Hapalemur alaotrensis) im Zoo Zürich © Zoo Zürich (Pressefoto)

 

 

 

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Für den in seiner Heimat hochgradig bedrohten Alaotra-Halbmaki gibt es ein Internationales Zuchtbuch und ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm. Trotzdem ist er in Zoos nicht häufig zu sehen, im deutschsprachigen Raum überhaupt nicht mehr.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Alaotra-Halbmaki hat eine Kopf-Rumpflänge von etwa 40 cm, einen ebenso langen Schwanz und wiegt 1.2-1.3 kg. Damit ist er nach dem Goldenen Bambuslemuren die zweitgrößte Art seiner Gattung. Der Kopf ist rundlich mit kurzer Schnauze und kleinen, abgerundeten Ohren. Das Fell ist dicht und wollig, auf der Körperoberseite dunkel graubraun, am Bauch hellgrau. Gesicht und Kehle sind grau, Kopfoberseite und Nacken kastanienbraun [6].

Verbreitung

Madagaskar: Nur an zwei Standorten im östlichen Tiefland [1].

Lebensraum und Lebensweise

Als einzige Primatenart, verbringt der Alaotra-Halbmaki eine grosse Zeit seines Lebens über Wasser auf Schilf- und Papyrusstauden. Das Verbreitungsgebiet ist winzig. Es beschränkt sich auf sumpfige Bereiche um den Alaotra-See. Zur Fortbewegung klettert der Alaotra-Halbmaki am Stamm einer Wasserpflanze hoch bis dieser kippt, läuft dem quer liegenden Stamm entlang und besteigt so die nächste Pflanze. Der Halbmaki kann aber auch von Stamm zu Stamm springen oder schwimmend eine offene Wasserfläche durchqueren. Die "Bandros", wie sie in Madagaskar genannt werden, leben meist in Familiengruppen, bestehend aus ein oder zwei Elternpaaren und ihren Jungen. Der Alaotra-Halbmaki muss wegen seiner Vorliebe für nährstoffarme Nahrung mehr oder weniger ständig Nahrung zu sich nehmen und ist daher tag- und nachtaktiv [1; 6; PM Zoo Zürich].

Alaotra-Halbmakis leben in Familienverbänden mit 3 bis 6 Tieren. Eine Gruppe besetzt ein Streifgebiet von im Mittel 2 ha, das sie als Territorium gegen Artgenossen verteidigt. Geburtensaison ist von September bis Februar. Nach einer Tragzeit von 135-140 Tagen wird in der Regel 1 Junges geboren. Dieses wiegt bei der Geburt im Mittel 63 g und hat die Augen offen. Ab der 5.-6. Woche beginnt es, feste Nahrung zu sich zu nehmen, mit 20-24 Wochen wird es entwöhnt [6].

Gefährdung und Schutz

Der Alaotra-Halbmaki hat eine kleine Verbreitung und einen abnehmenden Bestand von vermutlich unter 2'500 Individuen. Er gilt daher seit 1996, letztmals überprüft 2018, als stark von der Ausrottung bedroht (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Alaotra-Halbmakis werden lokal wegen ihres Fleischs gejagt und als Heimtiere gefangen [1]. Von 1977-2017 meldete Madagaskar keinerlei Ausfuhren. Weltweit wurden im internationalen Handel während dieses Zeitraums (faktisch erst ab 2001) 25 Nachzuchttiere registriert. Davon kamen die meisten aus Jersey [3].

Haltung

Die publizierten Höchstalter für zwei Tiere liegen bei 13 Jahren und 7 Monaten [5]. Es ist anzunehmen, dass Alaotra-Halbmakis in etwa gleich alt werden können, wie Graue Habmakis, d. h. etwa 23 Jahre

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund zwei Dutzend Zoos gehalten. Haltungsschwerpunkt ist Großbritannien. Für Details siehe Zootierliste.

Seit 1997 besteht ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das jetzt als "New Style EEP" geführt und vom Jersey Zoo koordiniert wird. Dieser führt auch das Internationale Zuchtbuch. Es umfasst 89 lebende Individuen in 23 Einrichtungen [IZY 52, Daten bis Mai 2016].

Wie Halbmakis gehalten werden (Beispiel):

Mindestanforderungen an Gehege: Für die Vorgabe des Säugetiergutachten 2014 des BMEL von 4 m² / 8 m³ für die Haltung von 2 Tieren liegt keine wissenschaftliche Begründung vor. Aufgrund tierhalterischer Erfahrung stellten die Tierschutzsachverständigen der Zoos fest, die im Gutachtens'96 enthaltenen Gehegedimensionen von 3 m² / 6 m³ seien nach wie vor ausreichend für zwei Tiere oder eine Familiengruppe bis zu fünf Tieren.

Dass bei der Haltung in Nachttierhäusern in der Nachtphase die Beleuchtungsstärke unter 0,3 Lux liegen muss, ist nicht praktikabel und mit dem Betrieb einer öffentlich zugänglichen Anlage nicht zu vereinbaren (Sichtbarkeit der Tiere, Diebstahl, sexuelle Übergriffe). Tierhalterische Erfahrung zeigt, dass bei Beleuchtungsspitzen bis 4-6 Lux in den Gehegen keine negativen Auswirkungen beobachtet werden können. Wesentlich ist, dass das Verhältnis der Beleuchtungsstärken der Nacht- und Tagphase mindestens 1:100 beträgt [1; 3; 6].

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 5 Halbmakis ein Innengehege mit einer Fläche von 3 m² und einer Höhe von 2 m vor. Für jedes weitere erwachsene Tier ist die Fläche um 0.5 m² zu erweitern.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen. Dazu ist ein Innengehege mit einer Fläche von 15 m² und ein Außengehege von 40 m² bei einer Höhe von je 2.5 m erforderlich.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Alaotra-Halbmaki wurde 1975 von Götz RÜMPLER, damals Direktor des Zoos am Meer in Bremerhaven, als Unterart von Hapalemur griseus erstbeschrieben. Er ist größer als H. griseus griseus, aber molekulargenetisch unterscheidet er sich nicht, wie neuere Untersuchungen zeigten [1; 6].

Durch Neuentdeckungen und die Aufspaltung bekannter Arten stieg die Zahl der Hapalemur-Arten von drei im Jahr 1994 auf 6 im Jahr 2008, wobei für eine davon eine neue Gattung, Prolemur, geschaffen wurde [4].

Literatur und Internetquellen

  1. RALAINASOLO, F.B. et al. 2020. (Hapalemur alaotrensis) (amended version of 2020 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T9676A182236363. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-3.RLTS.T9676A182236363.en . Downloaded on 17 December 2020.
  2. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. MITTERMEIER R.A. et al. (2008)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 4348 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 17 Dezember 2020 09:31
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx