Stachelschwein-Verwandte

Ansell-Graumull

Ansell-Graumull (Cryptomys anselli) im Zoo Basel Ansell-Graumull (Cryptomys anselli) im Zoo Basel
© Zoo Basel (Pressefoto)

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Familie: Sandgräber (Bathyergidae)

D NT 650

Ansell-Graumull

Fukomys anselli • The Zambian Mole-rat • Le rat-taupe de Zambie

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Ansell-Graumull (Fukomys anselli) © M.-T. Bappert, aus Z. Kölner Zoo

 

 

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Verbreitung des Ansell-Graumulls (Fukomys) anselli)

 

 

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Ansell-Graumull (Fukomys anselli) im Zoo Leipzig © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Ansell-Graumull (Fukomys anselli) mit Jungtier in Privathaltung © Elias Neideck

 

 

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Ansell-Graumull (Fukomys anselli) in Privathaltung © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Ansell-Graumull (Fukomys anselli) in Privathaltung © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Der Ansell-Graumull ist eine spät entdeckte Art, die wegen ihres kleinen Verbreitungsgebiets als potenziell gefährdet gilt. Er ist eine nur zwei (von 17) Graumull-Arten, die in europäischen Zoos zu sehen sind, denn die sehr speziellen Ansprüche an ihre Haltung und Präsentation limitieren die Zahl der Zoos, die Graumulle zeigen.

Körperbau und Körperfunktionen

Ansell-Graumulle erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 11-13.5 cm, eine Schwanzlänge von 1.5-2.2 cm und ein Gewicht von80-126 g bei den Männchen und von 65-102 g bei den Weibchen. Erwachsene Tiere sind goldbraun gefärbt und haben meist einen weißen Fleck auf der Stirn. Bei jüngeren Individuen ist die Färbung dunkler. Die Weibchen besitzen 2 Paar Zitzen im Brust- und 1 Paar im Lendenbereich. Die Anatomie der Graumulle ist der unterirdischen Lebensweise hervorragend angepasst. Der Körper ist zylinderförmig, Extremitäten und Schwanz sind kurz, Ohrmuscheln fehlen, die Hoden liegen abdominal und die Haut ist sehr verschieblich. Bemerkenswert ist die Eigenschaft, zur Orientierung unter Tage das Erdmagnetfeld wahrzunehmen [1; 5].

Verbreitung

Südostafrika: Sambia rund um Lusaka [2].

Lebensraum und Lebensweise

Der Ansell-Graumull besiedelt lichten Miombo-Wald, kommt aber auch in vom Menschen veränderten Lebensräumen, wie Gärten oder Golfplätzen, vor. Es ist eine soziale Art, die Kolonien von bis zu 12 Tieren bildet. Ein Wurf besteht aus zwei Jungen. Graumulle leben in ausgedehnten, weit verzweigte, horizontalen unterirdischen Gangsystemen, die bis zu 3000 m lang sein können und Nester, Latrinen und Futterkammern beinhalten. 10-30 Tiere, beansprucht ca. 2-3 ha Fläche. Die meisten Gänge liegen nur etwa 20 cm unter der Bodenoberfläche, die Nestkammern dagegen in bis zu 2 m Tiefe. Die Nester werden mit Gräsern, Blättern aber auch Siedlungsabfall, wie Plastiktüten, ausgekleidet. Der Bau wird von einer Familie während Jahren ausgebaut und bewohnt. In den Gängen herrscht eine Luftfeuchtigkeit von 90% und die Röhren weisen einen Durchmesser von 6-7 Zentimeter auf [1; 2; 5].

Gefährdung und Schutz

Der Ansell-Graumull wurde wegen seines kleinen Verbreitungsgebiets 2004 als potenziell gefährdet eingestuft (Rote Liste: NEAR THREATENED). Im Rahmen einer Neubeurteilung wurde festgestellt, dass sein Areal 35'260 km² umfasst und keine wesentlichern Risiken bestehen. Seit 2020 gilt er daher als nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST COMCERN) [2].

Der internationale Handel wird nicht durch CITES geregelt

Bedeutung für den Menschen

Der Ansell-Graumull gilt als Schädling an landwirtschaftlichen Kulturen und in Gemüsegärten. Die Tier werden auch gefangen und gegessen [2].

Haltung

WEIGL gibt als Altersrekord 9 Jahre und 6 Monate an, erreicht von einem an der Universität Essen gehaltenen männlichen Tier [4].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird nur in sehr wenigen Zoos gehalten, die sich alle im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Graumulle werden in Röhren- / Kistensystem gehalten. Die im Säugetiergutachten 2014 des BMEL enthaltene Maße sind absurd, wie die Tierschutzsachverständigen der Zoos feststellten. Die angegebene Mindesthöhe würde nur die Regulierung von Temperatur- und Luftfeuchtigkeit erschweren.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) und die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) enthalten keine Angaben zu Graumullen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Ansell-Graumull wurde erst 1999 durch ein Autorenkollektiv (Hynek BURDA et al.) in der Zeitschrift für Säugetierkunde unter der Bezeichnung "Cryptomys anselli" beschrieben. 2006 wurde die Gattung Cryptomys  aufgesplittet, indem die nördlich des Limpopo vorkommenden Formen einer neuen Gattung Fukomys zugeordnet wurden [3; 5; 6].

Literatur und Internetquelle

  1. BEGALL, S. & BURDA, H. (2011)
  2. DANDO, T. & VAN DAELE, P. (2020). Fukomys anselli. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T44858A22184572. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-2.RLTS.T44858A22184572.en . Downloaded on 14 July 2020.
  3. KOCK et al. 2006
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  6. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 4753 mal Letzte Änderung am Dienstag, 14 Juli 2020 14:26
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx