Lebensräume in Eurasien

Gebirge (1)

Aletschgletscher, Kt. Wallis Aletschgletscher, Kt. Wallis
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Allgemeines

Anders als in Amerika verlaufen in Europa die wichtigsten tertiären Faltengebirge - Pyrenäen, Alpen und Kaukasus - in west-östlicher Richtung. Beim Wechsel von Warm- und Kaltzeiten limitieren sie daher die Möglichkeit terrestrischer Arten, sich in geeignete Klimazonen zurück zu ziehen. Im Gegensatz zu den amerikanischen Kordilleren, wo die unterschiedliche Regenmenge für unterschiedliche Lebensgemeinschaften auf der West- bzw. der Ostseite der Gebirge sorgt, sind es in Europa primär die Temperaturunterschiede, die für die unterschiedliche Zusammensetzung von Fauna und Flora zu beiden Seiten der Berge verantwortlich sind

(5.1) Alpen
(5.1.1) Nivale Stufe
(5.1.2) Alpine Stufe
(5.1.3) Subalpine Stufe
(5.1.4) Montane Stufe
(5.2) Mittelgebirge
(5.3) Andere Europäische Gebirge

Tabelle: Hochgebirgsgipfel in Europa

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(5.4) Zentralasiatische Hochgebirge

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Alpen

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Fels, Alpine Rasen und Nadelwald (Fichte, Picea abies) bei Kandersteg, Berner Oberland © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Die Jungfrau ist mit 4'158 m ü. M. der dritthöchste Berg der Berner Alpen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Subalpiner Fichtenwald (Picea abies) bei Kandersteg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Viele Berge sind bis in die Gipfelregion vollgestopft mit touristischer Infrastruktur und entsprechend stark von Erholungssuchenden frequentiert. Hier Rochers de Naye, 2'042 m ü. M., in den Waadtländer Alpen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Die Sömmerungsweiden in den Schweizer Alpen, Voralpen und im Jura werden mit ca. 300‘000 Grossvieheinheiten bestossen. Hier Rinder auf ca. 1'700 m. ü. M. beim Oeschinensee © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Zahlreiche freilaufende, nicht gehütete Schafe - allein im Kanton Wallis über 80'000 - und wieder eingewanderte Wölfe resultieren zwangsläufig in Konfliktsituationen. Hier Walliser Schwarznasenschaf auf rund 2'500 m. ü. M. am Sidelhorn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Alpenmurmeltiere (Marmota marmota) im natürlichen Lebensraum. Ehemalige Alpweide, Alp Trupchun, Schweiz. Nationalpark ca. 2'060 m.ü.M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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"Theater mit Wölfen" ein Projekt der Schweizer Zoos zur Reduzierung von Tier-Mensch-Konflikten - www.zoos.ch

Die Höhendifferenz zwischen dem Jungfraugipfel und Interlaken beträgt 3'580 m, als mittlere Julitemperatur werden in Interlaken-Station 18.1°C, auf dem Jungfraujoch -0.3°C gemessen. Über eine Luftdistanz von nur 18 km gelangt man so von einem polaren zu einem mitteleuropäischen Klima und quert vom Ewigen Schnee über Tundra, Taiga, Grasland, Mischwald und Laubwald so ziemlich Alles, was Europa an Ökoregionen zu bieten hat. Dies, ihre kleinräumige Gliederung und die Tatsache, dass auf ihrer Südseite der mediterrane Einfluss zur Geltung kommt, tragen zur hohen Biodiversität der Alpen bei.

Insgesamt gedeihen im Alpenraum rund 4'500 Pflanzenarten, was etwa 40 Prozent der Flora Europas entspricht. 417 Blütenpflanzen sind endemisch. Allein im nur 170 km² großen Schweizerischen Nationalpark wurden über 5'000 Arten wirbelloser Tiere nachgewiesen. In den Alpen insgesamt gibt es rund 2'500 verschiedene Schmetterlinge. Die Wirbeltiere sind vertreten durch rund 80 Fisch-, 21 Amphibien-, 15 Reptilien-, 200 Brutvogel- und 80 Säugetierarten.

Die Alpen sind stärker als andere vergleichbare Gebirge (siehe Andere Gebirge Europas) vom Menschen genutzt. 69 Einwohner kommen auf einen km². Transitstraßen und Bahnlinien schränken die Aktionsräume der Wildtiere ein. Der Tourismus mit Hotellerie, Zweitwohnungen, Bergbahnen, Skiliften und beschneiten Pisten ist allgegenwärtig. Wo Landwirtschaft betrieben wird, wird sie oft intensiviert. Subventionen haben zu einem Anwachsen der Nutztierbestände geführt. Andererseits werden Alpweiden aufgegeben und zuvor artenreiche alpine Rasen wandeln sich zu artenärmeren Koniferenwäldern. Diese Faktoren und der sich anbahnende Klimawandel, der im Alpenraum besonders spürbar ist, stellen Gefahren für die Biodiversität dar.

Der Klimawandel ist im Alpenraum stärker spürbar als in vielen anderen Weltgegenden. Die Schweizer Gletscher z.B. hatten in der Neuzeit ihre größte Ausdehnung um 1850 erreicht. Ihre Gesamtfläche betrug damals 1'730 km². 1973 waren es noch 1'307 km² und 2016 waren nur noch 890 km² vorhanden. Das Eisvolumen wurde für das Jahr 1850 auf 130 km³ geschätzt, 2016 waren es mit noch 54 km³ rund 60% weniger. Im Zeitraum 1973-2016 sind etwa 750 Gletscher ganz verschwunden, darunter alle im Schweizerischen Nationalpark (Der BUND vom 03.08.2017). Die Folge der Klimaerwärmung sind Änderungen  in der Höhenverteilung vieler Tier- und Pflanzenarten. Die Geschwindigkeit des Wandels birgt die Gefahr des Aussterbens.

Mittels der Alpenkonvention vom 7. November 1991, unterzeichnet von Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Liechtenstein, der Schweiz, der EU und später von Monaco, die am 6. März 1995 in Kraft trat, sollen der Schutz und die nachhaltige Entwicklung des Alpenraums gewährleistet werden. Allerdings hapert es mit der praktischen Umsetzung, die durch Protokolle konkretisiert wird. Die Bedeutung von Alpentieren im Zoo als Botschafter für den Schutz des Alpenraums ist daher nach wie vor wichtig, und der Alpenzoo Innsbruck sowie der Natur- und Tierpark Goldau spielen hier eine besondere Rolle. Mit der Rückkehr von Wolf und Bär und der dadurch bedingten Zunahme der Tier-Mensch-Konflikte im Alpenraum ist sie sogar noch bedeutender geworden.

Typische Zootiere

Braunbär, Wolf, Rotfuchs, Steinmarder, Baummarder, Hermelin, Iltis, Dachs, Fischotter, Europäische Wildkatze, Eurasischer Luchs, Wildschwein, Rothirsch, Reh, Gemse, Alpensteinbock, Alpenschneehase, Eichhörnchen, Gartenschläfer.

Gänsesäger, Waldrapp (in den Alpen ausgestorben, Wiederansiedlung im Gang), Haselhuhn, Alpenschneehuhn, Auerhuhn, Birkhuhn, Steinhuhn, Wespenbussard, Mäusebussard, Steinadler, Mönchsgeier, Gänsegeier, Bartgeier, Wanderfalke, Turmfalke, Ringeltaube, Sperlingskauz, Uhu, Waldkauz, Waldohreule, Raufusskauz, Schwarzspecht, Feldlerche, Wasseramsel, Rotkehlchen, Sommergoldhähnchen, Hausrotschwanz, Mauerläufer, Kleiber, Kolkrabe, Eichelhäher, Tannenhäher, Elster, Alpendohle, Alpenkrähe, Star, Haussperling, Erlenzeisig, Grünfink, Buchfink, Stieglitz, Fichtenkreuzschnabel, Gimpel, Goldammer.

Mauereidechse, Smaragdeidechse, Glattnatter, Ringelnatter, Äskulapnatter, Aspisviper, Kreuzotter, Erdkröte, Grasfrosch, Bergmolch.

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Nivale Stufe - Fels, Schutt und Geröll

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Steingeiß (Capra ibex ibex) im natürlichen Lebensraum. Gemmenalphorn, Berner Oberland, ca. 2'000 m.ü.M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Alpendohle (Pyrrhocorax graculus)im natürlichen Lebensraum. Felswand mit Flechten. Gemmi, Kt. Wallis, ca. 2'300 m.ü.M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Schnee, Fels und Geröll im Grimselgebiet © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Höhenlagen ab der klimatischen Schneegrenze bezeichnet man als nivale Stufe. Hier liegt Firn, d.h. "Ewiger Schnee". Wo der Schnee nicht permanent liegen bleibt, bildet sich eine tundraähnliche Vegetation aus. Blanker Fels, Schutt und Geröll sind weitere bestimmende Landschaftselemente. Erste Pionierpflanzen sind Algen, Flechten und Moose. Es folgen dann zumeist langsam wachsende, mehrjährige Blütenpflanzen, wie Gletscher-Hahnenfuß (Ranunculus glacialis), Alpen-Grasnelke (Armeria alpina), Schweizer Mannsschild (Androsace helvetica), Dolomiten-Fingerkraut (Potentilla nitida) und Himmelsherold (Eritrichium nanum).

Tierwelt: Die Schneemaus (Chionomys nivalis) wurde am Mont Blanc bis zu einer Höhe von 4'700 m.ü.M. festgestellt. Alpensteinbock, Alpengemse, Schneehase, Alpenmurmeltier und Hermelin kommen bis über 3'000 m.ü.M. vor. Vögel der nivalen Stufe und der Felswände sind das Alpenschneehuhn, von dem schon einmal ein Nest auf 4'195 m Höhe gefunden wurde, der Schneesperling (Montifringilla nivalis), der bis auf 3'490 m.ü.M. brütet, ferner Alpenbraunelle (Prunella collaris) und Mauerläufer. Beinahe so hoch steigen Alpendohle, Hausrotschwanz, Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe), Turmfalke und Steinadler, dessen Hauptbeute während des Sommerhalbjahrs das Murmeltier ist.

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Alpine Stufe - Rasen, Zwergsträucher und Legföhren

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Steingeiß (Capra ibex ibex) im natürlichen Lebensraum. Burgfeldstand, Berner Oberland, ca. 2'000 m.ü.M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Einjähriges Steinwild (Capra ibex) am Niederhorn auf ca. 2'000 m Höhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Alpengemsen (Rupicapra r. rupicapra) an der Ofenpass-Straße, Schweiz. Nationalpark, ca. 1'900 m.ü.M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Alpensteinböcke am Augstmatthorn, Berner Oberland, ca. 2'000 m.ü.M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Die alpine Stufe befindet sich oberhalb der Waldgrenze. Sie beginnt bei etwa 1'800-2'100 m.ü.M.. Im oberen Bereich liegt ein blumenreicher Rasengürtel mit z.B. Edelweiß, Alpen-Enzian (Gentiana alpina), Alpenglöckchen (Soldanella spp.) oder Glockenblumen. Darauf folgt ein Gürtel mit Zwergsträuchern, wie Alpenrosen (Rhododendron ferrugineum, R. hirsutum), Zwerg-Wacholder (Juniperus sibirica) oder Heidelbeere (Vaccinium myrtillus). Weiter unten ein Gürtel mit Großsträuchern - Legföhre oder Latschenkiefer und Alpenerle (Alnus viridis viridis). Selbstverständlich hat es auch hier Fels, Schutt und Geröll.

Tierwelt: Nebst den Tieren, die sich bis in die nivale Stufe vorwagen, leben hier Rothirsch, Mauswiesel (Mustela nivalis), Rötelmaus (Clethrionomys glareolus), Feldmaus (Microtus agrestis), Alpenspitzmaus (Sorex alpinus), Gartenschläfer, Feldlerche, Steinrötel (Monticola saxatilis), Bachstelze (Motacilla alba), Bergpieper (Anthus spinoletta), Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Felsenschwalbe (Ptyonoprogne rupestris), Steinadler, Alpenschnee- und Steinhuhn. Die Waldeidechse (Lacerta vivipara) wurde im Urnerland auf 2'985 m.ü.M. nachgewiesen, die Kreuzotter im Puschlav bis 2'697 m, die Aspisviper im Wallis bis 2'450 m. Das höchste Laichgewässer des Grasfroschs liegt auf 2'775 m.ü.M.

Important Bird Areas im deutschsprachigen Raum (Die IBAs in den Alpen erstrecken sich jeweils über mehrere Vegetationsstufen): Ammergauer Berge (DE268), Nationalpark Berchtesgaden (DE260), Karwendel und Karwendel-Vorgebirge (DE267), Hohe Tauern (AT039), Niedere Tauern (AT046), Nockberge-Nationalpark (AT049), Kaisergebirge (AT050), Nördliche Kalkalpen (AT033), Silvretta und Verwall (AT052), Aletsch-Region (CH023), Augstmatthorn (CH018), Bergell (CH031), Heinzenberg (CH024), Schweizer Nationalpark und Unterengadin (CH025), Piora-Dötra (CH027), Simplon (CH026), Mattertal (CH022).

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Subalpine Stufe - Nadelwald

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Rotwild (Cervus elaphus) im Bergföhrenwald (Pinus montana). Stabelchod, Schweiz. Nationalpark, ca. 1'850 m.ü.M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Rothirschkuh (Cervus elaphus) im Bergföhrenwald des Val Trupchun, Schweiz. Nationalpark ca. 1'900 m.ü.M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Alpenmurmeltier (Marmota marmota) vor seinem Bau im Val Trupchun, Schweiz. Nationalpark ca. 1'900 m.ü.M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Die Subalpine Stufe reicht von der oberen Grenze des Laub- bzw. Mischwaldes auf etwa 1500 m bis zur Waldgrenze. Sie ist durch boreale Nadelwälder charakterisiert, die je nach Standort von Fichte, Engadinerföhre (Pinus silvestris engadinensis), Bergföhre, Lärche oder Arve (Pinus cembra) dominiert sind. Bei den Fichtenwäldern löst sich mit zunehmender Höhenlage das Kronendach auf, die Bäume werden schlanker, was die Schneelast reduziert, und wachsen in Rotten unterschiedlich alter Individuen. Lärchen und Arven wachsen in reinen Beständen oder als Lärchen-Arvenwald.

Tierwelt: Alpengemse, Rothirsch, Reh (während des Sommers), Braunbär, Eurasischer Luchs, Wolf, Rotfuchs, Baum- und Steinmarder, Hermelin, Mauswiesel (Mustela nivalis), Fischotter, Alpenschneehase, Alpenmurmeltier, Eichhörnchen, Gartenschläfer, Rötelmaus (Clethrionomys glareolus), Kurzohrmaus (Microtus subterraneus), Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis), Birkhuhn, Sperlingskauz, Raufusskauz, Schwarzspecht, Dreizehenspecht (Picoides tridactylus), Ringdrossel (Turdus torquatus), Berglaubsänger (Phylloscopus bonelli), Zilpzalp (P. collybita), Kleiber, Waldbaumläufer (Certhia familiaris), Zitronenzeisig (Carduelis citrinella), Hänfling (Carduelis cannabina), Birkenzeisig (Acanthis flammea), Fichtenkreuzschnabel, Gimpel , Mönchs-, Tannen- und Haubenmeise (Parus montanus, P. ater, P. cristatus), Tannenhäher.

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Submontane und Montane Stufe - verschiedene Waldtypen

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Föhrenwald (Pinus silvestris) Pfynwald, Kt. Wallis, submontane Stufe, ca. 700 m.ü.M © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Föhrenwald (Pinus silvestris) Pfynwald, Kt. Wallis, submontane Stufe, ca. 700 m.ü.M © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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MIschwald mit Sturmschäden auf Blockschutt im Natur- und Tierpark Goldau, ca. 530 m.ü.M © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Die montane Stufe wird nach oben durch die Obergrenze des Rotbuchen-, nach unten durch die des Eichen-Vorkommens begrenzt. Je nach klimatischen Bedingungen und Bodenbeschaffenheit kommen hier die unterschiedlichsten Waldtypen vor: Laubwälder, Tannen-Buchen-Mischwälder, Fichten-, Tannen-Fichten- und Föhrenwälder. Auf der Alpensüdseite reichen die Kastanienselven (Castanea sativa) bis in die montane Stufe hinein. Besonders attraktiv sind der Blockschutt-Tannen-Fichtenwald, wie er etwa im Bergsturzgebiet des Natur- und Tierparks Goldau auftritt, und die Föhrenwälder, die mit ihren lichtdurchlässigen Kronen das Vorkommen einer reichhaltigen Strauch- und Krautschicht und einer vielfältigen Tierwelt begünstigen.
        
Tierwelt: Braunbär, Wolf, Europäische Wildkatze (nur Ostalpen), Luchs, Fischotter, Auerhuhn und Haselhuhn, Uhu, Waldkauz, Raufußkauz, Waldschnepfe (Scolopax rusticola), und viele weitere Arten, die auch in der kollinen Stufe vorkommen. In lichten Föhrenwäldern, wie dem Pfynwald im Mittelwallis (550 mm Jahresniederschlag) finden zahlreiche Reptilien Lebensräume, so Ringel-, Äskulap- und Glattnattern, Aspisvipern, Smaragd- und Mauereidechsen.

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Mittelgebirge

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Blick vom Creux-du-Van (ca. 1'250 m.ü.M.), Neuenburger Jura © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Natürlicher Fichtenwald, Col du Marchairuz, 1'400 m.ü.M. Waadtländer Jura © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Zerklüftete Felsformationen im Elbsandsteingebirge © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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"Waldsterben" auf dem 1'012 m hohen Ještěd im tschechischen Jeschkengebirge, 1991 © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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"Waldsterben" auf dem 1'012 m hohen Ještěd im tschechischen Jeschkengebirge, 1991 © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Mittelgebirge haben in unserem Gebiet eine Höhe bis zu etwa 1'800 m. Sie sind nicht vergletschert und meistens bis in die höchsten Lagen bewaldet. Im deutschen Sprachraum gehören dazu alle Gebirge mit Ausnahme der Alpen, wie Bayerischer Wald, Böhmerwald, Eifel, Elbsandsteingebirge, Elstergebirge, Erzgebirge, Fichtelgebirge, Fränkische Alb, Harz, Hunsrück, Hoher Meissner, Knüll, Pfälzer Wald, Odenwald, Rhön, Rothaargebirge, Schwäbische Alb, Schwarzwald, Sudeten, Taunus, Thüringer Schiefergebirge, Thüringer Wald, Vogelsberg, Zittauer Gebirge. Auch die Ardennen, die Vogesen, das Massif Central und der Jura sind Mittelgebirge.

Bis etwa 1000 m.ü.M. stehen Buchenwälder, ab 700 m.ü.M. auch Tannen-Rotbuchenwälder und natürliche Fichtenwälder. In vielen Mittelgebirgen wurden die natürlichen Wälder durch Fichtenforste ersetzt. Diese Monokulturen sind besonders anfällig für das sogenannte "Waldsterben", das in den 1980er Jahren eines der bedeutendsten Umweltthemen war. Als Hauptursache für die Waldschäden, die sich in Schäden am Wurzelsystem und Nadelverlust bzw. bei Laubbäumen in Auflichtungen des Kronenbereichs manifestieren, wurde Luftverschmutzung durch Schadstoffe aus Industrie und Bergbau und dadurch verursachter saurer Regen festgemacht. Geschädigte Bäume sind auch anfälliger für Schädlinge wie Borkenkäfer, von denen der Buchdrucker (Ips typographus) der wichtigste ist. Einige der dem Wald zusetzenden Schadfoktoren wurden seit den 1980er Jahren eliminiert oder verringert. Als Folge von durch den Klimawandel bedingter Erwärmung und zunehmender Trockenheit, was namentlich den Rotbuchen zu schaffen macht, sowie häufiger auftretenden Stürmen, leidet der Wald aber weiterhin. Besonders stark betroffen sind z.B. Harz, Riesengebirge, Erzgebirge, Jeschkengebirge, Thüringer Wald und Sächsische Schweiz.

Tierwelt: Das Säugetierspektrum ist ähnlich dem der Alpen. Ausgesprochene Hochgebirgstiere, wie Schneemaus, Schneehase, Alpensteinbock und Alpenmurmeltier fehlen, außer an einzelnen Stellen, wo die beiden letzteren angesiedelt wurden. Die Wildkatze ist in den Mittelgebirgen weit verbreitet, auch die Aspisviper kommt hier vor. Alpengemse und Eurasischer Luchs waren in den Mittelgebirgen in der Regel ausgerottet, wurden aber mit Erfolg wiederangesiedelt. Wölfe  werden namentlich in Frankreich wieder festgestellt, der Braunbär fehlt noch. Das Massif Central ist ein Schwerpunkt für den Gänsegeier, auch Schmutzgeier nisten hier.

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Nationalparks in den Alpen und Mittelgebirgen Zentraleuropas

 

Deutschland

  • Nationalpark Berchtesgaden: Bayern, bestehend seit 1978. Nördliche Kalkalpen. 208 km². Höchster Punkt: Watzmann (2'713 m)
  • Nationalpark Bayerischer Wald: Bayern, bestehend seit 1970. Bayerischer- / Böhmerwald. 248.5 km². Höchster Punkt: Großer Rachel (1'453 m)
  • Nationalpark Harz: Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, seit 2006. Oberharz. 247 km². Höchster Punkt: Brocken (1'141 m)
  • Nationalpark Schwarzwald: Baden-Württemberg, 2014. Nordschwarzwald. 101 km². Höchster Punkt: Dreifürsten (1'150 m)
  • Weitere Mittelgebirgs-Nationalparks, dere höchste Punkte deutlich unter 1'000 m liegen, sind Eifel, Hainich, Hunsrück-Hochwald, Kellerwald-Edersee und Sächsische Schweiz.

Östereich

  • Nationalpark Hohe Tauern: Kärnten, seit 1981, Salzburg, seit 1983, Tirol, seit 1992. Zentralalpen. 1856 km². Höchster Punkt: Großglockner (3'798 m)
  • Nationalpark Kalkalpen: Oberösterreich, seit 1997. Voralpen. 208 km². Höchster Punkt: Hoher Nock (1'963 m)
  • Nationalpark Gesäuse: Steiermark, seit 2002. Ennstaler Alpen. 121 km². Höchster Punkt: Hochtor (2'369 m)

Schweiz

  • Schweizerischer Nationalpark
  • UNESCO Weltnaturerbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn: Kantone Bern und Wallis, anerkannt seit 2001. Zentralalpen. 824 km². Höchster Punkt Finsteraarhorn (4'273 m).
  • UNESCO-Biosphärenreservat Engiadina-Val Müstair. Bestehend seit 1979 mit dem Schweizerischen Nationalpark (1914) als Kernzone, Val Müstair seit 2011 Regionaler Naturpark. 2010 und 2017 erweitert. Zentralapen. 371 km². Höchster Punkt: Piz Murtaröl (3'180 m).
  • UNESCO-Biosphärenreservat Entlebuch: Kt. Luzern, bestehend seit 2001, seit 2008 auch Regionaler Naturpark. Emmentaler Alpen bzw. Zentralschweizer Voralpen. 397 km². Höchster Punkt: Brienzer Rothorn ( 2'350 m).

Frankreich

  • Nationalpark Vanoise: Departement Savoyen. Westalpen, bestehend seit 1963. 1'480 km². Höchster Punkt: Pointe de la Grande Casse (3855 m)
  • Nationalpark Écrins: Departemente Hautes-Alpes und Isère. Westalpen, bestehend seit 1973. 1'786 km2 . Höchster Punkt: Barre des Ècrins (3'102 m)
  • Nationalpark Mercantour: Departemente Alpes-Maritimes und Alpes-de-Haute-Provence. Westalpen, bestehend seit 1979. 2'150 km2. Höchster Punkt: Cime du Gélas (3'143 m). Kooperation mit dem Naturpark Alpi Marittime
  • Nationalpark Cevennen: Departemente Gard, Lozère, Ardèche, Aveyron. Massif central, bestehend seit 1970. 3'213 km². Höchster Punkt: Mont Lozère (1699 m)

Italien

  • Nationalpark Gran Paradiso
  • Nationalpark Val Grande: Region Piemont. Westalpen, bestehend seit 1992. 146 km². Höchster Punkt: Monte Togano (2'310 m)
  • Nationalpark Stilfserjoch: Autonome Provinzen Bozen-Südtiro und Trient, Provinzen Brescia und Sondrio  der Region Lombardei. Ostalpen, bestehend seit 1935. 1'346 km². Höchster Punkt: Ortler (3'905 m)
  • Nationalpark Belluneser Dolomiten. Provinz Belluno, bestehend seit 1988. Südliche Kalkalpen. 315 km². Höchster Punkt ca. 2'500 m
  • Parco naturale delle Alpi Marittime: Region Piemont. Westalpen, bestehend seit 1980. 278 km². Höchster Punkt: Monte Argentera (3'297 m). Kooperation mit dem Nationalpark Mercantour

Slowenien

  • Nationalpark Triglav: Nordwest-Slowenien, bestehend seit 1981. Julische Alpen. 838 km². Höchster Punkt: Triglav (2'864 m)

Tschechien

  • Nationalpark Šumava (Böhmerwald): Region Pilsen, bestehend seit 1991. 685 km², bildet mit angrenzendem Landschaftsschutzgebiet ein Biosphärenreservat von 1'670 km² Höchster Punkt: Plöckenstein (1'378 m)
  • Nationalpark Riesengebirge (Krkonošský národní park): Region Liberec, bestehend seit 1963. 363 km². Höchster Punkt Schneekoppe (1'602 m)

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Andere Europäische Gebirge [bearbeiten]

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Literatur und Internetquellen

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Gelesen 8109 mal Letzte Änderung am Dienstag, 13 Juli 2021 13:34
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx